Fit im Ehrenamt: Engagement im Sport

Aufgrund der Corona-Pandemie hatten Sportvereine, Fitnessclubs und Schwimmbäder lange geschlossen. Umso mehr wissen wir nun den Sport zu schätzen.
Wusstest du eigentlich, dass die Sportvereine zu einem großen Teil von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern getragen werden? Mit Sport anderen helfen – so geht´s.

Darum geht’s


Körperlich und fürs Leben fit mit dem Gentlemens-Boxen

Im Keller zwischen gestapelten Tischen und Stühlen fing alles an. Das Thai-Box-Angebot „Gentlemen-Boxen“ der Malteser Jugendeinrichtung „Die Insel“ in Kaarst, nähe Düsseldorf, startete zunächst in einem kleinen Rahmen. Box-Trainer Gino Blanco erinnert sich an seine Anfänge: „Ich bin ausgebildeter Thai-Box-Lehrer. Vor 10 Jahren bekam ich eine Anfrage aus dem Sportverein Kaarst. Es ging um ein Anti-Aggressions-Training für einen jungen Mann.“ Gino trainiert mit ihm, es kommen weitere Jugendliche dazu und schnell wird es zu eng im Keller.

Heute trainieren bis zu 100 Jugendliche jeden Freitag und Samstag in der Sporthalle in Kaarst am Sandsack. Es sind überwiegend Jungs, nur ab und zu sind auch Mädchen dabei, was in erster Linie an der Sportart liegt. Boxen ist bei den Männern einfach beliebter. Im Training lernen die Jugendlichen Disziplin, Teamfähigkeit, Fitness und Ernährung. Das Training fördert die Konzentrationsfähigkeit, die Motivation und das Selbstbewusstsein. So können die Jugendlichen beispielsweise Prüfungen besser bestehen oder sich in einem schwierigen Umfeld leichter durchsetzen. In Gesprächen mit Gino finden die Jugendlichen außerdem oft heraus, was sie später beruflich machen möchten. Er vermittelt ihnen Praktikums-, Ausbildungs- oder Arbeitsplätze und unterstützt sie bei der Bewerbung. „Beim Gentlemen-Boxen geht es vielmehr darum, Perspektiven zu bieten, wenn jemand aus schwierigen Verhältnissen kommt“, erklärt Gino. „Wir bieten Unterstützung, indem wir durch den Sport Schwächen in Stärken umwandeln. Das ist ein großer Fokus zum Beispiel bei Leuten, die in der Schule gemobbt werden.“

Gino selbst boxt seit er 14 Jahre alt ist und hat eine Trainerlizenz. Aus seinem ehrenamtlichen Engagement ist inzwischen ein eigener Verein entstanden. Rückenwind-NRW heißt Ginos Verein, in dem er junge Menschen mit Problemen hilft, Orientierung und einen Job zu finden. Ein wichtiger Zugang dazu ist der Sport.

Sport ist übrigens mehr als Boxen, Fußball, Handball oder Basketball: Tanzen gehört zu den populärsten Sportarten und auch in diesem Bereich unterstützen viele Ehrenamtliche das Training. Wenn du jetzt an Wiener Walzer und Cha-Cha-Cha denkst, dann ist die „Insel“ Kaarst ein gutes Beispiel dafür, dass noch mehr geht. Ein- bis zweimal in der Woche treffen sich Mädchen und Jungen zwischen 8 und 16 Jahren zum Hip-Hop-Tanzen. Sie üben neue Schritte, Choreografien und natürlich Teamfähigkeit und Taktgefühl. Das funktioniert natürlich nur dank der ehrenamtlichen Trainerinnen und Trainer.

Daten, Zahlen, Fakten

Über 90.000 Sportvereine gibt es in Deutschland, so schätzt es der DOSB, der Deutsche Olympische Sportbund. 8,6 Millionen Ehrenamtliche engagieren sich im Sport und sind damit eine sehr wichtige Stütze. Ohne ihre Hilfe, würde es die vielen Vereine nicht geben. Sport ist der Bereich mit den meisten Ehrenamtlichen (10,1%). Dazu kommen etwa 6,9 Millionen freiwillige Helferinnen und Helfer, die bei bestimmten Anlässen wie Vereinsfesten unterstützen.

