Ungewöhnliche Ehrenämter: Der Freiwillige Polizeidienst

Sie sorgen für Sicherheit und Ordnung auf den Straßen. Janet Haddoudi und Dino Halilovic engagieren sich im Freiwilligen Polizeidienst in Frankfurt am Main. Sie erzählen, wie sie mit ihrem Ehrenamt die polizeiliche Arbeit unterstützen und was sie auf Streife so alles erleben. 

Darum geht’s


Über diesen Artikel und die Serie „Ungewöhnliche Ehrenämter“

In diesem Artikel stellen die Malteser den Freiwilligen Polizeidienst in Deutschland als Teil ihrer Serie „Ungewöhnliche Ehrenämter“ mitsamt der damit verbundenen Aufgabengebiete, Voraussetzungen und länderspezifischen Besonderheiten vor. Darüber hinaus berichten zwei Ehrenamtliche von ihren Erfahrungen mit diesem Engagement. Die  Malteser vertreten zu dieser staatlichen Einrichtung keine Meinung und bieten dieses Ehrenamt selbst nicht an.

In unserer Serie über ungewöhnliche Ehrenämter erfährst du außerdem, was Schöffen bei Gericht machen, wie du ehrenamtlich in der Archäologie Geschichte schreibst oder was die Männer und Frauen bei der Höhenrettung machen. 

Was ist der Freiwillige Polizeidienst? 

Verfolgungsjagden, stundenlange Observationen und dramatische Festnahmen passieren im Freiwilligen Polizeidienst nicht. Dafür ist die Berufspolizei zuständig. Stattdessen heißt es: Präsenz zeigen, beobachten und melden. Das ist das Motto des Freiwilligendienstes in Hessen. „Wir sind das Bindeglied zwischen Polizei und Bürgern“, sagt Dino. „Wir werden oft von Bürgern angesprochen, dass wir mit unserer Präsenz eine Art von Sicherheitsgefühl geben“, ergänzt Janet.

Dieses besondere Ehrenamt gibt es aktuell in vier Bundesländern: Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Sachsen. In jedem Bundesland ist der Freiwillige Polizeidienst etwas anders geregelt. Unterschiede bestehen zum Beispiel bei der Uniformierung und der Ausrüstung. So oder so geht es im Kern in allen Bundesländern um das Gleiche: Die Ehrenamtlichen sollen Präsenz zeigen, Ansprechpartner in Sicherheitsfragen sein und, wenn es sein muss, auch für Ordnung sorgen. Während ihres Dienstes tragen sie eine Uniform mit einer entsprechenden Kennzeichnung der Freiwilligen Polizei. 

Janet ist 41 Jahre alt, vierfache Mutter und fand die Polizei schon als Kind toll: „Ich habe die Polizei immer als Freund und Helfer gesehen“, sagt sie. „In dieser Rolle sehe ich mich jetzt auch bei der Freiwilligen Polizei. Es begeistert und beeindruckt mich und es motiviert und bestärkt mich auch ganz persönlich.“ 

Dino ist 31 Jahre alt, Vater einer Tochter, und engagiert sich schon länger ehrenamtlich als Kickbox-Trainer in einem Verein, den er mitbegründet hat. Als Kind kam er als Kriegsflüchtling aus Serbien nach Deutschland. „Ich wollte etwas zurückgeben, weil ich das Glück hatte in Deutschland aufzuwachsen. Als mir eine Arbeitskollegin vom Freiwilligen Polizeidienst erzählt hat, wollte ich das kennenlernen.“ Seit drei Jahren engagieren sich Janet und Dino in diesem besonderen Ehrenamt. In der Ausbildung haben sie sich kennengelernt und waren seitdem auch gemeinsam auf der ein oder anderen Streife. 

Während die Berufspolizei überwiegend im Streifenwagen fährt, sind die Freiwilligen ausschließlich zu Fuß unterwegs. Für brenzlige Situationen haben sie Pfefferspray zur Selbstverteidigung und ein Mobiltelefon, um die Kolleginnen und Kollegen von der Berufspolizei zu rufen. Sie gehen niemals alleine auf Streife. „Alleine ist das zu gefährlich“, erklärt Dino, „da kann man in bestimmten Situationen schnell den Überblick verlieren.“ 

In der Regel übernehmen die Ehrenamtlichen an ein bis zwei Tagen in der Woche, für drei bis vier Stunden einen Dienst, hauptsächlich tagsüber. Es gibt aber auch hin und wieder besondere Einsätze, die bis in die Abendstunden dauern können, erzählt Janet: „Ein Platz hier in Frankfurt ist seit mehreren Jahren in den Sommermonaten freitagabends zu so etwas wie einer Partymeile geworden. Dort gehen wir hin, sprechen die Leute an und schicken sie ab 22 Uhr weg, damit die Nachtruhe eingehalten wird“. 

