Malteser Telefonbesuch: die Nummer gegen Einsamkeit

Viele Menschen fühlen sich im Alter allein. Eine Bezugsperson fehlt, weil der Partner verstorben ist oder die Familie zu weit entfernt lebt. Corona verstärkt die Einsamkeit seit Monaten. Mit dem Telefonbesuch der Malteser sind soziale Kontakte trotzdem möglich.

Einsam fühlen im Alter

Einsamkeit ist etwas, das viele ältere Menschen betrifft. Immer mehr Seniorinnen und Senioren sind körperlich und geistig fit genug ist, um lange allein zu wohnen – doch wenn die Partnerin oder der Partner stirbt oder die Familie nicht in unmittelbarer Nähe wohnt, kommt das Gefühl der Einsamkeit. Durch die Kontaktbeschränkungen hat die Corona-Pandemie all das nun noch verschlimmert. Eine kreative und vor allem sichere Lösung bieten die Malteser an: den Telefonbesuch. Hier werden ältere Menschen mit Ehrenamtlichen zusammengebracht und bekommen regelmäßig Besuch am Telefon. Die Teams telefonieren in der Regel einmal pro Woche für eine Stunde. Ziel des Telefonbesuchs ist es, dass feste Telefonpartnerschaften entstehen, die sich langfristig begleiten.

Kontaktarmut kann Krankheiten verschlimmern

Den Telefonbesuch der Malteser gibt es in vielen Städten. In Aachen ist er erst durch die Corona-Pandemie entstanden. „Wir mussten im Frühjahr 2020 unseren ambulanten Demenzdienst einstellen und haben schnell gemerkt, wie die Kontaktarmut die Krankheit verschlimmert. Die Betroffenen haben unglaublich abgebaut“, erinnert sich Ute Offermann-Wilden. „Daraufhin haben wir mit den telefonischen Besuchen begonnen, seit August 2020 ist der Dienst ein offizielles Angebot.” Die Resonanz ist groß: Elf feste Telefonpaare haben sich in Aachen bereits gefunden. Unter den aktuell 18 Ehrenamtlichen sind auch einige ältere Menschen. „Sie hören vom Angebot oder lesen davon in der Zeitung, finden das toll und wollen sich engagieren“, freut sich Ute Offermann-Wilden.

Telefonbesuch: eine echte Bereicherung im Alltag

„Diese Telefonate können Wunder gegen die Einsamkeit bewirken“, weiß Ute Offermann-Wilden, die den Telefonbesuch der Malteser in Aachen koordiniert. „Einfach mal wieder mit jemandem sprechen, drauflos erzählen, sich austauschen – das ist für einsame Menschen unglaublich wertvoll. Sich wieder auf einen festen Termin in der Woche freuen zu können, macht etwas mit ihnen.“ In den Gesprächen geht es um ganz alltägliche Dinge, um das Weltgeschehen etwa, auch ums Reisen oder um Hobbys wie Malen. „Manche der Besuchten philosophieren auch einfach gern über das Leben. Die Themen sind so bunt und vielfältig wie die Menschen, die beim Telefonbesuch zusammenkommen!“, freut sich Ute Offermann-Wilden.

So funktioniert der Telefonbesuch der Malteser

Menschen, die den Telefonbesuch in Anspruch nehmen möchten, melden sich bei den Organisatorinnen und Organisatoren, die dann zunächst ein telefonisches Vorgespräch mit den Interessierten führen. „Wir fragen etwa nach Interessen, Hobbys und wichtigen Lebensereignissen. Dann schauen wir, welcher unserer Ehrenamtlichen gut passt und stellen den Kontakt her“, erklärt Ute Offermann-Wilden. Zu einer fest verabredeten Zeit rufen die Ehrenamtlichen dann an. Mit unterdrückter Nummer übrigens, um ihre Privatsphäre zu schützen.

Jetzt mitmachen beim Malteser Telefonbesuch!

Sie möchten am telefonischen Besuchsdienst der Malteser teilnehmen? Unter der bundesweiten Malteser-Hotline 0221 98 22 95 06 gibt es weitere Auskünfte. Wer sich ehrenamtlich im Telefonbesuch engagieren möchte, kann sich hier bewerben.

