Hochwasser in Deutschland: Die Malteser helfen

Tagelanger Starkregen hat Teile Deutschlands überflutet. Tausende Menschen haben ihr Zuhause verloren, viele sogar ihr Leben. Rettungskräfte der Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr, des Technischen Hilfswerks und von Hilfsorganisationen unterstützen die Betroffenen. Auch die Malteser sind im Einsatz.

Darum geht's


So kam es zur Flutkatastrophe

Innerhalb von 24 Stunden kamen in Teilen Deutschlands mehr als 150 Liter Regen vom Himmel. Das war am 14. Juli 2021, als das Tief Bernd über Westeuropa zog. Bei einer so großen Niederschlagsmenge sprechen Meteorologen von Starkregen. Diese Regenmassen haben vor allem die Flüsse Mosel, Saar und Rhein über die Ufer treten lassen. Das führte zu teilweise heftigen Überschwemmungen, von denen viele Menschen überrascht wurden. Mindestens 175 Menschen starben in Deutschland. Es gibt Tausende Verletzte und Vermisste. Sehr viele Menschen haben ihr Zuhause verloren. Die Ausmaße dieser Katastrophe sind jetzt schon größer als bei der sogenannten Jahrhundertflut 2013. Damals traten Elbe und Donau über die Ufer; 21 Menschen starben.

Bei der aktuellen Katastrophe sind gleich mehrere Länder vor allem in Westeuropa betroffen: Niederlande, Belgien, Schweiz, Österreich und Deutschland. Besonders verheerend sind die Auswirkungen bei uns in Deutschland – insbesondere in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Am schwersten sind in Rheinland-Pfalz der Landkreis Ahrweiler und das 700-Einwohner-Dorf Schuld sowie die Eifel und das Gebiet um Trier betroffen. In Nordrhein-Westfalen sind es Wuppertal und Hagen, das Gebiet rund um Euskirchen und der Rhein-Sieg-Kreis, Rhein-Erft-Kreis, der Rheinisch-Bergische Kreis und Teile des Bergischen Landes. 

Spenden werden dringend benötigt

Die Helferinnen und Helfer sind auf Spenden angewiesen, um die Betroffenen vor Ort unterstützen zu können. Mit einer Spende an die Nothilfe in Deutschland kannst du auch aus der Ferne einen kleinen Beitrag leisten. Der nachfolgende Link führt dich direkt zum Spendenformular der Malteser

Die Malteser haben nach der Flutkatastrophe zudem ein Live-Spenden-Event auf die Beine gestellt. Das Video der Veranstaltung kannst du dir unten noch einmal in voller Länge anschauen.

Viele Menschen waren über einen längeren Zeitraum hinweg nicht erreichbar und Hilfe zu rufen war teilweise unmöglich. Weil auch Versorgungswerke von den Fluten zerstört wurden, ist in vielen Orten der Strom ausgefallen, teilweise gibt es kein sauberes Trinkwasser. Bahnstrecken und wichtige Zufahrtsstraßen sind überflutet und ganze Ortschaften von der Außenwelt abgeschnitten. Die medizinische Versorgung ist erschwert, weil Krankenhäuser evakuiert werden mussten. Viele Apotheken sind zerstört. Am 16. Juli rief das Bundesverteidigungsministerium den militärischen Katastrophenalarm aus. Damit können die Einsatzkräfte der Bundeswehr dezentral vor Ort entscheiden, wie und wo welche Hilfe benötigt wird. Alle arbeiten Hand in Hand, um den Katastrophenschutz zu gewährleisten: Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, Polizei und Feuerwehr und Tausende Freiwillige von Hilfsorganisationen sind aus dem gesamten Bundesgebiet im Einsatz. 

Über 1000 Malteser im Einsatz

Um eine Katastrophe solchen Ausmaßes händeln zu können, braucht es nicht nur viele helfende Hände, sondern auch fachgerechte Hilfe. So hat beispielsweise die Hamburger Polizei über 60 seiner Beamtinnen und Beamten nach Nordrhein-Westfalen geschickt, darunter auch Taucherrinnen und Taucher. Die Einsatzkräfte haben vor allem bei der Suche und Rettung von Menschen geholfen. Sie brachten auch eigene Fahrzeuge und Boote mit. 
Tausende Freiwillige von Hilfsorganisationen sind ebenfalls in den Hochwassergebieten im Einsatz, darunter etwa 1000 Malteser. „Als am Donnerstagmorgen die erste Alarmierung einging, konnte man sich nicht im Detail vorstellen, was uns erwartet“, sagt Patrick Poschmann, von den Maltesern in Kevelaer. Während seines Einsatzes kümmerte er sich um Patientinnen und Patienten einer Pflegeeinrichtung, welche selbst von Überschwemmungen betroffen war. „Meine Aufgabe war es, Betroffene in ihre Wohnungen zu begleiten, um dort wichtige Medikamente und Dokumente auf dem schnellsten Weg zu sichern.“ 

