Hilfe für Geflüchtete: So engagierst du dich 

Jeden Tag kommen etliche Menschen auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung nach Europa und Deutschland. Haben sie die anstrengende und oft gefährliche Flucht überstanden, sind sie auf Hilfe angewiesen. Hier erfährst du, welche unterschiedlichen Möglichkeiten du hast, um dich für Geflüchtete zu engagieren.

Darum geht's:


Warum ist ehrenamtliche Integrationshilfe so wichtig?

Kannst du dir vorstellen, von heute auf morgen deine Heimat zu verlassen und nur mit dem Nötigsten in ein fremdes Land zu reisen? Für viele Menschen aus der Ukraine ist das aktuell die einzige Möglichkeit, dem Krieg in ihrem Heimatland zu entfliehen. Den gleichen Weg gingen und gehen außerdem viele Vertriebene aus anderen Ländern wie Syrien, Afghanistan, Nigeria oder dem Südsudan, wo Kriege und Hungersnot herrschen. Wenn Geflüchtete in Deutschland ankommen, stehen sie meist vor dem Nichts. Sie haben oft keine Wohnung, kein Geld, keine Krankenversicherung und keine oder nur unzureichende Sprachkenntnisse.

Was ist der Unterschied zwischen (Kriegs-)Flüchtlingen und Asylsuchenden?

Achtung: Oft werden die Begriffe „Flüchtling“ beziehungsweise „Geflüchtete“ und „Asylsuchende“ oder auch „Asylbewerberin“ beziehungsweise „Asylbewerber“ synonym verstanden. Das ist aber nicht ganz richtig. Der Begriff Flüchtling wird international rechtlich durch die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 definiert. Es gibt unterschiedliche Auslegungen der Definition, im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff Flüchtling aber eine Person, die ihre Heimat oder ihren vorherigen Aufenthaltsort wegen politischer Zwangsmaßnahmen, Kriegen oder lebensbedrohlicher Notlagen vorübergehend oder dauerhaft verlassen hat. Häufig tritt dann auch der Sammelbegriff Flüchtlinge auf.

Die Genfer Flüchtlingskonvention, die Grundlage des internationalen Flüchtlingsrechts, benutzt hingegen einen enger gefassten Flüchtlingsbegriff: Danach gilt als Flüchtling eine Person, die „aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt“. Personen, die unter diese Definition fallen, werden auch als sogenannte Konventionsflüchtlinge bezeichnet. Hier spricht man dann von Asylsuchenden. Stellt eine Person hier in Deutschland einen Antrag auf Asyl, bedeutet das, dass über den Staus der Person noch nicht entschieden ist. Bekommt die oder der Asylsuchende grünes Licht für ihren oder seinen Antrag, gilt sie als Asylberechtigte oder Asylberechtigter. Mehr zu den unterschiedlichen Begriffen findet ihr auch auf dieser Seite.

Um schutzsuchenden Menschen die gleichen Chancen einzuräumen und sie in die Gemeinschaft zu integrieren, ist Unterstützung gefragt. Es gibt staatliche Hilfe für Geflüchtete, aber diese reicht bei Weitem nicht aus. Und vor allem die Bürokratie braucht ihre Zeit. Darum ist zusätzlich bürgerliches Engagement gefragt, das durch Hilfsorganisationen wie die Malteser, Kirchen oder Vereine sichergestellt wird.

Ehrenamtliches Engagement leistet einen wichtigen Beitrag für die Integration geflüchteter und eingewanderter Menschen. Eine Studie des Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung hat ergeben, dass dort, wo sich viele Ehrenamtliche für Geflüchtete und Migranten engagieren, diese mehr Kontakt zu Deutschen und dadurch bessere Deutschkenntnisse haben. Dies wiederum führt dazu, dass Geflüchtete sich in Deutschland wohler und zufriedener fühlen.

