„Chancen, ...weil Bildung zählt“: Malteser Integrationsprojekt
Integration beginnt mit Bildung. Die Malteser Essen setzen sich für die Verbesserung von Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern mit Migrationshintergrund ein und unterstützen sie und ihre Familien beim Start ins deutsche Schulsystem. Projektleiterin Sarah Khalifa erklärt, wie das Projekt funktioniert.
Darum geht's
Was steckt hinter dem Projekt?
Bei dem Projekt „Chancen, ...weil Bildung zählt“ sind Drittstaatsangehörige, also Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, die nicht die europäische Unionsbürgerschaft besitzen, die Hauptzielgruppe. Kinder und ihre Eltern ohne deutschen Pass werden an derzeit vier Essener Grundschulen beim Start ins deutsche Schulsystem begleitet. „In einem neuen Land anzukommen ist nie leicht. Besonders für Kinder, die sich nicht nur mit einer neuen Sprache, sondern auch mit einem fremden Schulsystem konfrontiert sehen“, sagt Projektleiterin Sarah Khalifa. „Durch die Sprachbarriere und fehlende Infos zum deutschen Schulsystem werden sie strukturell benachteiligt. Oft verstehen sie nicht, was von ihnen verlangt wird. Die Eltern wiederum trauen sich häufig nicht zu Gesprächen in die Schule. Oft aus Angst vor Bloßstellung, weil sie die Sprache noch nicht verstehen.“
Genau hier setzt das Projekt an. Es soll das deutsche Schulsystem verständlicher und den Kindern Bildung zugänglicher machen, ihre Integration fördern und so ihren Weg in eine erfolgreiche Zukunft ebnen. Die Projektmitarbeiterinnen und Projektmitarbeiter unterstützen in der jeweiligen Muttersprache während des Unterrichtes, in Eltern- und Schülersprechstunden und bei der Vermittlung von Angeboten aus dem Sozialraum.
Integrationsförderung an Schulen
Bildung ist das Fundament gelungener Integration. Das Projekt „Chancen, ...weil Bildung zählt“ gibt es seit 2023. Es wird aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) kofinanziert.
Gelebte Teilhabe durch ganzheitliche Angebote
Das Projektteam von „Chancen, ...weil Bildung zählt“ besteht aus derzeit sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie alle haben selbst einen Migrationshintergrund und teilweise auch Fluchterfahrungen, sprechen Deutsch, Arabisch, Englisch, Kurdisch und Türkisch. „Wir können uns in die Sorgen der Menschen einfühlen. Wir verstehen uns als Vermittler und Wegweiser zwischen ihnen und der Schule, möchten diese Bindung stärken, Unsicherheiten abbauen und helfen, das System zu verstehen“, erklärt Khalifa.
Zum ganzheitlichen Projektangebot gehören unter anderem:
- Unterstützung während der Unterrichtsstunden, zum Beispiel beim Übersetzen von Aufgaben
- allgemeine Sprachhilfe
- Sprechstunden für Eltern (Elternbriefe verstehen, Dokumente übersetzen etc.)
- individuelle Beratung der Eltern und Begleitung bei Gesprächen mit Lehrkräften
- Nachhilfe am Nachmittag durch eine zertifizierte Nachhilfelehrkraft
- Online-Schule in den Sommerferien, damit die Kinder nicht den Anschluss verlieren
- verschiedene AGs (zum Beispiel Lego-AG, Wohlfühl-AG), die spielerisch Motorik, Sprache und Sozialkompetenz fördern
- Begleitung von Diagnostikverfahren, um Förderschwerpunkte zu prüfen
- Infoveranstaltungen und Workshops, zum Beispiel zu Themen wie psychosozialer Gesundheit
Die Schule als sicherer Ort für alle
„Es ist sehr viel Arbeit, aber wir werden gebraucht“, sagt Sarah. Auch die Lehrkräfte sind dankbar über den Einsatz des Teams. „Sie empfinden unsere Arbeit als entlastend und hilfreich. Auch, um Vorurteile abzubauen. Wir geben den Lehrkräften mehr Sicherheit im Umgang mit den Kindern und ihren Eltern.“ Ein Ziel des Projektes ist es, die Eltern noch mehr in den Schulalltag zu integrieren. Dafür wurden zum Beispiel bereits Elterncafés in den Schulen etabliert, in denen unter anderem gemeinsam gefrühstückt oder Deutsch gelernt wird. Die Formate sollen Nähe aufbauen und die Eltern motivieren, am Schulalltag teilzunehmen. „Wir möchten den Eltern zeigen, dass die Schule ein sicherer Ort ist“, erklärt Sarah. „Viele haben Angst vor der Institution, weil sie das Schulsystem noch nicht durchschauen.“ Dass ihren Eltern geholfen wird, stärkt auch das Vertrauen der Kinder in das Team. „Die Kinder nehmen unsere Angebote wirklich toll an.“
Perspektivisch möchte das Team von „Chancen, ...weil Bildung zählt“ auch eine Übergangsbegleitung von der 4. in die 5. Klasse anbieten. „Der Übergang auf die weiterführende Schule überfordert viele Kinder und Eltern“, sagt Khalifa. „Drittstaatenkinder besuchen seltener das Gymnasium, obwohl viele die Qualifikationen dafür mitbringen. Das wollen wir ändern!“ Von der Gesellschaft wünscht sie sich einen respektvollen Umgang miteinander und einen menschlichen Blick auf diejenigen, die neu zu uns ins Land kommen. „Es sind Menschen, die hier Fuß fassen wollen. Kinder, die Hilfe brauchen und die es verdient haben, diese Hilfe auch zu bekommen.“
Deine Hilfe zählt!
Du möchtest das Projekt „Chancen, ...weil Bildung zählt“ unterstützen? Dann kannst du dich zum Beispiel ehrenamtlich in den AGs oder den Elterncafés engagieren. Weitere Infos findest du zum Beispiel im Ehrenamtsformular der Malteser.