Winter Game 2026: Ehrenamtliche Malteser im Einsatz
Bei eisigen Temperaturen kamen über 32.000 Eishockeyfans zum sogenannten Winter Game 2026 ins Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion. Für ihre Sicherheit sorgten unter anderem 27 Ehrenamtliche vom Sanitätsdienst der Malteser Dresden. Katharina Gretzschel war als Abschnittsleiterin im Einsatz. Im Interview spricht sie über Highlights und Herausforderungen dieses Events.
Darum geht's
Was war deine Aufgabe beim Winter Game 2026?
Das war unser zweites Winter Game in Dresden, das erste war 2020. Damals war ich noch als Helferin dabei und jetzt war ich als Abschnittsleiterin vor Ort. Das heißt: Mein Team und ich hatten unseren Abschnitt zu betreuen, den großen Fanblock der Dresdner Heimfans. Meine Aufgabe war es, die Patientenversorgung zu koordinieren.
Wie funktioniert die Koordination der Patientenversorgung ganz konkret?
Wir haben eine Einsatzleitung, die sitzt direkt neben dem Sicherheitsdienst oben im Turm. Von dort kann man das ganze Stadion überblicken. Wenn von der Security ein Funkspruch reinkommt, guckt der Kollege von der Einsatzleitung, woher der kommt, also aus welchem Abschnitt, und schickt die Anforderung an die entsprechende Abschnittsleitung. In Dresden sind wir ganz gut digitalisiert, darum bekommen wir die Anforderungen aufs Handy oder Tablet. Das ist dann so etwas wie: „K-Block. Hilflose Person. Anforderung durch Sicherheit“. Ich als Abschnittsleitung bestätige dann und funke das Team an, das am nächsten dran ist. Die Kollegen gehen dorthin und melden dann zum Beispiel: „Wir kommen mit Patienten zurück“. Vor Ort hatten wir einen Sanitätsraum, wo die Patienten versorgt wurden.
Wie viele Einsatzkräfte wart ihr bei dem Einsatz?
In meinem Team waren es zehn Leute, insgesamt waren wir 27.
Was war das Besondere an diesem Einsatz der Malteser?
Man kann das Winter Game nicht mit einem normalen Eishockeyspiel vergleichen. Normalerweise ist es so: Wir kommen so eine halbe Stunde vor Abfahrt auf die Wache, ziehen uns entspannt um, checken das Material, verteilen uns auf die Autos und fahren zur Halle. Bei einem normalen Eishockeyspiel sind wir so um die neun Einsatzkräfte. Beim Winter Game waren wir 27 Leute. Bei so einem großen Event bin ich schon eher auf der Wache und gucke, ob es allen gut geht, ob jemand noch etwas braucht, wie das Material aussieht, ob ich noch etwas organisieren muss und ob alle Autos auch anspringen. Ich war so ab 12 Uhr auf der Wache. Dann sind wir mit sehr vielen Autos losgefahren – 27 Leute müssen ja irgendwie ins Stadion kommen. Die Kolleginnen und Kollegen von der Einsatzleitung waren schon ein paar Stunden vorher da und haben die ganze Internetanbindung aufgebaut, die Technik hingelegt, die Funkgeräte noch mal gecheckt. Der ganze Einsatz ging bis abends so circa 21 Uhr. Es dauerte, bis wir vor Ort wieder alles eingeräumt haben, dann mussten wir zurück auf die Wache und wieder alles verstauen. Und es muss auch immer alles dokumentiert werden.
Welche Herausforderungen hattet ihr bei diesem Einsatz zu meistern?
Eine Herausforderung war: Das Spiel fand draußen statt. Es ist sonst immer in der Eishalle und ja, da ist es kühl, aber es ist drinnen. Wir hatten das Problem, dass der Spieltag, der 10. Januar, in Dresden extrem kalt war mit Minusgraden. Nun kann man sich nicht die ganze Zeit im wärmeren Sanitätsraum „verstecken“. Irgendwer musste immer draußen stehen. Da mussten gerade wir Führungskräfte darauf achten, dass die Helferinnen und Helfer immer wieder durchgetauscht werden, damit am Ende niemand unterkühlt oder nicht mehr arbeitsfähig ist. Dazu kam, dass wir sehr lange Laufwege hatten. In der Eishalle ist alles übersichtlich und man kommt relativ schnell von A nach B. Das Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden ist richtig groß. Wir hatten eine Notärztin vor Ort und wenn wir sie angefordert haben, dauerte es immer ein paar Minuten, bis sie da war, weil die Laufwege so lang waren.
