Helden aus der zweiten Reihe – Catering fürs Krankenhaus

Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger oder Supermarktkassiererinnen und Supermarktkassierer – die Corona-Krise hat viele Geschichten über die Menschen an vorderster Front im Kampf gegen das Virus aufgezeigt. Zu Recht bekommen sie jetzt Respekt und Anerkennung. Doch es gibt auch die unzähligen Heldinnen und Helden aus der zweiten Reihe. Menschen, ohne deren Engagement die Bilanz gegen die Pandemie deutlich schlechter ausfallen würde – Menschen wie Aylin Karvic, die im Malteser Waldkrankenhaus St. Marien die Gemeinschaftsverpflegung verantwortet und im Corona-Krisenstab eine für sie ganz neue Rolle übernommen hat.

Darum geht's


Wie hat Covid-19 deine Arbeit verändert?

In fast zehn Jahren im Malteser Waldkrankenhaus habe ich schon einiges erlebt. Covid-19 hat allerdings eine Ausnahmesituation geschaffen, die für uns alle neu und herausfordernd war. Wir mussten anfangs in kürzester Zeit reagieren, um für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Patientinnen und Patienten die höchstmögliche Sicherheit zu gewährleisten. In meinem Verantwortungsbereich tragen jetzt alle Mund-Nasen-Schutz, wir haben noch mehr Spender für die Desinfektion der Hände aufgestellt und Plexiglas-Schutzwände für die Kolleginnen und Kollegen an der Kasse installiert. Das Salat-Buffet in der Cafeteria wurde aus Hygienegründen eingestellt, Salz- und Pfefferstreuer stehen nicht mehr auf den Tischen und natürlich haben wir die Bestuhlung der aktuellen Abstandsreglung angepasst, Außerdem war es in dieser Zeit besonders wichtig, noch mehr als sonst ein offenes Ohr für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu haben.

Du bist Mitglied des Krisenstabs. Wie hast du den Entscheidungsdruck in der turbulenten Anfangszeit empfunden?

In der Anfangszeit von Covid-19 war es für mich eine der größten Herausforderungen, den Kolleginnen und Kollegen die Angst vor dem Virus zu nehmen. Dabei war es für mich sehr hilfreich, dass ich Mitglied des Krisenstabs war. Denn normalerweise bin ich in solche Entscheidungen ja nur bedingt eingebunden. Die Mitglieder des Krisenstabs aus unterschiedlichsten Bereichen und Abteilungen strahlten zu jeder Zeit Souveränität aus. So war ich nicht nur immer auf dem aktuellsten Stand, sondern habe auch aus nächster Nähe erlebt, wie verantwortungsvoll alle mit dem Thema umgegangen sind. Das hat mir Sicherheit gegeben, die ich dann an die Kolleginnen und Kollegen weitervermitteln konnte.

Wie erlebst du die Situation ansonsten im Krankenhaus? Gab es Momente, in denen du dich unwohl fühltest oder besonders besorgt warst?

Nein, ich hatte nie ein Gefühl von Unwohlsein oder großer Sorge. Die Hygienestandards in unserer Klinik sind allgemein sehr hoch. Es wurde frühzeitig ausreichend Schutzausrüstung zur Verfügung gestellt, es gab Schulungen zum Pandemieplan und zu Hygienemaßnahmen, außerdem tägliche Updates zur Lage. Ich kann sagen, dass ich trotz der Krisenzeit keine schlaflose Nacht hatte.

Mit welchen Problemen warst du in den letzten Monaten konfrontiert? Hatte die besondere Situation auch Auswirkungen auf die Speisepläne?

Im Bereich der Küche haben wir uns konkret die Frage gestellt: Was wäre, wenn wir nicht mehr von außerhalb mit Lebensmitteln versorgt werden könnten? Wir haben uns für diesen Notfall für eine Woche mit Convenience Produkten eingedeckt, die wir aber zum Glück nicht gebraucht haben. Normalerweise fragen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort die Menüwünsche der Patientinnen und Patienten ab. Diese persönliche Abfrage haben wir sofort eingestellt, um das Risiko einer Verbreitung für alle zu minimieren. Für alle Patientinnen und Patienten gab es dann zwei Menü-Linien: die leichte und die Vollkost-Variante, konkret ist also nur das Zusatzangebot weggefallen.