Gelungene Integration bedeutet, dass alle sich der Gemeinschaft zugehörig fühlen und einen Konsens über gesellschaftliche Werte pflegen. Integration funktioniert aber nur, wenn Geflüchtete und in Deutschland Lebende zusammenarbeiten. Das ehrenamtliche Engagement bereitet dafür den Boden, und zwar in zwei Bereichen: Zum einen benötigen Geflüchtete direkt nach ihrer Ankunft in Deutschland Unterstützung, um eine Bleibe zu finden, medizinisch versorgt zu werden und Deutsch zu lernen. Danach geht es zum anderen darum, Arbeit zu finden und sich langfristig ein neues Leben in Deutschland aufzubauen.

Welche Ehrenämter gibt es in diesem Bereich?

Bei den Maltesern sind Ehrenämter für Geflüchtete und Migranten traditionell in den Integrationsdiensten zusammengefasst. Diese kümmern sich dauerhaft und regelmäßig um geflüchtete Menschen. Wenn in sehr kurzer Zeit sehr viele Menschen ankommen, übernehmen allerdings oft die Katastrophenschutz-Einheiten der Malteser vorübergehend deren Betreuung und sorgen sehr schnell für das Nötigste. Elena Oster ist Referentin für soziales Ehrenamt und zuständig für den Bereich Integrationsdienst. „Aktuell haben wir viele Schutzsuchende aus der Ukraine“, sagt sie. „Es sind vor allem Frauen und Kinder. Teilweise waren sie tagelang unterwegs und befinden sich in einer akuten Notlage. Die Ehrenamtlichen empfangen die Geflüchteten und fangen sie auch auf. Das kann mit einer Tasse Kaffee oder eine Decke sein oder bei der Betreuung der Kinder. Es geht darum, Geflüchteten aus Ländern Orientierung zu geben. Wo können sie übernachten? Wo können sie sich registrieren? Wie geht es weiter? Die ehrenamtlichen Flüchtlingshelferinnen und -helfer unterstützen sie bei Behördengängen, Arztbesuchen oder helfen beim Ausfüllen von Formularen oder bei der Wohnungssuche. Aber auch andere Angebote sind wichtig!“, sagt Elena: „Sie können beim Deutschlernen und den Hausaufgaben helfen oder einfach gemeinsame Zeit mit den Menschen bei Kaffee und Kuchen verbringen. Und wir haben sportliche Angebote wie Bouldern, Zumba und Fahrradkurse.“

Neben praktischer Hilfe ist auch die seelische Unterstützung wichtig, denn die Menschen haben oft extreme Strapazen auf sich genommen, um dem Krieg zu entfliehen. Als Helfender brauchst du nicht unbedingt eine psychologische Ausbildung. Alle Ehrenamtlichen bei den Maltesern bekommen Aus- und Fortbildungen für ihr Ehrenamt.

Welche Möglichkeiten für ein Engagement gibt es noch? 

Die einen brauchen schnelle Hilfe nach ihrer Flucht, andere sind schon länger in Deutschland und benötigen Unterstützung, um ihr Leben hier einzurichten. „Bei den Menschen, die neu angekommen sind, geht es eher um die erste Orientierung, um das Deutschlernen und die Kinderbetreuung“, sagt Elena. „Wir haben aber auch Menschen, die schon länger hier leben. Sie wollen eine Arbeit finden oder einen Ausbildungsplatz.“ Für diese Menschen gibt es verschiedene Angebote und Begegnungsstätten wie das Haus der Kulturen in Mainz. Hier unterstützen Ehrenamtliche die Organisation von Bastelnachmittagen, Kaffeekränzchen, Kuchenbasaren, Lesungen oder Konzerten. Das Ziel ist, Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenzubringen und Integration zu fördern. Ein Ehrenamt im Integrationsdienst ist übrigens nicht nur etwas für Menschen deutscher Herkunft, so Elena: „Wir können auch immer mehr Geflüchtete und Migranten für das Ehrenamt begeistern. Sie möchten gerne etwas zurückgeben, denn sie haben Flucht selbst erlebt und helfen jetzt mit. Aber auch in anderen Diensten der Malteser engagieren sich mehr und mehr Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund. Mittlerweile gibt es auch einen interkulturellen Besuchs- und Begleitdienst für ältere Menschen, bei denen Jung und Alt aus unterschiedlichen Kulturen zusammenkommen und miteinander Zeit verbringen.“

