Integration am PC: Die Online-Deutschkurse des Sprachcafé Mainz

Viele Sprachkurse fallen aufgrund der Corona-Beschränkungen aus. Die Malteser in Mainz haben ihr Sprachcafé ins Internet verlagert. So können Migrantinnen und Migranten weiterhin Deutsch lernen. Zwei ehrenamtliche Studentinnen leiten die Treffen. 

Darum geht’s


So funktioniert das Online-Sprachcafé 

„Was war das Schönste, das dir in dieser Woche passiert ist?“ Mit dieser und ähnlichen Fragen steigen die beiden Ehrenamtlichen, Marie-Theres Gryger und Sarah Färber, in die Stunden des Online-Sprachcafés der Malteser Mainz ein. Seit September treffen sich jeden Samstagmittag acht bis zehn Migrantinnen und Migranten für eine Stunde, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. 15 Personen können maximal mitmachen; inzwischen hat sich eine feste Gruppe mit den immer gleichen Personen gebildet.

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Ziel ist, die Deutschkenntnisse durch Gespräche und den regelmäßigen Austausch zu verbessern. „Bei uns haben alle Teilnehmenden ein gutes Deutschniveau auf Level B1 und B2“, erklärt Sarah. „Damit kann man sich schon gut verständigen und auch Dinge erklären.“ 
Die Stunde läuft immer ähnlich ab: Sarah und Marie-Theres bereiten diese immer gemeinsam vor. Es gibt einen Teil, bei dem die Teilnehmenden spontan auf eine Frage antworten und möglichst frei reden. Und es gibt einen Teil, auf den sich alle vorbereiten müssen, erklärt Sarah: „Diese Aufgaben schicken wir vorher per Email herum wie zum Beispiel: Beschreibe dein Herkunftsland oder was ist euch bisher in Deutschland alles passiert? Dann hat jeder einen Redebeitrag von etwa fünf Minuten.“ Es geht um Alltagssituationen und darum, Gefühle auszudrücken, wie zum Beispiel beim Arzt Schmerzen beschreiben zu können. „Das geht in vielen Sprachkursen anscheinend unter, darum greifen wir diese Themen auf“, sagt Sarah. 

Kontakte und Austausch sind das A und O der Integration

Die Idee zum Online-Sprachcafé kam von den Koordinatorinnen des Integrationsdienstes bei den Maltesern Mainz. „Ich konnte mir das gut vorstellen,“ sagt Sarah, „ich habe noch Marie mit ins Boot geholt und schon einen Monat später konnten wir starten.“ 
Sarah und Marie-Theres kennen sich aus der Uni. Beide studieren Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt Migration und Integration. Marie-Theres möchte neben ihrem Studium auch praktische Erfahrungen sammeln und entscheidet sich für eine Ausbildung zur Integrationslotsin bei den Maltesern. Die Ausbildung ist noch nicht abgeschlossen, trotzdem engagiert sie sich seit Anfang des Jahres im Integrationsdienst; zuerst als Kinderbetreuerin im Näh- & Kreativtreff, seit dem Frühjahr ist sie Teil eines Online-Sprach-Tandems. 

Regelmäßig trifft sie sich online zum Austausch und Lernen mit ihrem Tandem-Partner, einem 27-jährigen Student aus Syrien. „Für die Integration sind das A und O: Kontakte pflegen, miteinander sprechen und sich austauschen. Das habe ich im Studium gelernt“, sagt Marie-Theres. „Auch wenn ich mit meinem Ehrenamt nur einen kleinen Teil leiste, finde ich es toll, wenn jemand etwas lernen kann. Und auch ich lerne etwas über eine andere Kultur und Sprache. Das macht Spaß!“ 

Auch Sarah zieht es ins Ehrenamt. Seit Juli bildet sie ein Online-Sprach-Tandem mit einem Familienvater aus der Türkei. „Ich finde es cool, wenn man andere Leute kennenlernt, die man sonst vielleicht nicht kennenlernen würde. Und ich finde es immer spannend, mich mit Leuten auszutauschen, die aus einer anderen Kultur kommen. Sprache ist für mich etwas Fundamentales, um sich auszudrücken und sich mitzuteilen. Dabei möchte ich anderen Menschen gerne helfen.“

Alle sollen zu Wort kommen

Das Online-Sprachcafé findet deutschlandweit statt; das Internet macht´s möglich. Gleichzeitig bringt die Online-Variante ihre Herausforderungen mit sich: „Wir müssen darauf achten, dass jeder zu Wort kommt“, sagt Sarah. „Aus manchen sprudeln die Worte nur so heraus und andere müssen sich erst überwinden zu sprechen“, ergänzt Marie-Theres. Die Teilnehmenden kommen aus unterschiedlichen Ländern, das bedeutete auch, dass unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen. Darum ist Fingerspitzengefühl gefragt. „Wir fragen uns öfter: wie sage ich dies oder jenes, ohne jemandem auf die Füße zu treten?“, sagt Marie-Theres.

Es gibt klare Regeln für die Online-Gruppe. Wer nicht spricht, schaltet sein Mikrofon aus. Es spricht immer nur eine Person. Diese Regeln sind besonders bei Online-Treffen wichtig, damit nicht alle durcheinanderreden und man sich gegenseitig verstehen kann. Sarah und Marie-Theres sind glücklich über ihre Gruppe: „Es ist eine tolle Gruppendynamik“, sagen beide. „Alle sind immer mit großer Freude dabei und wir bekommen viel positives Feedback. Das macht uns allen Spaß“.
 

Integrationslotse werden bei den Maltesern 

Als Integrationslotsin oder -lotse unterstützt du Migranten dabei, sich in Deutschland ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen und Teil der Gesellschaft zu werden. Du unterstützt Frauen oder ganze Familien bei alltäglichen Herausforderungen wie: die deutsche Sprache lernen, Behördengänge, Arztbesuche oder eine Schule beziehungsweise einen Ausbildungsplatz finden. Du solltest offen sein für andere Kulturen, gerne mit Menschen arbeiten, Teamgeist und Hilfsbereitschaft zeigen und zirka ein bis zwei Stunden pro Woche Zeit haben für dieses Ehrenamt. Die Malteser unterstützen alle Ehrenamtlichen mit Fortbildungen wie Erste-Hilfe-Kursen oder Grundkenntnissen im Asylrecht. Du möchtest dich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren? Bewirb dich hier.


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