Aktuelle Zahlen zum Engagement in Deutschland

Malteser Ehrenamtsmonitor

Aktuell und repräsentativ

Der Ehrenamtsmonitor misst den Puls der Gesellschaft beim Thema ehrenamtliches Engagement. Dreimal jährlich ermittelt das Befragungsinstitut YouGov im Auftrag der Malteser durch repräsentative Kurzumfragen die Sicht der Bevölkerung auf wichtige gesellschaftliche Fragen mit Bezug zum Ehrenamt.

Als eine der großen Hilfsorganisationen in Deutschland sind die Malteser interessiert daran, die Ansichten und Einstellungen der Menschen besser zu verstehen, um so noch bessere Hilfs- und Unterstützungsangebote machen zu können. 

Beim aktuellen Ehrenamtsmonitor geht es um ehrenamtliches Engagement in Zeiten des Ukraine-Kriegs. 

Vergangene Ausgaben des Malteser Ehrenamtsmonitors finden Sie in unserem Archiv.

Ehrenamtsmonitor #2: Trotz Sorgen in Krisenzeiten: Bereitschaft zum Ehrenamt unverändert

Im März 2022 befragte YouGov im Auftrag der Malteser mehr als 2.000 Volljährige in Deutschland. Die Auswertung ist repräsentativ für die volljährige Gesamtbevölkerung in Deutschland. Die Malteser wollten von den Menschen in Deutschland wissen, wie stark aktuelle krisenhafte Herausforderungen, insbesondere der Krieg in der Ukraine, ihr Sicherheitsgefühl beeinträchtigen und welche Rolle sie dem Ehrenamt und dem persönlichen Engagement bei deren Bewältigung beimessen.

Wichtigste Ergebnisse:

•    Große Hilfsbereitschaft: Der Ansporn, den vom Ukraine-Krieg betroffenen Menschen zu helfen, ist groß
•    Gesellschaftliche Krisen: Mit der Besorgnis steigt der Stellenwert von ehrenamtlichem Engagement
•    Ehrenamt: Spontan hilfsbereit, aber nicht langfristig engagiert
•    Bevölkerungsschutz: Ehrenamtliche Strukturen zu stärken ist wichtiger als eine Dienstpflicht

Ehrenamtsmonitor #2: Wichtigste Ergebnisse

Große Hilfsbereitschaft

Die Menschen in der Ukraine sowie die Geflüchteten, die das Land verlassen mussten, benötigen schnelle, direkte Hilfe. Nicht-staatliche Hilfsorganisationen wie die Malteser ermöglichten durch ihre vorhandenen Strukturen eine kurzfristige Hilfe für die Betroffenen. Diese ehrenamtlich geprägten Hilfsorganisationen erfahren im Einsatz in der Ukraine-Krise eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit. Das breite Engagement der Hilfsorganisationen wurde bei der Mehrheit der Bevölkerung deutlich wahrgenommen. Insbesondere gilt dies für die Versorgung mit Essen und Hilfsgütern im Kriegsgebiet sowie die Unterstützung bei Erstversorgung und Unterbringung in Deutschland. 

Inwieweit haben Sie in den letzten Wochen konkret wahrgenommen, dass nicht-staatliche ehrenamtliche Hilfsorganisationen bei der Bewältigung der durch den Krieg in der Ukraine entstandenen humanitären Notlage mitwirken?

In der Ukraine-Krise fühlt sich die Mehrheit der Befragten (67 %) gut informiert, wie sie selbst auch helfen können. Entsprechend groß ist die Hilfsbereitschaft. Knapp die Hälfte der Befragten hatte zum Befragungszeitraum Mitte März bereits etwas unternommen, um Betroffene zu unterstützen. Geld- und Hilfsgüterspenden waren mit 27 % bzw. 17 % die häufigsten Aktivitäten. 

