Reiten mit Risiko? So leistest du Erste Hilfe
Reiten ist ein einzigartiger Sport – er verbindet das Gefühl von Freiheit, Natur und Harmonie mit dem Pferd. Doch es gibt auch Risiken. Ein Sturz oder Unfall kann schnell passieren. Umso wichtiger ist es, darauf vorbereitet zu sein. Dazu gehört die passende Ausrüstung genauso wie die Frage nach typischen Verletzungen und der richtigen Reaktion als Ersthelfer bzw. Ersthelferin.
Darum geht's
Reiten in Deutschland: Beliebtes Hobby mit Risiken
Reiten ist ein beliebtes Hobby hierzulande: Laut Statista interessieren sich 3,35 Millionen Menschen besonders für diese Sportart. Mehrere Millionen Deutsche ab 14 Jahren sitzen in ihrer Freizeit ab und zu auf dem Rücken eines Pferdes, laut Statista 1,8 Millionen von ihnen sogar häufig. Darunter sind deutlich mehr Frauen als Männer. Reiten ist sicherlich eines der faszinierendsten Hobbys – allerdings auch eines der riskanteren: Es kommt verglichen mit anderen Sportarten relativ häufig zu Unfällen.
Ist Reiten eine besonders riskante Sportart?
Das Verletzungsrisiko beim Reiten ist vergleichsweise hoch – das zeigen die Statistiken. Mindestens 40.000 Reitunfälle müssen in Deutschland jährlich ärztlich behandelt werden. Vermutlich ist die Zahl deutlich höher, weil Reitunfälle nicht gemeldet werden müssen. Laut eines Forschungsteams der „University of Texas – Rio Grande Valley“ verursache Reiten mehr Krankenhauseinweisungen als Skifahren oder Motorsport. Bei jungen Menschen gehört der Reitsport zu den drei unfallträchtigsten Sportarten.
Was sind häufige Ursachen für Reitunfälle?
Pferde sind Fluchttiere und erschrecken sich leicht. Unerwartete Geräusche, Bewegungen oder eigentlich harmlos erscheinende Gegenstände wie Plastiktüten können dazu führen, dass ein Pferd erschrickt, zur Seite springt oder durchgeht. Dementsprechend sind die häufigsten Unfallursachen Stürze vom Pferd. Eine weitere Unfallgefahr sind Tritte von Pferden – etwa, wenn Reitende unachtsam im Umgang mit den Tieren sind. Sei es, dass ein Pferd ihnen auf den Fuß tritt oder, wenn sie hinter ihm hergehen, gegen das Bein oder den Rest des Körpers. Immer wieder zu Unfällen kommt es auch bei Hindernissprüngen. Fehlerhafte Landungen und Kontrollverlust führen hier zu Stürzen.
Grundsätzlich gilt: Unachtsamkeit, Unerfahrenheit oder Übermut sind im Reitsport hohe Risikofaktoren, die besonders im Freizeitbereich auftreten.
Wie kann ich Reitunfällen vorbeugen?
Erfahrung im Umgang mit Pferden ist ebenso wichtig wie das verantwortungsvolle Verhalten beim Reiten und das Vermeiden von Risiken. Neben der Qualifikation der Reiterinnen und Reiter ist die Auswahl des richtigen Pferdes von großer Bedeutung. Gerade Anfängerinnen und Anfänger sollten gut ausgebildete, ruhige und verlässliche Pferde wählen. Eine langfristige Bindung zwischen Reitenden und Pferden steigert zudem das Vertrauen und mindert das Risiko von Unfällen.
Welche Verletzungen sind typisch bei Reitunfällen?
Bei Reitunfällen treten die häufigsten Verletzungen in folgenden Bereichen auf:
- Hände, Arme und Schultern: Durch Stürze oder das Verheddern in den Zügeln sind Hände und Arme besonders oft betroffen von Verletzungen – es kommt zu Schürfwunden, Prellungen, Verstauchungen und auch Brüchen.
- Beine und Füße: Verletzungen an den Beinen, insbesondere durch Pferdetritte, sind ebenfalls häufig. Der Fuß ist dabei die am meisten gefährdete Region bei Tritten.
- Kopfverletzungen sind besonders gefährlich. Stürze (oder auch Tritte) können Gehirnerschütterungen auslösen oder gar schwere neurologische Schäden verursachen. Rund ein Viertel der Verletzungen betreffen den Kopf. Bester Schutz ist ein Reithelm.
- Wirbelsäule und Becken: Verletzungen in diesen Bereichen entstehen meist durch Stürze vom und mit dem Pferd – die Folgen können Stauchungen sein, Rippen- und Beckenbrüchen oder Verletzungen der Wirbelsäule. Rotationsstürze, bei denen das Pferd auf den Reiter fällt, sind eine häufige Ursache für schwere Reitunfälle.
Wie reagiere ich, wenn jemand vom Pferd gefallen ist?
