Das Denkma(h)l: zwischen Engagement und Sterneküche

Das Denkma(h)l in Hamm ist kein normales Restaurant. Die Lehr- und Trainingsgastronomie unterstützt junge Menschen mit verschiedenen psychischen und psychiatrischen Erkrankungen in schwierigen Lebensphasen und leistet nebenbei noch großartige kulinarische Arbeit. Gar nicht so einfach, alles unter einen Hut zu bringen.

Insgesamt arbeiten rund 27 Menschen im Denkma(h)l. Ein Großteil davon nehmen an diesen Lebensunterstützenden Maßnahmen teil. Ein achtköpfiges Team aus hauptamtlichen Mitarbeitern bildet das Kernteam. Einer von ihnen ist Küchenchef Alexander. Für ihn ist die Arbeit im Denkma(h)l viel mehr als nur ein Job. Für ihn ist das Restaurant der Mittelpunkt seines Lebens, seine Heimat. Warum? Das erfährst du hier.

Darum geht's:


Alexander und das Denkma(h)l: mehr als nur ein Koch im Restaurant

Das Denkma(h)l pflegt eine besondere Willkommenskultur und lebt das Gastgeber-Dasein in vollen Zügen. Da sind sich alle Kollegen schnell einig. Aber was die soziale Lehr- und Trainingsgastronomie von anderen Restaurants eigentlich unterscheidet, ist wirklich besonders. So sorgen neben Alexander und seinen sieben Kollegen und Kolleginnen zahlreiche weitere junge Menschen im Alter von 15 bis 28 Jahren dafür, dass sich jeder Gast genussvoll den Bauch vollschlagen kann. Diese jungen Mitarbeiter leiden teilweise unter psychischen Erkrankungen. Depressionen, Ängste, Sucht und Essstörungen bestimmen ihren Alltag. Andere befinden sich in sogenannten „multiplen Problemlagen”, wie es die Bundesagentur für Arbeit umschreibt. Sie leiden unter Einsamkeit, haben kein soziales Netzwerk oder hängen seit Generationen im Hartz-IV-System fest.

Die Mitarbeiter im Denkma(h)l

Für die Restaurantgröße hat das Denkma(h)l vergleichsweise viele Mitarbeiter. Das liegt natürlich an der Sonderfunktion als soziale Einrichtung. Neben Alexander als Küchenchef arbeiten ein Koch und eine Köchin sowie eine Hotelfachfrau, eine Restaurantfachfrau, ein Restaurantfachmann, eine Pädagogin und die Leitung im Denkma(h)l. Derzeit nehmen 19 junge Menschen an einer Maßnahme teil. Sie arbeiten sowohl in der Küche als auch im Service.

Das Team im Denkma(h)l © Malteser Werke/Dirk Moll

Alexander liebt es im Denkma(h)l. In seinem Leben steht das Restaurant an erster Stelle. Und das aus mehrerlei Hinsicht. Als Koch hat er seine Berufung gefunden und darf seine kulinarische Leidenschaft jeden Tag aufs Neue ausleben. Im Denkma(h)l hat er außerdem die Möglichkeit, sich für Benachteiligte zu engagieren, seine Begeisterung mit ihnen zu teilen und sie auf diese Weise auf ihr berufliches Leben vorzubereiten. Genau wie seine Kollegen hat er bewusst die Entscheidung getroffen, mit den jungen Menschen zusammenzuarbeiten und sich in einem gemischten Team aus Gastronomen und Pädagogen für eine Verbesserung der Lebensumstände eben jener einzusetzen.

Portraitfoto Alexander Hoppe
Alexander, Küchenchef im Denkma(h)l © Malteser Werke/Dirk Moll

Im Küchenteam schart Alexander rund sieben Teilnehmer um sich. Jeder, der schon mal einen Blick hinter die Kulissen in eine Restaurantküche geworfen hat, weiß, hier geht es hektisch zu. Anspannung. Aufgeheizte Stimmung. Das liegt dann weniger an den heißen Herdplatten, sondern vielmehr an den vielen Aufgaben, die zu koordinieren sind. Rauer Ton, Mobbing und Schikane: In vielen Küchen ist das keine Seltenheit. Im Denkma(h)l geht es anders zu. Zwar wird es auch hier ab und zu mal hektisch, für Alexander ist das aber kein Grund für Panikmache. „Wenn ich hektisch werden würde, dann würden alle hektisch werden. Ich kann nicht von anderen etwas erwarten, was ich nicht selber vorlebe.“


Ich erlebe jeden Tag, wie die Teilnehmer an ihren Aufgaben wachsen. Und zwar jeder auf seine Weise und in seinem Tempo.

