Social Day 2019: Bankangestellte engagieren sich für drogenabhängige Obdachlose

Beim diesjährigen Social Day wurde wieder ordentlich angepackt. Unter anderem tauschten acht Mitarbeitende der Commerzbank Schreibtisch und Computer gegen Farbeimer, Pinsel, Schubkarre und Staubwedel. Zusammen mit Klienten und Mitarbeitenden der Einrichtung brachten sie wieder etwas Farbe in das Malteser Nordlicht. Wie die Teilnehmenden den Social Day erlebten und was sonst noch in der Einrichtung passiert, erfährst du im folgenden Beitrag.

Darum geht's:


Malteser Nordlicht: Suchtkrankenhilfe für obdachlose Menschen in Hamburg

Umringt von Friedhöfen und Industriehallen versteckt sich im Hamburger Westen ein unscheinbares Containergebäude. Das Malteser Nordlicht ist ein Zufluchtsort für drogenabhängige obdachlose Männer. Klingt hart, ist es auch. In der Übergangseinrichtung finden 26 Männer für einen begrenzten Zeitraum einen Platz, um sich vom Leben auf der Straße zu erholen. Fernab von Hunger, Kälte und Drogenkonsum haben sie hier die Möglichkeit die bisherige Lebenssituation zu überdenken und die Planung für ein normales Leben jenseits der Straße anzugehen. Dabei stehen den Klienten ein Team aus sozialpädagogischen, sozialarbeiterischen und hauswirtschaftlichen Mitarbeitenden zur Seite. Jessica ist seit über vier Jahren Teil des Teams. Hier duzen sich alle. Die studierte Heilpädagogin arbeitet gerne im Nordlicht. „Kein Tag ist wie der andere“ schwärmt Jessica. Es gibt Tage, an denen die Klienten das große Angebot der Einrichtung nutzen, ohne erwähnenswerte Vorkommnisse. Es wird gemalt, Musik gemacht, geputzt, gekocht, gespielt und vor allem: geschlafen. Dann gibt es aber auch Tage, an denen beleidigt, ramponiert und geprügelt wird.


„Ob es ein ruhiger Dienst ist, weiß man immer erst wenn man zu Hause ist.“

Jessica, Sozialpädagogin im Malteser Nordlicht


Brenzlige Situationen nimmt Jessica gelassen. „Es gibt eine strenge Hausordnung. Wer sich nicht daran hält, fliegt raus. Zur Not wird die Polizei gerufen.“ Die klare Regelung hilft den Mitarbeitenden, aber auch den Klienten, die ihr Leben ändern wollen. Im Malteser Nordlicht finden sie neben dem Dach über dem Kopf auch die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen. Sie bekommen Tipps, um ihre Situation zu verändern und werden zu weiterführenden Hilfen, wie Beratungsstellen, Suchthilfeeinrichtungen, medizinischen Behandlungen oder betreuten Wohnformen vermittelt. All das ist wichtig für den nächsten Schritt zurück ins normale Leben.

Das Malteser Nordlicht

Das Containergebäude bietet Platz für 26 Männer in 13 Doppelzimmern. Es gibt Sanitäranlagen, Freizeiträume, eine Küche und Büros. Das Gebäude wurde zunächst nur für einen Winter konzipiert und gebaut. Mittlerweile besteht das Nordlicht schon fast ein Vierteljahrhundert. Die Einrichtung ist daher auf Spenden und Unterstützung von außen angewiesen, da immer wieder Reparaturarbeiten oder Renovierungen der Anlage anfallen. Aktionen wie der Malteser Social Day sind daher wichtig für den Erhalt der Einrichtung.

