Ein Jahr im Krankenwagen

Wenn kranke, alte oder Menschen mit Behinderungen es nicht alleine zum Arzt oder ins Krankenhaus schaffen, dann kommt Justine angefahren. Sie gehört zu den vielen Freiwilligen, die im Rettungsdienst den Krankenwagen fährt. Beim Malteser Hilfsdienst macht die 20-Jährige ein Freiwilliges Soziales Jahr im Bereich Krankentransporte. Sie erzählt, welche traurigen und welche glücklichen Momente sie jeden Tag erlebt.

Darum geht's:

 


So kam Justine zum Rettungsdienst

Informatik, das wollte Justine nach dem Abi eigentlich studieren. Doch sie ist noch unsicher und beschließt, erstmal ein FSJ zu machen: „Einer in meiner Klasse hat ehrenamtlich beim Rettungsdienst gearbeitet. Ich fand das faszinierend und toll, wenn er davon erzählt hat.“ Justine macht sich schlau und stößt auf die Webseite der Malteser. Sie bewirbt sich und ist in der Bewerbungsrunde mit acht weiteren Kandidaten dabei. Sie wird angenommen und beginnt ein paar Monate später ihr Freiwilliges Soziales Jahr im Rettungsdienst. Nach einer vierwöchigen Ausbildung zum Rettungshelfer mit Abschlussprüfung darf sie dann das erste Mal auf den Krankenwagen und düst los. Ihre Schicht geht von 7 bis 17 Uhr. Das sind lange Tage, dafür arbeitet sie nur an vier Tagen in der Woche. Die Wochenenden sind frei. „Ich schaue, dass ich so 20 Minuten vor Schichtbeginn da bin. Dann ziehe ich mich um und checke schon mal das Auto. Von der Leitstelle bekommen wir dann gesagt, wohin die erste Fahrt geht.“

Die Fahrten im Krankenwagen sind geplante Fahrten. Darum ist die Arbeit nicht ganz so stressig wie im Rettungswagen, wo die Notfälle transportiert werden. Aber auch im Krankentransportwagen bekommt Justine so einige Schicksale mit.

Justine steht vor einem Krankenwagen
Eigentlich wollte Justine Informatik studieren. Nun macht sie erstmal ihr FSJ im Rettungsdienst. © Justine Hagner

Dankbarkeit und traurige Schicksale

„Es gibt viele Momente, die hängen bleiben“, erzählt Justine. „Gerade bei den älteren Patienten, die viel von ihrem Leben erzählen. Sie sind häufig traurig darüber, welchen Verlauf ihr Leben genommen hat, über Verluste des Ehepartners oder der Ehepartnerin. Das sind traurige Momente, aber das Schöne erlebe ich auch. Das sind Dankbarkeit und Wertschätzung.”


Die Leute sind so dankbar, dass wir da sind. Und eigentlich fahren wir sie ja nur von A nach B.

Justine, Freiwillige im Rettungsdienst


Du möchtest dich auch engagieren?

Du möchtest wie Justine ein Freiwilliges Soziales Jahr machen? In der Platzbörse findest du auch in deiner Nähe offene Stellen.

Es ist das ganze Team, das bei der Arbeit auf dem Krankenwagen zählt. Darauf freut sich Justine jeden Tag, wenn sie zur Arbeit kommt: „Morgens in seine Einsatzkleidung schlüpfen und mit den Kollegen einen schönen Tag verbringen, auch wenn es mal stressig wird.“

Sie fährt immer zusammen mit einem ausgebildeten Rettungssanitäter. Das ist Pflicht im Krankentransport, falls ein Patient mal spontan medizinische Hilfe braucht. Den Job könnte man gar nicht alleine machen, weil es viele Patienten gibt, die getragen werden müssen. Darin liegt für Justine auch die größte Herausforderung: „Wenn wir einen Patienten haben, der im dritten oder vierten Stock wohnt und keinen Fahrstuhl im Haus hat, dann müssen wir ihn mit einer Trage dort hoch befördern. Da geht man körperlich an seine Grenzen.“ Besonders für Justine ist das FSJ im Rettungsdienst eine Herausforderung, denn sie ist Typ-1-Diabetikerin. Sie braucht regelmäßige Mahlzeiten, was nicht immer möglich ist. Doch ihre eigene Krankheit ist ein Vorteil für die Arbeit, sagt sie: „Gerade bei Patienten, die viele Krankenhausaufenthalte hatten, da kann ich mich gut hineinversetzen. Sie haben oft niemanden mehr, mit dem sie reden können, oder die Kinder und Enkelkinder wohnen zu weit weg. Da ist man manchmal für die 20 Minuten Autofahrt die einzige Person, mit der der Patienten reden kann. Ich bin gerne diese Person.“

Zwei Rettungsdienst-Sanitäter mit Patientin im Rettungswagen
Ein FSJ im Rettungsdienst heißt auch, den Patienten mal zuzuhören. © Malteser

So läuft das FSJ im Rettungsdienst

Das FSJ dauert in der Regel zwölf Monate. Am besten fragst du bei einer Organisation oder einem Hilfsdienst in deiner Nähe nach, oder du schaust online auf eine der Stellenbörsen. Wenn du, wie Justine, gerne im Rettungsdienst arbeiten möchtest, solltest du folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • mindestens 18 Jahre alt sein,
  • einen Führerschein haben,
  • Freude am Umgang mit Menschen haben,
  • körperlich und psychisch belastbar sein.


Bevor du den Krankenwagen fahren darfst, bekommst du eine vierwöchige Ausbildung. Die schließt du mit einer Prüfung ab. Wenn du diese Prüfung bestehst, geht’s los. Deine wichtigste Aufgabe ist, den Krankenwagen zu fahren und die Patienten sicher von A nach B zu bringen. Aber du fährst nicht nur, sondern betreust auch die Patienten. Du redest mit ihnen und hältst, wenn nötig, Händchen. In vielen Dienststellen wird darauf geachtet, dass die Freiwilligen auch immer wieder im Rettungswagen bei den Notfällen mitfahren. So bekommst du einen vollständigen Einblick in den Rettungsdienst.

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