Werde Sporttrainerin oder -trainer

Fußball, Handball, Rudern oder Tanzen? In der Regel kennen sich angehende Trainerinnen und Trainer in ihrer Sportart gut aus, weil sie selbst schon eine Weile aktiv sind, so wie Gino als Thai-Boxer. Wer sich ehrenamtlich engagieren möchte, sollte regelmäßig Zeit haben und  pünktlich sowie verlässlich sein. Du solltest gerne mit Menschen arbeiten und Spaß daran haben, andere zu fördern und sie zu unterstützen. Ehrenamtliche Trainerinnen und Trainer sind nicht nur eine wichtige Stütze für den Verein, sondern auch für die Mitglieder. Einerseits ist es eine große Verantwortung, denn deine Gruppe zählt auf dich. Du bist eine wichtige Vertrauensperson für sie. Andererseits lernst du selbst viel über den Umgang mit Menschen. Jedes Training ist auch ein Training für dich und deine Persönlichkeit.

Die Trainings finden meistens zwei- bis dreimal in der Woche statt. Dazu kommen Wettkämpfe oder Turniere, bei denen du als Trainerin beziehungsweise Trainer natürlich besonders gefragt bist.
Um fit für dein Ehrenamt zu bleiben, bekommst du Aus- und Weiterbildungen, zum Beispiel für den Umgang mit Konflikten oder für Notfälle und Erste Hilfe. Vorteilhaft ist immer ein sogenannter Trainerschein wie die Breitensport-C-Lizenz. Damit bekommst du zusätzlich zu deinem taktischen Wissen auch anatomisches Wissen und kannst dein Training noch besser gestalten. Schließlich wollen du und deine Gruppe nicht nur Spaß haben und Fair Play lernen, sondern auch gewinnen. Beim DOSB gibt es vier verschiedene Sportlizenzen, die die Ehrenamtlichen erwerben können. Damit kannst du dich übrigens nicht nur als Trainerin beziehungsweise Trainer engagieren, sondern auch als Wettkampfrichterin und -richter oder Schiedsrichterin und -richter.

Das Ehrenamt als Kampf- und Schiedsrichter 

Es ist kein leichtes Ehrenamt, denn es gibt immer irgendjemanden, dem die Entscheidung der Schiedsrichterin beziehungsweise des Schiedsrichters nicht passt. Doch ohne sie würde es keine Wettkämpfe mehr geben. Das gilt nicht nur für den Fußball, sondern für alle Sportarten. Zirka 75.000 ehrenamtliche Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter engagieren sich aktuell in Deutschland, heißt es beim DFB, dem Deutschen Fußball Bund. Das Schiedsrichteramt beim DFB kann jeder ab einem Alter von 12 Jahren ausüben, in Niedersachsen ab 14 Jahren. Frauen ebenso wie Männer, auch wenn es immer noch weniger Schiedsrichterinnen sind. Bevor du die Pfeife in die Hand bekommst, musst du – je nach Landesverband – 20 bis 50 Unterrichtsstunden absolvieren. Anschließend gibt es noch eine schriftliche und körperliche Prüfung. 

Wenn man sich die Aufwandsentschädigungen für die Spiele anschaut, gibt es hier große Unterschiede. In der Regionalliga sind es 200 Euro und in der Bundesliga sogar 5.000 Euro. Sicherlich macht das kaum jemand wegen des Geldes und es handelt sich auch nicht um ein leichtes Ehrenamt. Triffst du eine Entscheidung, dann musst du mit den Reaktionen der Spielerinnen und Spieler sowie ihren Fans leben können. Das kann manchmal ganz schön anstrengend sein. Gleichzeitig stärkt es dein Selbstbewusstsein und du lernst, mit Stress umzugehen. Dabei musst du körperlich topfit sein, immerhin rennst du die gesamte Spielzeit hinter dem Ball her und musst deine Augen überall haben. Wenn es um Fußball geht, ist der DFB sicherlich ein Verein mit vielen Vorzügen für Ehrenamtler im Sport. Es gibt aber auch noch viele andere schöne Sportarten wie die Leichtathletik.

Der Leichtathletik-Verband Brandenburg e.V. bietet beispielsweise eine Grundausbildung für Kampfrichterinnen und -richter an. Die Voraussetzungen sind: Interesse an Leichtathletik, mindestens 17 Jahre alt sein und nach der Ausbildung solltest du dich regelmäßig bei Wettkämpfen engagieren. Die Anforderungen in anderen Sportarten und Bundesländern sind ähnlich. Meistens variieren das Einstiegsalter und die Dauer der Ausbildungen. Beim Bayerischen Turnverband können Kampfrichter-Lizenzen ab 14 Jahren gemacht werden. Alle Landessportbünde findest du auf der Seite des DOSB. Dort findest du Informationen, Angebote und Ansprechpartner rund um das Ehrenamt im Sportverein.
 

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