Junior-Demenzbegleiter: Unterstützung für Menschen mit Demenz
Es müssen gar nicht immer die ganz großen Gesten sein, um anderen Menschen zu helfen und ihr Leben ein kleines bisschen besser und glücklicher zu machen. Nein, manchmal reicht es, sich einfach nur ein wenig Zeit füreinander zu nehmen – und alle können davon profitieren. Das zeigt das vorbildliche Generationen-Projekt der Malteser Jugend und des Demenzdienstes der Malteser: die Junior-Demenzbegleiterinnen und -begleiter. Eine Initiative, bei der es eigentlich nur Gewinnerinnen und Gewinner gibt.
Darum geht's:
Wie werde ich Junior-Demenzbegleiterin oder -begleiter?
Gestartet wurde das Projekt 2014 bei den Maltesern in Mainz. Seit 2018 gibt es das Projekt nun bei den Maltesern in Speyer. Dort hat es 2019 sogar den Brückenpreis des Landes Rheinland-Pfalz gewonnen. Mehr dazu in diesem Video:
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Insgesamt wurden in Speyer bisher rund 50 Junior-Demenzbegleiterinnen und -begleiter qualifiziert. In den letzten drei Jahren erfolgten die Qualifizierungen im Rahmen von Projektwochen an unterschiedlichen Schulen, davor als AG oder Wochenendkurs.
Die Ausbildung wird meist von Schülerinnen und Schülern der achten bis zwölften Klasse absolviert. In 30 theoretischen Unterrichtseinheiten und zehn Stunden Praxis lernen die Jungen und Mädchen, was es heißt, mit einer Demenz zu leben – und erlangen darüber hinaus ein Verständnis für die Krankheit und für das Verhalten der Menschen, die an ihr erkrankt sind. Außerdem sensibilisiert die Ausbildung für das Thema Demenz, baut Berührungsängste ab und schult den Umgang mit Betroffenen. Bianca Knerr-Müller, Leiterin der Demenzdienste der Malteser in Speyer, hat beobachtet: „Jugendliche gehen an das Thema unverkrampfter und unbefangener heran als Erwachsene.“ Zusammen mit Felix Bohn vom Referat Jugend hat sie das Projekt in Speyer auf den Weg gebracht.
Was passiert in der Praxis?
Neben den theoretischen Einheiten, bei denen den Jugendlichen wichtige Informationen zum Thema Demenz, altersbedingten Veränderungen sowie Erkrankungen des Alters vermittelt werden, macht der praktische Teil für die meisten den größten Anreiz aus. In den Betreuungsgruppen der Malteser oder auch in externen Pflegeeinrichtungen kommen die Jugendlichen mit Menschen zusammen, die an Demenz erkrankt sind, und gehen mit ihnen in den Austausch.
In Speyer gibt es übrigens das Elan Café, in dem die Jugendlichen praktische Erfahrungen sammeln können. Genau wie das Café Malta, ein bundesweites Gruppenbetreuungsangebot der Malteser, ist das Elan Café kein klassisches Café, sondern ein Betreuungs- und Entlastungsangebot für Menschen mit Demenz sowie deren Angehörige.
Das Angebot findet an einzelnen Tagen statt und unterstützt sowie begleitet die Betroffenen. Den Besucherinnen und Besuchern wird dort in angenehmer Atmosphäre ein zeitgemäßes Programm mit wiederkehrenden Themen geboten, die Menschen mit Demenz Struktur und somit Sicherheit vermitteln.
„Beim gemeinsamen Singen, Spielen und Erzählen konnten wir nicht nur die Auswirkungen der Krankheit erfahren, sondern auch die Lebensfreude der Betroffenen“, so eine Schülerin. Und auch Bianca hat beobachtet: „Die Jugendlichen und die älteren Menschen haben einfach Freude aneinander.“
Wer meldet sich für das Projekt an?
Die Kurse sind sehr beliebt und die Rückmeldungen der am Projekt Beteiligten – egal, ob jung oder alt, Eltern oder Lehrkräfte – sind durchweg positiv. Hauptsächlich werden die Kurse im Übrigen von Schulen im Rahmen von Projektwochen besucht. Bianca sagt: „Ich hätte im Vorfeld nicht gedacht, dass sich so viele Jungen und Mädchen melden.“ Sie glaubt: „Vielleicht liegt es auch daran, dass viele Jugendliche heutzutage nur noch wenig bis gar keinen Kontakt zu ihren eigenen Großeltern haben.“ Teilweise kommen Jugendliche in die Kurse, deren Großeltern von Demenz betroffen sind und können das Gelernte auch direkt zu Hause umsetzen. Andere interessieren sich einfach für das Thema.
Wer ist geeignet, Junior-Demenzbegleiterin oder -begleiter zu werden?
Geeignet sind Schülerinnen und Schüler,
- die Lust haben, sich für ihre Mitmenschen einzusetzen
- denen es Freude macht, anderen ein Lächeln zu schenken
- die zwischen 14 und 17 Jahre alt sind
- die Zeit mit Menschen verbringen wollen, die an Demenz erkrankt sind
- die generelles Interesse am Thema Demenz mitbringen
Was bewirken die Kurse?
Für Bianca und Felix steht fest: „Es ist wichtig, die Jugendlichen für das Thema Demenz zu sensibilisieren und es ihnen nahezubringen“
Den beiden Verantwortlichen gefällt an dem Projekt vor allem eines: „Wir transportieren eine Haltung, die die Jugendlichen nach der AG mit nach Hause nehmen und in ihre Schulen und Familien tragen: Dass man mit Menschen mit Demenz respektvoll umgehen sollte, dass man mit ihnen Spaß haben kann und dass sie noch vieles können. Wenn diese Botschaft ankommt, hat sich das Projekt doch gelohnt.“