Innovative Nachwuchsförderung für die Pflege: „Mehr Selbstvertrauen durch mehr Eigenverantwortung“ 

Ausbildungskoordinatorin Rabya Balci (dunkel gekleidet) mit einigen der angehenden Pflegefachkräfte im neuen „Schülerwohnbereich“. Hier gibt es auch ein Zimmer für Lehr-, Demonstrationszwecke, in dem die jungen Schüler und Schülerinnen u.a. an einer Pflegepuppe üben können. Foto: Malteser

Essen. Als ein „von Grund auf offen denkender Mensch von 101 Jahren“ bewertet Brunhilde Stremer das neue Konzept im Malteserstift St. Bonifatius sehr positiv: „Ich finde es belebend und aufregend“, sagt die Senioren. „Die Schülerinnen und Schüler sind eine neue Generation – und unsere Zukunft“. Anna Michelbach und Ursula Florian, ebenfalls Bewohnerinnen der Einrichtung, stimmen zu. „Die Schülerstation ist eine gute Idee, weil auf diesem Weg mehr gute Fachkräfte ausgebildet werden“, so Michelbach. „Unser Bereich ist dank der vielen jungen Menschen noch lebendiger geworden – es wird viel gelacht und erzählt“, sagt Florian. „Besonders schön anzusehen ist es, wie die ganz jungen Pflegeschüler von denen lernen, die bereits weiter in der Ausbildung sind, und später wiederum ihre Kompetenzen weitergeben.“ 

Am 4. Februar wurde der sogenannte „Schülerwohnbereich“ des Malteserstifts St. Bonifatius in der Nähe des Essener Hauptbahnhofs offiziell eingeweiht. Gemeint ist damit nicht etwa eine Art Pflegeschülerwohnheim, sondern ein Wohnbereich für Seniorinnen und Senioren, deren Betreuung mit einer neuen Form der Pflege-Ausbildung verbunden ist. „Es handelt sich um eine innovative Herangehensweise, der Herausforderung einer alternden Gesellschaft und dem Fachkräftemangel zu begegnen“, erklärt Hausleiterin Heike Großheimann.  

Auf dem Bereich kümmern sich aktuell mehr als 40 angehende Pflegefachkräfte um die dort lebenden Seniorinnen und Senioren. Das Besondere ist aber nicht nur die hohe Anzahl an Nachwuchskräften. Die Pflegeschülerinnen und -schüler agieren – eng begleitet von erfahrenen Praxisanleitern – im Wesentlichen in eigener Verantwortung, was einen besonderen Lernerfolg verspricht. In seiner Art und Größe ist dieses Konzept zumindest in Essen einzigartig und stößt auf großes Interesse in Pflegewirtschaft und Gesundheitswesen.  

„Das Malteserstift St. Bonifatius bildet so binnen weniger Jahre zahlreiche hoch qualifizierte Fachkräfte von morgen aus, die nach dem Examen sowohl in diesem Haus, anderen Malteser Einrichtungen und auch bei anderen Trägern ihren wertvollen Dienst leisten“, so Großheimann, die – zusammen mit Pflegedienstleiter Matthias Sczepan und Ausbildungskoordinatorin Rabya Balci – den geladenen Gästen das Konzept zur Nachwuchsförderung vor Ort erläuterte. Einig waren sich alle, dass dieses Modell sehr wahrscheinlich Schule machen wird. 

Und was sagen die Schülerinnen und Schüler? „Durch die hohe Eigenverantwortung wächst unser Selbstvertrauen. Das können wir später als ausgebildete Fachkraft gut gebrauchen“, sagt Fathi Zahroui, der sich im ersten Lehrjahr befindet. „Ob Schichtleitung, Versorgung oder Angehörigengespräche – alles wird in der Praxis ausführlich geübt und immer wieder angewendet.“ Für Ranim Zeddini, ebenfalls im ersten Lehrjahr, ist die gegenseitige Unterstützung sehr wichtig: Wir sind nicht nur Kollegen, wir sind wie eine Familie“, so die Schülerin. „Wir arbeiten zusammen, wir helfen uns, und wir reden, wenn jemand Probleme hat.“ 

 

 


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