Ehrenamt im Katastrophenschutz: Leben retten auf Abruf
Wenn plötzlich Stromnetze ausfallen, Brände wüten, Flüsse sintflutartig über die Ufer treten oder tausende Menschen in Notunterkünften versorgt werden müssen, ist der Katastrophenschutz zur Stelle. Ohne die schnelle Einsatzbereitschaft ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer würden viele Rettungs- und Schutzmaßnahmen in akuten Krisenlagen allerdings nicht funktionieren.
Darum geht's
- Was ist der Katastrophenschutz genau?
- Warum ist der Katastrophenschutz so wichtig?
- Was leisten Ehrenamtliche beim Katastrophenschutz?
- Wie wichtig sind die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer konkret?
- Was sind weitere Vorteile des ehrenamtlichen Engagements im Katastrophenschutz?
- Wie helfen die Malteser?
- Wie empfinden Ehrenamtliche ihr Engagement im Katastrophenschutz?
- Wie kann ich mich ehrenamtlich im Katastrophenschutz engagieren?
- Stark in der Gemeinschaft: Ehrenamt im Katastrophenschutz
Was ist der Katastrophenschutz genau?
Wenn eine Schadenslage so groß und unübersichtlich ist, dass die regulären Kräfte des Rettungsdienstes oder der Feuerwehr allein nicht ausreichen, sie in den Griff zu bekommen, ist der Katastrophenschutz gefragt. Er hat eine gesamtgesellschaftliche Funktion, vereint den Einsatz unter anderem von staatlichen Behörden, Hilfsorganisationen, Feuerwehren, dem Technischen Hilfswerk (THW) und vielen mehr. Der Katastrophenschutz umfasst alle Maßnahmen, die getroffen werden müssen, um Leben, Gesundheit, Umwelt und auch Sachwerte in Großschadenslagen zu schützen. Dazu zählen Naturkatastrophen wie Hochwasser, Stürme oder Hitzewellen ebenso wie große Brände, schwere Unfälle, Chemiekatastrophen oder auch großflächige Stromausfälle. Auch bei Pandemien oder humanitären Lagen, in denen tausende Menschen versorgt werden müssen, greifen Katastrophenschutzstrukturen.
Warum ist der Katastrophenschutz so wichtig?
Deutschland gilt zwar als verhältnismäßig sicheres Land, doch die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass Krisen jederzeit eintreten können. Das Oder-Hochwasser 1997, die Jahrhundertflut an Elbe und Donau 2002 oder die Flutkatastrophe an der Ahr 2021 machten deutlich, dass Katastrophenlagen schnell Realität werden können. In solchen Momenten kommt es auf die organisierte Hilfe an: Medizinische Dienste, Notunterkünfte, psychologische Erstbetreuung und die Versorgung mit Trinkwasser und Lebensmitteln müssen sichergestellt sein. Und es gilt eine schnellstmögliche Wiederherstellung kritischer Infrastruktur. Katastrophenschutz schafft Sicherheit, in Situationen, in denen Menschen alles verlieren könnten.
Was leisten Ehrenamtliche beim Katastrophenschutz?
Katastrophenschutz funktioniert nicht allein über hauptamtliche Strukturen. Die Zahl der möglichen Einsatzlagen übersteigt bei weitem die Kapazitäten. Der Katastrophenschutz in Deutschland stützt sich deshalb auf eine weltweit einzigartige Struktur: Das Ehrenamt ist nicht nur eine Ergänzung, sondern die tragende Säule des gesamten Systems zur Hilfeleistung. Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sind der Rückhalt jeder großen Hilfsorganisation. Ohne sie könnten Hochwasser-Sandsäcke nicht rechtzeitig gelegt, Notunterkünfte nicht aufgebaut oder Betroffene nicht betreut werden. Hinzu kommt der menschliche Aspekt: Ehrenamtliche bringen nicht nur Zeit und Kraft, sondern oft auch Empathie, Verständnis und ein offenes Ohr mit.
Wie wichtig sind die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer konkret?
Die überwiegende Mehrheit der Einsatzkräfte im deutschen Bevölkerungsschutz (einschließlich der Freiwilligen Feuerwehren und der großen Hilfsorganisationen) arbeitet ehrenamtlich. Über 90 Prozent aller Einsätze werden von diesen freiwilligen Helferinnen und Helfern getragen. Die dezentrale Struktur und die hohe Anzahl von ehrenamtlich Helfenden (über 1,7 Millionen Mitwirkende) garantieren eine flächendeckende Präsenz auch in ländlichen Regionen, wo hauptamtliche Kräfte schnell an ihre Grenzen stoßen würden. Organisationen wie die Malteser gehören dabei zu den zentralen Stützen: Sie bieten Ausbildung in den Einsatzbereichen, Strukturen und vor allem eine starke Gemeinschaft, die Menschen rettet und schnelle Hilfe leistet.
