Deutsch von Anfang an
Das Malteser Konzept für Flüchtlingsunterkünfte
Modulheft 1: Die Weiterentwicklung von „Deutsch von Anfang an“
Mit dem neuen Modulheft 1 haben wir unser langjährig eingesetztes Lernmaterial „Deutsch von Anfang an“ weiterentwickelt: Während das bisherige Heft vier Lernmodule in einem Band zusammenfasste, erscheinen die Inhalte nun als eigenständige Modulhefte.
Dadurch können die einzelnen Themen deutlich umfassender behandelt werden. Es gibt mehr Raum für Übungen, Wiederholungen, Vertiefungen und alltagsnahe Lernanlässe - inkl. Audioübungen! Die neuen Modulhefte basieren auf den Erfahrungen, Rückmeldungen und Anregungen, die wir über viele Jahre gemeinsam mit Lernenden und Lehrenden gesammelt haben.
Modulheft 1 bildet den Auftakt einer neuen Reihe. Weitere Module sind bereits in Planung!
Wirkungsbericht "Deutsch von Anfang an"
Unsere Vision ist eine Gesellschaft, die die Zeichen der Zeit erkannt hat und sich mit Toleranz und christlicher Nächstenliebe den Schwachen unserer Gesellschaft zu- statt abwendet.
Zu diesen Schwachen gehören auch vor Hunger, Krieg und Tod geflüchtete Menschen, die in Hoffnung auf Frieden in unser Land kamen. Wir strecken die Hand aus und versorgen Geflüchtete mit allem, was es zum Leben braucht. Das ist gut, aber es muss mehr getan werden. Geflüchtete müssen die Chance haben, sich so gut und so schnell wie möglich gesellschaftlich zu integrieren. Wir hoffen auf eine Gesellschaft, die allen Menschen die Möglichkeit gibt, sich so schnell wie möglich zu integrieren und in ihrem Leben voranzukommen.
Mit unserem Angebot „Deutsch von Anfang an“ leisten wir einen Beitrag, um dieses Ziel zu erreichen. Durch das Sprachangebot ab Tag eins in Deutschland helfen wir, Missverständnisse zu vermeiden und Barrieren zwischen Zugewanderten und Deutschen abzubauen.
Integration durch Sprache
„Hallo“, „Hallo“, rufen Kinder und Jugendliche fröhlich von überall her, wenn Laura Staadecker über das Gelände der Malteser Betreuung Franziskus in Hemer, ein ehemaliges Kasernenareal, geht. Sie winken und rufen, und einige sagen richtig „guten Tag!“. Und das freut die ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Flüchtlingsbetreuung besonders, denn sie ist es, die den Kindern und Jugendlichen jeden Werktag von 13 bis 14 Uhr Sprachunterricht gibt.
Doch das ist hier nicht das einzige Angebot, Deutsch zu lernen. 400 Flüchtlinge wohnen derzeit in der Einrichtung. Manche sind nur ein paar Wochen da, andere schon seit Anfang des Jahres. Die meisten kommen aus Ghana, Afghanistan, Syrien und dem Irak. 100 Kinder unter 14 Jahren sind darunter. Für alle älteren gibt es von Montag bis Freitag Deutschunterricht von neun bis 17 Uhr. Das Konzept „Deutsch von Anfang an“, das dem zugrunde liegt, ist eine Eigenentwicklung der Malteser und etwas Besonderes in der Flüchtlingshilfe in Deutschland.
Deutschunterricht im Baukasten-System
„Wir arbeiten mit den vier Modulen ‚Willkommen‘, ‚Zahlen‘, ‚Orientierung‘ und ‚Gespräche‘, die jeweils etwas mehr Kenntnisse voraussetzen“, erläutert Projektleiterin Anja Müller das Baukasten-System. Täglich werden alle vier Module nacheinander in Unterrichtseinheiten von 90-Minuten angeboten. Feste Klassen gibt es nicht. „Jeder kann teilnehmen, wann er will, niemand wird ausgeschlossen“, schildert Anja Müller die Antwort des Malteser Konzepts auf die hohe Fluktuation und die sehr unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen der Menschen, denen es eine Hilfe sein will – übrigens nicht nur bei der Verständigung.
„Mit dem Alltagswissen vom Händeschütteln über die Kleidung bis hin zur Pünktlichkeit vermitteln wir auch kulturelle Praktiken und schaffen so wertvolle Integrationsvoraussetzungen“, betont die studierte Kulturwissenschaftlerin. In Hamm haben kürzlich zwei Schüler, die alle Module durchlaufen hatten, nach Prüfung in der Volkshochschule das offizielle und international anerkannte Anfänger-Zertifikat A.1 erworben. „Deutsch von Angang an“ ist inzwischen in sechs Malteser Flüchtlings-Einrichtungen angelaufen, weitere sind in Vorbereitung. Vermittelt von der Aktion Deutschland hilft, zu deren Gründungsmitgliedern die Malteser zählen, wird das Projekt seit Anfang des Jahres vom Weseler Spezialchemiekonzern Altana finanziert.
Die großen Unterschiede im Bildungsstand der Flüchtlinge fangen die Malteser überdies mit der „Tandem“-Idee auf: Ehrenamtliche Mitarbeiter unterstützen die hauptamtlichen Lehrkräfte, indem sie mit besondere Kursteilnehmern getrennt arbeiten. Das können Leistungsstarke sein, die sich sonst langweilen würden, aber auch Analphabeten oder Geflüchtete aus dem arabischen oder afghanischen Raum, die die lateinische Schrift noch nicht beherrschen. Und da ist auch Laura Staadeckers Platz im System, indem sie den Kindern ein eigenes tägliches Angebot macht.
Doch nicht nur das. Die aus Rumänien stammende Lehrerin für Französisch und Geschichte, die seit Eröffnung 1993 in der Betreuung Franziskus in Hemer Sprachunterricht gibt, öffnet dort auch werktäglich von 14 bis 16 Uhr einen Frauentreff. „Männer dürfen hier nur herein, wenn ich es erlaube“, betont Staadecker. „Wir plaudern, singen und tanzen da“, erzählt die temperamentvolle 77-Jährige, „und natürlich mache ich auch Sprachunterricht mit den Flüchtlingsfrauen“. Denn es gibt immer wieder Männer, die ihre Frauen nicht zum regulären Deutschunterricht lassen.