Balu und Du: Mentoringprogramm als Unterstützung für Kinder

Ein Jahr, das vieles verändern kann: Beim Mentoringprogramm „Balu und Du e.V.“ verbringen junge Erwachsene regelmäßig Zeit mit Grundschulkindern, die besondere Unterstützung benötigen. Die Geschichte von Jolie und Aurelia zeigt, wie wertvoll ehrenamtliches Engagement sein kann.

Darum geht's


„Balu und Du e.V.“: Worum geht es dabei?

Die Idee hinter dem Konzept „Balu und Du“ ist simpel: Ein Jahr lang, einmal pro Woche, treffen sich ein Grundschulkind (Mogli) und ein junger Erwachsener (Balu), um gemeinsam Zeit zu verbringen (1 bis3 Stunden pro Woche). Dabei kommen als „Moglis“ nur Kinder infrage, die durch ihre Lebensumstände eine besondere Unterstützung nötig haben, bei denen also sozial herausfordernde Umstände vorliegen. Sei es, dass ihre Eltern sich getrennt haben, ein Elternteil krank ist, sie Sprachschwierigkeiten haben oder ein Geschwisterkind besondere Aufmerksamkeit braucht.

Die Malteser übernehmen für das Projekt in einigen Städten die regionale Trägerschaft.

Wer sind die Ehrenamtlichen bei „Balu und Du“?

Ein „Balu“ kann jede oder jeder zwischen 17 und 30 Jahren werden, die oder der sich verlässlich dazu bereit erklärt, die vereinbarten Treffen regelmäßig wahrzunehmen. Vor allem junge Frauen nehmen an dem Projekt teil, sie sind Schülerinnen, Auszubildende oder Studentinnen. Getragen wird das deutschlandweite Programm von zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützern. Jedes Gespann bekommt ein kleines monatliches Taschengeld, womit die Kosten für Unternehmungen gedeckt werden. Ziel ist es, durch informelles Lernen Chancengleichheit zu fördern.

Der Name ist Programm

Es ist ein ikonisches Bild der Zeichentrickgeschichte: eine Wasserstelle im Dschungel. Tiefenentspannt ruht der sonst so quicklebendige kleine Mogli auf Balus Bauch. Trotz der in jeder Ecke lauernden Gefahren des Dschungels treibt das Paar ganz ruhig vor sich hin. In Balu, dem dauerrelaxten Bären, hat das Findelkind Mogli einen treuen Freund gefunden, der ihm auf seiner turbulenten Reise zur Seite steht. Im echten Leben sind derartige Begegnungen eher selten. Gut, dass es Organisationen gibt, die sich genau das auf die Fahne schreiben. Nämlich: Balus und Moglis zusammenbringen – und das schon seit 2002.

Wie wirkt sich das Programm aus?

„Durch die Unterstützung von Programmen wie Balu und Du lässt sich mit vergleichsweise geringem Aufwand ein substanzieller Beitrag zum Gemeinwohl leisten“, sagt Prof. Dr. Armin Falk, Verhaltensökonom und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn. „Balu und Du“ hat vielfach positive Auswirkungen, das belegen auch Studien. Seit seinen Anfängen wird das Programm wissenschaftlich begleitet. „Die Forschungsergebnisse“ zeigen dabei laut der offiziellen Website „die positiven Wirkungen für die persönliche Entwicklung sowohl der Kinder als auch der Mentorinnen und Mentoren“. Das Herzstück seien die regelmäßigen Begegnungen zwischen Balus und Moglis: „Diese Augenblicke sind für beide ganz besonders: Sie geben Orientierung, eröffnen neue Perspektiven und schenken Mut sowie Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.“ Das Miteinander gehe oft weit über das offizielle Programmjahr hinaus. Dafür brauche es Struktur, Stabilität und Verlässlichkeit: „Dinge, die unsere Koordinatorinnen und Koordinatoren tagtäglich in den Standorten sicherstellen. Im engen Zusammenwirken mit Kommunen, Schulen und Verbänden schaffen sie ein Umfeld, in dem unser Mentoringprogramm erfolgreich wirken kann.“

Darum funktioniert das Programm

Nimmt man Balu, den Bären, als Vorbild, dann ist der ideale Mentor niemand, der mit erhobenem Zeigefinger auf seinen Mogli hinabschaut. Denn hier geht es nicht um schulische Förderung wie Hausaufgabenhilfe. Beide sollen von der Sichtweise des anderen profitieren. Balu ist wie ein großer Bruder (oder eine Schwester), auf den sich Mogli verlassen kann und mit dem er Dinge tun kann, die Spaß machen. Das kann eigentlich alles sein: ein Ausflug in den Zoo, ein Museumsbesuch, Schlittschuhlaufen, Fußball oder gemeinsames Kochen. Jedoch ist die Art der Unternehmung am Ende gar nicht das Wichtigste, sondern das Gefühl, welches dabei für beide entsteht.

