Erste Hilfe leisten – das kannst du tun!

Es kann jederzeit passieren: In deiner unmittelbaren Umgebung ereignet sich ein Unfall. Jetzt ist es deine Pflicht, Erste Hilfe zu leisten. Die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen findest du hier zusammengefasst und erklärt.

Darum geht's:


Einen Überblick verschaffen 

Was ist hier eigentlich los? Ob du den Unfall direkt mitbekommen hast oder erst später am Ort des Geschehens eintriffst, verschaffe dir zuerst einen Überblick. Wie viele Verletzte gibt es? Sind sie ansprechbar oder bewusstlos? Gibt es weitere Personen, die Hilfe leisten könnten? Merke dir für mögliche Notfallsituationen die 5 Glieder der Rettungskette: 

  1. Absichern & Eigenschutz
  2. Notruf & Sofortmaßnahmen 
  3. weitere Erste Hilfe 
  4. Rettungsdienst 
  5. Krankenhaus 

Die Kettenglieder sollten möglichst gut ineinandergreifen. So wird sichergestellt, dass die Verletzten optimal versorgt sind. Als Ersthelferin und -helfer arbeitest du die ersten drei Kettenglieder ab. Das heißt, du versorgst und betreust Verletzte am Unfallort so lange, bis Fachkräfte zur Stelle sind wie die Rettungssanitäter und Notärzte. 

Unfallstelle absichern

Erste-Hilfe-Maßnahmen können in verschiedenen Situationen notwendig sein wie bei einem Schlaganfall, allergischen Schock, epileptischen Anfall oder bei einem Autounfall. An dem Szenario Autounfall lassen sich die wichtigsten Schritte von Erster Hilfe anschaulich darstellen. Zuerst muss die Unfallstelle gesichert werden. Wirst du Zeuge eines Autounfalls, sollten dies deine ersten Schritte sein: Warnblinker einschalten, Warnweste anziehen, Warndreieck aufstellen und der Griff zum Erste-Hilfe-Kasten. Diese Utensilien sollten in jedem Auto vorhanden sein. Beim Aufstellen des Warndreiecks empfiehlt der TÜV die folgenden Abstände zum Unfallort: innerorts 50 Meter, auf der Landstraße 100 Meter, auf der Autobahn 200 bis 400 Meter. Ist dies erledigt, kümmerst du dich intensiver um die Opfer. 

Erste Hilfe Kurs

Du willst dir praktisches Erste Hilfe Wissen aneignen oder deine Kenntnisse auffrischen? Hier findest du den passenden Kurs.

Der Rettungsgriff 

In bestimmten Fällen kann es vorkommen, dass Verletzte aus dem Fahrzeug geborgen werden müssen. Das trifft zum Beispiel dann zu, wenn das Fahrzeug brennt, Benzin ausläuft oder die verletzte Person bewusstlos ist. Mit dem Rettungsgriff, auch Rautekgriff genannt, holst du Verletzte aus einem Fahrzeug heraus.

Der Griff funktioniert so: 

  • Öffne vorsichtig die Autotür und spreche die verletzte Person an.
  • Sollte der Motor noch laufen, stelle diesen ab. 
  • Öffne den Gurt und kippe den Oberkörper des Verletzten leicht nach vorn. 
  • Führe deinen Arm hinter dem Rücken der verletzten Person entlang bis zu der von dir abgewandten Hüfte. 
  • Dort greifst du in den Hosenbund. 
  • Dann drückst du mit deiner anderen Hand gegen den vorderen Oberschenkel und schiebst den Unterleib von dir weg, den Oberkörper zu dir hin. 
  • Du drehst die Person also etwas, damit du anschließend mit beiden Armen unter die Achseln des Verletzten gehen kannst. 
  • Dann greifst du mit beiden Händen einen Unterarm und positionierst diesen vor der Brust des Verletzten.
  • Ziehe die Person dann vorsichtig auf deinen Oberschenkel. So verhinderst du, dass vor allem schwere Personen sofort zu Boden stürzen. 
  • Ziehe die Person einige Meter vom Auto weg in Sicherheit. 
  • Achte darauf, dass der Kopf möglichst nicht nach hinten fällt.

Notruf wählen

Besteht keine Gefahr mehr durch den fließenden Verkehr, nimm dein Handy und wähle den Notruf 112. Auf Autobahnen und Schnellstraßen kannst du alternativ eine der Notrufsäulen am Straßenrand nutzen. Diese stehen in Abständen von 1,5 bis 2 Kilometern. Auf den Leitpfosten am Straßenrand weisen kleine schwarze Pfeile in die Richtung der nächstgelegenen Notrufsäule. Da die Verletzten nicht allein gelassen werden sollten, suche am besten andere Personen, die helfen könnten, indem sie beispielsweise Hilfe holen. Bist du die Person, die mit der Rettungsstelle telefoniert, dann versuche ruhig zu bleiben und beantworte diese 5 W-Fragen. Sie liefern die wichtigsten Informationen für den Rettungsdienst: 

  1. WO ist der Unfall geschehen?  
  2. WAS ist passiert?  
  3. WIE viele Verletzte gibt es?  
  4. WELCHE Art von Verletzungen haben sie?  
  5. WARTEN auf Rückfragen der Notrufzentrale?