So lief der Social Day im Malteser Nordlicht ab

Freitagmorgen, 8:45 Uhr. Während Jessica und zwei Kolleginnen in der Küche noch die letzten Frühstücksvorbereitungen treffen, versammeln sich die ersten Mitarbeitenden der Commerzbank im Freizeitraum. Der Tisch ist bereits reichlich gedeckt. Die Helfer freuen sich auf den Tag. Pünktlich um 9:00 Uhr sitzen dann alle acht Bankangestellten am Frühstückstisch und hören gebannt zu: Jessica erzählt ihnen vom Nordlicht und mit welchen Herausforderungen sie, ihre Kollegen und Kolleginnen aber auch die Klienten täglich konfrontiert werden. Einige Teilnehmenden kennen die Einrichtung schon aus dem letzten Jahr. Sie fragen neugierig nach, was sich in der Zeit getan hat. Nach zahlreichen Anekdoten über die Absurditäten von Bürokratie-Deutschland im Umgang mit hilfesuchenden Obdachlosen, geht es dann endlich los. Unter Anweisung des Hausmeisters werden die Helfer in kleine Gruppen eingeteilt. Heute werden die Türen neu gestrichen und ein Zimmer renoviert.

Türen streichen im Team beim Malteser Social Day.

Bettina ist schon zum sechsten Mal beim Social Day dabei. Fünfmal davon hat sie bereits im Malteser Nordlicht geholfen. Mit zwei Kollegen hat sie sich das zu renovierende Doppelzimmer vorgeknöpft. „Ich bin gerne im Nordlicht, weil ich hier mit meiner Arbeit etwas bewirken kann.“ Und tatsächlich: Dank der engagierten Unterstützung sind die Türen schnell gestrichen und das Zimmer erstrahlt bald in hellem Weiß. Die Helfer sind motiviert. Doris, die zum ersten Mal dabei ist, greift nach dem Anstreichen kurzerhand zur Schubkarre und sorgt im Außenbereich für Ordnung. „Ich hatte keine konkreten Erwartungen an den Tag. Wenn man aber wie hier mit dem Thema Obdachlosigkeit konfrontiert wird, wird man Demütig und erkennt, wie gut es einem geht.“

Doris befreit den Außenbereich vom Laub.

Katharina nimmt auch zum ersten Mal teil am Social Day. Sie hat sich von der Begeisterung einer Kollegin anstecken lassen, die sich im letzten Jahr für ein anderes Projekt engagiert hat. „Ich finde es toll, dass ich die Möglichkeit bekomme, neben meinem Bürojob auch mal etwas Sinnvolles für hilfebedürftige Menschen zu tun.“ Freut sich die Fachfrau für Baufinanzierung. Dass der Social Day für alle etwas Besonderes ist, wird schnell klar, wenn man die Teilnehmenden fragt, ob sie im nächsten Jahr wieder mit an Bord sind. Die einstimmige Antwort: „Auf jeden Fall!“

Katharina freut sich über das sichtbare Ergebnis ihrer Arbeit.

Der Malteser Social Day 2019

Mehr als 1.300 Mitarbeitende aus 46 Unternehmen haben am Malteser Social Day 2019 teilgenommen. In 13 Städten engagierten sich Bankangestellte, EDV-Spezialisten und Versicherungsfachleute. Zum 17. Mal vermittelten die Malteser kleinen Teams soziale Projekte aus der Nachbarschaft. Ob Obdachlosenhilfe, Maßnahmen für Flüchtlinge oder Hilfe für Menschen mit Behinderung: Der Social Day macht aus einem normalen Arbeitstag ein soziales Erlebnis, was die Teilnehmenden so schnell nicht vergessen.

Mitmachen beim Malteser Social Day

Beim Malteser Social Day kommen alle auf ihre Kosten. Der engagierte Einsatz einzelner Mitarbeitenden bringt nicht nur soziale Einrichtungen voran und unterstützt damit hilfsbedürftige Menschen. Durch das Engagement wird ein normaler Arbeitstag auch zum sozialen Erlebnis. Ob Obdachlosen-, Alten- oder Krankenhilfe: Einen Tag lang mit den Kollegen etwas Gutes tun ist eine tolle Teambuilding-Maßnahme, erweitert den Horizont und bringt Abwechslung in den Arbeitsalltag. Wenn du auch beim Social Day teilnehmen willst, kannst du dich an die zuständige Stelle deines Arbeitgebers werden. Finanziert wird die Teilnahme der Mitarbeitenden in der Regel durch das Unternehmen. Hier findest du alle Infos rund um den nächsten Malteser Social Day.


VERWANDTE ARTIKEL

Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung

Krisenintervention

Bewerte diesen Artikel

 
 
 
 
 
 
2
1
5
5