Vom Berufseinstieg zur Führungsverantwortung: Elena im Interview

Früher Trainee, heute Führungskraft bei den Maltesern

Beim Traineeprogramm der Malteser werden die Trainees gezielt auf eine Führungsrolle vorbereitet. Innerhalb von 18 Monaten durchlaufen sie verschiedene Stationen. Im Interview spricht die ehemalige Trainee Elena darüber, welche Stationen sie im Traineeprogramm durchlaufen hat und wie sie das Programm fachlich sowie persönlich vorangebracht hat.

Was machst du aktuell bei den Maltesern?

Ich bin stellvertretende Diözesan- und Bezirksgeschäftsführerin bei den Maltesern im Oldenburger Land. Das heißt, ich kümmere mich um diverse Geschäftsführungsthemen und bin verantwortlich für die verschiedenen Angebote – sowohl für unsere ehrenamtlichen als auch für unsere sozialunternehmerischen Dienste. 

Ehrenamtliche und sozialunternehmerische Dienste bei den Maltesern

Bei den Maltesern wird zwischen ehrenamtlichen und sozialunternehmerischen Diensten unterschieden.

Die ehrenamtlichen Dienste werden von freiwillig Engagierten geleistet. Sie sind unentgeltlich bzw. werden mit einer Aufwandsentschädigung vergütet. Im Fokus stehen gesellschaftlicher Zusammenhalt und die Hilfe vor Ort.

Die sozialunternehmerischen Dienste sind hauptamtlich organisiert und werden wirtschaftlich getragen. Sie sichern soziale Angebote nachhaltig. 

Was war deine Hauptmotivation, dich für das Traineeprogramm der Malteser zu bewerben?

Meine Hauptmotivation war eine Kombination aus verschiedenen Dingen. Zum einen war die Sinnhaftigkeit ein Anreiz – also, dass wir bei den Maltesern eine Arbeit mit Sinn machen. Zum anderen war es die Entwicklungsperspektive, die das Traineeprogramm bietet. Man hat die Möglichkeit, verschiedene Bereiche kennenzulernen. Darüber hinaus hat mich die Aussicht auf eine Führungsposition im Anschluss und die Tatsache, dass man gut auf diese vorbereitet wird, gereizt. 

Du hast im Laufe deines Traineeprogramms in verschiedenen Stationen gearbeitet. Welche waren das? 

Ich habe auf Diözesanebene angefangen, also da, wo ich nach wie vor bin. Erst mal habe ich das breite Portfolio an Diensten kennengelernt. Ich habe sowohl die ehrenamtlichen Dienste begleitet als auch die sozialunternehmerischen. Das heißt, ich bin im Menüservice mitgefahren und habe Essen ausgeliefert, oder war beim Fahrdienst dabei. Ich habe wirklich auf der operativen Ebene angefangen, um unsere Dienste kennenzulernen.

Außerdem hatte ich die Chance, drei Monate in der Malteser Zentrale in Köln zu sein. Dort konnte ich auch die bundesweite Perspektive kennenlernen. Das war eine sehr gute Gelegenheit für mich, auf allen drei Ebenen zu arbeiten, denn die Trainees sind in der Regel sehr stark in die Themen der Regionen eingebunden und lernen auch die anderen Diözesen und Bezirke kennen. Die Ebenen haben unterschiedliche strategische und thematische Schwerpunkte.  

Die verschiedenen Organisationsebenen bei den Maltesern

Bezirk: Die operative Ebene vor Ort (z. B. Stadt oder Landkreis). Hier werden die konkreten Dienste umgesetzt – vom Rettungsdienst bis zu sozialen Angeboten.

Region: Fasst mehrere Bezirke zusammen und sorgt für Koordination, Planung und strategische Steuerung. Sie unterstützt die Arbeit vor Ort und stimmt Angebote übergreifend ab.

Diözese: Übergeordnete Ebene auf Bistumsebene. Sie verantwortet die inhaltliche Ausrichtung, vertritt die Malteser nach außen und setzt den organisatorischen Rahmen für Regionen und Bezirke.

Zusammengefasst: Der Bezirk handelt vor Ort, die Region koordiniert mehrere Bezirke – und die Diözese gibt den übergeordneten Rahmen vor. 

Gibt es im Hinblick auf deine Projekte und Aufgaben im Traineeprogramm ein Highlight, das du herausheben möchtest? Was hast du dabei gelernt und wie profitierst du noch heute davon?

Mein Highlight ist, dass ich im Laufe der Zeit wirklich Verantwortung übertragen bekommen habe. Schon als Trainee hatte ich das Gefühl, ernst genommen zu werden. Ich durfte eigenständig Themen bearbeiten, Fehler machen und mich auf Augenhöhe mit den anderen austauschen.  

