Malteser Nordlicht: Erste Hilfe für obdachlose Drogensüchtige

Ein sicherer Ort für Menschen, die nach Halt suchen: Im Malteser Nordlicht finden obdachlose Drogensüchtige Unterkunft und Unterstützung. Die Übergangseinrichtung gibt suchtkranken Männern die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen, zu schlafen, sich zu pflegen und darüber nachzudenken, wie sie ihr Leben wieder in den Griff bekommen. Neben praktischer Hilfe bekommen sie hier auch Rat bei Anträgen und bürokratischen Formalitäten.

Darum geht's:


Was ist das Malteser Nordlicht?

Das Malteser Nordlicht ist eine Übergangseinrichtung für obdachlose, drogensüchtige Männer im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld. Viele der Klienten kommen direkt von der Straße in die Einrichtung und beziehen dort eines der 13 Doppelzimmer. Sie bekommen im Malteser Nordlicht die Chance, erst einmal zur Ruhe zu finden, sich zu stabilisieren und den Kopf frei zu bekommen, um weitere Schritte für sich zu planen.

Wer wird hier betreut?

Die meisten der Männer zwischen 20 und 60 Jahren kommen direkt aus der Obdachlosigkeit in die Einrichtung, einige werden auch aus Krankenhäusern, Notunterkünften, Haftanstalten oder Therapieeinrichtungen in das Malteser Nordlicht überwiesen, das in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum feiert. Deshalb kämpfen viele von ihnen neben ihrer Drogenabhängigkeit mit Begleiterscheinungen, die das Leben auf der Straße verursacht hat – wie etwa Atemwegsinfektionen, Hautkrankheiten oder anderen körperlichen Gebrechen. Viele der Männer leiden auch unter psychischen Problemen wie Depressionen oder Angstzuständen.

Wie wird den Männern genau geholfen?

„Häufig geht es zuerst um ganz praktische Dinge“, sagt Waltraut Campen, Leiterin der Einrichtung, „also darum, zu duschen, seine Wäsche zu machen, endlich mal wieder richtig zu schlafen. Wir holen unsere Klienten da ab, wo sie sind und schauen, wie wir ihnen akut helfen können.“ Primär ginge es erst einmal darum, dass die Männer nicht mehr auf der Straße leben. „Wir bieten ihnen hier einen geschützten Raum – sie bekommen die Zeit und die Ruhe, die sie brauchen, um Perspektiven für ihr weiteres Leben zu entwickeln. Was stellen sie sich für die Zukunft vor? Wie wollen sie künftig selbstbestimmt leben? Diese Fragen kommen dann fast automatisch.“

Welche Unterstützung gibt es noch?

Auch bei Kostenanträgen und Formalitäten werden die Männer unterstützt, es gibt eine Reihe von Beratungsangeboten. Außerdem müssen die Bewohner regelmäßig an Einzel- und Gruppengesprächen teilnehmen. In der Einrichtung gibt es klare Regeln: Drogen dürfen auf dem Gelände und in der Nachbarschaft nicht konsumiert werden, zudem müssen sie ihre Räume in Ordnung halten, kleine Aufgaben übernehmen und regelmäßig tagsüber und vor allem nachts anwesend sein. „Ein strukturierter Tagesablauf ist uns hier sehr wichtig“, sagt Waltraut.

Wie lange bleiben die Klienten in der Regel?

Zwei bis drei Monate dauert es meist, bis die Männer in eine andere Einrichtung wechseln können. Das liegt auch daran, dass Plätze in Therapieeinrichtungen und Wohngruppen häufig lange Wartezeiten haben. „Während anfangs die praktischen Dinge im Vordergrund stehen, entwickelt sich mit der Zeit bei unseren meisten Klienten auch die Motivation, über ihre eigene Sucht nachzudenken“, erzählt Waltraut. Oft sei einer der ersten Schritte, dass die Männer von sich aus weniger Drogen konsumieren würden. Danach entwickle sich oft erst die Motivation, über ihre weitere Perspektiven und mögliche Wege aus der Sucht nachzudenken.

Wie sehen die Räumlichkeiten aus?

Insgesamt gibt es 26 Plätze in 13 Wohncontainern. Die Zweibettzimmer sind einfach, aber praktisch eingerichtet. Die komplette Ausstattung inklusive Hygieneartikeln wird den Bewohnern gestellt: „Die Männer haben teils, wenn sie zu uns kommen, nichts mehr außer den Sachen, die sie am Leib tragen.“ Deshalb gibt es in der Einrichtung immer wieder auch Bedarf an Haushaltsgegenständen (siehe Infokasten unten). Neben den Wohnräumen stehen den Männern noch Sanitärräume, ein Aufenthaltsraum, eine Küche, eine Waschküche und – untergebracht in einem Bauwagen – eine Kleiderkammer zur Verfügung.

Was sind schwierige, was schöne Momente?

„Es ist frustrierend, wenn ein Klient seinen Aufenthalt abbricht, weil der Sog aus der Drogenszene doch zu groß für ihn ist“, sagt Waltraut. Umgekehrt sei es aber auch immer wieder sehr bewegend und vor allem auch sehr schön, „wenn ein Klient sich stabilisiert, zu sich findet und wieder soziale Kontakte aufnimmt“. Auch wenn ein ehemaliger Bewohner den nächsten Schritt in eine andere Einrichtung gehe, sei das jedes Mal für das ganze Team ein großer Erfolg. „Ganz besonders berührt es uns natürlich, wenn wir Rückmeldung von ehemaligen Klienten bekommen, dass sie clean sind, eine Wohnung haben, es ihnen gut geht.“

So kannst du helfen:

Wenn du die Arbeit unterstützen möchtest: Beim Malteser Nordlicht gibt es immer wieder Bedarf an bestimmten Gebrauchsgegenständen – wie etwa Tellern, Kaffeebechern, Bettwäsche und Handtüchern – und Herrenbekleidung. Du kannst per Email (nordlicht@malteser.org) oder Telefon (040/899 75 41) Kontakt aufnehmen. Auch Geldspenden sind willkommen – genauso wie ehrenamtliches Engagement.


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