Kutupalong: Das größte Flüchtlingslager der Welt

Sie flohen zu Hundertausenden vor Ausgrenzung, Gewalt und Terror: die Rohingya aus Myanmar. Als staatenlose muslimische Minderheit wurden sie von der dortigen Regierung verfolgt. Im weltweit größten Flüchtlingslager Kutupalong in der Stadt Cox's Bazar finden sie Zuflucht.

Darum geht's


Bei ihrer Arbeit im Flüchtlingslager sind die Malteser auf Spenden angewiesen. Möchtest du die Helfer bei ihrem Kampf für die in Bangladesch gestrandeten Rohingya unterstützen, kannst du hier spenden. 


Was ist Kutupalong für ein Lager?

Sechs Jahre ist es her (Stand: 2023), dass die Rohingya im Nachbarland Bangladesch unterkamen, in riesigen Lagern, in denen sie noch heute unter schwierigen Bedingungen ausharren. Etwa 600.000 Menschen zählt alleine das Camp Kutupalong in Cox‘s Bazar – vor allem alte Menschen, Frauen und Kinder leben hier. Sie alle sind in einer verzweifelten Lage, ihrer Heimat beraubt, hilf- und staatenlos und nirgendwo willkommen. „Es wird Zeit, dass wir eine langfristige Lösung für diese Menschen finden“, sagt Diego Curvo von Malteser International, „die Lage vor Ort ist katastrophal.“

Update 2023: Die Malteser mahnen gegen das Vergessen

Sechs Jahre nachdem die Rohingya von der myanmarischen De-Facto-Militärregierung vertrieben wurden, hat sich die Lage der Geflüchteten nicht verbessert. Cordula Wasser, Leiterin der Asien-Abteilung von Malteser International, erklärt in einem Interview mit Domradio.de, dass diese Krise und die Menschen, die unter ihr leiden, gerade in Vergessenheit geraten: „Es gibt so viele andere Krisen derzeit auf der Welt, wie den Ukraine-Krieg, den Krieg in Syrien und viele Flüchtlinge aus Afrika, dass sich Asien für die Menschen ziemlich weit weg anfühlt und die Geldgeber diese Menschen einfach vergessen.“

Die Betroffenen, die nicht in ihre Heimat zurückkehren können und in Bangladesch keine Möglichkeiten haben, sich eine neue Existenz aufzubauen, sind also mehr denn je auf Hilfe angewiesen. Hinter dem nachfolgenden Link erfährst du, warum die „Vergessenen Krisen“ keine Seltenheit sind.

Bitte beachten Sie: Sobald Sie sich das Video ansehen, werden Informationen darüber an Youtube/Google übermittelt. Weitere Informationen dazu finden Sie unter Google Datenschutzerklärung.

Die Region Cox’s Bazar ist eigentlich ein Urlaubsgebiet, mit 120 Kilometern Sandstrand einer der beliebtesten Badeorte Bangladeschs. Doch heute liegt hier das größte Flüchtlingslager der Welt. Im Jahr 2017 flohen etwa eine Million Menschen aus Myanmar – die meisten davon nach Bangladesch, wo sie seither dicht an dicht in Bambushütten, Bretterverschlägen, unter Planen oder freiem Himmel leben. „Das ist ein riesengroßes Gebiet, das sich über Felder und Straßenränder erstreckt“, sagt Diego Curvo, „mit dem Mega-Camp Kutupalong und mehreren kleinen Lagern, die teilweise ineinander übergehen.“ 

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Laut Diego sind die Bedingungen im Lager alles andere als gut – es gibt kein Licht, nicht genug Toiletten, keine befestigten Straßen: „Wenn es regnet, ist das ein einziges Matschgebiet, auch sonst ist es sehr dreckig.“ Auch das Ökosystem in dem Gebiet leide bereits – im nahegelegenen Fluss lebten etwa keine Fische mehr, zu verdreckt sei das Wasser inzwischen. 

Die Rohingya sind eine überwiegend muslimische Volksgruppe, die im westlichen Myanmar an der Grenze zu Bangladesch lebt. Dort werden sie seit vielen Jahren systematisch durch Militär und Regierung diskriminiert und verfolgt. Die Rohingya dürfen im buddhistisch geprägten Myanmar nicht wählen, sie haben keine Rechte, keinen Zugang zu höherer Bildung und dürfen sich nicht frei im Land bewegen. 2017 eskalierte der Konflikt und nach einer brutalen Militäroffensive gegen die Rohingya-Bevölkerung flohen Hunderttausende Menschen in das benachbarte Bangladesch. Fast eine Million Rohingya leben dort derzeit unter prekären Bedingungen im Exil. Die Vereinten Nationen bezeichnen sie als die weltweit am meisten verfolgte Minderheit. 

Wie ist die aktuelle Situation?