Neben dem Ehrenamt, bei dem du dich in deiner Freizeit engagierst, kannst du dich auch im Freiwilligendienst engagieren. Während eines Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ) oder beim Bundesfreiwilligendienst arbeitest du für einen längeren Zeitraum Vollzeit in der Flüchtlingshilfe und hilfst nicht nur Menschen, sondern sammelst wertvolle Erfahrungen für Beruf und dein Leben im Allgemeinen.

In der Flüchtlingshilfe ist Teamgeist gefragt

Ob mit oder ohne Flucht- und Migrationshintergrund – alle, die Lust haben, sich zu engagieren, sind willkommen! Denn mit einem Ehrenamt hilfst du nicht nur anderen Menschen, sondern knüpfst auch Kontakte und lernst neue Menschen kennen. Dafür solltest du auch offen sein. Die Menschen kommen nicht nur aus unterschiedlichen Ländern, sondern auch aus unterschiedlichen Kulturen. Für ein Ehrenamt solltest du außerdem Zeit mitbringen, sagt Elena: „Fürs Ehrenamt brauche ich Zeit, die ich verbindlich investieren kann. Die Menschen brauchen diese Verbindlichkeit und Vertrautheit. Gerade bei den Tandems, also der Eins-zu-eins-Begleitung, muss das Engagement verlässlich und regelmäßig sein. Und Teamgeist ist gefragt, denn unsere Ehrenamtlichen sind keine Einzelkämpfer. Wir sind eine große Gruppe, die im Team für andere Menschen da ist“.

Kreativität ist übrigens auch nicht verkehrt, wie du bei einem besonderen Angebot der Malteser Bamberg siehst. Dort haben die Geflüchteten nach einer Weile festgestellt, dass sie zwar Deutsch gelernt haben, die Menschen in Franken aber trotzdem nicht verstehen. Das ist sogar für viele Deutsche nachvollziehbar, denn der fränkische Dialekt ist nicht unbedingt leicht zu verstehen. Die Ehrenamtlichen bieten in Bamberg jetzt einen neuen Sprachkurs an: „Fränkisch für alle“.

Flüchtlingshilfe und Integrationshilfe bei den Maltesern

Die erste Station für die meisten Geflüchteten sind Erstaufnahme- bzw. Notunterkünfte. Davon gibt es in ganz Deutschland Hunderte. Hierbei wird zwischen verschiedenen Formen der Unterbringung unterschieden: Zum einen Erstaufnahme-Einrichtungen und Notunterkünfte, wo Geflüchtete in der Regel fünf bis sieben Tage bleiben, und zum anderen Zentrale Unterbringungseinrichtungen oder kommunale Gemeinschaftsunterkünfte, wo sie nach ihrem Aufenthalt in den Erstaufnahme- bzw. Notunterkünften für einen längeren Zeitraum verweilen können.

Erstaufnahme-Einrichtung und Notunterkunft meinen nicht dasselbe

Bei Erstaufnahme-Einrichtungen handelt es sich um Einrichtungen, die sich in festen Strukturen befinden und gesetzlichen Regelungen unterliegen. Die Bundesländer sind hierbei verantwortlich für die Aufnahme von Geflüchteten, der Bund für die Erfassung der geflüchteten Menschen. Eine Notunterkunft hingegen unterliegt keiner organisierten Struktur und entsteht spontan, wenn eine große Zahl von Menschen auf Städte und Kommunen trifft und viele Personen auf einmal versorgt werden müssen. Gebraucht und errichtet werden Notunterkünfte übrigens unter anderem auch bei Naturkatastrophen oder Bombenentschärfungen. Sie erfüllen daher nicht die strukturellen Erfordernisse einer Erstaufnahme-Einrichtung. Es kann sich hierbei zum Beispiel um Hotels oder Turnhallen handeln, die vorübergehend als Unterkunft dienen. Mehr zum Thema findet ihr auch auf der Seite des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge.