Die Hilfsbereitschaft ist damit nicht erschöpft. Jeweils 30 % der Befragten können sich vorstellen, die Betroffenen weiterhin mit einer Spende von Geld und Hilfsgütern zu unterstützen. Vor dem Hintergrund der Aufnahme und Integration von Geflüchteten ist gerade die Bereitschaft da, Geflüchteten am Wohnort zu helfen. 13 % der Befragten können sich vorstellen, Geflüchtete persönlich bei der Integration zu begleiten. Fast genauso viele (11 %) würden sich beim Aufbau oder der Betreuung von Sammelunterkünften engagieren. 

Wie haben Sie vom Ukraine-Krieg Betroffenen bereits geholfen – und wie könnten Sie sich vorstellen, (erneut) zu helfen? 


Gestiegene Sorge – und mehr Bedeutung fürs Ehrenamt

Krieg in der Ukraine, Corona-Pandemie oder die Hochwasserkatastrophe an Ahr und Erft – die Gesellschaft ist derzeit bedeutenden Krisen ausgesetzt. Für fast alle abgefragten Themen glauben die Befragten, dass die Gesellschaft in Deutschland stärker herausgefordert ist als noch vor einigen Jahren. Insbesondere bei Migration und Zuwanderung (76 %), Pandemien (75 %) und mangelndem gesellschaftlichem Zusammenhalt (72 %) machen sich die Befragten größere Sorgen als früher. Lediglich für Naturkatastrophen ist die Sorge gegenüber dem im September 2021 (kurz nach dem Hochwasser an Ahr und Erft) veröffentlichten ersten Ehrenamtsmonitor nicht gestiegen.

Zur Bewältigung der genannten Gefährdungsszenarien hält die Mehrheit der Befragten das Ehrenamt für noch wichtiger als bisher. Unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs messen die Befragten vor allem bei den Themen öffentliche Sicherheit (von 51 % im September 2021 auf 64 %), Migration bzw. Zuwanderung (von 48 % auf 65 %) und demografischer Wandel (von 54 % auf 59 %) dem Ehrenamt deutlich mehr Bedeutung bei als im Ehrenamtsmonitor von September 2021. 

Zur Bewältigung der gesellschaftlichen Gefährdungsszenarien wird das Ehrenamt immer wichtiger. 


Engagementbereitschaft zeigt sich kaum verändert

Während ehrenamtliches Engagement bei Krisen insgesamt als wichtiger eingeschätzt wird, bleibt die Bereitschaft, sich selbst zu engagieren auf dem Niveau des vorherigen Monitors. Grundsätzlich ist bei über einem Viertel der Menschen in Deutschland die Bereitschaft zum Ehrenamt durch die jüngsten Krisen gestiegen. Der Anteil derer, deren Engagementbereitschaft sogar stark gestiegen ist, beträgt 8 % (gegenüber 5 % im September 2021). Bei 54 % der Befragten hat sich die persönliche Bereitschaft sich ehrenamtlich zu engagieren nicht geändert. Im September 2021 war dies noch bei 57 % der Menschen in Deutschland der Fall. Bei 6 % der Befragten ist die eigene Bereitschaft sich zu engagieren gesunken.

Hat sich Ihre persönliche Bereitschaft, sich selbst ehrenamtlich zu engagieren, angesichts der jüngsten Ereignisse, z.B. Pandemie und Hochwasser, verändert? 

Rund ein Drittel der Befragten ist bereit, spontan zu entscheiden, ob sie mithelfen können und wollen, möchte sich jedoch nicht langfristig an eine Organisation binden. Nur 7 % der Befragten würden sich regelmäßig in einer Hilfsorganisation engagieren – dies entspricht der Zahl aus dem Ehrenamtsmonitor im September 2021. Unter den jüngeren Befragten (18-34 Jahren) ist die Bereitschaft sich regelmäßig zu engagieren besonders hoch (14 %). Dagegen würden 28 % aller Befragten selbst keine der genannten ehrenamtlichen Tätigkeiten übernehmen.

Welche der folgenden ehrenamtlichen Aktivitäten zur Bewältigung von gesellschaftlichen Krisen oder Naturkatastrophen wären Sie bereit zu übernehmen? 


