Momente der Nähe: Zwei Projekte, die Generationen verbinden
Momente der Nähe entstehen, wenn Generationen Zeit miteinander verbringen: In Regensburg bringt zum Beispiel das Malteser-Projekt „Crossing Generations“ Jung und Alt beim Spielen, Basteln und gemeinsamen Erleben zusammen. In Föhren besucht die Malteser Jugend regelmäßig eine Demenz-WG. Hier stellen wir dir beide Projekte vor und zeigen, wie Begegnungen den Alltag bereichern.
Darum geht's
- Was sind die Momente der Nähe?
- Was ist „Crossing Generations“?
- Was zeichnet das Projekt aus?
- Wie kommen Jung und Alt miteinander ins Gespräch?
- Wer nimmt an „Crossing Generations“ teil?
- Wie können junge Menschen das Älterwerden erleben?
- Was können die Generationen voneinander lernen?
- Warum gehört Demokratie zum Programm?
- Wie schafft „Crossing Generations“ Momente der Nähe?
- Wie schaffen Besuche in der Demenz-WG Momente der Nähe?
Was sind die „Momente der Nähe“?
Ein gemeinsames Gespräch, ein Nachmittag in Gesellschaft oder einfach das Gefühl, gesehen zu werden: Oft sind es kleine Begegnungen, die den Alltag bereichern. Genau hier setzen die Malteser mit ihrer bundesweiten Aktion „Momente der Nähe“ an. Sie möchten das Miteinander stärken und insbesondere Menschen, die von Einsamkeit, Armut oder gesellschaftlicher Ausgrenzung betroffen sind, Aufmerksamkeit und Wertschätzung schenken. Dafür organisieren Ehrenamtliche und Mitarbeitende der Malteser bundesweit Begegnungsaktionen, bei denen die Gemeinschaft im Mittelpunkt steht. Die hier vorgestellten Projekte sind beispielhaft dafür.
Momente der Nähe in Zahlen
2025 ermöglichten 2.283 Helferinnen und Helfer bei 182 Aktionen insgesamt 18.835 Menschen persönliche Begegnungen. In Regensburg setzen die Malteser die Idee unter anderem mit dem Generationenprojekt „Crossing Generations“ um. 2026 findet es am 18. November statt.
Was ist „Crossing Generations“?
Das Regensburger Projekt verbindet ein buntes Kinder- und Seniorenprogramm mit gemeinsamen Mitmachaktionen. „Wir haben die Veranstaltung unter dem Namen ‚Crossing Generations – Alt trifft Jung‘ am 22. November 2023 das erste Mal durchgeführt“, sagt Daniela Schwarz, Referentin für Soziales Ehrenamt bei den Maltesern Regensburg, „seitdem bieten wir jedes Jahr an diesem Tag ein buntes Kinder- und Seniorenprogramm an.“
Was zeichnet das Projekt aus?
Das Besondere: Die Angebote richten sich nicht nur an einzelne Altersgruppen, sondern setzen auf gemeinsame Aktivitäten. Neben Spielen und kreativen Aktionen gehören auch Stationen zum Programm, die für die Herausforderungen des Älterwerdens sensibilisieren. Daniela Schwarz sagt: „Ich wünsche mir, dass die Generationen wieder mehr voneinander erfahren und miteinander erleben. Jung und Alt können unglaublich viel voneinander lernen. Crossing Generations baut Brücken zwischen den Generationen und zeigt, dass wir viel mehr gemeinsam haben, als wir vielleicht denken.“
Wie kommen Jung und Alt miteinander ins Gespräch?
Wie haben Jugendliche früher ihre Freizeit verbracht? Welche Rolle spielen digitale Medien heute? Gesprächskarten liefern bei „Crossing Generations“ den Anstoß, um Erinnerungen zu teilen, nachzufragen und über Unterschiede zu diskutieren. Auch an den Spieltischen kommen die Teilnehmenden miteinander ins Gespräch – ganz ohne vorgegebenes Thema. Denn zwischen den Generationen gibt es reichlich Gesprächsstoff: Dabei geht es nicht nur um Unterschiede zwischen früher und heute. Auch persönliche Erinnerungen und Geschichten haben ihren Platz. So entstehen Gespräche, für die im Alltag oft die Gelegenheit fehlt.
Wer nimmt an „Crossing Generations“ teil?