Wie hat die Kombination aus praktischen Einsätzen und Weiterbildungen (z.B. Seminare, Coachings) deine fachlichen und persönlichen Kompetenzen gestärkt, die dir in deiner jetzigen Führungsposition zugutekommen?

Das war extrem wertvoll. Es gibt im Traineeprogramm Seminare, die wir bei der Akademie machen und auch persönliche Coachings. Ich fand es spannend, weil ich auf der einen Seite viel theoretischen Input bekommen habe und diesen auf der anderen Seite in den Einsatzbereichen gut anwenden konnte. Im Coaching kann man sehr gut die eigene Arbeit reflektieren oder auch bestimmte Herausforderungen besprechen, vor denen man vielleicht steht. Dadurch hatte ich persönlich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass ich alleingelassen werde.  

Es gibt immer eine Ansprechperson, allein schon durch das Mentorenprogramm. Denn jeder Trainee bekommt einen Mentor bzw. eine Mentorin an die Seite gestellt. Idealerweise sitzt der Mentor oder die Mentorin in einer anderen Diözese oder auf Regionsebene und hat etwas Abstand. So erhält man eine andere Perspektive oder kann auch Fragen oder Themen platzieren, über die man vor Ort vielleicht nicht unbedingt sprechen möchte. Das war für mich der Punkt, der mir während meines Traineeprogramms am meisten gebracht hat. 

Konntest du im Traineeprogramm ein Netzwerk mit den anderen Teilnehmenden, Führungskräften, Projektpartnern und Kolleginnen und Kollegen aufbauen, von dem du noch heute profitierst?

Ja, definitiv! Man bekommt früh die Chance, sich ein Netzwerk aufzubauen, weil man an so vielen verschiedenen Stationen mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch kommt. Und ich weiß gar nicht, wie oft ich schon darauf zurückgegriffen habe. Letzte Woche erst hatte ich wieder einen Moment, wo ich vor einer Fragestellung stand und nicht weiterkam. Also habe ich zum Telefon gegriffen, denn genau über dieses Thema hatte ich mich schon einmal mit jemandem unterhalten. Wenn man die Leute schon kennengelernt oder mit ihnen gearbeitet hat, ist die Hemmschwelle anzurufen oder eine Mail zu schreiben, wesentlich geringer. In meiner jetzigen Position hilft mir das enorm. 

Gibt es Bereiche oder auch Kompetenzen, in denen du dich – vielleicht auch überraschend - weiterentwickeln konntest?

Ja, das Traineeprogramm hat meine Selbstsicherheit erhöht. Ich erinnere mich daran, als ich die Stellvertretungsrolle frisch übernommen hatte, dass ich noch etwas unsicher war und mich lieber rückversichert habe, ob meine Entscheidung gut war. Inzwischen bin ich viel sicherer damit geworden, Entscheidungen zu treffen. Außerdem habe ich den kompletten Verband kennengelernt und verstehe auf allen Ebenen die Gesamtzusammenhänge besser. Das ist in meiner jetzigen Position sehr wichtig und trägt zu genau dieser Sicherheit bei. 

Wie hast du den Übergang als Trainee in deine jetzige Position erlebt?

Im Grunde fließend. Die Entscheidung darüber, wie der Übergang ablaufen wird, wurde schon während des Programms getroffen. Das Charmante: Schon als Trainee bekommen wir einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Dadurch fällt der Druck weg, dass man sofort wissen muss, wie es weitergeht. Es hat am Ende alles genauso funktioniert, wie wir es besprochen hatten und das war gut.  

Wie hat das Traineeprogramm dich auf deinem weiteren Weg bei den Maltesern beeinflusst?

Dadurch, dass ich diesen breiten Einblick in verschiedene Themen und Ebenen hatte, hat sich für mich schnell herauskristallisiert, wo ich mich in der Organisation sehe und wo ich meine Stärken am besten einsetzen kann. Das war eine bewusste Entscheidung meinerseits für genau die Führungsposition, in der ich jetzt bin. Als Trainee ist man stark an die Geschäftsführung angebunden und ich glaube, dass es ein großer Vorteil des Programms ist, diesen Führungsalltag kennenzulernen – mit allen Herausforderungen und Themen.  

Das Traineeprogramm bereitet auf operative Führungsaufgaben vor: Wie genau hat das Programm dich darauf vorbereitet?

