Hilfe bei Trauer: Einzel- und Gruppenberatung – persönlich und online

Wenn ein Familienmitglied, enge Freunde oder die große Liebe sterben, geht damit oft ein großer Schmerz einher. Doch du bist mit deiner Trauer nicht allein! Es gibt verschiedene Möglichkeiten sowie Angebote für Erwachsene, Kinder und Jugendliche. Wir stellen dir hier die wichtigsten vor.

Darum geht's:


Hilfe für trauernde Erwachsene

Trauer ist eine natürliche und normale Reaktion auf einen Verlust und die äußert sich bei jedem Menschen anders. Die Gefühlswelt von Trauernden kann oft sehr intensiv sein und ist zudem individuell – und darüber hinaus ein zeitintensiver Prozess. In solchen Momenten kann es entlastend sein, mit anderen Betroffenen oder mit einfühlsamen geschulten Begleiterinnen und Begleitern zu sprechen.

Auch die Malteser bieten unterstützende Angebote für trauernde Menschen an. Trauer ist individuell und so auch die Bedürfnisse der Menschen, sie ist keine Krankheit und bedarf in der Regel keiner Therapie. Manche erleben in Einzelgesprächen mit qualifizierten Trauerbegleiterinnen und -begleitern Unterstützung, andere suchen den Austausch mit anderen Trauernden in einem Gruppenangebot. 

Manche Menschen möchten auch lieber anonym bleiben oder haben niemanden in ihrer Nähe, mit dem sie offen über ihre Trauer sprechen können. Für sie gibt es digitale Angebote: von professioneller Online-Beratung bis hin zu Gedenkseiten und Trauer-Communities im Netz. Mehr dazu findest du in den unteren Abschnitten dieses Ratgebers – unter anderem auch mehr zu Via., der Online-Trauerberatung der Malteser.

Gemeinsam stärker: Trauer- und Selbsthilfegruppen

Trauergruppen sind sehr vielfältig und richten sich nach dem Unterstützungsbedarf der Trauernden. Je nach Art des Verlustes, gibt es zum Beispiel kreative oder auch tiergestützte Angebote. Die Treffen finden regelmäßig statt und sind oft über mehrere Monate angelegt, sodass ein besonders vertrauter Rahmen entsteht. Trauer- und Selbsthilfegruppen gibt es in fast jeder Stadt – aber auch in ländlichen Regionen, wenn auch nicht so zahlreich vertreten. Bei Letzterem lohnt sich daher oft auch ein Anruf beim ambulanten Hospizdienst oder ein Blick auf die Website, um herauszufinden, welche Angebote es in der Nähe gibt. Eine Übersicht findest du zum Beispiel bei den Maltesern, auf trauergruppe.de, selbsthilfenetz.de oder verwitwet-info.de

Es gibt auch einige spezialisierte Angebote, wie Trauergruppen für Eltern und trauernde Geschwister von den Maltesern und vom Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e.V. (Angebote deutschlandweit unter veid.de), Trauergruppen für Eltern, die ihr Kind vor, während oder kurz nach der Geburt verloren haben (mehr Infos: initiative-regenbogen.de) und Trauergruppen für Suizidtrauernde (deutschlandweite Angebote über agus-selbsthilfe.de).

Trauern und mehr: Trauercafés

Trauercafés bieten meist einen offeneren Rahmen als Trauergruppen. Es gibt keine feste Gruppe, die sich regelmäßig trifft – jede beziehungsweise jeder ist willkommen. Trauernde können so ungezwungen Kontakt mit Menschen in einer ähnlichen Situation bekommen, die aufgrund ihrer eigenen Trauer viel Verständnis für die Situation haben, in der man sich befindet. Die Malteser bieten in vielen Regionen Trauercafés an. Auch Kirchen und Hospize organisieren Trauercafés.

In deinem Tempo: Trauerbegleitung

Trauer braucht Zeit. Ehrenamtliche Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter gehen mit dir ein Stück diesen Weg – ganz gleich, wie lange er dauert. Die Malteser unterstützen Trauernde deutschlandweit durch eine kompetente und einfühlsame Trauerbegleitung. Diese Begleitung bietet einen geschützten Raum, um über den Verlust sprechen zu können, Gefühle auszudrücken und Orientierung zu finden – sowohl in Einzelgesprächen als auch in Gruppenangeboten, begleitet von qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Hilfe für trauernde Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche trifft der Tod eines nahestehenden Menschen oft besonders hart und sie trauern anders als Erwachsene. Deshalb gibt es viele Angebote, die genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind und in denen viele Aspekte kindgerecht beziehungsweise spielerisch verarbeitet werden. 

Kinder trauern in jeder Altersstufe „neu“ - nämlich so, wie es ihrem Alter entspricht und wie sie den Tod und dessen Auswirkungen ihrem Entwicklungsstand entsprechend verstehen können. Zur Verarbeitung brauchen sie Erwachsene, die sich ihren Fragen stellen und kindgerechte Antworten geben können.