Was die Freiwilligen dürfen und was nicht

Bei Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkten, Straßenumzügen oder Straßenfesten vermitteln sie den Menschen durch ihre Anwesenheit ein sicheres Gefühl. Außerdem klären sie über Trickbetrüger und Taschendiebe auf. Bei speziellen Infoveranstaltungen der Polizei unterstützen sie die Beamtinnen und Beamten bei der Aufklärung von Betrugsmaschen wie dem Enkeltrick oder erklären Präventivmaßnahmen gegen Einbrüche und Fahrraddiebstahl.
Damit sie in gewissen Situationen auch handeln dürfen, werden ihnen bestimmte Befugnisse zur sogenannten Gefahrenabwehr übertragen. 

Sie dürfen verdächtige und auffällige Personen anhalten, ihre Personalien feststellen, Strafzettel schreiben und Platzverweise aussprechen. Außerdem achten sie darauf, dass die Corona-Maßnahmen eingehalten werden. Das sind nicht unbedingt die schönsten Situationen für die Freiwilligen, erzählt Dino: „Es ist schwer, wenn man zum Beispiel auf betrunkene Mitbürger trifft und sie bitten muss, die Maske aufzusetzen. Dabei ruhig zu bleiben, ist manchmal etwas schwierig.“ 

Festnahmen oder Durchsuchungen dürfen die Freiwilligen nicht durchführen. Wenn ihnen eine Straftat gemeldet wird oder sie eine mitbekommen, müssen sie das tun, was wir alle tun sollten: Sie rufen die Berufspolizei. 

Ein mysteriöser Mann im Auto und ein plötzlicher Knall

Die wilden Verfolgungsjagden kennen Janet und Dino auch nur aus Filmen. Und trotzdem erleben sie viele spannende Einsätze wie diesen von Janet, als sie nach einem mysteriösen Mann im Auto suchen musste: „Eine Bürgerin kam zu uns, weil vor ihrem Fenster jeden Tag um die gleiche Uhrzeit ein Auto parkte, in dem ein Mann saß. Sie war vor allem wegen der Kinder in der Gegend besorgt. Wir versprachen ihr, die Augen offen zu halten. Eine Woche später, als wir wieder auf Streife waren, sahen wir das Auto und erkundigten uns höflich bei dem Mann, was er jeden Tag um die gleiche Uhrzeit dort mache. Er sagte, dass er auf seine Freundin warte. Wir haben uns trotzdem kurz um die Ecke gestellt und beobachtet. Tatsächlich war es so, dass er nur seine Freundin abgeholt hatte. In diesem Fall war alles für uns dabei: Wir waren präsent für die Frau, die uns angesprochen hatte und wir haben beobachtet. Melden brauchten wir in dem Fall ja nicht.“  

Dino erinnert sich an eine Situation mit einem plötzlichen Knall: „Wir waren in einer Wohnsiedlung auf Streife. Alles war ruhig und dann haben wir es plötzlich knallen gehört. Ein Unfall! Zwei Damen saßen im Auto, die Fahrerin hatte Gas und Bremse verwechselt und stand völlig unter Schock. Wir haben die beiden beruhigt, die umstehenden Leute weggeschickt und die Unfallstelle gesichert bis die Polizei eintraf.“

Am besten hat man gar keinen Autounfall, aber wenn, dann wünschen wir uns eine Janet oder einen Dino, die mit ihrem Freiwilligen Polizeidienst zu Stelle sind. 

So kommst du zum Freiwilligen Polizeidienst 

Da sich dieses Ehrenamt in den einzelnen Bundesländern unterscheidet, können auch die Anforderungen unterschiedlich sein. Alle Informationen findest du im Internet auf den Seiten der jeweiligen Polizeibehörden. 

Für den Freiwilligen Polizeidienst in Hessen gibt es beispielsweise diese Voraussetzungen:

Du solltest 

  • mindestens 18 Jahre und höchstens 65 Jahre alt sein,
  • gesund sein, 
  • einen Schulabschluss oder eine abgeschlossene Berufsausbildung nachweisen können,
  • die deutsche Sprache in Wort und Schrift beherrschen
  • und ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis vorweisen können. 


Die Ausbildung in Hessen umfasst 50 Stunden, verteilt auf mehrere Wochenenden. In den Trainings werden Selbstverteidigung, psychologische und taktische Grundlagen vermittelt. In erster Linie geht es beim Freiwilligen Polizeidienst immer darum, gefährliche Situationen zu vermeiden. 


#Engagement

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