Fakten statt Stimmungslage

Malteser Migrationsbericht 2021

Der Malteser Migrationsbericht beleuchtet das Migrationsgeschehen in Deutschland. Wie wirkt sich Migration auf die Entwicklungen am deutschen Arbeitsmarkt aus? Welche Rolle spielt Menschenhandel in Deutschland – und was hat das mit Migration zu tun? Und welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf das Migrationsgeschehen und die Integration von Zugewanderten? 

Mit seiner faktenbasierten Aufbereitung möchte der Bericht Impulsgeber für eine sachliche öffentliche Diskussion sein:

Migrationsentwicklungen - ein aktueller Überblick

Schlaglichter:

  • Ein Prozent der Weltbevölkerung war 2020 auf der Flucht, davon mehr als die Hälfte innerhalb des eigenen Landes. Mit über 80 Millionen liegt die Zahl der Flüchtenden auf einem Rekordwert.
  • Einer von vier Asylanträgen 2020 wurde für ein bereits in Deutschland geborenes Kind im Alter von weniger als einem Jahr gestellt. Das zeigt, wie relevant frühkindliche Förderung und Bildung für die Integration der Asylsuchenden ist. 
  • Die Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund unterscheidet sich merklich im Durchschnittsalter (36 vs. 47 Jahre), jedoch nur gering im Geschlechterverhältnis (Bevölkerung mit Migrationshintergrund zu 49% weiblich, ohne zu 51%). 

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Zu- und Fortzüge über die Grenzen Deutschlands

Deutschland bleibt ein Einwanderungsland, wenngleich die Nettozuwanderung 2020 im fünften Jahr in Folge rückläufig war.

Arbeitsmarkt - der Einfluss von Migration

Schlaglichter:

  • Insgesamt ist die Arbeitsmarktintegration trotz Corona nach wie vor positiv zu bewerten: Jede dritte Person aus den Asyl8-Staaten war im Januar 2021 entweder sozialversicherungspflichtig oder geringfügig beschäftigt, nachdem es im Jahr 2016 nur etwas mehr als jede zehnte Person war. 
  • Von den beschäftigten Geflüchteten arbeiten 2020 sechs von zehn in systemrelevanten Berufen. 
  • Gründungsstark: Etwa jede vierte Existenzgründung in Deutschland erfolgt durch eine Person mit Migrationshintergrund. 

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Beschäftigungsquoten der deutschen und ausländischen Bevölkerung zwischen 15 und 65 Jahren (sozialversicherungspflichtige und geringfügige Beschäftigung)

Mittelfristig hat sich die Integration von Zugewanderten in den deutschen Arbeitsmarkt positiv entwickelt, wobei es deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Zuwanderungsgruppen gibt.

Kriminalität – Straftaten und Menschenhandel

Schlaglichter:

  • Die Kriminalität geht insgesamt weiter zurück, wobei die Abnahme der Kriminalität durch Schutzsuchende 2020 dabei noch ausgeprägter als die rückläufige Gesamtentwicklung war. 
  • Der Anteil an Hasskriminalität nimmt erschreckend zu: 2020 gab es einen Anstieg um 19 Prozent gegenüber 2019, fast die Hälfte dieser Straftaten sind fremdenfeindlich motiviert. 
  • Obwohl der Global Slavery Index schätzt, dass in Deutschland mehr als 160.000 Menschen in moderner Sklaverei leben, gab es 2019 laut Bundeskriminalamt nur knapp 420 polizeiliche Ermittlungsverfahren. Das verdeutlicht den grundlegenden Bedarf zur Verbesserung der Datenlage und zur Bekämpfung von Menschenhandel. 

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Vergleich Tatverdächtigenanteil mit Anteil der Schutzsuchenden nach Nationalität

Schutzsuchende mit guter Bleibeperspektive sind, verglichen mit ihrem Anteil an den Asylsuchenden, in der Tatverdächtigen-Statistik deutlich unterrepräsentiert.

Gesellschaftliche Teilhabe - Integration von Geflüchteten

Schlaglichter:

  • Insbesondere mit Blick auf die soziale Integration sowie die Arbeitsmarktintegration lässt sich die Entwicklung seit 2015 als Erfolg beschreiben. 
  • Während die Besorgnis der Wohnbevölkerung zu den Folgen von Fluchtmigration seit 2016 zurückgeht, nimmt die Angst vor Ausländerfeindlichkeit auf Seiten der Geflüchteten zu: Im Jahr 2019 machten sich 30 Prozent der befragten Geflüchteten Sorgen um Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass. 
  • Besonderes integrationspolitisches Augenmerk verdient die Gruppe der weiblichen Geflüchteten: Im Vergleich zur Gruppe der männlichen Geflüchteten verfügt diese über geringere Deutschkenntnisse, ist nur halb so gut im deutschen Bildungssystem integriert und verbringt weniger Zeit mit Menschen der Aufnahmegesellschaft. 

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Einschätzungen zur gesellschaftlichen Teilhabe

Das Gefühl sozialer Isolation seitens Geflüchteter hat sich seit 2016/2017 auf 12% halbiert.