„Die Lage ist sehr schwierig, die Menschen sind hoffnungslos, wissen nicht, wie es mit ihnen weitergehen soll“, sagt Diego. Fast alle Menschen in dem Camp haben traumatische Erfahrungen gemacht – sie haben immer wieder Gewalt erlebt, Schläge, Folter, Vergewaltigungen. „Sie kamen nur mit den Dingen, die sie am Leibe trugen“, erzählt Diego, „alles andere ließen sie zurück.“ Und im Lager leiden sie weiter Not. Da es nicht genug Trinkwasser gibt, versorgen sich die Menschen mit dem verdreckten Flusswasser. Krankheiten breiten sich aus, es kommt zu Mangelernährung – die medizinische Versorgung ist nicht ausreichend. Hier setzen unter anderem die Malteser mit ihren Hilfsangeboten an. 

Was machen die Malteser vor Ort?

Mit der Partnerorganisation Gonoshasthaya Kendra betreiben die Malteser drei Gesundheitsposten im Camp. Jeweils eine Ärztin oder ein Arzt, eine Apothekerin oder ein Apotheker, eine Psychologin oder ein Psychologe und Pflegerinnen und Pfleger stehen den Flüchtlingen als Ansprechpartner oder Ansprechpartnerin und Anlaufstation zur Verfügung. „Wir haben sogar ein Labor, in dem 18 unterschiedliche Tests gemacht werden können. Das ist in dieser Region und in der Flüchtlingshilfe allgemein nicht üblich – und darauf sind wir stolz.“ 

So können Krankheiten schneller festgestellt, etwa zwischen bakteriellen und Virusinfekten unterschieden und im Bedarfsfall Überweisungen an Krankenhäuser schneller und besser vorgenommen werden. Ein weiteres Team sucht die Flüchtlinge im Camp auf, macht Hausbesuche, bietet direkt Unterstützung an und erreicht so auch diejenigen, die sich nicht selbst zu den Gesundheitsstationen begeben. Auch eine Ernährungsberatung und Hygieneschulungen bieten die Malteser an. „Dabei ist es uns wichtig, dass wir nicht nur die Menschen im Flüchtlingscamp unterstützen, sondern auch die Menschen vor Ort“, erklärt Diego.

Wie sieht die Hilfe für die Einheimischen aus?

Auch die lokale Bevölkerung leidet unter der Situation – in der vormals 170.000 Einwohner umfassenden Gemeinde leben jetzt fast eine Million Menschen. Mit dramatischen Folgen für alle: Auf den Feldern haben sich Flüchtlinge niedergelassen. Sie können nicht mehr bestellt werden, durch die Flüchtlingszuströme fehlt es auch an Weideflächen für die Tiere. Die Bäume in den nahegelegenen Wäldern werden gebraucht, damit sich die Geflohenen wärmen oder ihre Mahlzeiten kochen konnten. „Das ist eine Kettenreaktion von immensen Ausmaßen“, betont Diego. Um dem entgegenzuwirken, arbeiten die Malteser mit COAST Trust, einer weiteren Partnerorganisation, an alternativen Einkommensgenerierungsmaßnahmen, der Stärkung politischer Teilhabe und der Unterstützung von Frauen in den lokalen Gastgemeinden. Außerdem leisten die Malteser in Schulen Aufklärungsarbeit zu Hygienemaßnahmen oder verbesserter Ernährung.
 

Wie ist die Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen?

„Es sind viele Hilfsorganisationen vor Ort und die Zusammenarbeit läuft sehr gut“, sagt Diego. So arbeiteten in den unterschiedlichen Bereichen verschiedene Teams eng zusammen und sprächen sich regelmäßig und frühzeitig ab, um ihre Maßnahmen zu koordinieren: „Das funktioniert sehr gut.“ Wie auch bei den Covid-19-Maßnahmen. „Es wurde ein Protokoll erarbeitet, an dem auch die Regierung beteiligt ist.“ Insgesamt gab es sehr schnell einen Lockdown im Land, dem Rechnung getragen werden musste und der auch dazu führte, dass sich die Lage im Camp veränderte.“ Die Lager seien quasi versiegelt, wie Diego berichtet, es gäbe Straßenkontrollen, bestimmte Bereiche seien ganz abgeriegelt.  

Was wünscht sich Diego für die Menschen im Camp?

„Bei meiner ersten Reise ins Camp habe ich eine Frau kennengelernt. Auf die Frage, was ihr Sorgen bereite, hatte sie keine Antwort. Sie hatte schlicht keine mehr. Ihr Mann war ermordet worden – sie war traumatisiert, perspektivlos, ohne Hoffnung. Diese ernste, traurige Frau steht für mich für so viele der Geflüchteten.“ 

Deshalb ist für den Malteser klar: „Wir brauchen eine Lösung, eine Strategie, was aus den Rohingya wird. Die Menschen sind verzweifelt, haben Angst, kein Vertrauen mehr. Die internationale Gemeinschaft muss endlich eine nachhaltige Lösung erarbeiten. Denn diese Menschen brauchen uns. Sie brauchen unsere Unterstützung.“


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