Ungewöhnliche Ehrenämter: Die Männer und Frauen der Höhenrettung

Das Team ist zur Stelle, wenn Menschen oder Tiere in schwindelerregender Höhe in Not geraten – auf Kränen, Baumwipfeln oder Windrädern. Die Einsätze von Chris Göttlich und seiner Mannschaft sind oft dramatisch, erfordern eine exzellente Ausbildung und gute Nerven. Der Chef der Höhenretter der Malteser aus Ost-Württemberg berichtet von einem ungewöhnlichen Arbeitsalltag. 

Darum geht’s


Wann kommt die Höhenrettung zum Einsatz?

Das Expertenteam ist zuständig, wenn die Feuerwehr die Einsatzstelle aufgrund ihrer extremen Höhe oder Tiefe nicht mehr erreichen kann. „Unsere Einsätze sind überall dort, wo Menschen in einer Höhe von über 30 Metern Hilfe brauchen“, erzählt Chris, „denn bis dahin gehen die Drehleitern der Feuerwehr. Danach werden wir gebraucht. Es gibt niemanden mehr nach uns.“ 

Typische Einsatzorte sind hohe Häuser, Baustellen, Türme, Windkraft- oder Industrieanlagen. Wenn ein Techniker auf einer solchen Anlage etwa einen Kreislaufzusammenbruch erleidet oder einen Unfall hat, sind die Höhenretter zur Stelle. Jeder von ihnen ist in der Lage, eine medizinische Erstversorgung in schwindelerregender Höhe zu leisten und den Patienten zu bergen.

Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der Malteser sind auf Spenden angewiesen. Möchtest du ihre wichtige Arbeit unterstützen, kannst du das hier tun

Was gehört zu den Aufgaben der Höhenrettung?

Die Rettung von Verunglückten von Baukränen, aus Aufzugschächten oder Hochregallagern ist ebenso Teil des Einsatzbereiches wie Sicherungsmaßnahmen an schwer zugänglichen Orten, zum Beispiel nach Sturmschäden an Dächern. Auch bei der Absicherung von Großbaustellen oder bei Musikfestivals mit großen Bühnen kommen die Höhenretter ins Spiel und arbeiten Notfallkonzepte aus. Die seilunterstützte Spezialrettung schwergewichtiger Personen aus mehrstöckigen Häusern ist ebenfalls Teil des Aufgabengebietes der Spezialhelfer und Spezialhelferinnen. Mit ihrem Fokus auf urbane Regionen unterscheiden sich die Höhenretter von der Bergwacht, die Rettungsaktionen in unwegsamem Gelände durchführt und häufig Bergsteiger und Bergsteigerinnen oder Wanderer und Wandererinnen aus Notsituationen befreit: „Aber auch da können wir mit unseren speziellen Tragesystemen Hilfestellung leisten“, wie Chris anmerkt.

Wie groß ist das Team?

Die Höhenrettungsgruppe besteht derzeit aus zwölf ehrenamtlichen Mitgliedern, zwei davon sind Frauen. Acht der Helfer arbeiten parallel bei der Feuerwehr. „Wir sind auch privat befreundet“, erzählt Chris, „unser Ehrenamt schweißt zusammen. Wir wissen, wie der andere tickt, auch in Stressmomenten.“ Er selbst kletterte schon als Jugendlicher an Felswänden, kam darüber mit Höhenrettern in Kontakt und war sofort interessiert. Gemeinsam mit drei Freunden absolvierte er Lehrgänge, bildete sich weiter und schloss sich schließlich einem Verein an – „damit wir unsere Fähigkeiten auch anwenden konnten“. Die Gruppe wuchs, seit 2017 gehört sie den Maltesern an.

Welche Fähigkeiten braucht ein Höhenretter?

Neben körperlicher Fitness ist eines der wichtigsten Kriterien für die Retter, dass sie keinerlei Höhenangst empfinden dürfen. Außerdem sollten sie teamfähig sein, wie Chris betont: „Wir hängen buchstäblich mit unserem Leben an dem anderen, da ist es immens wichtig, dass wir Vertrauen zueinander haben.“ Höhenretter müssen auch unter stressigsten Bedingungen die Nerven bewahren und dürfen nicht in Hektik verfallen: „Es muss einfach jeder Handgriff sitzen“. Auch technisches Verständnis ist von Vorteil. Ihre Ausrüstung (spezielle Kleidung, etwa ein Kilometer Seile, Zugsysteme) bringen die Höhenretter in einem Gerätewagen zum Einsatzort und nutzen diese komplexe professionelle Technik auch schon einmal für kleine Lebewesen – so retteten sie bei einem ihrer letzten Einsätze eine Katze aus dem Baumwipfel. 

Was für eine Ausbildung brauchen die Helfer?

Die Höhenrettung ist in der Lage, die medizinische Erstversorgung, sowie die anschließende Rettung „zu Boden“ an Orten durchzuführen, an die der bodengebundene Rettungsdienst nicht herankommt. Jeder Höhenretter hat mindestens die medizinische Ausbildung zum Einsatzsanitäter oder eine höherwertige Qualifikation. Alleine die technische Ausbildung zum Höhenretter oder zur Höhenretterin beinhaltet 80 Stunden Praxis, sowie einen jährlichen Übungsnachweis von mindestens 74 Stunden. „Wir bilden uns intensiv weiter, um unsere Lizenz zu behalten“, sagt Chris, „dazu gehören medizinische Schulungen genauso wie etwa Einheiten zur seiltechnischen Rettung.“ Auch während der Corona-Pandemie übten die Höhenretter den Ernstfall – mit Maske und unter strengsten Hygienemaßnahmen: „Übung ist für uns entscheidend, sonst verlieren wir das Vertrauen in die Höhe.“ 


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