Viele Flüchtlingsunterkünfte werden von gemeinnützigen Organisationen betreut, wie zum Beispiel die Zentrale Unterbringungseinrichtung der Malteser in Wickede-Wimbern in der Nähe von Dortmund. Dort leben etwa 200 Geflüchtete – Erwachsene, Kinder sowie Seniorinnen und Senioren. 50 ehrenamtliche, aber auch hauptamtliche Helferinnen und Helfer unterstützen die Bewohnerinnen und Bewohner zum Beispiel bei Behördengängen oder Arztbesuchen und sorgen dafür, dass sie eine gute Zeit haben, sich sicher und wohl fühlen. Einer der Helfer ist Jakob. Der 23-Jährige spielt in seiner Freizeit mit den Jungs Fußball oder Billard, begleitet Ausflüge oder macht Stimmung bei Disco-Abenden.

An mehr als 100 Standorten in ganz Deutschland arbeiten die Malteser in der Flüchtlingshilfe. Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sind jederzeit herzlich willkommen. Es gibt ganz unterschiedliche Bereiche, in denen die Geflüchteten Unterstützung gebrauchen können. Du kannst beispielsweise den Kindern bei ihren Hausaufgaben helfen, ihnen vorlesen, mit ihnen basteln oder spielen. Du kannst bei Ausflügen dabei sein, Gesprächsrunden der Erwachsenen begleiten, im Frauencafé oder beim Mutter-Kind-Treff unterstützen. Hier findest du einen Überblick und Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für alle Regionen. Sicherlich findest du auch eine Unterkunft oder eine Anlaufstelle in deiner Nähe. Oder du fragst in der nächsten Kirchengemeinde oder der nächsten Dienststelle einer gemeinnützigen Organisation an. Ob Malteser, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz oder andere Hilfsorganisationen und karitative Einrichtungen – alle engagieren sich in der Flüchtlingshilfe und alle sind dankbar für die Unterstützung durch Ehrenamtliche.

Jana aus Berlin hat eine ganz besondere Patenschaft übernommen. Die 20-jährige Medizinstudentin ist Patin für einen jungen Mann aus Afghanistan und unterstützt ihn dabei, ein selbstbestimmtes Leben in Deutschland zu führen. Das macht sie ehrenamtlich bei den Maltesern als Integrationshelferin. Sie steht ihrem Schützling zur Seite bei Behördengängen, Arztbesuchen und hilft beim Deutschlernen. Ihr schönstes Geschenk ist, wenn ihr Schützling lächelt, denn er musste viel mitmachen. Krieg, Gewalt und Verlust – Dinge, die ein 20-Jähriger eigentlich nicht erleben sollte. Das kann auch für die Ehrenamtlichen eine ganz schön große Herausforderung sein. Immerhin kann man nicht alles besprechen, wenn man nicht die gleiche Sprache spricht. Damit die Ehrenamtlichen das bewältigen können, gibt es bei den Maltesern alle möglichen Schulungen, Aus- und Fortbildungen. So werden sie auf verschiedene Situationen vorbereitet und entwickeln ein noch besseres Gefühl für die Herausforderungen und Bedürfnisse von Geflüchteten.

Du möchtest Integrationshelferin oder Integrationshelfer werden?

Dann solltest du

  • offen sein für andere Kulturen und Verhaltensweisen,
  • Teamgeist und Organisationstalent haben,
  • hilfsbereit sein,
  • gerne mit Menschen arbeiten
  • und die persönlichen Grenzen anderer respektieren.


Klickst du auf den nachfolgenden Link, erhältst du alle Informationen zum Thema Integrationshilfe bei den Maltesern.

Falls du die Arbeit der Malteser mit einer Spende unterstützen möchtest, kannst du das mit einer Spende tun. Wähle hier ein Projekt und deinen Spendenbetrag aus.


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