Einer für alle in der Katastrophe

Er kommt zum Einsatz, wenn viele Menschen gleichzeitig in Not sind: der Katastrophenschutz des Malteser Hilfsdienstes. Die ehrenamtlichen Helfer unterstützen die Feuerwehr bei größeren Gefahrenlagen wie Massenkarambolagen, Schiffsunglücken oder Großbränden. Einer von ihnen ist David (32) – im Interview erklärt er, was sein Engagement so besonders macht.

Darum geht's:

 


Du bist Leiter des Sanitätsdienstes und des Katastrophenschutzes des Malteser Hilfsdienstes in Rostock. Wie kam es dazu?

Ich habe schon mit acht, neun Jahren angefangen, mich bei den Maltesern in der Jugend zu engagieren. Wir waren eine tolle Gruppe, haben gemeinsam gezeltet, gelacht, einfach viel Spaß gehabt. Wir hatten auch einen Erste-Hilfe-Kurs, haben soziale Aktionen geplant – das hat mir alles gut gefallen. Als ich dann mit 16 Jahren die Möglichkeit bekam, mich zum Sanitäter ausbilden zu lassen, habe ich sie ergriffen. Und so ging es immer weiter: Ich wurde Einsatzsanitäter, Rettungssanitäter, Zugführer.

Alle diese Weiterbildungen hast du ehrenamtlich gemacht, hauptberuflich arbeitest du als Techniker bei der Deutschen Bahn und hast auch noch eine Familie. Wie viele Stunden in der Woche engagierst du dich?

Es ist schon sehr zeitaufwendig, 10 bis 15 Stunden investiere ich schon in der Woche. Aber vieles läuft auch nebenbei, ich schreibe mal abends ein Konzept, erledige morgens ein Telefonat, kümmere mich am Wochenende um unsere Geräte. Aber natürlich braucht man eine Familie, die Verständnis hat. Das ist in meinem Fall so: Meine Frau ist selbst bei den Maltesern aktiv – und unsere gemeinsame Tochter geht am Ende natürlich immer vor.

David unterhält sich mit Kollegen
David im Einsatz © Andreas Kroeppelien

Als Leiter des Katastrophenschutzes in Rostock wirst du gerufen, wenn viele Menschen Hilfe brauchen. Was sind das für Einsätze, bei denen der Katastrophenschutz angefordert wird?

Das sind größere Schadenslagen mit mehreren Verletzten. Wir unterstützen dann die Feuerwehr vor Ort – etwa bei Großbränden, Massenkarambolagen, Busunfällen, Überschwemmungen oder Schiffsunglücken. Wir als Sanitätseinheit kümmern uns vor allem um die Menschen, die schwer und schwerst verletzt sind. Wir ergreifen erste Maßnahmen vor Ort, stabilisieren die Patienten und sorgen dafür, dass sie transportfähig sind. 

Wie läuft so ein Einsatz ab?

Wir sind in unserer Einheit 20 Mitglieder, jeder von uns ist jederzeit abrufbar – das läuft dann über das Telefonsystem der Leitstelle. Wir geben durch, wie viele von uns wann am Einsatzort sein werden. Unser Ziel ist es dabei, innerhalb von 30 Minuten bis zu einer Stunde einzutreffen. Wir fahren mit mehreren Wagen, um den Rettungsdienst möglichst schnell unterstützen zu können. Vor Ort verschaffen wir uns einen ersten Überblick und helfen dann so gut wir können. 

Wie wichtig ist der Zusammenhalt im Team bei so einem Einsatz?

Der Teamgeist ist entscheidend, wir sagen immer, „wir sind wie eine große Familie“ – und das trifft es wirklich. Im Einsatz muss man sich absolut auf den anderen verlassen und wissen, wer was kann und macht. Es gibt immer eine kleine Chaosphase bei jedem Einsatz – ohne Zusammenhalt wären wir da aufgeschmissen. Schließlich geht es darum, Menschenleben zu retten, da muss jeder funktionieren. Der Teamgeist ist auch für das eigene Gefühl wichtig. Wir wissen, dass wir im Team alles schaffen, das gibt uns die Sicherheit, die wir brauchen. Dazu gehört übrigens auch, dass wir nach einem Einsatz noch einmal darüber sprechen: Wie ist es gelaufen? Was können wir noch besser machen? Was war vielleicht auch belastend für den Einzelnen?


Der Teamgeist ist entscheidend, wir sagen immer, „wir sind wie eine große Familie“ – und das trifft es wirklich.

David, Katastrophenschutz des Malteser Hilfsdienstes


Einsatzkräfte versammeln sich um Patienten und behandeln ihn.
Nur wenn die Zusammenarbeit stimmt, ist der Einsatz erfolgreich. © Malteser

Hattest du einen Einsatz, der dich im Nachhinein besonders beschäftigt hat?

Das war bei mir die Love Parade in Duisburg 2010, bei der 21 Menschen ums Leben kamen. Wir trafen am Ort des Unglücks nach der Panik ein – aber es waren noch sehr viele Verletzte zu versorgen. Diese erschütternden Bilder haben mich noch lange beschäftigt, die habe ich noch lange mitgetragen. Ich war im Anschluss auch noch einmal auf dem Gelände, das war mir wichtig.

Warum mutest du dir in deiner Freizeit solche Belastungen zu?

Ich bin katholisch erzogen. Für andere Menschen da zu sein, ihnen zu helfen, ist tief in mir verankert. Aber ich mache es auch wegen des Teams, wir halten zusammen, sind immer füreinander da – das will ich nicht missen.

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