Café Malta: Ehrenamt als Demenzbegleiter

Matthias aus Donaueschingen engagiert sich ehrenamtlich als Demenzbegleiter im Café Malta der Malteser. Bislang ist er im Team der einzige Mann, doch der 27-Jährige hofft, dass andere seinem Beispiel folgen.

Darum geht’s


Café Malta: Sorgenfreie Stunden für Menschen mit Demenz

Das Café Malta ist ein Angebot der Malteser, das sich an demenziell erkrankte Menschen richtet. An verschiedenen Standorten in ganz Deutschland werden diese nachmittags für einige Stunden von ausgebildeten Demenzbegleitern betreut. „Wir spielen gemeinsam, basteln, backen oder gehen spazieren und möchten den Menschen einfach einen schönen Nachmittag bereiten“, erzählt Matthias, einer der ehrenamtlichen Demenzbegleiter im Café Malta in Donaueschingen. Das Angebot soll auch eine Entlastung für die Angehörigen sein. „Die Pflege von Demenzkranken ist ein Fulltime-Job, der ganz schön an die Substanz gehen kann“, sagt Matthias. „Indem wir im Café Malta für einige Stunden die Betreuung übernehmen, können die Angehörigen unbesorgt einfach mal etwas verschnaufen oder sich um persönliche Dinge kümmern, ohne sich Sorgen machen zu müssen oder ein schlechtes Gewissen zu haben.“

Ehrenamt als Demenzbegleiter: „Das macht richtig Spaß!“

Matthias macht gerade eine Ausbildung zum Kaufmann im Gesundheitswesen bei den Maltesern. Im Café Malta engagiert er sich seit dem Winter 2019 ehrenamtlich – als einziger Mann. Ohnehin sind in diesem Bereich wenige Männer tätig. „Vielleicht denken viele Männer, das sei nichts für sie, wenn sie hören, dass man gemeinsam mit den Gästen auch spielt und bastelt“, sagt er. Auch er war zuerst unsicher, ob das Ehrenamt zu ihm passt und ob er den Gästen ein guter Begleiter sein wird. „Aber schon nach einer Stunde im Café Malta bin ich total aufgeblüht und jegliche Skepsis war verflogen“, erinnert sich der 27-Jährige. „Es macht einfach richtig viel Spaß!“

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An Demenz erkrankte Männer sind besonders gesprächig

Gerade die männlichen Gäste im „Café Malta“ suchen immer wieder das Gespräch mit Matthias. „Für mich hat es zwar nichts mit dem Geschlecht zu tun, wie gut man anderen helfen kann, aber vielleicht fällt es einigen der Männer einfach leichter, sich mir zu öffnen, weil sie denken, wir interessieren uns eher für die gleichen Themen. Wir reden dann über Autos und Fußball, über unsere Haustiere, ach, eigentlich einfach über das Leben!“ Was man für ein Ehrenamt in der Demenzbetreuung mitbringen muss? Vor allem viel Empathie und Geduld, weiß Matthias aus Erfahrung: „Man darf die Menschen nicht vorverurteilen und sollte ein guter Zuhörer sein. Und man darf keine Berührungsängste haben. Den Gästen fällt es manchmal schwer, sich mitzuteilen – da hilft es, wenn man ihnen Vorschläge macht. Zum Beispiel, weil man merkt, dass jemand unruhig wird und vielleicht zur Toilette muss.“  

Schluss mit dem Tabuthema Demenz

Wenn sich Gäste Dinge nicht zutrauen, ermuntern die Ehrenamtlichen sie, es einfach einmal auszuprobieren. „Ganz ohne Druck natürlich, aber häufig hilft das“, sagt Matthias. „Einmal haben wir zum Beispiel Hundekekse gebacken. Ein Gast, selbst Hundebesitzer, wollte erst nicht mitmachen. Wir haben dann Hand in Hand gearbeitet. Am Ende hat er sich bei mir bedankt, dass ich ihn überzeugt habe, weil es ihm so viel Spaß gemacht hat.“ Diese Momente sind es, die Matthias darin bestätigen, mit seinem Engagement im Café Malta das Richtige zu tun. Er will das Thema Demenz aus der Tabuzone holen. „Die Krankheit ist mit Vorurteilen belastet, wird verdrängt oder nicht ernst genommen“, findet Matthias. „Mitunter sind Angehörige auch schlichtweg überfordert, eine Demenz ist schließlich für alle Beteiligten schwer. Da fühlt man sich schnell alleingelassen, auch vom Staat gibt es kaum Unterstützung.“ 

Die Treffen im Café Malta wirken aktivierend auf die Gäste

Deshalb ist es so wichtig, dass es Angebote wie das Café Malta gibt. „Bei uns darf jeder so sein, wie er ist“, betont Matthias. Wie wichtig die Treffen für die Betroffenen sind, wurde nach dem ersten Corona-Lockdown 2020 klar. „Die Angehörigen waren damals froh, als wir wieder öffneten“, erinnert sich Matthias. „Denn die Gäste haben mitunter richtig abgebaut im Lockdown. Nach zwei Wochen Café Malta ging es vielen besser. Das zeigt, wie aktivierend die Treffen wirken. Sie bringen richtig viel!“ Matthias würde sich freuen, wenn sich noch mehr junge Menschen und besonders Männer ehrenamtlich in der Demenzbegleitung engagieren würden. „Wir dürfen die Senioren nicht vergessen“, sagt er. „Sie haben so viel geleistet in ihrem Leben. Da ist es doch das mindeste, dass wir uns jetzt um sie kümmern.“

So wirst auch du Demenzbegleiter oder Demenzbegleiterin

Die Schulung zum Demenzbegleiter bei den Maltesern dauert etwa zwei Monate. Dort lernst du alles, was du über die Krankheit und den Umgang mit Demenzkranken wissen muss. Zu den Kursen gelangst du auf dieser Seite. Aktuell ist das Angebot aufgrund der Corona-Pandemie eingeschränkt.

Es gibt übrigens auch die Junior-Demenzbegleiter, über die du hier alle wichtigen Infos findest.


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