Ehrenamt in der Kinder- und Jugendhospizarbeit: Das Leben feiern

Ehrenamtliche in den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdiensten der Malteser unterstützen Familien, in denen ein Kind lebensverkürzend oder lebensbedrohlich erkrankt ist. Eine ehrenamtliche Hospizbegleiterin erzählt, was das Ehrenamt so besonders macht und für wen es geeignet ist.

Darum geht's


Unterstützung unheilbar oder lebensbedrohlich erkrankter Kinder und ihrer Familien

Wenn ein Kind schwer erkrankt, kann das für die Familie eine ziemliche Herausforderung und Belastung sein. Unterstützung bieten dann die ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienste der Malteser. Sie beraten und begleiten deutschlandweit Kinder und Jugendliche mit lebensverkürzenden oder bedrohlichen Erkrankungen und ihre Familien. Wie eine Familie unterstützt wird, ist dabei immer individuell und richtet sich nach ihrem Bedarf. Zum Angebot der Kinder- und Jugendhospizdienste gehören zum Beispiel:

  • Begleitung von unheilbar kranken Kindern
  • Betreuung von Geschwisterkindern
  • Sterbebegleitung


Die Finanzierung der genannten Angebote ist unterschiedlich: mache werden von den Krankenkassen finanziert, andere wiederum durch Spenden.

Hospizarbeit für Erwachsene vs. Hospizarbeit für Kinder und Jugendliche

Es gibt einen grundsätzlichen Unterschied zwischen der Hospizarbeit für Erwachsene und der Hospizarbeit für Kinder und Jugendliche. Bei Erwachsenen beginnt die Hospizarbeit in der Regel erst dann, wenn der Tod schon absehbar ist. Die Kinder- und Jugendhospizarbeit beginnt viel früher, oft schon direkt nach der Diagnosestellung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Dienste stehen den Familien häufig über viele Jahre hinweg zur Seite und werden zu wichtigen Vertrauenspersonen.

Kinder- und Jugendhospizarbeit: ein ganz besonderes Ehrenamt

Momentan gibt es von den Maltesern in ganz Deutschland 43 solcher Kinderhospizdienste (Stand: 2025). Die Arbeit der Dienste ist vor allem durch ein starkes ehrenamtliches Engagement möglich: Mehr als 1.100 Ehrenamtliche engagieren sich derzeit als Hospizbegleiterinnen und -begleiter in den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdiensten der Malteser und betreuen lebensverkürzt oder lebensbedrohlich erkrankte Kinder und ihre Geschwister. Sie entlasten im Alltag und hören zu, sie spielen und malen, unternehmen Ausflüge, spenden Trost und helfen bei der Trauerbewältigung. Vor allem aber feiern sie gemeinsam mit den Familien das Leben und ermöglichen den Betroffenen ein paar unbeschwerte Stunden.

Eine dieser Ehrenamtlichen ist Selina Fitzthum. Sie ist seit dem Frühjahr 2023 als ehrenamtliche Hospizbegleiterin im Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser Darmstadt aktiv.

„Es ist ein unglaublich schönes und erfüllendes Ehrenamt“, sagt die 36-Jährige. Einmal pro Woche besucht Selina „ihre“ Familie, in der die 8-jährige Tochter erkrankt ist. Selina kümmert sich um das 4-jährige Geschwisterkind. „Das hilft der Familie momentan am meisten“, sagt sie. „Ich hole die Kleine von der Kita ab, wir gehen auf Spielplätze, machen Ausflüge, gehen mal ein Eis oder eine Waffel essen oder spielen bei schlechtem Wetter zu Hause in ihrem Kinderzimmer. Ich lese ihr vor oder wir malen, manchmal auch im Beisein der großen Schwester.“

Eine intensive Vorbereitung gehört dazu

Bevor Selina ihre erste Familie begleiten durfte, wurde sie in einem sechsmonatigen Kurs für die Arbeit als Hospizbegleiterin qualifiziert. In den Vorbereitungskursen werden unter anderem die Themen Sterben und Tod behandelt und Ehrenamtliche, die bereits in der Hospizarbeit aktiv sind, bieten spannende Einblicke in den Alltag der Hospizbegleitung. „Auch ganz praktische Dinge haben wir gelernt“, erinnert sich Selina. „Etwa, wie man mit einem Rollstuhl umgeht, denn einige Kinder haben eine Behinderung oder sind körperlich eingeschränkt.“ Einmal pro Woche ging Selina abends für drei Stunden zu dem Kurs, dazu absolvierten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein 20-stündiges Praktikum bei einem Träger ihrer Wahl. „Ich habe mich nach den sechs Monaten bestens auf das Ehrenamt vorbereitet gefühlt“, sagt Selina.