Viele wunderbare Begegnungen

An welchem Ende der Leitung man auch sitzt: Im Telefonbesuch gibt es viele wunderbare Begegnungen. „Eine unserer ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen, eine ältere Dame, macht zum Beispiel gerade einen Englischkurs. Sie besucht jetzt telefonisch eine über 90-jährige Dame, die früher ein englisches Sprachinstitut geleitet hat. Beide ziehen ganz viel aus diesen Gesprächen, eine richtige Win-win-Situation. Das ist wirklich ein tolles Paar, das wir da zusammenbringen konnten“, berichtet Ute Offermann-Wilden begeistert. Auch kuriose Momente gab es schon: „Einmal rief mich ein 84-jähriger Herr an, dessen zweite Frau verstorben war. Er wäre nicht abgeneigt, eine nette Dame kennenzulernen, sagte er mir am Telefon. Dem musste ich dann freundlich klar machen, dass wir keine Partneragentur sind“, erinnert sie sich und lacht.

Der Telefonbesuch ist keine Seelsorge

Wichtig zu wissen: Der Telefonbesuch ist keine Telefonseelsorge. „Unsere Ehrenamtlichen sind geschult, aber eben im Bereich Kommunikation und telefonischer Gesprächsführung“, betont Ute Offermann-Wilden. „Wir vermitteln ihnen zum Beispiel, wie sie Menschen zum Gespräch animieren. Seelsorgerinnen und Seelsorger sind noch einmal viel spezieller ausgebildet, etwa in der Trauerbegleitung. Das können wir nicht leisten. Wir vom Telefonbesuch sind einfach zum Erzählen da!“ Der Telefonbesuch ist jedoch gut mit der Telefonseelsorge vernetzt. Wenn die Ehrenamtlichen in einem Gespräch merken, dass Seelsorgebedarf besteht, vermitteln sie den Anrufer oder die Anruferin an entsprechende Expertinnen und Experten.

Telefonseelsorge

Bei Krisen, Sorgen und Problemen erreichen Sie die Telefonseelsorge unter den Nummern 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. Dort sind speziell ausgebildete Mitarbeitende für Sie da – anonym und absolut vertraulich.

Die Anonymität am Telefon ist vielen wichtig

Beim Telefonbesuch in Aachen soll es auch nach Corona bei den telefonischen Treffen bleiben. „Die Anonymität, die das Telefon bietet, ist vielen Teilnehmenden wichtig“, erklärt Ute Offermann-Wilden. „Es möchte nicht jeder beziehungsweise jede eine fremde Person treffen oder sie in die eigene Wohnung lassen. Wir betonen deshalb auch bei den Vorgesprächen, dass unser Angebot dauerhaft als Besuch am Telefon konzipiert ist.“ Wenn Paare sich treffen wollen, steht sie dem aber nicht im Wege. „Wenn das wirklich beide möchten, ist das doch toll!“ Das Feedback auf den Telefonbesuch ist bislang durchweg positiv. „Die Gespräche wirken richtig aktivierend auf die älteren Menschen“, sagt Ute Offermann-Wilden. „Viele gehen ja gar nicht mehr raus, nach den Telefonaten sind sie fröhlich und motiviert, haben oft sogar wieder Lust, den eigenen Alltag etwas aktiver zu gestalten. Ich kann nur jeden, der sich einsam fühlt, ermutigen, sich beim Malteser Telefonbesuch zu melden. Es ist eine wirklich wertvolle Bereicherung für das eigene Leben.“ Mehr über den Einsatz der Helferinnen und Helfer aus dem Telefonbesuch gibt es auch hier


Bewerte diesen Artikel

 
 
 
 
 
 
22
1
5
4.35

Verwandte Artikel

Eine Person hält eine Plastikkiste mit Lebensmitteln.

Unterstützung beim Einkaufen

Es wird ein Stimmzettel gezeigt, welcher in eine Wahlurne geworfen wird.

Wählen für Ältere

Es wird eine Dame gezeigt, welche sich über ein Kleid in einem Modegeschäft freut.

Passende Mode für Ältere