Ehrenamtliche Wahlhelfer: Engagement als Bürgerpflicht

Am 26. September steht die Bundestagswahl 2021 an. Wenn Millionen Deutsche ihre Stimme in Wahllokalen abgeben, sorgen ehrenamtliche Wahlhelferinnen und Wahlhelfer dafür, dass alles korrekt abläuft.

Darum geht’s


Darum gibt es Wahlhelferinnen und Wahlhelfer

Demokratische Wahlen sollten neutral und unabhängig sein. Darum werden die Wahlen in Deutschland nicht von der normalen staatlichen Verwaltung organisiert, sondern von sogenannten unabhängigen Wahlorganen. Diese sollen die Neutralität der Wahlen gewährleisten und mögliche Manipulationen vermeiden. Die Wahlorgane bestehen aus Bürgerinnen und Bürgern, die zum Beispiel 2021 die Durchführung der Bundestagswahl übernehmen, und zwar als Wahlhelferinnen und Wahlhelfer. Das Amt ist ein Ehrenamt. Im Gegensatz zu den meisten ehrenamtlichen Engagements ist es auch eine Bürgerpflicht, zu der man theoretisch berufen werden kann. Die meisten Wahlhelferinnen und Wahlhelfer melden sich jedoch freiwillig. Über 650.000 helfende Hände werden für die diesjährige Bundestagswahl gebraucht. Sie überwachen die Wahl selbst und führen später die Auszählung der Stimmzettel durch. Kurzum: Die Ehrenamtlichen sorgen dafür, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Besondere Kenntnisse braucht man dafür nicht. Das gesamte Team in einem Wahllokal nennt sich Wahlvorstand, in dem es verschieden Aufgabe gibt. 
 

Das sind die Aufgaben 

Als Wahlhelferin oder Wahlhelfer bist du einem bestimmten Wahllokal zugeteilt. Das liegt meistens in deinem Wahlkreis, also nicht weit weg von deinem Wohnort. In jedem Wahllokal arbeiten etwa vier bis zehn Freiwillige, die unterschiedliche Aufgabe haben. 
Eine Person hat den Wahlvorstand inne, eine weitere Person die Stellvertretung. Es gibt einen Schriftführer mit wiederum einer Stellvertretung. Und gibt es mehrere sogenannte Beisitzerinnen und Beisitzer. 

Die Wahlvorsteherinnen und Wahlvorsteher sind für das gesamte Wahllokal verantwortlich und verteilen die Aufgaben auf Schriftführende und Beisitzende. Sie eröffnen das Wahllokal, achten darauf, dass Stimmabgabe und Stimmzählung ordnungsgemäß erfolgen, sie stellen das Wahlergebnis fest, geben es später bekannt und sorgen dafür, dass alle Wahlunterlagen an die Gemeinde übergeben werden. 

Die Schriftführenden kümmern sich um das Wählerverzeichnis. Sie notieren, wer seine Stimme abgegeben hat. Am Ende der Wahl fertigen sie eine sogenannte Wahlniederschrift an. Sie füllen Vordrucke aus, in denen das Wahlergebnis und besondere Vorkommnisse am Wahltag schriftlich festgehalten werden. Die Beisitzenden geben die Stimmzettel aus, achten darauf, dass niemand bei seiner Wahl schummelt oder sonst irgendwie manipuliert. Am Ende zählen sie die Stimmzettel aus. 

Ein Wahltag kann lang werden. Wenn das Wahllokal um 8 Uhr öffnet, sind die Helfenden schon seit 7 Uhr oder 7.30 Uhr vor Ort. Um 18 Uhr schließt das Wahllokal, dann beginnt für die Wahlhelferinnen und Wahlhelfer eine wichtige Aufgabe: das Auszählen der Stimmzettel. Erst wenn alle Stimmen ausgezählt und in der Wahlniederschrift notiert sind, ist Feierabend. Das dauert etwa zwei Stunden, kann aber auch bis in den späten Abend hineingehen. Dafür werden die Wahlhelfenden mit einem sogenannten Erfrischungsgeld entschädigt. Das sind mindestens 25 Euro und 35 Euro für die Wahlvorstehenden. 