Wie konntest du die Belieferung von Patientinnen und Patienten auch in Zeiten von Corona sicherstellen? Welche Herausforderungen gab es dabei?

Es kam vereinzelt zu Lieferschwierigkeiten – hier haben wir schnell reagiert und Komponenten zum Teil kurzfristig ausgetauscht. Es waren etwa bestimmte Fischsorten nicht in der bestellten Portionsgröße verfügbar oder Käse wie Camembert. Oder etwa Lauchsalat, den haben wir dann durch Walddorfsalat ersetzt. Da waren wir immer flexibel.

Gibt es Veränderungen, die deiner Meinung nach auch über Covid-19 hinaus Bestand haben werden? Haben sich bestimmte Dinge vielleicht sogar verbessert?

Ich denke, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch mehr für die Einhaltung der Hygieneregeln sensibilisiert wurden, wie etwa das regelmäßige Desinfizieren der Hände und das Tragen eines Mundschutzes.  Ich denke, unser Haus ist auch für die Zukunft sehr gut aufgestellt.

Warum sind Helferinnen und Helfer wie du, die ja nicht an ,,vorderster Front‘‘ agieren, besonders wichtig in der momentanen Krise?

Essen ist nun mal für alle von essentieller Bedeutung – für Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die anfänglichen Hamsterkäufe in den Supermärkten haben ja gezeigt, welch großen Stellenwert Lebensmittel in einer Krise wie dieser haben. Zusätzlich sind meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf jeder Station für die Bettenaufbereitung zuständig – ein ebenfalls sehr wichtiger Bereich, da es hier um Hygiene, Sauberkeit und Komfort für unsere Patientinnen und Patienten geht.

Im Übrigen kommt es ja nicht darauf an, wer in der Krise am wichtigsten ist. Wir sind, wie auch die Bereiche Medizin, Pflege, Verwaltung, Technik und viele mehr, ein Teil eines funktionierenden Krankenhauses, das die Krise bislang mit großem Engagement bewältigt hat. Und ich bin stolz auf meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dass wir zusammen ein erfolgreicher Teil des Ganzen sind.

Hast du das Gefühl, dass deine Tätigkeit in Zeiten der Corona-Krise genug gewürdigt wird?

Während der Corona-Zeit durften wir zwei Monate lang für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Haus Lunch-Pakete packen, für die Versorgung während der Arbeitszeit. Das waren 27.250 Pakete für die Früh-, Spät- und Nachtschicht. Für diese Leistung haben wir viel positives Feedback bekommen. Wir als die Firma Primus Service sind als Tochterunternehmen der Malteser gut im Haus integriert und werden auch geschätzt. Wenn die Krise etwas Gutes hat, dann die Erkenntnis, dass dem Krankenhaus- und Pflegepersonal in Zukunft mehr verdiente Anerkennung entgegengebracht wird.

Was magst du an deiner Arbeit?

Es gibt immer wieder neue Herausforderungen, kein Tag ist gleich. Ich habe ein großartiges Team mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die trotz der schweren Zeit volle Einsatzbereitschaft zeigen. 

Wenn du dir für deine Arbeit etwas wünschen könntest, was wäre das?

Das ist eine gute Frage. Ich wünsche mir weiterhin unseren Zusammenhalt, die gute Kommunikation und die Wertschätzung, die dem gesamten Team im Malteser Waldkrankenhaus entgegengebracht wird.

Unterstütze die Malteser

Möchtest du die Malteser bei ihrer Arbeit während der Corona-Krise und darüber hinaus unterstützen, kannst du zum Beispiel hier für die Nothilfe in Deutschland spenden.


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