Die letzte Frage erinnert dich daran, nicht sofort aufzulegen, sondern auf eventuelle Rückfragen zu warten. Den genauen Unfallort zu nennen, kann vor allem auf der Autobahn schwierig sein, wenn das Unglück nicht gerade an einer Ausfahrt passiert ist. Orientiere dich an den kleinen blauen Kilometerschildern. Sie stehen im Abstand von 500 Metern hinter der Leitplanke stehen. Mit den Angaben „Autobahn x in Himmels- oder Fahrtrichtung Y auf Höhe des Kilometerschildes z“ kann ein Rettungswagen die Unfallstelle leicht finden.

Lebensrettende Sofortmaßnahmen einleiten

Wer braucht deine Hilfe am dringendsten? Ist jemand nicht mehr ansprechbar? Dann brauchen diese Personen primär deine Aufmerksamkeit. Prüfe zunächst, ob die Person noch regelmäßig atmet. Ist das nicht der Fall, solltest du als Wiederbelebungsmaßnahme eine Herzdruckmassage mit Beatmung anwenden, auch Herz-Lungen-Wiederbelebung genannt. Dazu drückst du 30-mal hintereinander kräftig auf die Mitte des Brustkorbs, etwa zwei Stöße pro Sekunde. Um den richtigen Rhythmus zu finden, kannst du den Refrain des Bee-Gees-Songs "Staying Alive" vor dich hin summen. Mit diesem Beat bleibst du genau im Takt. Im Anschluss nimmst du zwei Mund-zu-Mund-Beatmungen vor. Dann setzt du die Herzdruckmassage fort. So geht es im Wechsel immer weiter bis entweder die Person wieder atmet oder die Rettungskräfte da sind. Wann du eine Herzdruckmassage unbedingt durchführen solltest, sagt dir unsere Infografik

In der Stadt findest du an immer mehr öffentlich zugänglichen Orten sogenannte AED-Geräte (Automatisierter Externer Defibrillator). Sie sind vor allem an Gebäuden von Einkaufszentren, Hotels sowie kulturellen und staatlichen Einrichtungen angebracht. Wie du das AED-Gerät einsetzt, zeigen dir die beiden Erste-Hilfe-Ausbilderinnen bei Malteser Jennifer Clayton und Christa Tepe in diesem Video. 

Blutungen stillen

Atmet das Unfallopfer, blutet aber stark, solltest du als Nächstes versuchen, die Blutungen zu stillen. Verwende Einmalhandschuhe aus dem Verbandskoffer, um dich vor eventuellen Infektionen zu schützen. Ist der Verletzte bei Bewusstsein, bitte ihn, sich hinzulegen, um einem Kreislaufkollaps vorzubeugen. Ist die verletzte Person bei Bewusstsein, bitte diese, sich hinzulegen. So vermeidest du einen möglichen Kreislaufkollaps. 

Nun legst du einen Druckverband an: Decke die Wunde mit einer sterilen Wundauflage ab und fixiere diese mit einem Verband, den du einige Male um den verletzten Körperteil herumwickelst. Danach legst du ein zweites Druckpolster auf und umwickelst es ebenfalls. Der Verband muss fest sitzen. Aber nicht so fest, dass die Blutzufuhr unterbrochen wird und die Haut rund um die Verletzung blau anläuft. Um den Blutverlust einzudämmen, sorge dafür, dass der verletzte Körperteil möglichst hoch gelagert wird.

Stabile Seitenlage anwenden

Ist ein Unfallopfer bewusstlos, atmet aber noch, solltest du die Person in die stabile Seitenlage bringen. Diese Maßnahme lernst du in jedem Erste-Hilfe-Kurs, denn in dieser Position bleiben die Atemwege frei. In unserer Infografik siehst, welche Schritte du für die stabile Seitenlagen machen musst. Sprich währenddessen mit der betroffenen Person und streiche ihr zum Beispiel über den Kopf. Auch Bewusstlose können für diese Fürsorge empfänglich sein. 

Hast du den Verletzten in die stabile Seitenlage gebracht, sorge dafür, dass der Körper warm bleibt. Nutze sowohl zum Schutz vor neugierigen Blicken also auch zum Warmhalten die Erste-Hilfe-Decke aus dem Verbandskasten, andere Decken oder Jacken. Bleibe die ganze Zeit über bei den Verletzten und sprich mit ihnen. Sage, dass Hilfe unterwegs ist und beruhige sie. Überprüfe außerdem permanent die Atmung. Im besten Fall trifft der Notarzt schnell ein und übernimmt. 

Anderen Erste Hilfe beibringen

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