Das Publikum ist bunt gemischt. „Neben Gästen aus der Nachbarschaft besuchen auch Kinder und Erwachsene aus der benachbarten Krabbelstube oder Kinder von Malteser-Mitarbeitenden die Veranstaltung“, erzählt Daniela Schwarz. In der Regel kommen etwa 30 bis 50 Menschen zusammen. Auch die 15-jährige Uyen ist dabei. Sie hat über ihre Schule von dem Projekt erfahren und bereits im vergangenen Jahr mitgemacht. Besonders schätzt sie die offene Atmosphäre: „Alle sind superlieb, den Jugendlichen zugewandt und wirklich offen und gesprächsbereit.“ Besonders neugierig ist sie auf die Geschichten, die ältere Menschen aus ihrem Leben erzählen. „Ich finde diese Nachmittage einfach richtig schön“, sagt sie.
Wie können junge Menschen das Älterwerden erleben?
Wie verändert sich der Alltag, wenn Sehen, Hören oder Beweglichkeit nachlassen? Und welchen Herausforderungen begegnen Menschen mit Demenz? An verschiedenen Erlebnisstationen können jüngere Teilnehmende erfahren, wie sich Einschränkungen auf alltägliche Tätigkeiten auswirken. Dafür ist auch die Fachstelle Demenz mit einem Demenzparcours und einem Alterssimulator vertreten.
- „Der Alterssimulator ist besonders beliebt“, erläutert Daniela Schwarz. „Mit Gewichten, Gehörschutz und einer eingeschränkten Sicht durch eine spezielle Brille können jüngere Menschen nachempfinden, wie sich körperliche Einschränkungen im Alter anfühlen.“
- Auch eine Rollstuhl-Rallye gehört zum Programm. Daniela Schwarz: „Sie ermöglicht einen Perspektivwechsel und macht Barrieren im Alltag erfahrbar.“
Was können die Generationen voneinander lernen?
Manchmal genügen eine Häkelnadel, etwas Garn und ein wenig Geduld, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Bei „Crossing Generations“ zeigen ältere Teilnehmende den Jüngeren am Basteltisch beispielsweise, wie das Häkeln funktioniert. Dabei geht es um weit mehr als Handarbeit: Menschen unterschiedlicher Generationen bringen ihre Erfahrungen und Fähigkeiten ein. Während die einen ihr Wissen weitergeben, probieren die anderen etwas Neues aus. So wird ganz nebenbei aus einer Handarbeitsstunde eine Gelegenheit, Erfahrungen und Geschichten zu teilen.
Ich wünsche mir, dass die Generationen wieder mehr voneinander erfahren und miteinander erleben. Jung und Alt können unglaublich viel voneinander lernen.
Daniela Schwarz, Referentin für Soziales Ehrenamt bei den Maltesern Regensburg
Warum gehört Demokratie zum Programm?
Zuhören, andere Meinungen respektieren und unterschiedliche Sichtweisen kennenlernen: Auch das gehört zum demokratischen Miteinander. Bei „Crossing Generations“ steht deshalb neben den Mitmachaktionen auch das Thema Demokratie auf dem Programm. Unter dem Motto „Spielend Demokratie entdecken“ können sich die Teilnehmenden mit demokratischen Grundwerten beschäftigen und diese auf unterschiedliche Weise kennenlernen. Ergänzend ist ein Vortrag einer Studentin zum Thema „Demokratie live erleben“ geplant. Das passt zum generationenübergreifenden Konzept: Wo Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen aufeinandertreffen, gibt es reichlich Stoff für Diskussionen.
Wie schafft „Crossing Generations“ Momente der Nähe?
Ein Gespräch am Spieltisch, gemeinsam etwas Neues ausprobieren oder einfach einander zuhören: „Crossing Generations“ zeigt, wie aus kleinen gemeinsamen Erlebnissen persönliche Begegnungen werden können. Genau darin liegt die Idee der „Momente der Nähe“: Menschen zusammenzubringen, die sich im Alltag vielleicht nie begegnet wären. Auch die regelmäßigen Besuche der Malteser Jugend Föhren in einer Demenz-WG schaffen solche Begegnungen.
Momente der Nähe in der Demenz-WG
Die Malteser Jugend in Föhren besucht regelmäßig eine Demenz-WG in ihrem Nachbarort. Wie die Besuche ablaufen und warum die Kinder und die Bewohnerinnen und Bewohner gleichermaßen davon profitieren.
