Erste Hilfe für die Seele: Wichtiger Beistand in der Krise
Erste Hilfe ist in Notfallsituationen unerlässlich und kann Leben retten – das gilt nicht nur für die körperliche, sondern auch für die psychische Gesundheit. Mental Health First Aid ist jedoch ein Thema, über das sehr viele Menschen noch nicht ausreichend Bescheid wissen. In diesem Artikel erfährst du die wichtigsten Fakten dazu.
Darum geht's
Warum wir mehr Mental Health Awareness brauchen
Wenn du oder jemand in deinem Umfeld plötzlich an Grenzen stößt und sich in einem psychischen Notfall wiederfindet – sei es durch akute Verzweiflung, Angst oder Verwirrung – ist schnelle Unterstützung entscheidend, um Sicherheit und Halt zu finden. Du musst übrigens nicht das Gefühl haben, mit solchen Herausforderungen allein dazustehen. Viele Menschen erleben im Laufe ihres Lebens psychische Notfälle: Aus dem AXA Mental Health Report 2025 geht hervor, dass 34 Prozent der Deutschen aktuell unter einer psychischen Erkrankung leiden. Besonders junge Menschen sind davon betroffen, denn ganze 54 Prozent der 18- bis 24-Jährigen gaben an, derzeit psychisch erkrankt zu sein.
Psychische Erkrankungen nehmen also in Deutschland immer mehr zu. Deshalb ist es wichtig, dass auch das Bewusstsein für derartige Erkrankungen wächst. Denn Probleme mit der mentalen Gesundheit werden oftmals noch stigmatisiert. Dies ändert sich zwar langsam, dennoch führt es häufig dazu, dass Betroffene aufgrund der Stigmatisierung zögern, sich ihrem Umfeld zu öffnen oder professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. In einer Krisensituation ist jedoch gerade das für die betroffene Person ausschlaggebend, um schnellstmöglich wieder in einen stabilen emotionalen Zustand zu gelangen. Genau hier setzt die Erste Hilfe für mentale Gesundheit an. Durch befähigte Ersthelfende sollen psychische Ausnahmezustände frühzeitig erkannt werden, damit auch so früh wie möglich Unterstützung geleistet werden kann. Zudem sollen so mehr Betroffene dazu ermutigt werden, sich professionell helfen zu lassen, um ihre gesundheitlichen Probleme nachhaltig und erfolgreich behandeln zu lassen.
Mental Health Awareness Month & Woche der seelischen Gesundheit
Im Monat Mai findet alljährlich der Mental Health Awareness Month statt. Dieser Monat soll dazu dienen, das Bewusstsein für mentale Gesundheit zu stärken. Die Idee stammt aus den USA und wurde 1949 von der gemeinnützigen Organisation Mental Health America (MHA) ins Leben gerufen.
Das Deutsche Pendant dazu bildet die Woche der seelischen Gesundheit. Diese findet im Oktober statt und legt jedes Jahr einen anderen Fokus mit einem neuen Motto.
Australien macht’s vor: Mental Health First Aid
Mental Health First Aid – kurz MHFA – ist eine Bildungsinitiative zur Wissensvermittlung rund um das Thema psychische Gesundheit. Sie befähigt Menschen, anderen Menschen zu helfen, die mit psychischen Problemen zu kämpfen haben. Die Initiative hat ihren Ursprung in Australien und wurde im Jahr 2000 gegründet.
Aufgrund seines Erfolgs wurde das Programm auch in zahlreichen anderen Ländern eingeführt – 2019 auch in Deutschland. In diesem Rahmen werden Kurse angeboten, in welchen die Teilnehmenden zu Ersthelfenden ausgebildet werden. Ihnen wird vermittelt, wie sie Symptome und Anzeichen von psychischen Gesundheitsproblemen rechtzeitig erkennen, verständnisvoll auf Betroffene zugehen und ihnen Unterstützung anbieten. Dadurch soll das Ziel erreicht werden, dass jeder und jede in der Lage ist, Erste Hilfe bei psychischen Notsituationen zu leisten. Somit wird zum einen stigmatisierendes Verhalten verringert und zum anderen auch das Vertrauen in die eigenen Hilfskompetenzen gestärkt.
