Bundesjugendlager der Malteser Jugend

Vom 30. Juli bis 06. August fand nach zweijähriger Corona-Pause endlich das 38. Bundesjugendlager der Malteser Jugend in Euskirchen bei Köln statt. Vor der malerischen Kulisse von Burg Satzvey schlugen rund 500 Kinder, Jugendliche sowie Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter ihre Zelte auf und verbrachten getreu dem Motto „Es war einmal – es wird einmal“ sieben märchenhafte Tage auf einem wunderschönen mittelalterlichen Lagerpatz in der Erzdiözese Köln. Was ein Lager dieser Größe an Vorbereitung benötigt und wie der Lager-Alltag sowie die Menü-Planung aussehen, haben uns Frank, Pia, Hannah, Martin und Christian erzählt.

Darum geht's:


Das Bundesjugendlager – ein Highlight für Groß und Klein

Das Bundesjugendlager der Malteser Jugend ist für alle immer etwas ganz Besonderes – für die Lager-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer, die Gruppenleitungen, Teamerinnen und Teamer sowie alle Helferinnen und Helfer, die zum Gelingen eines solchen Zeltlagers beitragen.

Das Lager findet jährlich in einer anderen Diözese beziehungsweise Region in Deutschland statt und besteht aus einem offenen Konzept, im Rahmen dessen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Programm selbst gestalten. In diesem Jahr war die Diözese Köln Ausrichter des Bundesjugendlagers und für das Motto und die Programmgestaltung zuständig. Fast 40 Gliederungen der Malteser reisten mit Sack und Pack aus ganz Deutschland nach Köln an und rund 35 Zelte wurden auf dem Lagerplatz vor Burg Satzvey aufgestellt, den ein kleiner Bach in zwei Zeltplätze trennt.

Jürgen Kunz war Teil der Lagerleitung und kennt die Lager der Malteser Jugend bestens: „Das ist mein 15. Bundesjugendlager. 2006 war mein erstes Lager, da war ich selbst noch Teilnehmer, 2007 war ich in Rheinbach das erste Mal Teamer und hatte dann so Bolle Spaß dran gehabt, dass ich bis heute geblieben bin. Das ist inzwischen 15 Jahre her“, berichtet er uns. Ein Lager dieser Größe erfordert besonders viel Organisation und Planung vorab – normalerweise fahren zwischen 700 und 800 Kinder und Jugendliche mit. Das war bedingt durch die Corona-Pandemie in diesem Jahr leider anders.
Wo das nächste Lager stattfindet, wird meist zwei bis drei Jahre im Vorfeld besprochen. Im Herbst finden dann erste Vorbereitungstreffen statt, bei denen unter anderem diskutiert wird, wer die Teamleitung übernimmt und was das Motto des nächsten Lagers ist.

Was muss beim Aufbau eines Zeltlagers dieser Größe beachtet werden?

Was notwendig ist, damit ein Zeltlager stattfinden kann, ist eigentlich nicht viel: „Der Platz muss nur eine bestimmte Größe haben – zwischen 5.000 m² und einem Hektar. Die Größe ist das Einzige, was der Lagerplatz mitbringen muss, da man Logistik wie Toiletten, Sanitäranlagen und Strom dazubuchen kann“, so Jürgen. „Man braucht nur Ab- und Zuwasser. Egal ob Fußballplatz oder Eventplatz, prinzipiell lässt sich das Lager überall ausrichten“, erklärt er weiter. Allgemein ist so: Je mehr der Platz an Logistik zur Verfügung hat, desto weniger ist an Vorbereitung und Planung notwendig. Die Sanitäranlagen machten zu Beginn des Lagers leider direkt Probleme, die aber schnell behoben wurden. So erzählt Pia, die Teil der Lagerleitung war: „Wir haben leider relativ kurzfristig erfahren, dass die Duschen, die uns über die Burg organisiert wurden, nicht angekommen sind und plötzlich standen wir da und hatten für 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nur zwei Duschen pro Geschlecht. Dann haben wir rumtelefoniert, um an Duschen zu kommen.“ Durch parallellaufende Zeltlager und Festivals war das eine ziemliche Herausforderung, aber Hilfe war schnell in Sicht: „Gott sei Dank haben uns die Kolleginnen und Kollegen vom THW Landesverband NRW geholfen und uns einen wunderbaren Dusch-Truck mit sechs Duschen hingestellt.“

Dass die Malteser Jugend krisenerprobt ist, haben bereits vergangene Lager gezeigt. Pia erinnert sich zum Beispiel an einen Rohrbruch in einem anderen Lager: „Es gab dann ein Klo-Shuttle, was in die nächste Gemeinde gefahren ist, damit sich die Leute nicht im Wald erleichtern mussten. Aber auch hier zeigte sich, dass die Malteser [Jugend] gut mit Krisen umgehen können und das Problem wurde schnell gelöst. Krisen können wir!“ Jürgen erinnert sich an ein Lager in Münster, wo es ein schlimmes Gewitter gab und die Lager-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer in eine Schulhalle evakuiert wurden. Ein ganzes Lager habe man aber, so Jürgen, noch nicht abgesagt.

Wie sah das Programm des diesjährigen Lagers aus?