Die etwas andere Wohngemeinschaft
Es ist eine Wohngemeinschaft der etwas anderen Art: Im rheinland-pfälzischen Trier leben rund elf Erwachsene mit Demenz gemeinsam in einer Wohngemeinschaft statt in einem Altenheim. In der Wohnung werden sie von Fachpersonal und Ehrenamtlichen betreut. Die Demenz-WG in Trier ist ein Projekt des Club Aktiv e.V. Doch auch die Malteser sind involviert: Seit 2025 besucht die Malteser Jugend Föhren regelmäßig die Bewohnerinnen und Bewohner der ungewöhnlichen Wohngemeinschaft. „Unsere Kinder haben sich schon häufiger für ältere Menschen in der Region engagiert“, erzählt Elisabeth Orth, Jugendgruppenleiterin der Malteser Jugend Föhren. „Als mir Cornelia Schilz, die als Club Aktiv-Ehrenamtliche die Menschen in der Demenz-WG betreut, von dem Projekt erzählte, kam mir die Idee, dass wir diese ungewöhnliche Wohngemeinschaft ja auch einmal besuchen könnten!“
Alternative zum Pflegeheim
Ambulant betreute Wohn- und Hausgemeinschaften wie die Demenz-WG des Club Aktiv e.V. in Trier können für Personen mit großem Pflege- und Unterstützungsbedarf eine Alternative zum Pflegeheim sein. Die Menschen leben in Wohngruppen mit Rund-um-die-Uhr-Betreuung – das entlastet auch die Angehörigen. Auch die Malteser bieten solche Wohngruppen in ganz Deutschland an.
Gemeinsam spielen und singen
Gesagt, getan. Im Winter 2025 fand der erste Besuch statt – und war ein voller Erfolg. Die acht Kinder der Malteser Jugend Föhren, alle zwischen zehn und zwölf Jahren alt, verbrachten knapp zwei Stunden in der Wohngemeinschaft. „Sie haben kurz beobachtet, sind aber sehr schnell aufgetaut“, erinnert sich Elisabeth Orth. Dann wurde gemeinsam gespielt und gesungen, einige Kinder haben Gedichte vorgetragen. „Am Ende waren alle begeistert – die Kinder und die Betreuerinnen und Betreuer der WG, die merkten, wie gut den Menschen der Besuch getan hatte“, sagt Elisabeth Orth. „Ich fand den Besuch toll, weil ich mich mit alten Menschen austauschen und ihnen bei Aufgaben helfen kann“, sagte ein Kind im Anschluss. Im Frühjahr 2026 fand daher direkt der nächste Besuch statt, im November 2026 geht es für die Kinder der Malteser Jugend Föhren im Rahmen der Malteser-Aktion „Momente der Nähe“ wieder in die Wohngemeinschaft. „Wir wollen das nun zwei- bis dreimal pro Jahr machen“, sagt Elisabeth Orth.
Erinnerungen wecken
Die Lieder, die die Kinder bei den Besuchen singen, sind immer welche, die die älteren Menschen noch von früher kennen. „Ich stimme mich dazu vorher mit Cornelia Schilz ab“, erklärt Elisabeth Orth. „Man merkt, dass beim Singen Erinnerungen geweckt werden und dass das die Menschen sehr glücklich macht.“ Bei den Besuchen wird auch gemeinsam gegessen. Auch hier immer etwas Vertrautes, das die Bewohnerinnen und Bewohner noch von früher kennen. Wie zum Beispiel Arme Ritter. Die Kinder der Malteser Jugend reichen den demenzerkrankten Menschen das Essen an. „Das sind sehr verbindende Momente. Die Kinder sind unglaublich offen, gehen ohne Vorurteile auf die Menschen zu und haben keine Berührungsängste. Das ist toll zu beobachten und inspiriert mich auch selbst jedes Mal aufs Neue“, sagt Elisabeth Orth. Fragt man die Kinder der Malteser Jugend Föhren, wie sie die WG-Bewohner wahrnehmen, beschreiben sie diese als sehr nett, freundlich und liebevoll, aber auch als ruhig und zurückhaltend.
Am Ende waren alle begeistert – die Kinder und die Betreuerinnen und Betreuer der WG, die merkten, wie gut den Menschen der Besuch getan hatte.
Elisabeth Orth, Jugendgruppenleiterin der Malteser Jugend Föhren
Begegnungen zwischen Generationen
Für die Bewohnerinnen und Bewohner der WG sind die Besuche der Malteser Jugend eine echte Bereicherung und eine schöne Abwechslung im Alltag. Viele der Bewohnerinnen und Bewohner bekommen eher selten Besuch und haben wenig soziale Kontakte. Hinzu kommen Vorurteile und Berührungsängste, denen sie aufgrund ihrer Erkrankung begegnen. „Wir bringen ordentlich Leben in die Bude, tun aktiv etwas gegen die Einsamkeit“, sagt Elisabeth Orth. „Unsere Kinder haben keinerlei Scheu und finden sehr schnell eine gemeinsame Ebene mit den Menschen, das ist wirklich wunderbar. Jede und jeder darf sein, wie er ist, und machen, was er kann. Das ist für beide Seiten ein tolles, bereicherndes Erlebnis. Wir bringen mit diesen Besuchen Generationen zusammen – besser geht es doch nicht.“
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