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Was sind weitere Vorteile des ehrenamtlichen Engagements im Katastrophenschutz?
Die ehrenamtlich Helfenden werden in ihrer jeweiligen Organisation permanent aus- und fortgebildet und lernen so eine Menge: von medizinischen Grundlagen über technische Fähigkeiten im Sanitäts- und Betreuungsdienst bis hin zu Teamarbeit und Führungsaufgaben. Sie erlangen spezifische Fähigkeiten, die es ihnen ermöglichen, anderen effektiv zu helfen. Der Betrieb eines rein hauptamtlichen Systems mit einer vergleichbaren Personalstärke und Leistungsfähigkeit wäre für Staat und Kommunen kaum finanzierbar. Dazu kommt: Das ehrenamtliche Engagement stärkt den sozialen Zusammenhalt und trägt dazu bei, dass sich Bürgerinnen und Bürger aktiv für die Sicherheit ihrer Mitmenschen einsetzen und so die Verantwortung für die Gesellschaft mittragen.
Wie helfen die Malteser?
Die Malteser gehören seit Jahrzehnten zu den festen Größen des deutschen Katastrophenschutzes. Bundesweit stellen sie Sanitätseinheiten und Betreuungsdienste bereit. Sie betreiben Notfalllager, beteiligen sich an bundesweiten Alarmplänen und leisten auch international Hilfe, wenn Naturkatastrophen oder humanitäre Krisen schnelle Reaktion erfordern.
Wie empfinden Ehrenamtliche ihr Engagement im Katastrophenschutz?
David (32) ist der ehrenamtliche Leiter des Sanitätsdienstes und des Katastrophenschutzes des Malteser Hilfsdienstes in Rostock. Er erklärt seinen Job so: „Wir sind in unserer Einheit 20 Mitglieder, jeder von uns ist jederzeit abrufbar.“ Die Helfenden unterstützen die Feuerwehr vor Ort – etwa bei Großbränden, Massenkarambolagen, Busunfällen, Überschwemmungen oder Schiffsunglücken. David: „Wir als Sanitätseinheit kümmern uns vor allem um die Menschen, die schwer verletzt sind.“ Sein schwierigster Einsatz war die Massenpanik bei der Love Parade 2010 in Duisburg, bei der 21 Menschen ums Leben kamen. Der Malteser erinnert sich: „Diese erschütternden Bilder haben mich noch lange beschäftigt. Ich war im Anschluss noch einmal auf dem Gelände, das war mir wichtig.“ David betont, wie wichtig der Zusammenhalt der Ehrenamtlichen bei den Einsätzen im Katastrophenschutz ist: „Der Teamgeist ist entscheidend, wir sagen immer, ‚wir sind wie eine große Familie‘ – und das trifft es wirklich. Im Einsatz muss man sich absolut auf den anderen verlassen und wissen, wer was kann und macht. Schließlich geht es darum, Menschenleben zu retten, da muss jeder funktionieren.“
Wie kann ich mich ehrenamtlich im Katastrophenschutz engagieren?
Wer ehrenamtlich einsteigen möchte, findet etwa bei den Maltesern verschiedene Möglichkeiten. In folgenden Bereichen unterstützen ehrenamtliche Helferinnen und Helfer unter anderem
- Sanitätseinheiten im Katastrophenschutz: Betreuung und Erstversorgung von Verletzten bei Großlagen.
- Betreuungseinheiten: Unterstützung von Menschen in Notunterkünften, Essens- und Getränkeausgabe, psychologische Betreuung.
- Logistik und Technik: Aufbau von Zelten, Bereitstellung von Kommunikationsmitteln, Betrieb mobiler Einsatzküchen.
- Verpflegungseinheiten: Verpflegung von unverletzt Betroffenen nach einem Unglücksfall oder von anderen Einsatzkräften wie Feuerwehr oder Polizei.
Stark in der Gemeinschaft: Ehrenamt im Katastrophenschutz
Katastrophenschutz ist nicht nur eine logistische Aufgabe – er ist ein soziales Versprechen: „Wir sind da, wenn es darauf ankommt.“ Dieses Versprechen können Organisationen wie die Malteser nur mit Menschen halten, die bereit sind, ihre Zeit und ihr Engagement einzubringen. Ehrenamt im Katastrophenschutz bedeutet deshalb nicht nur Helfen im Ausnahmezustand, sondern auch Teil einer Gesellschaft zu sein, die Verantwortung füreinander übernimmt. Die Ehrenamtlichen im Katastrophenschutz sind eine Gemeinschaft, die weit mehr bietet als Einsätze im Ernstfall: regelmäßige Treffen, Ausbildungseinheiten, Übungen und soziale Aktivitäten sorgen für eine starke Bindung untereinander. Wer sich engagiert, wird mit Teamgeist, Sinnhaftigkeit und dem Wissen belohnt, im entscheidenden Moment einen Unterschied gemacht zu haben.