Bevölkerungsschutz: Ehrenamt stärken ist wichtiger als Dienstpflicht

Durch den Krieg in der Ukraine befürworten die Menschen in Deutschland mehrheitlich, dass in der sicherheitspolitischen Debatte der Bevölkerungsschutz überdacht wird: Eine generelle Stärkung der im Katastrophenschutz tätigen ehrenamtlichen Hilfsorganisationen befürworten 76 % der Befragten. 62 % der Befragten spricht sich dafür aus, dass ein neuer ehrenamtlicher Dienst geschaffen wird, in dem sich Menschen aller Altersstufen für Aufgaben im Bevölkerungsschutz qualifizieren und organisiert helfen können. Die geringste Zustimmung (56 %) findet die Wiedereinführung einer allgemeinen Dienstpflicht nach der Schulzeit, vergleichbar mit Wehrpflicht oder Zivildienst.

Die aktuelle sicherheitspolitische Diskussion richtet sich auch auf die Stärkung des Zivilschutzes. Welche der folgenden Maßnahmen würden Sie befürworten? 

Ehrenamtsmonitor #2: Erkenntnisse

Die Menschen in Deutschland zeigen in Krisen eine große spontane Hilfsbereitschaft. Gleichzeitig müssten mehr Menschen bereit sein, sich regelmäßig und organisiert zu engagieren.
Kurzfristige Hilfsbereitschaft reicht nicht aus, wo Zeit und Qualifikationen erforderlich sind, um wirkungsvoll helfen zu können. Daher müssen die auf langfristiges Engagement angelegten Strukturen im Bevölkerungsschutz gestärkt werden, damit diese im Notfall zur Verfügung stehen. Es bedarf nicht-staatlicher Hilfsorganisationen, bei denen sich die Bürgerinnen und Bürger innerhalb
ihrer Möglichkeiten und Interessen für Andere ehrenamtlich engagieren können. 

Die Menschen in Deutschland erkennen die Leistung von Hilfsorganisationen wie den Maltesern an und wünschen sich eine deutliche Stärkung der im Zivilschutz tätigen Hilfsorganisationen. 
Hilfsorganisationen wie die Malteser agieren in Krisen als Auxiliar des Staates. Als Mittler zwischen Staat und Ehrenamtlichen können Hilfsorganisationen die Bürgerinnen und Bürger zur Selbst- und Mithilfe animieren und anleiten – zum Wohle aller. Die aktuellen Krisen haben gezeigt, wie wichtig die gut ausgebildete und rasch einsatzbereite Reserve der Hilfsorganisationen im Notfall ist. Hier müssen Wege gefunden werden, um den Einstieg in ein regelmäßiges ehrenamtliches Engagement zu erleichtern. Die Malteser arbeiten intensiv daran, bestmögliche Engagementbedingungen zu schaffen und so noch mehr Menschen für das Ehrenamt zu begeistern und einen Einstieg ins regelmäßige ehrenamtliche Engagement deutlich zu vereinfachen. Dafür steht die Einladung, sich kennenzulernen, auszuprobieren und mit den Maltesern zu engagieren: Fass dir ein Herz.

Breite Akzeptanz für einen neuen Gesellschaftsdienst auf ehrenamtlicher Basis im Bevölkerungsschutz 
Durch den Krieg in der Ukraine ist es aus Sicht der Malteser in Deutschland dringender denn je, einen neuen ehrenamtlichen Dienst speziell für den Bevölkerungsschutz zu etablieren. Dies findet breite Unterstützung in der Bevölkerung. Es ist an der Politik die dafür notwendigen Voraussetzungen zu schaffen und bestehende Strukturen zu stärken. Das Konzept der Malteser zum „Gesellschaftsdienst im Bevölkerungsschutz“ sieht auf Basis einer vierjährigen freiwilligen Selbstverpflichtung ein abgestuftes Modell zur präventiven Gewinnung und Qualifizierung von dauerhaft aktiven Einsatzkräften und Spontan-Helfern vor. Nach einer gemeinsamen Grundqualifizierung können die Interessierten eine Fachqualifizierung speziell im medizinischen und pflegerischen Bereich durchlaufen.

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