Malteser Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche

In vielen Regionen engagieren sich ehrenamtliche Helferinnen und Helfer der Malteser in der Kinder-Trauerbegleitung und bieten Kindern und Jugendlichen bei speziellen Treffen einen geschützten Raum für ihre Trauer. So gibt es zum Beispiel in Hamburg das „Café Achterbahn“ – ein kreatives Lebens- und Trauercafé, in dem Jugendlichen dabei geholfen wird, ihre Gefühle einzuordnen und damit umzugehen. Was Kinder brauchen und worauf es bei ihrer Trauer ankommt, liest du auch hier. Neben Angeboten für Kinder und Jugendlichen bieten einige Dienste parallel dazu übrigens auch ein Angebot für Eltern, Großeltern und Bezugspersonen an.

Die Malteser Dresden bieten mit dem „KiTT – KinderTrauerTreff“ eine Trauerbegleitung speziell für Kinder im Alter von 5 bis 12 Jahren an. Die Kinder, die sich hier einmal im Monat treffen, haben das Gleiche oder Ähnliches erlebt. So erfahren sie, dass sie nicht allein mit ihrem Verlust sind, denn viele Kinder denken, sie seien die einzigen, die Mutter oder Vater verloren haben. In einem geschützten Raum können die Kinder offen über ihre Gefühle sprechen. Niemand lacht über sie oder weicht ihnen aus. Eltern oder Bezugspersonen sind als Begleitung ebenfalls bei dem Trauertreff willkommen. In der Gruppe wird nicht nur geredet, sondern es darf alles getan werden, was guttut: spielen, lachen, malen oder einfach nur zuhören. Das alles bietet den Kindern eine Möglichkeit, den Verlust zu verarbeiten und die neue Lebenssituation anzunehmen. Angebote wie diese gibt es bei den Maltesern deutschlandweit.

Malteser begleiten auch Abschied nehmende Kinder sterbender Eltern

Einige ambulante Hospizdienste der Malteser begleiten mit einem ergänzenden Angebot Abschied nehmende Kinder von sterbenden Eltern und bieten auch hier Trauerbegleitung. Wenn ein Elternteil lebensverkürzend erkrankt, wird nicht nur eine einzelne Person begleitet, sondern das gesamte Familiensystem in den Blick genommen. Familien befinden sich dann oft in einer akuten Krise und es geht häufig darum, das Familiensystem zu stützen, zu stärken und Ressourcen zu aktivieren. Die Ehrenamtlichen sind hier insbesondere Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für die gesunden Kinder, auch über den Tod des Elternteils hinaus. Sie entlasten das Familiensystem, in dem sie Zeit für die Kinder haben und sind somit über die Zeit der Krankheit, des Sterbens sowie darüber hinaus für die gesamte Familie da. Über die PLZ-Suche kannst du übrigens nach Trauer-Angeboten in deiner Nähe schauen.

Hilfe auf einen Klick: online trauern

Für manche Menschen ist es leichter aus einem geschützten Raum heraus über den Tod eines geliebten Menschen zu sprechen – sei es, weil sie das Umfeld nicht belasten wollen, weil sie sich unverstanden fühlen oder einfach, weil das Gespräch von Angesicht zu Angesicht gerade zu viel ist und sie nicht offen über ihre Gefühle, Gedanken und Fragen sprechen können. Online-Angebote können dann ein erster, niedrigschwelliger Schritt sein. Bei speziellen Online-Beratungen leihen geschulte Beraterinnen und Berater Trauernden ihr „digitales Ohr“ in einem Chat, einer Einzelunterhaltung oder per Mail. Die Angebote sind anonym, diskret und in den meisten Fällen kostenlos.

Akuthilfe im Notfall: Telefonseelsorge

Neben den Angeboten der Malteser gibt es aber auch anderweitige Beratungsangebote, die im akuten Notfall weiterhelfen. „Sorgen richten sich nicht nach Tages- oder Öffnungszeiten“, heißt es auf der Website der Telefonseelsorge. Die Berater und Beraterinnen sind deshalb an 365 Tagen im Jahr und rund um die Uhr für dich da. Unter den kostenfreien Telefonnummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 kannst du dich zu jeder Tages- und Nachtzeit, mit jedem Problem und jeder Sorge melden. Auch Beratungen per E-Mail, im Chat oder persönlich vor Ort sind möglich. Die Gespräche sind anonym, vertraulich und kostenlos. Mehr Infos unter telefonseelsorge.de.

