Krieg und Krisen: Der richtige Umgang mit unseren Ängsten

Klimawandel, Flutkatastrophen, Corona und ein Krieg mitten in Europa: Seit Jahren befinden wir uns in einem andauernden Krisenmodus. Diese Situation löst bei vielen Menschen Ängste aus. Gerade Ältere wissen oft nicht, wie sie damit umgehen sollen. Wie der Weg aus der Angst gelingt, lesen Sie hier.

Krisen überall: Keine einfachen Zeiten

Im März 2020 erreichte Corona Europa – mit allen schwerwiegenden Auswirkungen auf die einzelnen Menschen und die Gesellschaft. Im Westen Deutschlands richtete kurz darauf eine Flut unermesslichen Schaden an. Und dann marschieren Ende Februar 2022 russische Truppen in die Ukraine ein, Millionen Menschen müssen aus ihrer Heimat fliehen. Die Gefahr eines bewaffneten Konfliktes zwischen Russland und der NATO scheint so groß wie nie zuvor zu sein. Pandemie und Krieg lassen eine weitere, globale Herausforderung – den Klimawandel – fast ganz in den Hintergrund rücken.

So unterschiedlich diese Krisen auch sein mögen, sie betreffen und beeinflussen uns alle. Sehr direkt war und ist das in Zeiten von Corona zu spüren: Lockdowns, Social-Distancing, eine selbst durchlebte Infektion oder sogar Todesfälle im Bekanntenkreis oder der Familie.

Der Krieg in der Ukraine ist bei uns in Deutschland vor allem wirtschaftlich spürbar, unter anderem durch steigende Energiepreise, die Menschen mit geringerem Einkommen hart treffen. Insbesondere einige älteren Menschen fühlen sich durch die schrecklichen Bilder und Berichte in den Medien zudem an frühere Kriegszeiten zurückerinnert. Einige haben während des Krieges traumatische Dinge erlebt – Gefühle, die durch den Krieg in der Ukraine reaktiviert werden können. Aber auch vorbelastete Menschen, die zum Beispiel unter Depressionen leiden, können Berichte über Krisen und Krieg zu schaffen machen. Was alle Krisen begleitet, sind deshalb Ängste und Sorgen.

Gefahren und Ängste richtig einordnen

Angst ist ein Gefühl, das in uns evolutionär verankert ist. Sie versetzt uns in die Lage, in einer konkreten Gefahrensituation instinktiv schneller und leistungsfähiger zu reagieren – zum Beispiel mit dem Hormon Adrenalin, das Puls und Blutdruck erhöht. Angst macht uns aufmerksamer und vorsichtiger. So gesehen ist Angst vollkommen normal und grundsätzlich eine positive Eigenschaft unseres Körpers.

Etwas anders verhält es sich jedoch mit Ängsten, die sich nicht auf eine konkrete, greifbare Situation beziehen, sondern auf etwas Abstraktes wie den Verlust von Sicherheit, die diffuse Gefahr eines Krieges, der uns doch irgendwie erreichen könnte. Oder anders gesagt: die Angst vor dem Unbekannten. Hier besteht die Gefahr, dass wir uns in einen permanenten Alarmzustand manövrieren, bei dem das Stresshormon Kortisol eine Rolle spielt. Die Gedanken kreisen dabei immer um das eine Thema. Es fällt uns schwer, uns auf andere Dinge zu konzentrieren, wir schlafen schlecht ein, bekommen Herzrasen oder haben keinen Appetit. Hält dieser Zustand länger an, kann er dementsprechend auch gesundheitliche Auswirkungen haben. Neben Ängsten vor dem Unbekannten, Krisen und Krieg plagen ältere Menschen übrigens auch alltägliche Sorgen wie die Angst vor dem Älterwerden, Armut oder auch zum Pflegefall für Angehörige zu werden. Umso wichtiger ist es, Möglichkeiten zu finden, sich von den Ängsten zu lösen oder sie kontrollieren zu können.
 

Temporäre Ängste von einer Angststörung unterscheiden

Wenn die Angst überhandnimmt, kann es sich auch um eine Angststörung handeln. Falls Sie bei sich oder einem beziehungsweise einer Angehörigen Sorge haben, es könne sich um eine solche Störung handeln, ist es ratsam, einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen, der oder die eine Diagnose stellen und weitere Maßnahmen mit Ihnen besprechen kann. Das kann zum Beispiel eine Überweisung an eine Psychotherapeutin einen Psychiater sein. Weitere Informationen und Ratschläge finden Sie auch auf dieser Seite.

Der richtige Umgang – Wege aus der Verzweiflung

Ein Patentrezept zum Umgang mit Ängsten gibt es leider nicht, aber viele Optionen, die Betroffenen helfen können. Die womöglich einfachste ist Ablenkung: Unterbrechen Sie das Gedankenkarussell und beschäftigen Sie sich mit anderen Dingen. Das kann ein Einkaufsbummel sein, sportliche Betätigung, Arbeit in Haus und Garten. Am besten gehen Sie diesen Aktivitäten gemeinsam mit Freunden oder der Familie nach. Ganz wichtig dabei: Erlauben Sie es sich, Spaß zu haben, auch wenn sich das in Krisenzeiten nicht immer richtig anfühlt. Sprechen Sie auch über Ihre Ängste. Vielen anderen geht es ähnlich und es hilft, sich darüber auszutauschen.

