Weltflüchtlingstag: Solidarität mit Geflüchteten weltweit

Am 20. Juni ist Weltflüchtlingstag. Seit 20 Jahren wird mit dem Aktionstag auf das Schicksal von Geflüchteten aufmerksam gemacht. Auf der ganzen Welt muss eine steigende Zahl von Menschen vor Unterdrückung, Krieg und Armut fliehen.

Darum geht’s:


Was ist der Weltflüchtlingstag?

Seit 2001 wird der Weltflüchtlingstag jedes Jahr am 20. Juni begangen. In etwa 100 Ländern auf der ganzen Welt finden an diesem Tag Veranstaltungen statt, bei denen die Teilnehmenden die Stärke, den Mut, die Widerstandsfähigkeit und Entschlossenheit von Geflüchteten, Binnenvertriebenen und Staatenlosen würdigen, auf ihre Situation aufmerksam machen und sich mit ihnen solidarisch zeigen. Geflüchtete nehmen auch selbst aktiv an diesem Tag teil und organisieren eigene Events.
Ins Leben gerufen wurde der Weltflüchtlingstag von den Vereinten Nationen (UNO). Als internationale Organisationen für den Flüchtlingsschutz setzt sich das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) für bessere Lebensbedingungen von Geflüchteten und ein besseres Zusammenleben von ihnen und der jeweils einheimischen Bevölkerung ein. Grundlage der Arbeit von UNHCR ist die Genfer Flüchtlingskonvention, das wichtigste internationale Übereinkommen für den Schutz von Geflüchteten.

82,4 Millionen Menschen sind auf der Flucht

Ende 2020 waren laut Jahresbericht des UNHCR weltweit über 82,4 Millionen Menschen auf der Flucht – das ist mehr als ein Prozent der Weltbevölkerung. 40 Prozent davon sind Kinder unter 18 Jahren*. Die Zahl steigt seit Jahren an, doch viele Menschen scheinen ob der nüchternen Statistiken und der vielen schrecklichen Nachrichten die Bedeutung und das Ausmaß dieser Entwicklung zu vergessen. Mit dem Weltflüchtlingstag soll daran erinnert werden, dass hinter jeder Zahl ein Mensch steht. Frauen, Männer und Kinder, die Kriege, Gewalt, politische, ethnische oder religiöse Verfolgung oder Menschenrechtsverletzungen erleben mussten. Um ihre Geschichten von Verlust, aber auch von Mut, Hoffnung und Stärke, geht es am Weltflüchtlingstag.

Viele Länder, viele Schicksale

68 Prozent aller Geflüchteten kommen derzeit aus fünf Ländern: Syrien (6,6 Mio.), Venezuela (3,7 Mio.), Afghanistan (2,7 Mio.), dem Südsudan (2,2 Mio.) und Myanmar (2,1 Mio.)*. Die Hauptaufnahmeländer für Geflüchtete sind die Türkei (3,6 Mio.), Kolumbien (1,8 Mio.), Pakistan (1,4 Mio.), Uganda (1,4 Mio.) und Deutschland (1,1 Mio.)*.

In Syrien ist die Lage besonders dramatisch: Zehn Jahre Krieg haben hier schon mehr als 500.000 Todesopfer gefordert und über 13 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Durch die unberechenbaren Kriegsentwicklungen verschlechtert sich die humanitäre Lage der Menschen vor Ort immer mehr, über 13 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Auch die Malteser sind vor Ort im Einsatz.

In Venezuela ist seit dem Amtsantritt von Präsident Maduro 2013 nichts mehr, wie es einmal war. Die Wirtschaft ist um ein Drittel eingebrochen, durch eine Hyperinflation ist das Geld hier praktisch wertlos. Viele Venezolaner sind von Armut betroffen und leiden Hunger. Krankheiten breiten sich aus, da das Gesundheitssystem zusammengebrochen ist. Gleichzeitig ist die Kriminalität enorm angestiegen – Angst und Terror bestimmen den Alltag der Menschen. Sie fliehen nach Brasilien und Kolumbien oder suchen Asyl in anderen südamerikanischen Ländern wie Peru und Ecuador. Malteser International unterstützt seit 2018 venezolanische Geflüchtete in den kolumbianischen Departements La Guajira und Magdalena. Sie versorgen unterernährte Kinder, Neugeborene und schwangere Frauen und verteilen Hilfsgüter. Darüber hinaus werden medizinische Untersuchungen durchgeführt, psychologische Beratungen angeboten und Medikamente verteilt.