Die Inhalte der Kurse sind mittels streng wissenschaftlicher Methoden evaluiert worden. So wird sichergestellt, dass sie bei Anwendung auch tatsächlich einen positiven Effekt auf den Zustand der Betroffenen haben. Das Programm wurde wiederholt von unabhängigen Forschungsgruppen untersucht, die die positiven Auswirkungen bestätigen konnten.
MHFA ersetzt keine Therapie
Wichtig ist jedoch zu beachten, dass Ersthelfende kein Ersatz für eine Therapeutin oder einen Therapeuten sind. Sie fungieren hier vielmehr als Bindeglied zwischen Ausnahmezustand und Therapie.
Der Malteser Kurs für mentale Gesundheit
Auch bei den Maltesern in Berlin gibt es einen Kurs, in dem du Erste-Hilfe-Strategien für die mentale Gesundheit erlernen kannst. Diese bieten dir einfache und effektive Werkzeuge, die dir helfen, in herausfordernden Zeiten wieder die Balance zu finden.
Ganz egal, ob es sich um Familienmitglieder und Freunde handelt oder du selbst betroffen bist – die Kursinhalte helfen dir, bei akuten psychischen Ausnahmezuständen reagieren und Erste Hilfe leisten zu können:
- Erkennen von Anzeichen: Erfahre, welche Symptome ein Hinweis auf psychische Probleme sein können. Darunter fallen bspw. anhaltende Traurigkeit, Angst, Rückzug oder andere Veränderungen des Verhaltens.
- Kommunikation: Lerne, aktiv zuzuhören und offene Fragen zu stellen.
- Emotionale Unterstützung bieten: Lerne, Verständnis zu zeigen und Betroffenen zu verstehen zu geben, dass es vollkommen in Ordnung ist, sich professionelle Hilfe zu suchen.
- Ressourcen aktivieren: Erhalte Informationen über professionelle Hilfe, Selbsthilfegruppen und Notfallnummern, damit du diese Betroffenen bei Bedarf zur Verfügung stellen kannst oder auch bei einer eigenen Notfallsituation weißt, an wen du dich wenden kannst.
- Krisenintervention: Krisensituationen wie Suizidgedanken oder andere schwere emotionale Ausbrüche wie Panikattacken sind sehr herausfordernd. Lerne, wie du dich in einer derartigen Situation verhalten solltest – ganz gleich, ob als betroffene Person oder Ersthelferin beziehungsweise Ersthelfer.
- Selbstfürsorge fördern: Übe dich in Achtsamkeit und höre auf deine innere Stimme. Dinge wie Bewegung, gesunde Ernährung, Achtsamkeitsübungen, Techniken zur Stressbewältigung, Entspannungstechniken oder andere Tipps zur Selbstfürsorge können dir dabei helfen, dich mental zu stärken oder anderen zu helfen.
- Stigmatisierung abbauen: Erhalte ein Bewusstsein für psychische Gesundheit. Diese Art der Aufklärung trägt dazu bei, Vorurteile und somit auch die Stigmatisierung abzubauen.
- Langfristige Unterstützung anbieten: Lerne, andere dazu zu ermutigen, mehr auf sich selbst und ihre mentale Gesundheit zu achten und daran zu arbeiten – und, falls nötig, auch professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Krisenintervention und Einsatznachsorge
Die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) der Malteser unterstützt Betroffene bei der Verarbeitung von belastenden Ereignissen oder schweren Unglücksfällen und geht dabei über die medizinische Hilfe hinaus. Informiere dich, wie du bei der PSNV mitwirken kannst.