Aktuelle Zahlen zum Engagement in Deutschland

Malteser Ehrenamtsmonitor

Aktuell und repräsentativ

Der Ehrenamtsmonitor misst den Puls der Gesellschaft beim Thema ehrenamtliches Engagement. Dreimal jährlich ermittelt das Befragungsinstitut YouGov im Auftrag der Malteser durch repräsentative Kurzumfragen die Sicht der Bevölkerung auf wichtige gesellschaftliche Fragen mit Bezug zum Ehrenamt.

Als eine der großen Hilfsorganisationen in Deutschland sind die Malteser interessiert daran, die Ansichten und Einstellungen der Menschen besser zu verstehen, um so noch bessere Hilfs- und Unterstützungsangebote machen zu können. 

Beim aktuellen Ehrenamtsmonitor geht es um die Digitalisierung als Chance für das Ehrenamt. 

Vergangene Ausgaben des Malteser Ehrenamtsmonitors finden Sie in unserem Archiv.

Ehrenamtsmonitor #3: Digitalisierung als Chance für das Ehrenamt

Die Pandemie hat den Einzug der Digitalisierung in immer mehr Bereiche des Lebens weiter beschleunigt. Digitale Möglichkeiten können auch ehrenamtliche Tätigkeiten erleichtern oder sinnvoll ergänzen. Darum haben die Malteser den dritten Malteser Ehrenamtsmonitor unter das Thema „Digitales Ehrenamt“ gestellt. Im Juli 2022 befragte YouGov im Auftrag der Malteser mehr als 2.000 Volljährige in Deutschland, nach der Bekanntheit und den Vorteilen eines digitalen Engagement. Jeder Ehrenamtsmonitor erhebt außerdem, welche Rolle die Menschen in Deutschland dem Ehrenamt bei der Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen beimessen und wie es um die Bereitschaft zum Engagement bestellt ist. Die Auswertung ist repräsentativ für die volljährige Gesamtbevölkerung in Deutschland.

Wichtigste Ergebnisse: 

  • Krisenbewältigung: Ehrenamtliches Engagement ist unter dem Eindruck aktueller Krisen für die Mehrheit der Menschen in Deutschland wichtiger geworden
  • Engagementbereitschaft: Viele sind spontan hilfsbereit, wenige sind langfristig engagiert  
  • Unbekannte Möglichkeiten: Das digitale Ehrenamt ist noch weitgehend unbekannt.
  • Ergänzung, nicht Verdrängung: Nur wenige ziehen ein digitales Engagement dem klassischen Ehrenamt vor. Aber viele sehen für sich auch Vorteile.

Ehrenamtsmonitor #3: Ergebnisse

Ehrenamt als Mittel zur Krisenbewältigung wird hoch geschätzt

Nachdem die beiden vergangenen Ehrenamtsmonitore von akuten Krisensituationen geprägt waren (bei Ausgabe 1 im September 2021 Corona-Pandemie und Flutkatastrophe an Ahr und Erft, bei Ausgabe 2 im April 2022 der Beginn des Ukraine-Kriegs), fand die aktuelle Befragung in der Ferienzeit und unter weniger akuten Krisenmeldungen statt. Aber auch in der dritten Ausgabe des Ehrenamtsmonitors sagen zwei Drittel der Menschen in Deutschland (67%), dass ehrenamtliches Engagement hinsichtlich des sozialen Zusammenhalts sowie bei Naturkatastrophen und Pandemien (sehr viel) wichtiger geworden ist. Auch für die Bewältigung der Folgen des demografischen Wandels, der Migration und für die öffentliche Sicherheit spielt für mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland das Ehrenamt in den letzten Jahren eine wichtigere Rolle.

Ist ehrenamtliches Engagement in Deutschland Ihrer Meinung nach in folgenden Bereichen während der letzten Jahre wichtiger geworden?


Engagementbereitschaft: Eher spontan helfen als organisiert engagiert

Obwohl die Mehrheit somit von der Bedeutung des Ehrenamts überzeugt sind, ist die Bereitschaft zum eigenen Engagement eher rückläufig. Aktuell sagen 21% der Befragten, dass ihre Bereitschaft zum Engagement (stark) gestiegen sei. Im April 2022 waren es noch 31%. Mehr als ein Drittel aller Teilnehmenden der Befragung (36%) würde sich allenfalls spontan zur Mitarbeit entscheiden wollen, 12% würden sich auch als Spontanhelfer registrieren lassen. Das bestätigt die Befunde der beiden ersten Ehrenamtsmonitore: Die Menschen in Deutschland sind hilfsbereit in Krisen, engagieren sich aber lieber spontan als regelmäßig und organisiert in festen Strukturen.

Welche der folgenden ehrenamtlichen Aktivitäten zur Bewältigung von gesellschaftlichen Herausforderungen wären Sie bereit unter Berücksichtigung Ihrer aktuellen Lebensumstände zu übernehmen? 


