Krieg im Südsudan: So ist das Leben im Flüchtlingscamp Wau

Nachhause kommen, aus dem Kühlschrank etwas zum Essen suchen, dann ab aufs Sofa und die Serie bei Netflix weitergucken - so läuft ein stinknormaler Abend in Deutschland ab. Mindestens 13 Flugstunden entfernt, im Südsudan, sieht das Leben völlig anders aus. Dort gibt es Hunger und Krieg und zwar in echt. In den Flüchtlingscamps in Wau bieten Stacheldraht, Wachtürme und meterhohe Zäune Schutz vor Angriffen und den heftigen Regenfällen. So lebt es sich dort.

Darum geht's:


Das Leben im Camp

In dem Flüchtlingscamp in Wau verteilen Ärzte und Helfer “Kuchen”. Der schmeckt nach Erdnussbutter und ist voller Kalorien. Nicht jeder bekommt etwas davon, sondern nur diejenigen, die kurz vor dem Verhungern sind. Eine Mutter treibt dieser Kuchen zur Verzweiflung. Sie hat mehrere Kinder, das jüngste ist ein halbes Jahr alt. Es wird sterben, wenn sie ihm den Kuchen nicht gibt. Aber ihre anderen Kinder haben auch Hunger, darum wäre es doch gerecht, den Kuchen unter ihnen aufzuteilen. Dann aber würde das Baby sterben, denn nur ein Stück vom Kuchen wird nicht reichen.

Hunger und Angst beherrschen das Land in der zweitgrößten Stadt Wau. Einige Stadtteile sind einigermaßen sicher, denn die Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen haben hier Flüchtlingscamps aufgebaut. Sie bieten medizinische Versorgung und Lebensmittel. Stacheldraht und Zäune sollen die Rebellen und Soldaten fernhalten. Auch die Kirche bietet den Menschen Schutz, denn vor den Kirchentüren machen die Kämpfer Halt. Sie haben Respekt vor den Häusern Gottes.

Wer Schutz in den Camps gefunden hat, lebt vielleicht etwas sicherer, aber Hunger und Krankheiten lassen sich von Zäunen und Kirchenkreuzen leider nicht abhalten. 5.000 Menschen sind auf dem Gelände einer alten Kathedrale in Wau untergekommen. Es ist laut und es stinkt. Es gibt kaum Toiletten. Damit ihre Exkremente nicht das Grundwasser verseuchen, haben Helfer von den Maltesern draußen Latrinen angelegt, verteilen Seife und sauberes Trinkwasser. Das hilft, aber nur solange die Regenzeit nicht einsetzt. Dann verwandeln literweise Regen die trockenen Böden plötzlich in Sümpfe. Krankheiten, wie Malaria, verbreiten sich nun noch schneller. Dann wird es auch schwieriger Lebensmittel nach Wau zu bringen, denn der Regen macht die Straßen unbefahrbar. Nur noch Flugzeuge können Wau über den Flughafen im Norden der Stadt erreichen. Obwohl die Gegend sehr fruchtbar ist, sind die Menschen wegen des Bürgerkrieges auf Lebensmittelimporte aus den Nachbarländern wie Kenia und Uganda angewiesen.

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Darum müssen die Menschen flüchten

Mit Landwirtschaft und Handwerk haben die Südsudanesen ihren Lebensunterhalt verdient. Der Krieg hat das kaputt gemacht. Viele Bauern haben kein Vieh mehr. Es wurde ihnen von Soldaten oder Rebellen geklaut. Die Felder zu bestellen lohnt sich nicht mehr, die Ernte wird ebenfalls gestohlen und im schlimmsten Fall bezahlen die Bauern es mit dem Leben, wenn sie dem Falschen auf dem Feld begegnen. Die Landwirtschaft liegt brach. Es gibt kaum noch jemanden, der auf dem Markt etwas verkauft. Der Krieg hat Landwirtschaft und Infrastruktur zerstört. Die Hütten rund um Wau sind verwaist. Ganze Dörfer sind niedergebrannt. Die Menschen fürchten einerseits um ihr Leben, andererseits wird es immer schwerer an Lebensmittel heranzukommen. Wer kann, flieht nach Wau in die Hilfscamps und Kirchen. Hier gibt es nicht nur Schutz vor den Milizen und Rebellen, sondern auch medizinische Versorgung, sauberes Wasser und Lebensmittel. Allerdings ist es nicht einfach die Hilfsgüter in die Stadt zu bekommen. Transporter der Hilfsorganisationen werden auf dem Weg nach Wau immer wieder vom Militär, von Rebellen oder von Plünderern überfallen. Und wenn im Sommer die Regenzeit anbricht, dann wird alles noch komplizierter, denn innerhalb kürzester Zeit werden die Straßen vom Regen geflutet und sind nicht mehr befahrbar. Wau wird zu einer Insel in unbegehbaren Sümpfen. Darum versuchen die Menschen möglichst vor der Regenzeit in Wau anzukommen. Denn hier wartet etwas sehr Wertvolles auf sie: Hoffnung.

Wau – Kriegsschauplatz und Anlaufpunkt für Flüchtende

Wau ist die zweitgrößte Stadt im Südsudan. In den 80er Jahren hörte man in den deutschen Nachrichten sehr viel von Wau, weil die Kämpfe während dieser Zeit besonders schlimm waren. Damals ging es um die Unabhängigkeit des Südsudans vom Sudan. Über Jahrzehnte kämpften Norden und Süden gegeneinander. Wau war besonders häufig von Angriffen betroffen, weil es nahe an der Grenze zum Sudan liegt. Inzwischen haben sich Sudan und Südsudan geeinigt. Seit 2011 ist der Süden unabhängig und bildet einen eigenen Staat. Das hätte ein glückliches Ende eines langen Krieges bedeuten können, aber der Frieden hielt nicht lange an. 2013 spaltete sich die Regierung und es brachen Kämpfe zwischen den zwei größten ethnischen Gruppen des Landes, den Dinka und den Nuer, aus. Seitdem herrscht ein neuer Bürgerkrieg, dieses Mal innerhalb der Landesgrenzen. Zirka 4 Millionen Südsudanesen sind auf der Flucht vor Soldaten und Rebellen, davon 2 Millionen im eigenen Land. In Wau haben viele Hilfsorganisationen Flüchtlingscamps errichtet, um die Menschen dort zu versorgen. Verschiedene Projekte, zum Beispiel die der Malteser, sorgen für bessere hygienische Bedingungen, Bildung und Nahrung. Wer helfen möchte, kann hier spenden.

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