Der erste Kontakt zur Familie

Wer den Qualifizierungskurs absolviert hat, kann als Hospizbegleiterin oder -begleiter in eine Familie gehen. Die Koordinationskräfte der Kinder- und Jugendhospizdienste klären vorab die Bedürfnisse der Familie ab und schauen, welcher Ehrenamtliche oder welche Ehrenamtliche zur Familie passen könnte. Dann stellen sie den Kontakt her, es gibt ein Kennenlernen mit der Familie – und wenn alles passt, geht es los.

Im Fokus steht das Leben, nicht der Tod

Ist das nicht ein sehr trauriges Ehrenamt? Mit dieser Frage wurde auch Selina schon konfrontiert. „Das denken viele, wenn sie hören, was ich mache“, sagt sie. „Dabei ist das Gegenteil der Fall: Die Besuche sind sehr lebhaft, freudig und energiespendend. Das Sterben steht überhaupt nicht im Vordergrund.“ Die schönsten Momente sind für sie, wenn die Kinder aus vollem Herzen lachen oder sie vor Freude umarmen. „Es ist wunderbar, zu spüren, dass ich den Kindern ein paar unbeschwerte Stunden ermöglichen kann. In diesem Ehrenamt bekommt man unglaublich viel zurück. Man lernt unglaublich viele tolle Menschen und ihre Geschichten kennen, die einen demütig und mutig werden lassen und oft inspirieren. Nicht nur in den Familien, sondern auch im Malteser Netzwerk.“

Für wen ist das Ehrenamt geeignet?

Wer sich für ein Ehrenamt im Hospizdienst interessiert, dem rät Selina, zunächst einen Infoabend zu besuchen. „Die finden regelmäßig statt und sind ein guter Einstieg, um zu schauen, ob das Ehrenamt zu einem passt“, sagt sie. Mitbringen sollte man vor allem eine Offenheit für Menschen und ihre Lebensumstände. „Toleranz ist wichtig, außerdem Freundlichkeit und die Bereitschaft, einfach für andere da zu sein“, sagt Selina. Sie selbst suchte damals einen Ausgleich zu ihrem Bürojob, wünschte sich ein Ehrenamt, bei dem sie mit Menschen zu tun hat und etwas zurückgeben kann. „Ich wollte mich da einbringen, wo wirklich Hilfe gebraucht wird“, sagt sie. Nach mehr als zwei Jahren im Ehrenamt weiß sie, dass die wöchentlichen Besuche einen echten Unterschied machen. „Schon zwei Stunden meiner Zeit können für die Familien eine echte Erleichterung sein.“

Auch die Ehrenamtlichen werden betreut

Bei Fragen, Unsicherheiten oder Sorgen können die Ehrenamtlichen sich jederzeit an die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhospizdienste wenden. Zudem finden regelmäßige Supervisionen in der Gruppe statt. „Man wird wirklich nie allein gelassen“, sagt Selina. „In der Supervision lernt man auch, mit sich selbst in den Dialog zu gehen. Was möchte ich in diesem Ehrenamt beitragen? Wo sind meine Grenzen?“ Stirbt ein Kind, werden die Ehrenamtlichen ebenfalls nicht allein gelassen. „Mir ist das bisher noch nicht passiert“, sagt Selina. „Aber ich weiß: Wenn es dazu kommt, dann bin ich mit meiner Trauer auf keinen Fall allein.“

Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser: Jetzt engagieren!

Du möchtest dich auch ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendhospizarbeit engagieren? Hinter dem nachfolgenden Link findest du das Ehrenamtsformular der Malteser. Alternativ kannst du die Hospizdienste der Malteser auch mit einer Spende unterstützen.


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