Einsamkeit im Alter: Zurück ins Leben finden

An manchen Tagen ist die Einsamkeit für Elise schier unerträglich. Dann sitzt die 85-Jährige zu Hause und starrt die Wände an. Ihr Mann ist vor zwei Jahren an einem Herzinfarkt gestorben, ihre einzige Tochter wohnt 850 Kilometer entfernt und hat nur wenig Zeit. Einsamkeit im Alter kann eine Qual sein. Niemand ist mehr da, der Elise zuhört, ihre Sorgen und Nöte teilt. Bis auf den Besuchs- und Begleitungsdienst der Malteser, ihren Lichtblick. Der bringt einmal wöchentlich für zwei Stunden „Leben in die Bude“, wie die alte Dame sagt.


Darum geht's:


Vereinsamung im Alter: Oma allein zu Haus

Hand aufs Herz: Wann hast du zuletzt deine Oma besucht? Junge Menschen haben es oft nicht auf dem Schirm, aber ältere Menschen fühlen sich häufig allein. Das kann verschiedene Gründe haben. Schön ist das Leben in Einsamkeit nicht.

Wer einsam ist, spricht nicht gern darüber. Über Armut und Krankheit im Alter wird viel diskutiert, Einsamkeit ist ein Tabu. In Deutschland wird mehr Wert auf das körperliche als auf das seelische Wohl gelegt. Einsamkeit im Alter entwickelt sich. Meist sind es körperliche Einschränkungen, die dafür sorgen, dass Senioren nicht mehr am Sozialleben teilnehmen: Schwindel, Schwerhörigkeit, Gelenkprobleme. Auch Elise traut sich allein kaum noch raus – die Hüfte! Beim Einsetzen einer Hüftprothese vor fünf Jahren gab es Komplikationen. Jetzt schmerzt jeder Schritt. Daher sitzt sie fast nur noch in ihrer kleinen Wohnung herum. Spieleabende bei ihren Freundinnen oder mal ein Café besuchen – unmöglich. Außerdem sind in den vergangenen Jahren mehrere Freunde verstorben. Elises Welt ist sehr klein geworden.

Einsamkeit im Alter auf dem Vormarsch

Die Zahl der einsamen Menschen im Alter wird steigen. Die Gruppe der 80- bis 90-Jährigen wächst rasant und wird sich bis 2050 sogar mehr als verdoppeln. Aktuell leben über zwei Millionen alte Menschen in Deutschland allein. Ohne Partner, ohne persönliche Kontakte. Laut des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) erhält jeder vierte alte Mensch nur einmal im Monat Besuch von Freunden oder Bekannten. Manche haben gar keinen Kontakt mehr nach außen. Die Zahl der Selbsttötungen ist in keiner Altersgruppe so hoch wie bei den über 80-Jährigen. Daher müssen wir die Vereinsamung im Alter bekämpfen und Menschen, die mitten unter uns leben und die wir vergessen haben, wieder in unsere Mitte holen.

Einsamkeit im Alter – die dramatischen Folgen

Die meisten einsamen Menschen finden sich damit ab, nehmen das Alleinsein als gegeben hin. „Bei mir lief von morgens bis abends der Fernseher. Ich konnte die Stille nicht ertragen. Nur noch zum Einkaufen bin ich unter Menschen gegangen“, erinnert sich Elise. „Dann habe ich die Verkäuferin oft richtig vollgequasselt. Peinlich!“

Die Folgen von Einsamkeit können Depression, Antriebslosigkeit, Kontaktarmut sein. Nicht wenige Senioren verlieren auf Dauer all ihren Lebensmut. Doch Elise  wollte sich nicht mit der Einsamkeit abfinden. In ihrer Not befolgte sie den Rat ihres Hausarztes und wandte sich an den Malteser Hilfsdienst. Nun kommt Anna vom Besuchs- und Begleitungsdienst einmal pro Woche für zwei Stunden vorbei.

 

Hilfe bei Einsamkeit: Der Besuchs- und Begleitungsdienst der Malteser

„Wenn Anna kommt, geht die Sonne auf!“, freut sich die alte Dame. Klönen, Kaffee trinken, Karten spielen oder auch mal ein Besuch im Stadtcafé – jedes Mal nehmen sich die beiden etwas anderes vor. Mit der ehrenamtlichen Begleiterin fährt Elise sogar wieder Bus. Auf Wunsch kommt Anna auch mit zum Arzt und hilft bei kleinen Besorgungen.

Junge Frau schaut mit einer älteren Damen durch ein Fotoalbum
Mit dem Besuchs- und Begleitungsdienst der Malteser ist man nicht mehr allein.

Altersdepression: Woran erkennt man sie?

Eine Depression im Alter geht häufig mit körperlichen Beschwerden einher: Brustenge oder Gedächtnisstörungen. Etwa jeder zehnte ältere Mensch ist von einer Depression betroffen, in stationären Pflegeeinrichtungen sogar jeder dritte. So lässt sie sich erkennen:

  • Bestehende Probleme werden stärker und bedrohlicher wahrgenommen. Vor allem, wenn es um die Gesundheit geht.
  • Interesse an früher beliebten Dingen ist verlorengegangen.
  • Depressive Verstimmungen nehmen zu.

Der Besuchs- und Begleitungsdienst der Malteser schenkt Lebensqualität und Lebensfreude. Qualifizierte ehrenamtliche Mitarbeiter kümmern sich um alte, kranke und einsame Menschen. Sie führen Gespräche, begleiten bei Unternehmungen und auf Kulturveranstaltungen, geben Hilfestellung im Alltag. Trotz Einsamkeit im Alter wollen die meisten Betroffenen weiter in ihrer Wohnung leben – die Malteser unterstützen ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden. Bundesweit sind in den sozialen Diensten etwa 4.000 ehrenamtliche Mitarbeiter an mehr als 200 Standorten für andere Menschen da.

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