Die Beträge bezahlt der Bund an die Kommunen. Manche Kommunen stocken das Erfrischungsgeld aus ihrem eigenen Finanztopf auf, sodass es Unterschiede gibt. In Berlin beispielsweise bekommen die Wahlhelfenden 50 Euro für den Tag, in Aachen sind es 40 Euro. Seit der letzten Bundestagswahl 2017 bekommen alle Wahlhelfenden auch eine Urkunde. Und wer dieses Ehrenamt regelmäßig übernimmt, bekommt obendrauf noch eine Ehrennadel. Damit soll das Engagement bei Wahlen stärker gewürdigt werden. Denn ohne die Freiwilligen würden unsere Wahlen so frei und unabhängig gar nicht stattfinden können. 

Daten, Zahlen, Fakten

Die Bundestagswahl 2021 wird voraussichtlich über 100 Millionen Euro kosten und würde damit zur teuersten Wahl, die jemals in Deutschland durchgeführt wurde. Im europäischen Vergleich ist das sogar noch günstig. Über 200 Millionen Euro hat die Parlamentswahl 2017 in Frankreich gekostet. In Deutschland sind über 60 Millionen Menschen wahlberechtigt. Die Wahlbeteiligung lag vor vier Jahren bei 76,4 Prozent. Für diese Wahl vermuten Experten eine ähnliche Wahlbeteiligung. Termin für die 20. Bundestagswahl ist der 26. September 2021. 

So kannst du mitmachen 

Es gibt nur eine Voraussetzung für dieses besondere Ehrenamt: Du musst wahlberechtigt sein. Das sind alle, die zum Zeitpunkt der Wahl volljährig sind und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Außerdem darfst du selbst nicht zur Wahl antreten und weder Stellvertretung noch Vertrauensperson einer Kandidatin oder eines Kandidaten sein. 
Wenn du die Voraussetzung erfüllst und nicht sowieso schon von deiner Kommune berufen wurdest, meldest du dich einfach selbst bei deiner Landeswahlleitung. Die Kontaktdaten findest du im Internet oder im Rathaus. Selbstverständlich solltest du am 26. September Zeit haben. In der Regel wirst du einem Wahllokal in deinem Wahlkreis zugeteilt. Falls du woanders eingesetzt werden möchtest, dann solltest du das unbedingt sagen. Die Landeswahlleitungen versuchen, möglichst allen Wünschen nachzukommen. 

Viele Wahlhelfende arbeiten im öffentlichen Dienst. Sie sind Lehrerinnen, Finanzbeamte oder Mitarbeitende im Gesundheitsamt. Dadurch kommen schon sehr viele Freiwillige zusammen. Gibt es dennoch einmal zu wenige Ehrenamtliche, werden Wahlberechtigte dazu berufen. Da es sich um eine Bürgerpflicht handelt, darf man das Ehrenamt nicht so einfach ablehnen. Das geht nur aus dringenden Gründen wie Krankheit, Handicaps, pflegebedürftige Familienangehörige oder wichtige berufliche Gründe, beispielsweise wenn dein Arbeitgeber dir nicht freigeben kann. Dazu sind Chefs nämlich nicht verpflichtet. Arbeitest du im Schichtdienst und möchtest für dein Ehrenamt bei der Wahl frei haben, dann solltest du rechtzeitig Bescheid geben. Die meisten Vorgesetzten werden dich nicht daran hindern, deiner Bürgerpflicht nachzukommen. 

Es gibt viele außergewöhnliche Ehrenämter wie in der Igelstation, bei der Höhenrettung oder in der Archäologie. Viele weitere spannende Ehrenämter findest du beispielsweise bei den Maltesern


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