Zusammenarbeit einer Koordinationskraft und Schulbegleiterin: Interview mit Monika und Daria
Eine Koordinationskraft und eine Schulbegleiterin erzählen von ihrer Zusammenarbeit
Monika ist Koordinationskraft im Schulbegleitdienst. Sie hilft Familien dabei, eine Begleitung für ihre Kinder mit Behinderung und/oder Beeinträchtigung zu finden. So erfahren die Kinder Teilhabe und können Kita oder Schule leichter meistern. Daria ist Schulbegleiterin. In der Nähe von Köln begleitet sie ein Grundschulkind. Im Interview sprechen Monika und Daria über ihre Jobs und ihre Zusammenarbeit.
Überblick:
- Daria, wie bist du zum Schulbegleitdienst gekommen?
- Welche Ausbildung hast du gemacht?
- Monika, wie bist du zu deiner Tätigkeit als Koordinationskraft im Schulbegleitdienst gekommen?
- Was sind deine Aufgaben als Fachkoordinatorin?
- Daria, was sind deine Aufgaben als Schulbegleiterin?
- In welchen Fällen benötigt ein Kind eine Schulbegleitung?
- Wie findet ihr heraus, welches Kind zu welcher Schulbegleitung passt und umgekehrt?
- Was passiert, wenn es nicht passt?
- Wie erleichtert dir die Zusammenarbeit zwischen Schulbegleitung und Fachkoordination deinen Arbeitsalltag?
- Was sind Herausforderungen in deinem Job?
- Was ist dein persönlicher Lieblingsmoment, an den du dich gerne zurückerinnerst?
Daria, wie bist du zum Schulbegleitdienst gekommen?
Daria: Meine Mutter arbeitet selbst an der Grundschule und dadurch bin ich auf eines der Kinder aufmerksam geworden, das eine Begleitung benötigt. Ich wollte gerne helfen und habe den Quereinstieg in die Schulbegleitung bei den Maltesern gewagt. Und so kam ich an mein Kind, das ich jetzt seit fast einem Jahr betreue.
Welche Ausbildung hast du gemacht?
Daria: Ich habe vorher in einem Büro gearbeitet und habe mich dann per Quereinstieg zur Schulbegleiterin qualifizieren lassen. Die Familie, deren Kind ich betreue, war schon länger auf der Suche nach einer Schulbegleitung und stand bereits mit den Maltesern in Verbindung. Auf diesem Weg bin ich zu der Hilfsorganisation gekommen.
Monika, wie bist du zu deiner Tätigkeit als Koordinationskraft im Schulbegleitdienst gekommen?
Monika: Voraussetzung für die Position als Koordinationskraft im Schulbegleitdienst ist eine pädagogische Ausbildung oder ein pädagogisches Studium. Ich war in meiner Kita ursprünglich im therapeutischen Kontext tätig. Dann habe ich zwei pädagogische Ausbildungen gemacht und bin anschließend Gruppen- und schließlich Kita-Leiterin geworden. Seit über fünf Jahren bin ich Koordinationskraft im Schulbegleitdienst, seit Anfang 2025 bei den Maltesern.
Was sind deine Aufgaben als Fachkoordinatorin?
Monika: Die Aufgaben sind vielfältig und breit gefächert. Es ist ein Job im Büro, aber mit vielen Außenterminen und viel Netzwerkarbeit. Ich bin im Kontakt mit den Eltern, mit unseren Klientinnen und Klienten – also den Kindern, mit den Mitarbeitenden, den Einrichtungen und mit den Ämtern, welche die Begleitung bewilligen müssen.
In der Regel startet der Prozess mit der Anfrage durch die Eltern. Im Austausch finden wir heraus, was das Kind braucht. Dann suchen wir nach der richtigen Schulbegleitung. Wir lassen ein Kennenlernen in der Einrichtung stattfinden. Wenn Einrichtung, Eltern und vor allem das Kind einverstanden sind, wird ein Vertrag aufgesetzt und wir fangen an, in der Einrichtung zu arbeiten. Wir begleiten den kompletten Prozess: von der Bewerbung bis zum Kennenlernen über die Begleitung in der Schule oder Kita bis zur Kündigung oder Auflösung, wenn Klientinnen und Klienten keine Begleitung mehr benötigen.
Darüber hinaus bin ich natürlich auch für administrative Aufgaben verantwortlich: Ich schreibe Berichte über die Betreuung, stelle notwendige Anträge bei Ämtern oder reiche entsprechende Nachweise ein. Außerdem kümmere ich mich um die ständige Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeitenden.
Daria, was sind deine Aufgaben als Schulbegleiterin?
Daria: Es ist meine Aufgabe, das Kind zu integrieren und einen Schulalltag zu ermöglichen. Ich bin dafür da, dass das Kind störungsfrei am Unterricht teilnehmen kann. Das ist für eine Lehrerin oder einen Lehrer einfach nicht möglich, wenn sie über zwanzig Kinder betreuen. Ich helfe dem Kind dabei, soziale Kontakte zu pflegen, damit es eine Gruppenarbeit ohne Streitigkeiten und Eskalationen mitmachen kann, und fördere es in seiner Selbstständigkeit.
In welchen Fällen benötigt ein Kind eine Schulbegleitung?
Monika: Das ist ganz unterschiedlich. Es können körperliche Einschränkungen sein, also alles, was mit körperlichen Änderungsbildern oder Handicaps in Einklang geht. Wir haben aber auch zum Beispiel Kinder mit Diabetes. Da braucht die Begleitung medizinisches Vorwissen, das auch nachgeschult werden kann. Und wir decken das komplette Feld der sozial-emotionalen Störungsbilder ab. Generell gibt es da keine Grenzen: auch Kinder mit schwersten Mehrfachbehinderung sind bei uns vertreten.