Als Ersthelfender oder Ersthelfende ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und systematisch vorzugehen. Wenn die Reiterin oder der Reiter am Boden liegen bleibt, gilt folgendes:
- Zunächst sollte die Unfallstelle gesichert werden. Sorge dafür, dass weder die oder der Gestürzte noch andere Personen gefährdet sind (egal ob in der Reithalle oder im Gelände).
- Wichtig: Halte einen Sicherheitsabstand zum Pferd ein. Ein verängstigtes Tier kann unberechenbar reagieren. Versuche, das Pferd zu beruhigen und bringe es, wenn möglich, in Sicherheit, um weitere Unfälle zu vermeiden.
- Bevor du den Notruf wählst, verschaffe dir einen schnellen Überblick, wie es dem Unfallopfer geht. Ist die verletzte Person bei Bewusstsein? Blutet sie? Atmet sie regelmäßig? Je nach dem kommen zuerst die Sofortmaßnahmen.
- Rufe umgehend den Notruf (112) und beschreibe den Unfallort sowie den Zustand der oder des Verletzten so genau wie möglich. Sage, dass es sich um einen Reitunfall handelt, damit Rettungskräfte entsprechend vorbereitet sind.
- Stelle Fragen, um mögliche Schmerzen oder Verletzungen festzustellen. Achte auf Symptome wie Schwindel, Übelkeit oder Taubheitsgefühle, die auf ernsthafte Verletzungen hinweisen könnten.
- Vermeide unnötige Bewegung. Lass die Person liegen, wenn der Verdacht auf Wirbelsäulenverletzungen besteht. Starke Nacken-, Rücken- oder Kopfschmerzen können darauf hindeuten.
- Beruhige die verletzte Person, sprich mit ihr und beobachte ihren Zustand bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes.
Wie gehe ich mit einer bewusstlosen Person um?
Bei Bewusstlosigkeit leite die Sofortmaßnahmen ein. Bringe die Verletzte oder den Verletzten, sofern die Person normal atmet, in die stabile Seitenlage, um die Atemwege freizuhalten. Liegt keine normale Atmung vor, solltest du mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen, indem du eine Herzdruckmassage durchführst. Ist die Person stabilisiert, wähle den Notruf.
Wie versorge ich Wunden und Co.?
Bei Platz- und Schürfwunden, Verstauchungen oder Prellungen gelten die üblichen Erste-Hilfe-Maßnahmen – wie bei allen Sportverletzungen. So sollten etwa
- blutende Wunden gereinigt und durch einen Verband gestillt werden,
- bei verletzten Bändern, Sehnen oder Verstauchungen das betreffende Körperteil hoch gelagert und die schmerzenden Stellen gekühlt werden,
- gebrochene Körperteile ruhiggestellt und bestenfalls auch gekühlt werden.
Welche Ausrüstung schützt bei Reitunfällen?
Es gibt eine Reihe von Schutzausrüstungen für Reiterinnen und Reiter.
- Der wichtigste Schutzfaktor ist der Reithelm, der den Kopf vor Verletzungen bei Stürzen schützen kann. Dazu sollte er nach den Sicherheitsnormen für Reitsport gefertigt sein, um die Aufprallenergie so gut wie möglich zu absorbieren. Wichtig: Der Helm muss perfekt passen und sitzen.
- Sicherheitswesten können den Oberkörper, vor allem den Brustkorb, den Rücken und die inneren Organe schützen. Sie bestehen aus stoßdämpfenden Materialien und sind im Gelände- oder Springreiten unverzichtbar. • Eine moderne Innovation in der Reitsport-Sicherheit sind Sicherheitswesten mit Airbag. Sie blähen sich bei einem Sturz in Sekundenbruchteilen auf und erhöhen damit den Schutz für Oberkörper und Nacken.
- Rückenprotektoren schützen gezielt den Wirbelsäulenbereich und gelten als sinnvolle Ergänzung zu Sicherheitswesten.
- Reitstiefel dienen zum Schutz der Füße und Knöchel und sorgen für einen sicheren Halt.
- Außerdem gibt es Sicherheitssteigbügel, die das Hängenbleiben des Fußes bei einem Sturz verhindern sollen.
Wichtig ist: Alle Teile sollten gut passen und regelmäßig auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft werden.
Gibt es spezielle Erste-Hilfe-Kurse für den Pferdesport?
Ja, verschiedene Anbieter haben Erste-Hilfe-Kurse für Reiterinnen und Reiter im Angebot. Diese Kurse werden oft von Reitställen oder Vereinen angeboten. Sie decken praxisnah verschiedene Szenarien ab, beschäftigen sich also beispielsweise mit Verletzungen, die für den Reitsport typisch sind.
Darüber hinaus gibt es auch Kurse, bei denen die Erstversorgung der Tiere im Vordergrund steht. Hier werden Koliken oder Atemnot bei Pferden thematisiert. Die Malteser in Husum haben ebenfalls einen eigenen Erste-Hilfe-Kurs zum Thema Reitunfälle entwickelt. Er richtet sich an alle Hobby- und Berufsreitenden sowie Reitlehrerinnen und -lehrer.