Freiwilligendienste während der Krise: Mehr als eine bloße Alternative

Die Corona-Krise stellt nicht nur unseren Alltag auf den Kopf, sie macht auch den Zukunftsplänen vieler junger Menschen einen Strich durch die Rechnung. Der geplante Auslandsaufenthalt kann nicht stattfinden, die Entscheidung, wo es beruflich hingehen soll,  ist noch nicht gefallen. Willst du die Zeit bis zu einer Klärung und zur Verwirklichung deiner Pläne sinnvoll nutzen, ist ein Freiwilligendienst womöglich genau das Richtige für dich!

Darum geht’s


Hunderttausend Menschen leisten einen Freiwilligendienst 

Jedes Jahr  leisten hunderttausend Menschen – davon zum größten Teil junge Erwachsene – einen Freiwilligendienst. Allein 7.500 von ihnen absolvieren diesen Dienst im Ausland. Doch in Zeiten von Corona ist der Einsatz außerhalb deutscher Landesgrenzen mit Risiken behaftet – beziehungsweise unmöglich: „Alle diejenigen, die im Ausland ihren Dienst versehen wollten, sollten über ein Engagement in Deutschland nachdenken“, sagt Sabine Ulonska, Referatsleiterin der Malteser Freiwilligendienste. Denn: „Abenteuer gibt es auch bei uns. Das Abenteuer Mensch. Ich würde jedem jungen Menschen empfehlen, das einmalige Zeitfenster nach der Schule zu nutzen, um einmal in andere Lebenswelten einzutauchen und das eigene soziale Engagement in einem Inlands-Freiwilligendienst zu erproben.“ Der freiwillige Dienst steht allen jungen Menschen zwischen 16 und 27 Jahren offen und wird grundsätzlich in gemeinwohlorientierten Einrichtungen geleistet. Dabei hast du die Wahl zwischen vielfältigen Tätigkeitsbereichen; mögliche Einsatzorte sind etwa Krankenhäuser, Rettungsdienste, Kitas, Sportvereine, Altenheime oder kulturelle Einrichtungen wie z.B. Museen.

Freiwilligendienste für jedes Alter

Auch für Menschen, die älter als 27 Jahre sind, gibt es die Möglichkeit, bei den Maltesern im Rahmen eines Bundesfreiwilligendienstes (BFD) etwas Sinnvolles zu tun, sich neu zu orientieren und gegebenenfalls auch wieder im Berufsleben Fuß zu fassen. Das BFD dauert in der Regel 12 Monate und kann auf Wunsch verlängert werden. Je nach Einsatzgebiet und Tätigkeit erhalten die Freiwilligen zu Beginn eine zusätzliche Fachqualifizierung, auch ein Bildungstag pro Monat für Seminare oder Weiterbildungen ist gesetzlich vorgeschrieben.

Was sind die Vorteile des Freiwilligendienstes?

Die Vorteile eines Freiwilligendienstes liegen auch jenseits von Corona auf der Hand. Die Grundidee dabei: Junge Menschen helfen anderen; mindestens sechs und – jetzt zu Corona-Zeiten – bis zu 24 Monate lang. Das ist ideal für alle, die Zeit sinnvoll überbrücken wollen oder müssen – zum Beispiel, weil sie auf einen Studienplatz warten oder sich noch orientieren wollen. Auch junge Menschen, die bereits einen Freiwilligendienst geleistet haben, können noch einmal einsteigen und ihre Dienstzeit verlängern, etwa in den Semesterferien oder nach ihrem Studium. Natürlich kannst du auch unmittelbar zum Ende eines Freiwilligendienstes diesen im Anschluss ausdehnen. So wie Anna Leisegang: Sie absolviert ihren Bundesfreiwilligendienst im Malteser Bildungszentrum HRS in Wetzlar und hat ihren Einsatz auf 22 Monate verlängert. Normalerweise wäre ihr Engagement im Mai vorbei gewesen, „doch das war keine gute Zeit, um neu zu starten“, sagt die 20-Jährige.

Der Freiwilligendienst sei für sie die Möglichkeit, die Zeit sinnvoll zu nutzen, sich weiterzubilden, Kontakte zu knüpfen und einen anderen Lebensbereich kennenzulernen. „Ich finde es eine wirklich gute Möglichkeit, die eigene Persönlichkeit zu entwickeln, soziale Kompetenzen auszubauen und Verantwortung zu übernehmen – für mich ist das ein sehr schöner Einstieg ins Berufsleben.“