Wie findet ihr heraus, welches Kind zu welcher Schulbegleitung passt und umgekehrt?
Monika: Wir betrachten die Fallanfragen der Eltern und den konkreten Bedarf des Kindes: Geht es um sozial-emotionale Stärkung? Geht es um bestimmte Störungsbilder, mit denen wir schon eine gewisse Kompetenz haben? Das legen wir mit dem Erfahrungsschatz unserer Schulbegleitungen übereinander. Erfahrungen für spezifische Bedarfe können auch aus dem privaten Bereich kommen, wenn eine Schulbegleitung beispielsweise ein Kind im Familien- oder Freundeskreis mit ADHS oder Autismus hat. Anschließend lassen wir eine erste Hospitation, also ein erstes Kennenlernen, in der Einrichtung stattfinden.
Was passiert, wenn es nicht passt?
Monika: Zuerst gehen wir mit den Mitarbeitenden, den Eltern, den Einrichtungen und auch dem Amt ins Gespräch. Manchmal ist der Beziehungsaufbau nicht ganz geglückt, dann müssen wir nachjustieren. In anderen Fällen kann es sein, dass Schulbegleitung und Kind nicht gut zueinander passen, dann wird die Begleitung beendet und eine Alternative gesucht.
Wie erleichtert dir die Zusammenarbeit zwischen Schulbegleitung und einer Koordinationskraft deinen Arbeitsalltag?
Daria: In unserem Beruf ist es nicht so, dass wir morgens alle ins Büro kommen und uns begrüßen oder die Mittagspause gemeinsam verbringen. Entsprechend wichtig ist es, dass ich mich jederzeit über E-Mail oder Telefon bei meiner Fachkoordination melden kann, wenn Probleme auftreten oder ich Sorgen habe. Zusätzlich kann auch ein Meeting über Teams einfordern, wenn etwas vorgefallen ist.
Grundsätzlich muss man sich darauf einlassen, dass man in der Schulbegleitung sehr selbstständig arbeitet. Da fällt der regelmäßige Austausch mit der Fachkoordination besonders ins Gewicht.
Monika: Wir führen viele Gespräche mit Mitarbeitenden, weil wir wissen, wie belastend Situationen sein können. Wenn jemand das Gefühl hat, mit dem Kind ist etwas nicht in Ordnung, kann sich die Person immer melden. Wir müssen sicherstellen, dass keine Kindeswohlgefährdung dahintersteckt. Generell versuchen wir, so nah wie möglich an den Menschen dran zu sein. Die Zusammenarbeit zwischen Koordinationskraft und Schulbegleitung ist wichtig, weil wir erste Ansprechpersonen bei Herausforderungen sind. Als Teil des professionellen Meldesystems bei Problemen bieten wir Unterstützung und tragen Sorge, dass unsere Mitarbeitenden die direkten und indirekten Signale der Kinder erkennen und professionell handeln.
Was sind Herausforderungen in deinem Job?
Daria: Am Anfang ist die Herausforderung, das Kind und dessen Bedarfe kennenzulernen: Auf was reagiert es? Wie kann ich mein Kind aus schwierigen Situationen wieder rausholen? Hier hilft besonders, dass die die zuständige Koordinationskraft schon im Vorfeld im Kontakt mit dem Kind und seinem Umfeld steht. Dadurch kann eine Schulbegleitung ausgesucht werden, die zum Kind und dessen Bedürfnissen passt.
Monika: In meinen Job ist die größte Herausforderung, schnellstmöglich den passenden Match zwischen Kind und Schulbegleitung zu finden. Bis Eltern bei uns ankommen, haben sie oft schon einen ganzen Leidensweg hinter sich gebracht und wünschen sich eine Begleitung - am besten sofort. Wir müssen also schauen, ob wir den Fall übernehmen können, eventuell Eltern vertrösten und Begleitungen in die Wege leiten. Dies beinhaltet auch Lösungen zu finden, sollte eine Schulbegleitung und ein Kind nicht zusammenpassen.
Herausforderungen können außerdem in Form von Rollenkonflikten, Kommunikationsproblemen oder Unsicherheiten im Hinblick auf die jeweiligen Zuständigkeiten auftreten. Klare Absprachen, ein regelmäßiger offener Austausch sowie gezielte Fortbildungen helfen dabei, diese Herausforderungen zu lösen.
Was ist dein persönlicher Lieblingsmoment, an den du dich gerne zurückerinnerst?
Daria: Es gibt ganz viele schöne Momente. Was einem immer besonders guttut, ist vom Kind zu hören: “Ich freue mich, dass du da bist.” Das ist für mich auch eine Bestätigung, dass das Kind sich bei mir wohlfühlt und mir vertraut. Da sehe ich auch für mich, dass ich mit meiner Arbeit viel bewege. Das zeigt sich auch in Rückmeldungen durch Lehrkräfte, wenn der Unterricht wieder flüssiger und leichter läuft.
Monika: Für mich sind die größten Momente immer dann, wenn ein Kind sagt: „Ich merke, wie gut mir die Schulbegleitung tut. Ich merke, dass ich vorwärtskomme. Ich habe jetzt Freundinnen und Freunde“. Schön ist auch, wenn Eltern feststellen, die Schulbegleitung positive Auswirkungen auf das Leben Zuhause hat. Und natürlich freut es mich auch, positives Feedback von der Schulbegleitung zu bekommen. Wenn ein passendes Match gefunden ist, haben im besten Fall alle Beteiligten Freude an der Zusammenarbeit.