Afghanistan ist durch Konflikte und extreme Wetterereignisse seit Jahrzehnten von Flucht und Vertreibung geprägt. 4,6 Millionen Afghaninnen und Afghanen leben außerhalb ihres Landes, die meisten davon in den Nachbarländern Pakistan und dem Iran. In Europa machen Asylbewerber und Asylbewerberinnen aus Afghanistan die größte Gruppe der Neuankömmlinge aus.

Im Gebiet des heutigen Südsudans herrscht seit Jahrzehnten Krieg. Wer kann, der flieht. 2,2 Millionen Menschen haben das Land bereits verlassen. Sie suchen Schutz in den Nachbarländern Uganda, Kenia, Sudan, Äthiopien oder in der DR Kongo oder finden Zuflucht im eigenen Land, zum Beispiel im Flüchtlingscamp in Wau. Durch die Corona-Pandemie hat sich das Leben für viele Menschen in dem Binnenstaat im Osten Afrikas noch weiter verschlechtert.

In Myanmar werden die Rohingya als staatenlose muslimische Minderheit verfolgt. Zu Hunderttausenden flohen sie nach Gewaltausschreitungen 2017 in die Nähe der bangladeschischen Stadt Cox’s Bazar. Dort ist mittlerweile das größte Flüchtlingslager der Welt, Kutupalong, entstanden.

Spenden für Geflüchtete in Bangladesch

Du möchtest die Helferinnen und Helfer sowie die geflüchteten Rohingya in Bangladesch während der anhaltenden Krise unterstützen? Das geht zum Beispiel mit einer Spende an die Malteser.

Todesfalle Mittelmeer

Auf ihrer Suche nach einer sicheren Zuflucht nehmen immer mehr Menschen auf ihrer Flucht hohe Risiken in Kauf. Viele machen sich auf seeuntüchtigen Schiffen und Booten auf den Weg nach Europa. Allein 2018 starben rund 2.300 Menschen bei ihrem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren. UNHCR drängt darauf, dass die Länder Europas gemeinsam dafür sorgen, die Wege nach Europa für Menschen auf der Flucht sicherer zu machen.

Geflüchtete brauchen unsere Hilfe

Neu in einem fremden Land, mit fremder Sprache und anderer Mentalität: Für Geflüchtete ist es nicht immer leicht, sich in ihrer neuen Umgebung zurechtzufinden. Seit 2016 läuft die vom UNHCR initiierte globale Kampagne #WithRefugees. Mit dabei sind Unternehmen und NGOs, Stiftungen, Glaubensgemeinschaften, Universitäten und Jugendorganisationen. Sie alle setzen sich für den Flüchtlingsschutz ein – bislang gab es unter dem Motto #WithRefugees 40 Millionen Aktionen, insbesondere in den Bereichen Bildung, Unterkunft und Beschäftigung. Auch in Deutschland engagieren sich viele Ehrenamtliche für die Integration von Geflüchteten. Jana hilft zum Beispiel einem Geflüchteten aus Afghanistan, bei uns Fuß zu fassen. Im Ausbildungsförderzentrum Bad Aibling bekommen sieben Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan, Kongo, Eritrea und Süd-Sudan die Chance, eine Ausbildung zu machen.

So setzt du dich für Geflüchtete ein

Du willst dich auch in der Flüchtlingshilfe engagieren? Was du genau tun kannst, liest du hier.

* Alle Zahlen Stand Mai 2021. Mehr Infos: https://www.unhcr.org/dach/de/services/statistiken


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