Noch eine Herausforderung war, dass wir bei so einem großen Spiel Ehrenamtliche dabeihatten, die das nicht so oft machen. Bei den regulären Spielen ist eigentlich immer das gleiche Team dabei. Die sind eingespielt, kennen sich gegenseitig und die Gegebenheiten in der Halle, die Spieler und auch den Teamarzt. Beim Winter Game waren viele Neue dabei. Ihnen mussten wir erst mal alles zeigen. Es waren auch Kolleginnen und Kollegen vom DRK dabei, die sich angeguckt haben, wie wir solche großen Einsätze machen. Das heißt, wir haben ihnen alles erklärt: wie wir arbeiten, wie wir uns koordinieren, wie unsere digitale Dokumentation funktioniert. Gerade die Koordination der Einsatzkräfte war eine Herausforderung. Bei so vielen Besucherinnen und Besuchern, musste immer irgendwer einsatzbereit sein. Das heißt: Wir mussten immer gucken, dass jeder eine Pause machen kann und alle etwas gegessen und getrunken haben.
Gab es bei so vielen Besuchenden mehr Notfälle?
Tatsächlich war es für die Größe sehr entspannt. Wir hatten so drei, vier Patientinnen beziehungsweise Patienten pro Abschnitt, aber das ist normal für den Besucherbereich. Wir hatten mit viel mehr Einsätzen gerechnet, aber die Besucherinnen und Besucher waren alle sehr gut vorbereitet, sowohl auf Temperaturen als auch auf die Gegebenheiten. Ich muss aber auch sagen: Wir in Dresden sind eine sehr große Gliederung, das hat man oft nicht so auf dem Schirm, dass wir so viel machen. Wir machen so 700 Veranstaltungen im Jahr als Ehrenamtliche. Normalerweise beginnt unsere Saison im April. In diesem Jahr ging es im Januar los und seitdem hintereinander weg. Das Jahr ist voll mit Großveranstaltungen, Laufveranstaltungen, Konzerten – darunter große Acts wie „Die Toten Hosen“.. Da werden auch überregional Malteser Kolleginnen und Kollegen helfen, weil so um die 100 Einsatzkräfte gebraucht werden. Es wird ein spannendes Jahr. In diesem Jahr ist bei uns in Dresden auch die Bundesversammlung der Malteser. Da sind wir, ehrlich gesagt, schon ein bisschen nervös und wollen, dass alles gut klappt.
Was war dein Highlight bei diesem Einsatz?
Es ist natürlich spannend, wenn man mal einen der Spieler behandelt und in der Umkleidekabine zwischen den ganzen Starspielern steht. Wenn man ganz nah dran ist und helfen kann, dann ist das immer ein bisschen aufregend. Und ein Highlight ist, dass so ein Event wieder ganz besonders zeigt, dass wir es auch unter widrigen Bedingungen bei minus 10 Grad und Glätte schaffen, mit unseren ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern so eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen und ganz entspannt über die Bühne zu bringen, ohne dass irgendwem was passiert ist. Auch alle Patientinnen und Patienten haben sich am Ende bei uns bedankt und gesagt: „Ihr seid eine richtig coole Truppe und ihr seid alle total nett“. Auch die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen vom DRK war toll. Obwohl wir sonst nicht sehr viel Berührungspunkte haben, haben wir richtig gut Hand in Hand gearbeitet.
Bist du selbst Eishockey-Fan?
Ich hatte keine Berührungspunkte mit Eishockey bis zu meiner allerersten Absicherung bei den Maltesern, als ich hier 2019 angefangen habe. Es war der allererste Dienst und das hat mich ein bisschen gecatcht, muss ich sagen. Inzwischen bin ich Eislöwen-Fan und verfolge die Spiele auch privat.
Warum engagierst du dich ehrenamtlich?
Das hat viele Gründe. Zum einen ist es die Begeisterung, wirklich etwas zu bewegen, auch als Führungskraft und gerade als Frau. Das klingt abgedroschen, aber ich habe es gerade erst wieder erlebt: Ich war als Einsatzleiterin unterwegs und alle haben sich gewundert: „Wie? Eine Frau als Einsatzleiterin?“ Hallo! Wir haben 2026! Wir hatten tatsächlich seit zwölf Jahren keine Zugführerin mehr bei uns, was ich total schade finde. Ich denke, wir müssen mehr zeigen, was für eine große Gliederung wir sind, und ja, bei uns sind Frauen in Führungsverantwortung und das ist normal. Ein anderer Grund, warum ich mich engagiere, ist, dass die Malteser für mich so ein bisschen die zweite Familie geworden sind. Ich habe meinen Mann hier kennengelernt, ich habe meinen besten Freund und meinen engsten Freundeskreis hier. Zu den Maltesern zu fahren, ist wie Hause kommen und das ist auch bei den Einsätzen so. Selbst wenn es stressig wird oder wenn der Ton vielleicht mal rauer wird, gehen wir am Ende zusammen etwas trinken und das ist einfach cool. Es ist ein toller Ausgleich zur Arbeit. Ich sage immer: Malteser ist mein zweiter Vollzeitjob, aufgrund der Fülle der Veranstaltungen. Ich bekomme keinen Cent dafür, aber am Ende ist das weniger Stress als das, was zu Hause oder auf der Arbeit passiert. Ich finde es toll, immer wieder über meinen Tellerrand hinauszugucken, neue Leute kennen zu lerne und sichtbar zu sein für eine gute Sache. Das ist wirklich toll!
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