Das echte Leben kennenlernen – betreut und begleitet

Inzwischen überlegt die junge Frau sogar, eine Ausbildung zur Notfallsanitäterin zu machen: „Diesen Berufszweig hatte ich vorher nicht auf dem Zettel. Aber hier erlebe ich, wie spannend diese Sparte ist.“ Sabine Ulonska hat beobachtet, dass es vielen jungen Erwachsenen wie Anna geht. Direkt nach dem Abitur wissen sie oft nicht genau, was sie machen sollen: „Sie stehen vor ihrer ersten großen Lebensentscheidung – und sind häufig mit einer großen Spanne an Möglichkeiten konfrontiert.“ Die Frage, wo sie im Leben hinwollen, sei für viele Jugendliche noch nicht zu beantworten: „Ein Freiwilligendienst ist eine ideale Möglichkeit, sich darüber klar zu werden. Man lernt andere Lebenslagen kennen, kommt mit anderen Menschen zusammen und kann sich austesten – und das alles pädagogisch betreut und begleitet. Jugendliche lernen das echte Leben kennen, aber mit Netz und doppeltem Boden.“

Warum sich das Engagement in mehr als einer Hinsicht lohnt

Darüber hinaus hat das Freiwillige Soziale Jahr beziehungsweise der Bundesfreiwilligendienst weitere Vorteile: Wo Studiengänge Praktika umfassen, wird oftmals auch der Freiwilligendienst als solches anerkannt – wie auch als Wartesemester in allen Studiengängen. Im Rahmen der Studienplatzvergabe kann der Freiwilligendienst zudem Bonuspunkte bringen. Auch wer gern ehrenamtlich arbeitet oder sich für einen Job im sozialen Bereich interessiert, profitiert von einem Freiwilligendienst. So kannst du in verschiedene Berufe schon einmal reinschnuppern und sie im realen Job-Alltag ganz konkret auf Vor- und Nachteile prüfen. Und: Wer sich auf die Begegnungen mit anderen Menschen einlässt und neue Erfahrungen macht, entwickelt sich auch persönlich weiter. Sabine Ulonska erklärt: „Die Jugendlichen werden in diesem Jahr erwachsen, sie gehen mit gestärktem Selbstbewusstsein etwa in spätere Bewerbungsgespräche.“

Die wichtigsten Infos

In medizinischen, sozialen und auch kulturellen Einrichtungen werden Helferinnen und Helfer oft dringend benötigt und sind dementsprechend willkommen. Bei den Maltesern gibt es vielfältige FSJ- und BFD-Einsatzfelder. Über eine Platzbörse kannst du gezielt nach passenden Angeboten suchen. In der Regel arbeitest du während des Freiwilligendienstes im Umfang einer Vollzeitkraft und erhältst dafür ein Taschengeld sowie sämtliche Sozialversicherungsleistungen. Außerdem nimmst du kostenfrei an fünf gesetzlich vorgeschriebenen Seminarwochen teil, in denen du andere Freiwillige kennenlernst, mit denen du dich austauschen und gemeinsam vielfach selbst gewählte Themen bearbeiten kannst – eine intensive Zeit, in der auch der Spaß nicht zu kurz kommt!

Ein Freiwilligendienst als Maßnahme für die Zukunft

Ein Freiwilligen-Jahr im Lebenslauf dokumentiert zudem auch überdurchschnittliches Engagement und die Bereitschaft, sich in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen – und nicht zuletzt den Mut, sich auf Unbekanntes einzulassen. Sabine Ulonska geht davon aus, dass dies bei Bewerbungen als dickes Plus im Lebenslauf gewertet wird.

Warum das FSJ während der Corona-Krise Sinn ergibt

Trotz oder gerade wegen Corona ist der Einsatz von Freiwilligen in der Kinder- und Jugendhilfe, in Krankenhäusern und Seniorenheimen, im Rettungsdienst und in der Behindertenhilfe besonders wichtig. Die freiwilligen Helferinnen und Helfer sind dabei eine wichtige Unterstützung für die derzeit so oft zitierten „systemrelevanten Bereiche“ und werden als engagierte Laienhelfer dringend gesucht. Das Bundesfamilienministerium vermittelt offene Plätze deshalb aktuell z.B. auch über eine spezielle Internet-Plattform.

Die Bewohnerinnen und Bewohner von Pflege- und Altenhilfeeinrichtungen sind oft verunsichert, vielen fehlt der direkte Kontakt mit ihren Angehörigen. Hier können Freiwillige – natürlich unter strikter Einhaltung der Corona-Regeln – wertvollen Zuspruch leisten.  Das Bundesfamilienministerium hat dazu klargestellt, dass die Sicherheit der Freiwilligen „oberste Priorität“ hat. Sabine Ulonska hat außerdem Folgendes bemerkt: „Die Bereitschaft der Freiwilligen, sich zu engagieren, anderen Menschen zu helfen, ist im Moment noch größer als sonst. Sie können einen guten Beitrag leisten – und erfahren auch viel Anerkennung.“

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