Eine weitere Maßnahme gegen die Angst ist, den Nachrichtenkonsum bewusst einzuschränken. Wer jede Stunde nach den neuesten Schlagzeilen schaut, hält den Stress aufrecht – ganz gleich, ob es um Krieg oder eine Pandemie geht. Besser ist es, sich zum Beispiel einmal täglich zu einer festen Zeit über das Internet, eine Tageszeitung oder Nachrichtensendung zu informieren. Achten Sie zudem darauf, Ihre Nachrichten aus seriösen Quellen zu beziehen und schützen Sie sich zudem vor (bewussten) Falschmeldungen. Nutzen Sie Ihre Zeit auch für eine möglichst distanzierte und realistische Betrachtung der Situation. Der Krieg in der Ukraine ist zwar furchtbar für die betroffenen Menschen und erschreckend nah, gerade im Vergleich zu bisherigen Konflikten der jüngeren Vergangenheit, aber er bedroht in diesem Moment nicht direkt unser Leben, wie das vieler Zivilisten in der Ukraine. Verschließen Sie sich auch nicht vor positiven Nachrichten. Wenn Sie einen Ort suchen, an dem lösungsorientierte und hoffnungsvolle Meldungen aus den deutschen Medien gesammelt werden, dann könnten Sie beispielsweise die Seite Good News besuchen.

Engagement gegen die Angst

Was uns in Krisen oft besonders belastet, ist das Gefühl der Hilflosigkeit. Zu sehen, dass schlimme Dinge passieren, aber wir selbst nichts dagegen tun können – was insbesondere bei Kriegen der Fall ist. Aber auch gegen dieses Gefühl können wir persönlich angehen, indem wir uns engagieren und helfen, wo es möglich ist. Dies können Geldspenden sein, Sachspenden oder sogar Wohnraum, der Kriegsflüchtlingen zur Verfügung gestellt wird. Aber auch den Menschen im direkten Umfeld, in der Familie oder Nachbarschaft können wir beim Umgang mit ihren Ängsten helfen. Hier können gerade ältere Menschen auf eigene Erfahrungen zurückblicken, schließlich sind sie Zeitzeugen gefährlicher Konflikte der Vergangenheit. Sie können erzählen, wie sie diese Krisen bewältigt haben, Relationen zur heutigen Zeit setzen und insbesondere den Jüngeren damit Mut machen.

Spenden für die Opfer des Ukraine-Krieges

Die Malteser engagieren sich derzeit für die Menschen aus der Ukraine und insbesondere für die Geflüchteten, die akute Hilfe benötigen. Wollen Sie diese Arbeit mit einer Spende unterstützen, dann gelangen Sie hier zum Spendenformular der Malteser.

Ein großartiges Beispiel für eine positive Einstellung und ein Engagement im hohen Alter ist Heribert Rosenberg, 86 Jahre alt, der inzwischen seit sieben Jahrzehnten für die Malteser Berlin tätig ist. Er sagt: „Ich habe die Schrecken des Krieges in meiner Jugend und später als Malteser 1956 im Kriegsgebiet in Ungarn selber erlebt. Dass wir heute nach 50 Jahren Frieden in Europa im Nachbarland wieder einen Krieg haben, belastet mich. Ich verstehe die Welt nicht mehr.“ Unterkriegen lässt er sich von der Situation aber nicht. Jeden Mittwoch sitzt er noch im Berliner Büro der Malteser und steht seinen (deutlich jüngeren) Kolleginnen und Kollegen ehrenamtlich mit Rat und Tat zur Seite. Ein Ehrenamt ist eine tolle Möglichkeit, um sich für andere einzusetzen, aber auch Ablenkung vor Ängsten zu finden und in den Austausch mit anderen Ehrenamtlichen zu gehen. Für ein Engagement ist es – wie Heribert Rosenberg eindrucksvoll zeigt – nie zu spät. Falls auch Sie Interesse an einer ehrenamtlichen Tätigkeit haben, finden Sie in unserem Beitrag zum Thema Ehrenamt für Seniorinnen und Senioren weitere Informationen.

Es ist in Ordnung, wenn Sie sich in unruhigen Zeiten auch mal ängstlich sind und mit sorgenvoller Miene die Zeitung aufschlagen oder die Nachrichten online beziehungsweise im Fernsehen verfolgen. Das zeigt, dass Sie am Schicksal Ihrer Mitmenschen teilhaben und globale Krisen mit dem notwendigen Ernst betrachten.

Dabei sollten Sie jedoch positive Entwicklungen nicht aus den Augen und am Ende gar Ihren Lebensmut verlieren. Vielerorts sind die Menschen darum bemüht, diesen Planeten zu einem besseren Ort zu machen. Die Zukunft muss ganz sicher kein düsterer Ort sein.

Die Nummer gegen Einsamkeit

Haben Sie niemanden, mit dem Sie Ihre Sorgen teilen können? Fehlt Ihnen jemand, der einfach mal zuhört und vielleicht sogar einige Ihrer Ängste zerstreuen kann? Für diesen Fall haben wir Ihnen hinter dem nachfolgenden Link Informationen zum Telefonbesuch der Malteser zusammengetragen.


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