Alexander, Küchenchef im Denkma(h)l


Zusammen erfolgreich: Teamwork ist alles

Alexanders Haltung ist ein Grund, warum das Denkma(h)l so gut läuft. Flache Hierarchien, ein respektvoller Umgang, ein wertschätzendes Miteinander. Das sind Werte, die im Denkma(h)l gelebt werden. Es sind gerade diese Werte, die die Weichen für ein gutes Teamwork stellen und den zum Teil kranken Teilnehmern einen enormen Halt geben. Dabei lebt das Kernteam den jungen Teilnehmern immer vor, wie gute Zusammenarbeit funktioniert. Der junge Koch und seine Kollegen verstehen sich als Vorbild für die Teilnehmer und gehen sehr bedacht mit Meinungsverschiedenheiten, Konfliktsituationen oder Entscheidungsfindungen um: „Wir arbeiten alle für das gleiche Ziel. Das schweißt uns sehr eng zusammen, es ist sehr familiär.“ Und wer – Achtung, Wortwitz – is(s)t nicht lieber als bei der eigenen Familie?

Denkma(h)l: Köche in Gastronomieküche unterhalten sich bei der Arbeit
Teamwork in der Küche © Malteser Werke/Dirk Moll

Gruß aus der Küche

Du interessierst dich für das Essen im Denkma(h)l? Hier  findest du aktuelle Speisekarten und kannst dich vom guten Geschmack des Küchenchefs überzeugen lassen.

Gedeckter Tisch mit vollem Teller
Im Denkma(h)l wirst du sicherlich satt © Malteser Werke/Dirk Moll

Welche Perspektiven haben die Teilnehmer?

Familiärer Umgang, schön und gut. Aber was haben die Teilnehmer konkret von ihrer Arbeit im Denkma(h)l? Neben funktionierendem Teamwork lernt jeder Teilnehmer für sich eine Tagesstruktur zu erarbeiten. Was für viele von uns etwas Selbstverständliches ist, kann Menschen mit „multiplen Problemlagen“ abhanden gekommen sein. Die tägliche Arbeit, ein eigenständiger Job, das Gefühl von „gebraucht werden“ – all das schafft Sinn für den Alltag, Sinn fürs Leben.

Im Denkma(h)l wird eben nicht nur gekocht. Es werden mit den Teilnehmern auch Grundfähigkeiten erarbeitet, die nicht unwesentlich sind für den beruflichen Alltag: Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Körperpflege, Belastbarkeit.

Dabei werden die Talente der Teilnehmer besonders berücksichtigt und gefördert. Jeder darf und soll das machen, was er gut kann. Was man nicht kann, soll keine Rolle spielen. Als Lehr- und Ausbildungsbetrieb bietet das Denkma(h)l außerdem berufliche Orientierung und schafft für die Teilnehmer eine Grundlage für ein eigenständiges Leben. Wirtschaftlich und sozial. Alexander ist dankbar, dass er ein Teil davon sein kann: „Ich bin gern im Denkma(h)l, weil ich junge Menschen auf ihrem Weg ins berufliche Leben begleiten kann. Jede bestandene Ausbildungsprüfung ist für mich ein Highlight.

Supporte das Denkma(h)l: Essen gehen und spenden

Fest steht, das Denkma(h)l ist ein guter Ort für junge Menschen in besonders schweren Lebenssituationen. Ob psychisch krank, vereinsamt oder finanziell in Not: Ihre Tätigkeit im Denkma(h)l kann die Weichen für ein eigenständiges Leben stellen. Die Teilnehmer erhalten besondere Unterstützung zur beruflichen Orientierung, um ihren eigenen Platz in der Gesellschaft zu finden. Du kannst das Denkma(h)l unterstützen, in dem du persönlich vorbeischaust  und den Gourmet in dir rauslässt, zu einer der kommenden Veranstaltungen gehst oder hier ganz bequem online spendest.


Titelbild: Alexander im Denkma(h)l © Malteser Werke/Dirk Moll

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