Die „Online-Plattform Via. Trauer neu denken.“ der Malteser richtet sich an jede beziehungsweise jeden, der oder die einen Verlust erlitten hat oder sich über das Thema Trauer informieren möchte. Das Online-Angebot ist eine schriftbasierte und kostenlose Beratung, wo sich trauernde Menschen – bei Bedarf auch anonym – melden und mit qualifizierten Trauerberaterinnen und -beratern austauschen können. Die Kommunikation erfolgt flexibel per Mail, entweder als einmalige Hilfestellung oder über längere Zeit – ganz auf den individuellen Bedarf der Trauernden ausgerichtet. Im „Inforaum“ finden Nutzerinnen und Nutzer darüber hinaus interaktive Informationen – und auf Wunsch werden sie mit lokalen Trauerangeboten vernetzt. Via. bietet niedrigschwellige und ortsunabhängige Unterstützung, bei der Offenheit und Diskretion im Fokus stehen – ein wirksames digitales Pendant zur traditionellen Trauerbegleitung. 

Zusätzlich bieten die Malteser mit „Schreiben als Brücke“ übrigens ein weiteres digitales Angebot für Kinder und Jugendliche an.

Digital und nah: Online-Angebote für junge Trauernde

Für Jugendliche, die sich in einer akuten Krise befinden, ist außerdem die Online-Begleitung von U25 Deutschland oder auch Krisenchat.de eine wichtige Anlaufstelle. Das Angebot richtet sich speziell an Menschen unter 25 Jahren und wird von ehrenamtlichen Gleichaltrigen begleitet, die selbst eine umfangreiche Schulung durchlaufen haben. Die Begleitung läuft vollständig per Mail – anonym und kostenlos. 

Auch in sozialen Netzwerken gibt es geschlossene Gruppen, in denen sich junge Trauernde austauschen. Solche Gemeinschaften können hilfreich sein, ersetzen aber keine professionelle Begleitung. Wenn du merkst, dass deine Trauer dich sehr belastet oder du alleine nicht weiterkommst, such dir bitte zusätzlich Unterstützung bei einem der oben genannten Angebote. Darüber hinaus gibt es unterstützende Angebote für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Rahmen des Hospizprojekts „Gib mir ‘n kleines bisschen Sicherheit“ der Malteser. Verschiedene Angebote helfen ihnen bei der Auseinandersetzung mit den Themen Sterben, Tod und Trauer. Projekt-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besuchen hierfür präventiv Kita-Gruppen und Schulen und sensibilisieren dort für den Umgang mit dem Sterben und dem Tod. Alternativ werden sie hinzugezogen, wenn beispielsweise ein Kind, ein Elternteil oder auch eine Fachkraft schwer erkrankt oder verstorben ist. Mehr zum Projekt gibt es hier.

Trauern in sozialen Netzwerken und digitale Gedenkräume

Neben der Möglichkeit, online zu trauern, sind digitale Gedenkräume auch ein wachsendes Phänomen: Websites und Apps, auf denen Angehörige Fotos, Erinnerungen und Worte hinterlassen können – für sich selbst, aber auch für andere, die denselben Menschen gekannt und geliebt haben. Solche Orte im Netz können ein Teil des Trauerprozesses sein: Sie ermöglichen es, den Verlust sichtbar zu machen, Erinnerungen zu bewahren und sich mit anderen Trauernden zu verbinden. Und das ganz unabhängig von Zeit und Ort.

Auch in sozialen Netzwerken spielt Trauer heute eine große Rolle. Profile Verstorbener auf Instagram, Facebook oder TikTok werden oft zu digitalen Gedenkorten, auf denen Freunde und Fremde Abschiedsworte hinterlassen. Manche Menschen empfinden das als tröstlich – andere fühlen sich durch die ständige digitale Präsenz des Verlustes überfordert. Beides ist völlig normal.

Einige Plattformen bieten inzwischen eigene Funktionen für den Umgang mit Profilen Verstorbener an: Facebook ermöglicht es beispielsweise, ein Profil in ein Gedenkprofil umzuwandeln oder eine Vertrauensperson festzulegen, die das Konto nach dem Tod verwaltet. Es lohnt sich, solche Einstellungen auch für das eigene Konto frühzeitig zu treffen.

Worauf du achten solltest: Online-Communitys und soziale Netzwerke können Halt und Gemeinschaft geben; sie ersetzen aber keine professionelle Trauerbegleitung. Wenn du das Gefühl hast, dass deine Trauer dich überwältigt oder du im Alltag nicht mehr funktionierst, wende dich bitte an eine der Beratungsstellen in diesem Artikel.

KI und Trauer: Wie sieht die Zukunft der Trauer(arbeit) aus?

Künstliche Intelligenz (KI) kann für Trauernde eine erste, niedrigschwellige Anlaufstelle sein: Sie ist jederzeit erreichbar, hört zu und kann helfen, Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen oder Orientierung zu geben. Für manche Menschen kann das entlastend sein, besonders wenn der Schritt zu einem persönlichen Gespräch noch schwerfällt. Gleichzeitig ersetzt KI keine menschliche Nähe und keine einfühlsamen Begleitungen. Die Malteser sehen darin eine ergänzende Möglichkeit, die unterstützen kann – legen aber den Schwerpunkt weiterhin auf die persönliche und würdevolle Begleitung von Trauernden durch geschulte Menschen, die Trauer individuell wahrnehmen und mit Wärme und Erfahrung begleiten.


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