Ein starkes Team: Jolie und Aurelia

„Balu“ Jolie und „Mogli“ Aurelia waren ein eingespieltes Tandem im Mentoring-Programm „Balu und Du“ in Rostock. Balu Jolie erfuhr in der Schule von dem Programm, das erste Kennenlernen war im Beisein einer Schulsozialarbeiterin und der Eltern von Aurelia. „Wir haben Kennenlern-Karten gehabt mit Fragen darauf“, erinnert sich Jolie, die nach dem Abitur eine Ausbildung bei der Polizei in Güstrow begann. Ein Jahr lang traf sie sich regelmäßig mit „ihrem Mogli“, der zehnjährigen Grundschülerin Aurelia.

„Balu und Du“ in Zahlen

Seit der Gründung 2001 wurden mehr als 20.000 Tandems vermittelt. Allein im vergangenen Jahr (2025) gab es 5.182 Treffen zwischen Balus und Moglis. Die Moglis sind im Schnitt etwa 8,6 Jahre alt. Derzeit sind an 216 Standorten in Deutschland 2.081 Tandems aktiv.

Was unternahmen Jolie und Aurelia zusammen?

Ziel des Programms ist es, Kinder in ihrem Alltag zu begleiten, neue Erfahrungen zu ermöglichen und ihre persönliche Entwicklung zu stärken. Aurelia lebte nach der Trennung der Eltern im Wechsel bei ihrer Mutter und ihrem Vater. Mit Jolie ging sie ins Kino, war mit ihr am Strand, machte eine Bootsfahrt, war skaten und Lasertag spielen. Für diese Aktivitäten gibt es das Taschengeld für die Tandems. Besonders stolz ist sie auch auf ihre Balu-Urkunde – die erste Urkunde ihres Lebens.

Auch die „Balus“ sammeln wertvolle Erfahrungen

Die „Balus“ sind für die Kinder wichtige Stützen in deren Entwicklung. Durch die gemeinsamen Aktivitäten erweitern sie deren Horizont, haben eine Vorbildfunktion. Ein Verhältnis, von dem beide profitieren. Für Jolie bedeutete das Mentoring neben den vielen schönen Erinnerungen vor allem auch Erfahrungen gemacht und Verantwortung übernommen zu haben. „Es war ein gutes Gefühl für mich, weil ich meine Zeit sinnvoll verschenkt habe“, sagt sie. Auch nach dem Programm wollen die beiden sich weiter treffen. Und es gibt viele schöne Videos, die sie gemeinsam gedreht haben, und die sie an die gemeinsame Zeit erinnern.

Warum ist ehrenamtliche Arbeit so wichtig?

Etwa 27 Millionen Menschen hierzulande betätigen sich ehrenamtlich – knapp 58.000 davon engagieren sich bei den Maltesern. Mit gutem Grund – sie helfen damit nicht nur anderen, sondern auch sich selbst. Studien zeigen, dass freiwilliges Engagement mit höherem psychischem und sozialem Wohlbefinden, mehr Dankbarkeit und einem stärkeren Gefühl von Sinn verbunden ist. Viele Engagierte berichten außerdem von besserer mentaler Gesundheit. Zusätzlich profitieren junge Menschen oft durch neue Fähigkeiten, soziale Kontakte und mehr Selbstvertrauen – also genau die Dinge, die langfristig persönlich und beruflich weiterbringen. Neben Balu und Du bieten die Malteser übrigens auch andere Engagement-Möglichkeiten.

„Balu“ werden

Das ehrenamtliche Projekt, das 2002 durch eine Initiative der Universität Osnabrück entstanden ist, gibt es mittlerweile in zahlreichen Städten in Deutschland. Ist dein Interesse geweckt? Hier kannst du dich über Standorte in deiner Nähe informieren. Gut zu wissen: Wenn du studierst, kannst du dir an vielen Universitäten auch einen Leistungsnachweis abholen und dir das Engagement als Praktikum anrechnen lassen. Alle Balus erhalten darüber hinaus eine Bescheinigung über ihr Ehrenamt.


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