Die Menschen sind traumatisiert und wollen über die Erlebnisse sprechen. „Ich blickte in viele traurige, weinende und fragende Gesichter“, sagt Patrick. Und genau darum sind auch psychologisch geschulte Malteser vor Ort. 
Wer nicht im Urlaub ist, hilft mit. Besonders diejenigen, die gleich zu Anfang in den betroffenen Gebieten ankommen, finden ein erschreckendes Bild vor. "Zu der Zeit wusste ja niemand, worauf man sich einlässt und was da auf uns zukommt“, sagt Christian Görlich, stellvertretender Leiter des Rettungsdienstes der Malteser in Wuppertal. Gemeinsam mit vielen anderen Ehrenamtlichen versorgte er die Rettungskräfte vor Ort mit Essen. Und obwohl viele der Helfenden selbst irgendwie betroffen sind, ist die Solidarität groß, sagt er: „Die Helferinnen und Helfer haben ja alle ihren Lebensmittelpunkt in der betroffenen Region. Da sind die Gedanken natürlich auch bei der eigenen Familie. Aber trotzdem waren sofort alle für ihre Mitmenschen da."

Darum sind Hilfsorganisationen so wichtig

In einer Situation wie der aktuellen Hochwasser-Katastrophe wird deutlich, wie wichtig bürgerliches Engagement und Solidarität sind. Zwar haben Bund und Länder finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt, sie wissen aber auch, dass das nicht reichen wird, um allen in Not geratenen Menschen akut zu helfen und Aufbauhilfe zu leisten. Circa zwei Milliarden Euro wird es wohl kosten, um die betroffenen Regionen wiederaufzubauen und den Menschen eine neue Existenz zu schaffen. 

Darum ist zusätzlich bürgerliches Engagement über die Hilfsorganisationen gefragt, zum Beispiel in Form von ehrenamtlicher Arbeit oder Spenden. Das stellen die Hilfsorganisationen sicher. Sie kümmern sich um Hilfsbedürftige, unabhängig von politischen Themenschwerpunkten, die von Partei zu Partei unterschiedlich sind. Außerdem haben die sogenannten Nichtregierungsorganisationen viele Expertinnen und Experten, mit denen sie oft kompetentere Hilfe leisten können, als der Staat es kann. Die Malteser unterstützen die Rettungskräfte in den Hochwasser-Gebiete vor Ort, stellen Krankenwagen zur Verfügung, evakuieren Menschen und ganze Ortschaften, helfen bei Aufräumarbeiten und kümmern sich um die in Not Geratenen.

Rettung in letzter Minute  

Nachdem sich die Lage in Nordrhein-Westfahlen etwas beruhigte, wird es in Rheinland-Pfalz schlimmer. Die Malteser aus Baden-Württemberg werden alarmiert und sind wenige Minuten später bereit zur Abfahrt. Sie unterstützen die Einsatzkräfte in den betroffenen Gebieten und evakuieren Menschen aus Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, die durch die Überschwemmungen bedroht sind. In Hagen müssen künstlich beatmete Personen in Sicherheit gebracht werden. In Solingen werden elf Seniorinnen und Senioren aus ihrer ambulanten Einrichtung kurzerhand im Malteserstift St. Antonius aufgenommen, denn hier ist es sicherer für sie. Die Malteser unterstützen außerdem die Arbeit der anderen Einsatzkräfte wie Feuerwehr oder Polizei und versorgen sie mit Essen. 

Die Wassermassen bewegen sich wahnsinnig schnell durch die Orte, darum finden manche Evakuierungen teilweise in letzter Minute statt. Am Freitagabend hilft Malteser Patrick dabei, einen ganzen Ort zu evakuieren: „Wir waren die letzten, die überhaupt noch in den Ort kommen konnten, um die Bewohner einer Alten-WG abzuholen. Das war kurz vor knapp. Nur eine halbe Stunde, nachdem wir alle aufgenommen und die Ortschaft im Marsch verlassen hatte, wurde das Dorf aufgeben. Die Straße, die wir zur Ausfahrt nutzen, war die letzte befahrbare Straße des Dorfes. Das war eine knappe Angelegenheit, aber zeitgleich sehr wichtig für alle.“


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