Bürgerkrieg im Südsudan: Millionen Menschen sind Flüchtlinge im eigenen Land

Im Südsudan herrscht Krieg und das seit Jahrzehnten. Seit den 1950er Jahren wurde um die Unabhängigkeit vom Sudan gekämpft. Im Jahr 2011 war das Ziel erreicht. Die Welt feierte und alle hofften auf ein Happyend, doch das kam nicht. Zwei Jahre nach der Unabhängigkeit brach ein Streit zwischen den unterschiedlichen Volksstämmen aus, der bis heute anhält. Das jüngst abgeschlossene Friedensabkommen ist sehr brüchig. Wir haben für dich zusammengefasst, wie es zu diesem Bürgerkrieg kam, wie es den Menschen damit geht und wie du helfen kannst.

Darum geht's:


Wenn der Krieg zum Alltag gehört

So etwas kann man sich kaum vorstellen, aber die Menschen im Südsudan leben schon seit über 70 Jahren mit dem Krieg. Los ging es 1947 mit dem Beschluss, dass der - ursprünglich unabhängige - Südsudan unter die Regierung des Sudan gestellt werden sollte. Der Beschluss wurde ohne einen südsudanesischen Vertreter getroffen. Man entschied also einfach über ihre Köpfe hinweg. Kein Wunder, dass die Südsudanesen nicht begeistert waren. Es gab den ersten sogenannten Sezessionskrieges. Der dauerte unvorstellbare 17 Jahre. Über eine halbe Million Menschen waren bis zu diesem Zeitpunkt im Krieg gestorben, hunderttausende hatten sich im Dschungel oder in Flüchtlingscamps versteckt.

1972 trat etwas Ruhe ein, als der Südsudan seine Unabhängigkeit zurückbekam. Dann wurde Öl entdeckt und der Norden versuchte sich diesen wertvollen Rohstoff zu sichern. Wieder übernahm der Sudan das Ruder im Südsudan und 1983 kam es zum nächsten Bürgerkrieg. Während dieser Zeit gründete sich die „Sudanesische Volksbefreiungsarmee“. Die Kurzform SPLA leitet sich aus der englischen Bezeichnung ab: Sudan People’s Liberation Army. Sie wird die entscheidende politische Kraft im Land und treibt den Kampf gegen den Norden weiter voran. Ziel war die Autonomie, die verwaltungsmäßige Unabhängigkeit, vom Sudan. Der zweite Bürgerkrieg endete mit der Unabhängigkeit des Südsudan im Jahr 2011. Doch nur zwei Jahre später bricht ein neuer Krieg innerhalb des Landes aus.


Die ersten Angriffe, Schießereien, Raubzüge und niedergebrannten Häuser hatten wir Ende 2015.

Chiara Menegazzi, Programm-Koordinatorin in Wau


Inzwischen kämpft jeder gegen jeden

Der Südsudan könnte ein reiches Land sein mit seinen Ölvorkommen und fruchtbaren Böden. Doch leider funktioniert dort nichts, denn nach der Unabhängigkeit vom Sudan bricht ein Konflikt innerhalb der regierenden Partei aus. Daran beteiligt sind die beiden größten ethnischen Gruppen, Dinka und Nuer. Die Nuer fühlen sich von den Dinka dominiert, die Dinka werfen den Vizepräsidenten, ein Nuer, aus der Regierung, es kommt zum Krieg. Das ist die Kurzversion. Soldaten und Rebellen bekämpfen sich seit sechs Jahren. Wer kann, flieht in die etwas sicheren Städte wie die Hauptstadt Juba oder die Stadt Wau. Die hygienischen Zustände sind furchtbar, Millionen Menschen hungern. Der im letzten Jahr geschlossene Friedensvertrag ist sehr brüchig.

Daten, Zahlen, Fakten

Schätzungsweise 13 Millionen Menschen leben im Südsudan. Mehr als die Hälfte hat kaum etwas zum Essen und ist auf Hilfe angewiesen. So steht es dem aktuellsten Bericht der Vereinten Nationen. Seit Ausbruch des Bürgerkrieges innerhalb des Südsudans 2013, bekriegen sich alle ethnischen Gruppen gegenseitig, allen voran die Dinka und Nuer. Doch inzwischen haben Viele den Überblick verloren, was die Lage für die Menschen noch gefährlicher macht. Hunderttausende Menschen wurden getötet, Millionen Menschen haben ihr Zuhause verlassen. Ungefähr zwei Millionen sind Flüchtlinge im eigenen Land. Über zwei Millionen Menschen sind aus dem Land in die Nachbarländer geflohen.

Wer kann, flieht

Im Nordwesten liegt die Stadt Wau. In einigen Teilen befinden sich Flüchtlingscamps und -lager. Die Dörfer rund um Wau sind wie leergefegt. Dort, wo Bauern lebten und das fruchtbare Land bestellten, sind die Hütten leer. In vielen Teilen des Landes lohnt es sich nicht mehr, die Felder zu bestellen, weil Soldaten oder Rebellen die Ernte stehlen. Dabei mussten schon tausende Bauern und ihre Familien ihr Leben lassen. Wer von den Überfällen verschont bleibt oder sie überlebt, flieht. 2,2 Millionen Menschen haben das Land verlassen und suchen in den Nachbarländern wie Uganda, Kenia, Sudan, Äthiopien oder im Kongo Schutz. Die meisten von ihnen warten nur darauf, bis sich die Lage beruhigt und sie wieder zurück in ihre Heimat können. Etwa zwei Millionen Menschen suchen in ihrem eigenen Land Zuflucht in Verstecken oder Flüchtlingscamps. Sie brauchen vor allem Lebensmittel und Trinkwasser. Hilfsorganisationen wie die Malteser versorgen die Menschen, so gut es geht. Dafür brauchen sie Unterstützung zum Beispiel durch Spenden. Damit werden unter anderem landwirtschaftliche und Bildungsprojekte gefördert.

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Mit diesen Projekten unterstützen die Malteser ein vom Bürgerkrieg gebeuteltes Land.

So kannst du helfen

Die Ressourcen im Südsudan sind knapp. Der Bürgerkrieg hat dafür gesorgt, dass Bauern sich schon lange nicht mehr auf ihre Felder trauen, Menschen sind verletzt und können nicht mehr arbeiten, Millionen Menschen sind auf der Flucht. Wenn die Bauern nichts mehr auf den Märkten verkaufen können, gibt es für die Menschen nichts mehr zu essen. Erschwerend hinzu kommt das Wetter mit Überschwemmungen und Trockenperioden. Wenn sowieso schon kaum Getreide, Obst und Gemüse angebaut werden, dann können schlechte Ernten nicht mehr ausgeglichen werden. Malteser International hat verschiedene Projekte gestartet, um die Landwirtschaft in den ruhigeren Gebieten des Landes zu fördern, wie in Maridi, einer Kleinstadt im Südwesten.

Mit deiner Spende kannst du das Projekt ganz einfach unterstützen. Das muss nicht viel sein, aber jedes kleine Bisschen ist eine riesengroße Hilfe für die Menschen im Südsudan.

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