Die Praxisnähe war hilfreich, um eine andere Perspektive einzunehmen und nicht nur mit der Geschäftsführung „mitzulaufen“. In den verschiedenen Diensten konnte ich direkt mitarbeiten und Herausforderungen miterleben – dabei werden Trainees genauso ernst genommen wie alle anderen. Viel lief über Feedback: Nach Aufgaben mit Verantwortung gab es Feedbackschleifen mit konkreten Tipps für das nächste Mal. Führung wurde zudem in Seminaren wie „Wertschätzend führen“ behandelt: Dort reflektiert man die eigene Rolle und lernt unterschiedliche Führungsstile kennen. Theorie und Praxis greifen so ineinander, inklusive Raum zum Ausprobieren. 

Welche Positionen hast du in deinem Karriereweg nach Ende des Traineeprogramms durchlaufen?

Nach dem Ende meines Traineeprogramms habe ich die ersten drei Monate eine Stelle als Projektreferentin für das Thema „Wirtschaftliche Entwicklung unseres Vereins“ übernommen, bis ich dann zusätzlich die Stellvertretung der Diözesan- und Bezirksgeschäftsführerin übernahm. Das Projekt begleite ich immer noch parallel zu meiner Stellvertretungsrolle. 

Wie sieht dein Alltag als junge Führungskraft bei den Maltesern aus? Was sind typische „Aufgaben“ in deiner Position?

Ich führe in meiner jetzigen Funktion verschiedene Bereiche wie beispielsweise die Breitenausbildung und interne Ausbildung. Das bedeutet: Ich habe die Mitarbeiterführung, bin aber auch fachlich nah am Dienst. Dann habe ich meine Projektstelle. Dadurch habe ich viel Kontakt ins Ehrenamt und arbeite an verschiedenen Themen. Dazu kommt die strategische Entwicklung, also die Fragen: Wo wollen wir strategisch hin? Mit welchen Themen befassen wir uns? Wo müssen wir Dinge verändern oder noch mal anpassen? Und dann fallen oft noch Aufgaben an, die ungeplant reinkommen, die der Alltag einfach so mit sich bringt.  

Welche Herausforderungen hast du gemeistert und wie bist du an deiner Position gewachsen?

Ich glaube, die größte Herausforderung ist, plötzlich Personalverantwortung zu haben. In den seltensten Fällen ist das während des Traineeprogramms schon der Fall. Mit Einstieg in meine Position war das etwas völlig Neues für mich. Niemand ist perfekt oder fängt als perfekte Führungskraft irgendwo an. Es gehört dazu, immer wieder etwas zu lernen und sich weiterhin Feedback einzuholen – sei es in Coachings, auf kollegialer Ebene oder über den Verbund.  

Welche Kompetenzen empfindest du in deiner Position als junge Führungskraft als besonders relevant?

Das sind für mich zwei Dinge. Einmal ist das Verständnis für die Malteser wichtig, also: Wie sind wir strukturiert? Wie funktionieren wir? Und dann ist die weiche Seite wichtig, also die Zusammenarbeit und Kommunikation mit den verschiedensten Menschen. Als Führungskraft muss ich auch Entscheidungen vermitteln, die nicht stets alle zufriedenstellen. Das gehört dazu. Da hilft es ungemein, auf die verschiedenen Angebote der Malteser zurückzugreifen und auf das Netzwerk aus dem Traineeprogramm.  

Wenn du auf deine gesamte Traineezeit zurückblickst: Was war für dich der größte Mehrwert – persönlich und beruflich?

Das war auf jeden Fall die Möglichkeit, verschiedene Bereiche und Aufgaben kennenzulernen und sich ausprobieren zu können, Verantwortung zu übernehmen, Fehler zu machen und ernst genommen zu werden. Wir hatten als Trainee Aufgaben mit Sinn. Ich finde nichts schlimmer, als wenn jemand eine Aufgabe bekommt, die nachher in irgendeiner Schreibtischschublade landet. Die Trainees können wirklich mitarbeiten, die Umsetzung beobachten oder sogar mitbegleiten und hinterher sagen: Daran habe ich mitgewirkt. 

Was würdest du jemandem sagen, der oder die darüber nachdenkt, sich für das Malteser Traineeprogramm zu bewerben?

Ich kann das Programm allen empfehlen, die Lust haben, Verantwortung zu übernehmen, Neues kennenzulernen, sich auszuprobieren und aktiv einzubringen. Es ist definitiv herausfordernd in einigen Situationen, Funktionen oder Projekten, aber es ist unglaublich bereichernd. Man kann sowohl fachlich als auch persönlich sehr viel aus dem Programm mitnehmen. Für mich war das nach meinem Studium genau der richtige Schritt und ich würde es genauso wieder tun.