Sommerhitze: Das brauchen Wohnungslose jetzt wirklich

Bei extremer Sommerhitze ist das Leben für Wohnungslose noch härter als sonst. Viele quält jetzt Durst, eine Dehydrierung kann sogar richtig gefährlich werden. Justin vom Malteser Hilfsdienst  Mainz rief deshalb kurzerhand die Aktion „Wasser für wohnungslose Mainzer“ ins Leben. Eine Geschichte, die dazu inspiriert, selbst aktiv zu werden.

Darum geht’s


Warum der Sommer für Wohnungslose so hart ist

Justin ist Notfallsanitäter bei den Maltesern in Mainz. Anfang Juli wurde er zu einem Einsatz gerufen, ein Mann war gestürzt.  Die beiden kamen ins Gespräch. Der Mann lebte seit 30 Jahren auf der Straße. „Wir waren sofort auf einer Wellenlänge“, erinnert sich der 26-jährige. „Als ich ihn fragte, wie ich ihm helfen könnte, ob er etwas bräuchte, sagte er: Wasser. Wasser sei das, was Wohnungslosen im Sommer am meisten fehlt.“ Wer auf der Straße lebt, ist der Hitze im Sommer schutzlos ausgeliefert. 

Kreislaufprobleme und Verbrennungen, insbesondere aber auch Dehydrierungen sind jetzt ein echtes Problem. Und das Geld reicht oft nicht aus, um genügend Wasser zu kaufen – oder wird aufgrund einer Sucht erst einmal für andere Dinge ausgegeben. „Es wird in den Notunterkünften zwar Wasser verteilt, aber viele Wohnungslose mögen aus Angst oder Scham nicht hingehen“, sagt Justin. „Und es reicht ja meistens auch nicht: An einem richtig heißen Tag, muss man schon drei Liter trinken.“

Was tun, wenn jemand Hitze-Hilfe braucht?

Was tut man, wenn es jemandem, der auf der Straße lebt, an einem heißen Sommertag offensichtlich nicht gut geht? Oder wenn du dir nicht sicher bist, ob jemand schläft oder bewusstlos ist? Wie auch im Winter gilt dann: Im besten Fall sprichst du die Person an und fragst, ob alles in Ordnung ist. Ob du helfen kannst oder sogar einen Krankenwagen rufen sollst. Wenn du es dir nicht zutraust, jemanden anzusprechen, ist das völlig okay. Du kannst dann auch den Rettungsdienst rufen, die Sanitäterinnen, bzw. die Sanitäter kommen und schauen, ob sie helfen können.

Justin startete die Aktion „Wasser für wohnungslose Mainzer“

Das Gespräch mit dem Mann ließ Justin nicht los: „Durst ist so ein schreckliches Gefühl, ich wollte irgendwie helfen. Wasser sollte jedem zugänglich sein“, sagt er. Also schrieb er kurzerhand einen Post auf seiner Facebook-Seite. Erzählte von seiner Erfahrung und rief seine Freunde auf, ein paar Euro zu spenden. Von dem Geld wollte er Wasser kaufen und an Wohnungslose verteilen. „Wasser für wohnungslose Mainzer“ nannte er die spontane Aktion. Und dann ging alles ganz schnell. „Die Aktion hat sich total rasant in Mainz verbreitet, damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet“, erzählt Justin. „In dem Paypal Money-Pool, den ich errichtet hatte, kamen schnell mehrere hundert Euro zusammen.“

2.100 Liter Wasser für Wohnungslose

Auch die Medien wurden auf sein Engagement aufmerksam, verbreiteten die Geschichte weiter – so landete noch mehr Geld im Topf. „Da wusste ich: Das wird größer als gedacht. Ich konnte nicht jeden Tag einkaufen, also beschloss ich, einen Monat Geld zu sammeln, dann einen Großeinkauf zu machen und eine sinnvolle Verteilungsmöglichkeit zu finden“, erzählt Justin. Ende Juli waren 1240 Euro an Spenden zusammengekommen. „Da bin ich dann einkaufen gegangen“, sagt Justin und lacht. Der größte Rewe-Markt in Mainz unterstütze ihn, besorgte 2.100 Liter Wasser, die Justin mit knapp der Hälfte der Spenden bezahlte. „Wir haben nicht gleich das ganze Geld ausgegeben, weil es keinen Sinn macht, den Menschen zwölf Sixpacks auf einmal hinzustellen.“

Neben Wasser gibt es ein Stück Selbstbestimmung

Als Logistik-Partner konnte Justin den Mainzer Arzt Dr. Gerhardt Trabert vom Verein Armut und Gesundheit in Deutschland e.V. gewinnen. Der ist regelmäßig mit seinem Arztmobil in Mainz unterwegs und behandelt kostenlos Wohnungslose. „Ihm haben wir einen Großteil des Wassers zum Verteilen mitgegeben, etwa 400 Liter haben wir selbst direkt in der Stadt verteilt“, sagt Justin. Auch die Malteser wurden auf die Aktion aufmerksam, unterstützen Justin seither ebenfalls. „Wir schauen gerade, wie wir zusammen vielleicht etwas Größeres aus meiner Idee entwickeln können“, sagt er. „Zum Beispiel einen Kälte- und Hitzebus ins Leben rufen, so was gibt es in Mainz noch nicht.” 

Mich freut das total, dass aus dieser kleinen Idee vielleicht irgendwann sogar ein neuer Dienst entstehen könnte!“ Gerade, weil es auch Gegenwind gab. „Ich wurde auf Facebook kritisiert, ein Umweltsünder zu sein, weil ich Plastikflaschen kaufe“, erzählt Justin. „Dabei hat das einen guten Grund: Nicht nur das Wasser selbst hilft den Wohnungslosen, durch das Pfandgeld, das sie sich zurückholen können, erhalten sie auch ein Stück Selbstbestimmung mit dazu. Ich bin mir sicher, dass alle ihre Flaschen abgeben und nicht einfach wegwerfen.“

Werde selbst aktiv und verteile Wasser

Von den restlichen Spenden wird Justin demnächst noch einmal Wasser kaufen. Und will sich dann darauf konzentrieren, eine langfristige Lösung zu finden. „Es ist noch ein weiter Weg, aber ein Traum wären viele fest installierte Trinkwasserbrunnen in ganz Mainz“, sagt er. Statt weiterer Spenden wünscht er sich, dass die, die helfen wollen, selbst aktiv werden, damit auch Wohnungslose in anderen Städten profitieren. „Tut was, gerade jetzt, wo es so heiß ist. Geht mit offenen Augen durch die Welt. Sprecht die wohnungslosen Menschen an, kauft ihnen eine Flasche Wasser – niemand wird sie ablehnen“, sagt Justin.  

Was Wohnungslose jetzt noch brauchen

Neben Wasser können Wohnungslose im Sommer auch leichte Wechselkleidung gebrauchen – hast du luftige T-Shirts übrig, kannst du sie direkt verteilen oder bei einer Sammelstelle abgeben. Wichtig ist auch, die Männer und Frauen jetzt nicht von Schattenplätzen zu vertreiben und ihnen die Chance zu geben, sich vor der Sonne zu schützen.

Möchtest du die Malteser bei ihren Obdachlosenprojekten und darüber hinaus unterstützen, kannst du beispielsweise an die Nothilfe in Deutschland spenden.


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