Pflege im Krankenhaus: „In der Krise sind wir gemeinsam stark.“

Lara-Sophie Grellner ist Gesundheits- und Krankenpflegerin im dritten Ausbildungsjahr im Malteser Waldkrankenhaus St. Marien in Erlangen. Die 23-Jährige erklärt, warum sie sich für diesen herausfordernden Beruf entschieden hat und wie die Pandemie ihren Job und ihren Alltag verändert. Sie spricht über Ängste, den Stolz auf ihre Arbeit – und wie sie die aktuelle Welle der Solidarität für das Krankenhauspersonal empfindet.

Darum geht's


Warum hat sie sich als junge Frau für den Pflegeberuf entschieden?

Lara-Sophie wollte schon als Kind im medizinischen Bereich arbeiten. Zum einen war ihre Mutter Krankenschwester, zum anderen waren zwei ihrer Brüder schwer erkrankt – der eine litt an Krebs, der andere unter einer neuromuskulären Erkrankung. „Die ganze Familie war damals viel in Krankenhäusern und ich als Kind eben mit dabei“, erinnert sie sich. „Wenn ich sah, wie Schwestern und Pfleger agierten, den Patienten halfen, ihnen Trost spendeten, hatte das für mich geradezu etwas von Zauberei.“ 

Gleichzeitig spürte sie auch die Hilflosigkeit von Angehörigen: „Man will helfen und kann es nicht. Auch das war für mich eine Motivation, den Job zu erlernen.“ Nach fast drei Jahren Ausbildung kommen heute manchmal Freunde oder Familienmitglieder und bitten sie um medizinischen Rat: „Kann ich ihnen den dann geben, bin ich richtig stolz.“

Wie ist die aktuelle Situation in der Notaufnahme?

Mit der Corona-Krise hat sich der Alltag in der Notaufnahme des Waldkrankenhauses St. Marien verändert. Insgesamt kommen deutlich weniger Patientinnen und Patienten in der Notaufnahme, weil sie Angst vor Ansteckungen haben und einen Aufenthalt im Krankenhaus meiden wollen. Gleichzeitig werden gerade vermehrt Menschen mit Alltagsleiden betreut. „Viele Hausärzte sind nicht verfügbar“, sagt Lara-Sophie, „deshalb wenden sich die Patienten direkt an uns.“ 

Und dann gibt es noch die Corona-Verdachtsfälle, in der Klinik etwa zwei bis drei pro Tag. „Schon an der Pforte wird jeder Patient gefragt, welche Probleme er hat und was für Symptome.“ Kommt ein Patient mit grippeähnlichen Symptomen oder besteht der Verdacht, dass eine Patientin oder ein Patient an Covid-19 erkrankt sein könnte, wird er direkt isoliert. Ergibt sich der Verdacht erst auf der Station, passiert dort das gleiche: „Aber das ist für uns eigentlich ein Standardvorgang. Wir hatten ja auch in der Vergangenheit Patienten, die isoliert werden mussten.“

Hat sie Angst vor einer Ansteckung?

„Ich habe Respekt vor der Erkrankung“, sagt Lara-Sophie, „Angst vor einer Ansteckung habe ich aber nicht. Die Hygienestandards sind bei uns sehr hoch.“ Außerdem arbeite sie in einem tollen Team, könne jederzeit Fragen stellen und habe immer eine Ansprechpartnerin oder einen Ansprechpartner, wenn sie Sorgen hätte: „In der Hinsicht hat die Corona-Krise sogar im Klinikalltag positive Auswirkungen. Unser Teamgefühl hat sich noch deutlich gesteigert, wir sind noch mehr zusammengewachsen. Es gibt eine enorme Hilfsbereitschaft untereinander.“  

Was sind gerade Herausforderungen in ihrem aktuellen Berufsleben?

„Wir sind gut vorbereitet, haben genug Schutzmaterial“, erzählt Lara-Sophie, „isolationspflichtige Patienten haben wir schon früher aufgenommen und behandelt. Insofern hat sich innerhalb unseres Teams, also jetzt speziell auf unserer Station, nicht ganz so viel geändert.“ Für die Patientinnen und Patienten hingegen sei die Situation belastender – vor allem ein Aufenthalt im Isolationszimmer sei stressig und löse Ängste aus. „Wir tragen Handschuhe, Masken, Schutzanzüge, der Patient ist alleine in seinem Raum – das ist natürlich eine beklemmende Situation für die Betroffenen, die wir als Pflegepersonal gut begleiten müssen.“

Gibt es dabei auch schöne Momente?

In der Krise fühle sich das Team gemeinsam stark. „Es gibt zum Beispiel derzeit einen sehr geringen Krankenstand unter den Kollegen“, berichtet Lara Sophie, „jeder weiß gerade, dass es auf ihn ankommt.“ Für sie als Auszubildende bedeute das auch, dass sich die Kolleginnen und Kollegen noch mehr Zeit für die Auszubildenden nehmen würde: „Ich lerne gerade sehr viel, sehe in der Notaufnahme sehr viel Neues.“

Was motiviert sie täglich zu ihrer Arbeit?

Es sei ihr wirklich starker Wunsch, in der Pflege zu arbeiten, der sie täglich motiviere: „Ich bin bereit dafür. Ich kenne die andere Rolle – die der Angehörigen. Ich weiß, wie schlimm es ist, wenn jemand Geliebtes Schmerzen hat. Ich fühle mich weniger hilflos. Heute kann ich anderen Menschen helfen. Das macht mich glücklich.“ Auch ihr Verlobter (29) arbeitet als Pfleger im Krankenhaus, die Beiden lernten sich während der Ausbildung kennen.“

Wie empfindet sie die derzeitigen Solidaritätsbekundungen aus der Bevölkerung mit Krankenhausmitarbeitern?

Für Lara-Sophie ist klar: „Ich finde das gut. Das wirft ein neues Licht auf den Beruf der Pflegekräfte, auf die Pflege an sich.“ Ein bisschen erscheint es ihr derzeit, als käme „der Berufsstand gerade aus dem Nebel ans Licht“. Sie sagt: „Jetzt sieht man uns mehr, jetzt nimmt man unsere Tätigkeit wahr, dabei haben wir vorher genau das Gleiche gemacht.“

Glaubt sie, dass sich durch Corona etwas an ihrem Beruf verändern wird? 

„Ich würde mir das wünschen. Die Wertschätzung für unsere Arbeit, die es im Moment gibt, ist toll“, sagt Lara-Sophie, „die Menschen interessieren sich mehr dafür, was wir wirklich leisten, zeigen mehr Respekt davor.“ In der Vergangenheit habe sie oft den Eindruck gehabt, für Außenstehende bestehe der Pflegeberuf vor allem daraus, Patientinnen und Patienten zu waschen: „Jetzt sehen die Menschen, dass wir viel mehr machen.“ Sie hoffe, dass sich dies auch langfristig auf die Bezahlung auswirke: „Die allermeisten meiner Kollegen sind der Meinung, zu wenig Geld für ihre Leistung zu erhalten. Aber damit unser Beruf langfristig aufgewertet wird, bedarf es der Initiative der Politik.“

Willst du jetzt mehr über den Pflegeberuf erfahren, kannst du hier noch einmal unseren Artikel dazu lesen.

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