Mission Wünsche erfüllen: als Rettungsassistentin im Herzenswunsch-Krankenwagen

Wer an einer tödlichen Krankheit leidet, für den ist jede Erfahrung kostbar: Ein letztes Mal ans Meer fahren. Sich von seinen Liebsten verabschieden. Diese Wünsche klingen so einfach. Doch sie zu erfüllen, gestaltet sich oft schwierig – denn den Betroffenen fehlt es einfach an Kraft. Gut, dass es Menschen wie die 27-jährige Rettungsassistentin Lena Marie gibt, die sich ehrenamtlich im Malteser Herzenswunsch-Krankenwagen engagiert. 

Darum geht's:


Wie funktioniert der Herzenswunsch-Krankenwagen?

„Als ich von der Aktion hörte, war für mich sofort klar, dass ich dabei sein wollte“, erzählt Lena Marie. Sie berichtet uns, wie so ein Transport zustande kommt – und wie es sich anfühlt, unheilbar Kranken diese ganz besonderen Wünsche zu erfüllen. Eine hochemotionale Aktion. Für Helfer und Kranke.

 

Krankenwagen fährt auf der Straße
Der Herzenswunsch-Krankenwagen im Einsatz. © Malteser

Am Anfang steht der Wunsch der Patienten. Dr. Christoph Mock, Theologe und Trauerbegleiter der Malteser in Hannover, koordiniert und regelt dann alles Weitere: Er stellt den Kontakt zwischen Klienten, Ärzten und Helfern her, arbeitet eng mit den Hospizen zusammen und hält Rücksprache mit dem jeweiligen Arzt. Denn dieser muss den Krankheitsverlauf des Klienten überprüfen und sicherstellen, dass ein Ausflug aus medizinischer Sicht vertretbar ist. Gibt der Arzt sein Okay, muss noch das Wann und Wohin geklärt werden. Und auch, ob der Klient Medikamente benötigt und sie selbständig einnehmen kann – unverzichtbare Infos für die Rettungsassistenten.

Sind alle diese Punkte erfüllt, kann es losgehen. Zur Durchführung der Transporte finden sich immer mehr als genug Freiwillige: „Als wir die erste Anfrage hier in Braunschweig erhielten, war für mich und 20 andere sofort klar, dass wir dabei sein wollten“, erzählt Lena Marie begeistert.

Der Herzenswunsch-Krankenwagen

Die Idee hinter dem 2016 gegründeten Herzenswunsch-Krankenwagen: ehrenamtliche Malteser bringen todkranke Menschen an deren persönlichen Wunschort – kostenlos, egal wohin. Mittlerweile gibt es das Projekt an diversen Malteser-Standorten: z.B. in Leverkusen, Celle, Braunschweig, Wolfsburg, Köln, Freiburg, Göttingen, Würzburg und Hannover. Der Service ist für die Klienten kostenlos – und doch für sie, ihre Angehörigen und die Helfer unschätzbar wertvoll.

Ein persönliches Erlebnis – für Klienten und Helfer

Einer ihrer ersten Einsätze bringt die Rettungsassistentin mit Anke zusammen. Die Diagnose der Klientin: Eierstockkrebs. Die Prognose: düster. Ihr Traum: Noch einmal an die See fahren. Mit diesem Wunsch tritt sie an die Malteser heran – der an einem Adventssonntag 2016 erfüllt wird. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Holger Scherf fährt Lena Marie Anke von Braunschweig ans Steinhuder Meer. „Auf der Fahrt hat sie mit mir ganz offen über alles geredet, was auf ihrer Seele liegt. Vom Sterben. Vom Tod. Von ihrer Familie. Das hat mich unheimlich beeindruckt“, erinnert sie sich.

Kurze Zeit später. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin sitzt Anke am Ufer. Das Plätschern der Wellen beruhigt das aufgewühlte Herz. Der Wind bläst den Kopf einen Moment lang frei von den dunklen Gedanken. Sie lächelt. „Dieser Tag ist ein Geschenk. Ich bin den Maltesern so dankbar dafür.“

Und auch Lena Marie ist dankbar, dass sie dabei sein durfte. „Es ist die Möglichkeit, jemanden auf seinem letzten Weg ein Stück zu begleiten. Ohne Stress und Zeitdruck – nicht immer möglich im hektischen Alltag. Auf einer Fahrt mit dem Herzenswunsch-Krankenwagen kann man sich Zeit für die Klienten nehmen. Aber was am schönsten ist: Ich kann mit meiner Freizeit etwas Sinnvolles tun.”


Es ist ein wunderbares Gefühl, jemandem einen Herzenswunsch zu erfüllen.

Lena Marie, Rettungsassistentin im Herzenswunsch-Krankenwagen


Portraitbild von Lena Marie Dill vor dem Krankenwagen
Lena Marie vor dem „Herzenswunsch-Krankenwagen“ © Lena Marie Dill

Ehrenamtlich bei den Maltesern: Etwas Sinnvolles mit seiner Zeit anfangen

Es gibt viele Einrichtungen, bei denen man ehrenamtlich tätig werden kann. Wieso ist Lena Marie bei den Maltesern gelandet?

„Malteser ist man nicht allein. Man erfährt hier eine tolle Gemeinschaft, lernt neue Menschen kennen und schließt Freundschaften. Der Teamgeist, sich auf andere verlassen zu können, selber verlässlich sein – das sind Erfahrungen, die definitiv glücklich machen!“

Dass das nicht immer einfach ist, muss sie aber auch eingestehen: „Gerade als introvertierter Mensch ist es manchmal schwierig, auf andere Menschen zuzugehen. Aber eine sinnvolle Aufgabe zu haben, stärkt das Selbstbewusstsein. Wenn wir wissen, dass wir gebraucht werden und etwas gut gemacht haben, dann fühlen wir uns sicher. Und das strahlen wir auch aus.“

Was macht man als Ehrenamtlicher bei den Maltesern?

Wer sich bei den Maltesern engagieren möchte, muss nicht hauptberuflich Pflegerin sein. Auch Lena Marie ist eher zufällig zu den Maltesern gekommen. Und durfte am Anfang erst mal schauspielern: „Über den Schulsanitätsdienst bin ich zu einem erweiterten Erste Hilfe-Kurs gelangt. Dort habe ich meine Verletzungen so echt gespielt, dass ich gefragt wurde, ob ich nicht in der realistischen Notfalldarstellung mitwirken möchte“, lacht sie.

Seitdem simuliert sie Katastropheneinsätze oder hilft als Rettungsassistentin bei echten Evakuierungen, meist zusammen mit einem Team aus Notärzten und Hundeführern. Auch bei Bränden und großen Unfällen kommt sie zum Einsatz. Oder sie erfüllt Herzenswünsche – nebenberuflich, ohne materielle Vergütung. „Im Ehrenamt bekomme ich keine Bezahlung. Das finde ich gut so. Denn das, was ich zurückbekomme, ist so viel wertvoller als Geld: ein Lächeln, Erfahrungen, Wissen, soziale Kompetenzen. Und einfach das Gefühl, etwas Gutes und Sinnvolles geschafft zu haben.“ Und das ist für manche auch ein Herzenswunsch.

Malteser werden

Du hast auch Lust, dich ehrenamtlich zu engagieren? Hier findest du weitere Infos. Weitere Informationen zum Herzenswunsch-Krankenwagen der Malteser findest du hier.

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