Die Möglichkeiten des digitalen Ehrenamts sind noch unbekannt

Im Mittelpunkt des dritten Malteser Ehrenamtsmonitors stehen Möglichkeiten des digitalen Ehrenamts, das die freiwillige und unentgeltlich zeit- und ortsunabhängig online geleistet werden kann. Neben Social-Media-Arbeit und Webseiten-Gestaltung zählen dazu beispielsweise auch digitale Kampagnenarbeit, IT- und Projektmanagement, aber auch digitales Mentoring und Online-Beratungen.

Digitale Kompetenz ist heute kein ernsthaftes Hindernis mehr bei der Frage, ob sich jemand digital engagieren kann. Die meisten der Befragten (87%) fühlen sich dabei im Umgang mit digitalen Geräten (eher/ sehr) sicher. Das gilt insbesondere für die jüngeren Befragten, die auch digitalen Mobilgeräte wie Smartphone und Tablet überdurchschnittlich lange nutzen. Ein Hindernis ist dagegen der Faktor „Wissen“: Knapp die Hälfte der Befragten hat bis heute noch nie von der Möglichkeit gehört, sich digital ehrenamtlich engagieren zu können. Nur drei Prozent sind bereits digital engagiert.

Wie bekannt ist Ihnen der Begriff "digitales Engagement"?

Das offensichtliche Informationsdefizit geht einher mit mangelndem Wissen über die Möglichkeiten, wie man sich digital engagieren könnte. 61% der Befragten, die sich noch nicht digital engagiert haben, wüssten auch nicht, wie sie dies tun könnten.

Wissen Sie heute bereits, wie Sie sich digital engagieren könnten?


Digitales Ehrenamt ist eher Ergänzung als Ersatz – und hat auch Vorteile

Interesse an digitalen Formen des Engagements besteht durchaus. Knapp ein Viertel der Befragten kann sich ein digitales Ehrenamt genauso gut vorstellen wie ein klassisches Engagement. Ebenso viele Befragte gäben dem klassischen Ehrenamt vor Ort den Vorzug. Aber nur 6% würden sich ausschließlich digital engagieren wollen. Es ist somit weniger von einer Verdrängung als von einer Ergänzung zu klassischen Engagementformen auszugehen.

Welche Form von Ehrenamt können Sie sich vorstellen auszuüben: Digitales Engagement oder Ehrenamt vor Ort?

Bei den Vorzügen eines digitalen Engagements werden zuerst zeitliche Flexibilität (37%), die Möglichkeit, neue Erfahrungen zu machen (22%) und die Vereinbarkeit mit Beruf oder Studium (19%) genannt. 19% der Befragten sehen auch einen größeren konkreten Nutzen für Hilfsbedürftige als Pluspunkt digitaler Hilfsangebote an.

Was sind Ihrer Meinung nach für Ehrenamtliche die persönlichen Vorteile eines digitalen Engagements gegenüber einem klassischen Ehrenamt?

Ehrenamtsmonitor #3: Erkenntnisse

Die Malteser haben es sich als eine der großen Hilfsorganisationen in Deutschland zur Aufgabe gemacht, möglichst viele Menschen für ein Ehrenamt zu begeistern und Hürden abzubauen. Das digitale Ehrenamt kann dabei eine Rolle spielen. Es bietet im Vergleich zum klassischen Ehrenamt mehr zeitliche Flexibilität und spricht gerade jüngere Menschen an. Gleichzeitig sind digitale Möglichkeiten sich zu engagieren derzeit noch wenig bekannt.

Digitales Ehrenamt kann das klassische Ehrenamt sinnvoll ergänzen: Auch als Antwort auf den aktuellen Ehrenamtsmonitor werden die Malteser ihre Hilfen für Menschen in Not zukünftig auch mit digitalen Mitteln gestalten. Beispiele aus dem Corona-Lockdown oder die digitale Trauerbegleitung „Via“ (www.via-app.org) zeigen, dass digitale Angebote Nachfrage finden. Als Ergänzung zur Trauerbegleitung in Präsenz bietet Via eine längerfristige E-Mail-Begleitung für Trauernde durch qualifizierte Ehrenamtliche. Im zweiten Jahr des Bestehens hat sich die Nachfrage verdreifacht. 90 Prozent der Trauernden nehmen das Angebot anonym in Anspruch. Dass Wegezeiten entfallen und die Begleitung unter Corona-Auflagen möglich sind, sind weitere Pluspunkte.

Digitalisierung kann Engagement erleichtern: Hilfsorganisationen sollten die digitale Transformation in ihren ehrenamtlichen Diensten aktiv gestalten. Bei den Maltesern geschieht dies mit Förderung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe mit der Digitalisierungsinitiative „Zusammen.digital“. In bislang 17 wegweisenden Projekten werden neue digitale Angebote entwickelt und die IT-Kompetenz im Ehrenamt gefördert. Die Anforderungen der Ehrenamtlichen an die technische Einbindung, mobile Zusammenarbeit und Schulungsbedarfe werden erhoben, um diese bedarfsgerechter zu gestalten. Das so gewonnene Knowhow steht auch anderen beteiligten Partnerorganisationen zur Verfügung. Das versetzt die Hilfsorganisationen in die Lage, hilfsbedürftigen Menschen in Krisen und Notlagen noch besser helfen und die ehrenamtlich Aktiven noch besser unterstützen zu können.

www.malteser.de/zusammendigital.html

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