Das Bundesjugendlager 2022 hielt angelehnt an das Motto „Es war einmal…es wird einmal“ – einer Verknüpfung von Märchen und Nachhaltigkeit – ein buntes und vielfältiges Programm bereit: Beim Programmpunkt #rheininsland erkundeten die Gruppen die Umgebung von Burg Satzvey. Der „Probier-was-neues-Tag“ beinhaltete unter anderem Workshops und Sport-Programme wie zum Beispiel Kick-Boxen und Yoga-Stunden. „Wir hatten aber auch eine Sozial-Aktion, bei der es einen Klima-Spaziergang zum Hambacher Forst gab, wo mit Klimaschützerinnen und -schützern sowie Kohlegegnerinnen und -gegnern Gespräche gesucht worden sind. Es wurden unter anderem auch Insekten-Hotels gebaut, es gab Großgruppenspiele, einen Ausflugstag und eine Nachtwanderung“, fasst Martin das Programm zusammen. Martin hat die Presse-Arbeit verantwortet und war Ansprechpartner für alle Fragen, die das Bundesjugendlager betrafen.

Was ist die Malteser Jugend?

Die Malteser Jugend ist die in Gruppen zusammengeschlossene Gemeinschaft von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Malteser Hilfsdienst e.V. Inzwischen gibt es rund 7.500 Mitglieder und bundesweit circa 450 Gruppen.

Ein zentraler Bestandteil neben dem Programm war das Lager-Leben, das jede und jeder insbesondere in der sogenannten (täglichen) „Zauberzeit“ – einem offenen Programmangebot am Nachmittag – nach Belieben für sich selbst gestalten konnte. Im diesjährigen Lager gab es dafür einen großen Marktplatz, wo sich alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen versammelten. Dazu zählten Buden, die zum Veranstaltungsgelände der Burg Satzvey gehören und genutzt werden durften. Eine Bude diente als Lager-Kiosk für Getränke und Süßigkeiten und eine andere Bude, die Taverne, bot die Möglichkeit, kleinere Dinge wie Polo-Shirts mit dem Motto des diesjährigen Lagers zu kaufen. „Ansonsten ist der Marktplatz ein Begegnungsplatz. Man kann sich treffen, was zusammen trinken oder einen Eis-Kaffee vom BJFK [Bundesjugendführungskreis] genießen“, beschreibt Jürgen die Angebote des Lager-Marktplatzes.

Sanitätsteam und Zeltlager unter Corona-Bedingungen

Auch wenn das Bundesjugendlager den Charme von Normalität versprühte, war das Coronavirus dennoch spürbar und für alle präsent. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer reisten mit einem tagesaktuellen Test an und Gäste wurden darüber hinaus vor Ort getestet. Außerdem wurden alle im Lager anwesenden Teilnehmerinnen und Teilnehmer während der Woche zusätzlich an zwei Tagen auf das Coronavirus getestet. Zum Glück hielt sich die Anzahl der positiv Getesteten in Grenzen. Dennoch gab es zwei Isolationszelte, in denen Corona-Positive von Kontaktgruppen separiert wurden und dort bis zu ihrer Abreise zum Beispiel getrennt von den anderen geschlafen oder gegessen haben. Dies diente der Sicherheit aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Für alle anderen Verletzungen gab es ein Sanitätsteam, „das sich um die Wehwehchen kümmert, um Insektenstiche und das Wohlbefinde, wenn es gesundheitlich mal nicht so passt“, erklärt Hannah die Aufgaben des Sanitätsteams, die im Lager die Service-Teamleitung übernommen hatte. Für sie war es bereits das 11. Bundesjugendlager.

Wer übernimmt welche Aufgabe im Lager?

Damit ein Lager dieser Größe überhaupt funktionieren kann, ist neben einer guten Organisation vorab ein eingespieltes Team besonders wichtig. Vorab werden unterschiedliche Funktionen und Aufgaben vergeben, die Hannah wie folgt erklärt:

Gruppenleitung

„Die Gruppenleiterinnen und -leiter passen auf die Kids auf, bringen sie abends ins Bett, sehen den Tag nach ihnen, gehen mit ihnen zur Essensausgabe, betreuen und beaufsichtigen sie.“

Lagerleitung

„Die 4-köpfige Lagerleitung – bestehend aus ehren- und hauptamtlichen Helferinnen und Helfern – ist die Gesamtleitung des Lagers und für die Organisation und Durchführung verantwortlich. Sie steht im engen Austausch mit den Teamerinnen und Teamern.“

Teamerinnen und Teamer 

„Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sind das Rückgrat und der größte Gewinn eines Bundeslagers. Es werden verschiedene Teams gebildet, die eigenverantwortlich ihren Bereich vorbereiten, gestalten und leiten.

Dabei gibt es zum Beispiel Teams, die vor allem für eine funktionierende Infrastruktur auf dem Platz und die Versorgung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zuständig sind. Die Teamerinnen und Teamer dieser Teams koordinieren beispielsweise, dass Toiletten zum Lagerplatz kommen, sie schauen, wo es Strom gibt und wo welches Zelt steht. Zudem wird von ihnen die Verpflegung geplant.

Das Sani-Team kümmert sich um kleine und große medizinische Notfälle. Andere Teams gestalten das Lager inhaltlich. Das Service-Team kümmern sich um das Ambiente und die Kleinigkeiten drumherum: den Kiosk, Snacks, Kaltgetränke und der BJFK macht Eiskaffee. Das abwechslungsreiche Programm wird wiederum vom Programm-Team geplant.“

Wie funktioniert die Verpflegung für rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer?

Im Lager selbst gibt es natürlich auch ein großes Küchen-Team, das die Teilnehmerinnen und -Teilnehmer kulinarisch beköstigt und für das Frühstück, Mittag- und Abendessen sorgt. Das Ganze funktioniert mithilfe einer Feldküche, die unter anderem bei großen Veranstaltungen zum Einsatz kommt und darauf ausgelegt ist, eine große Menge an Personen mit Mahlzeiten zu versorgen. Auch in Krisensituationen wie dem Hochwasser 2021 im Westen Deutschlands kamen übrigens Feldküchen der Malteser zum Einsatz, um Einsatzkräfte, Betroffene sowie Helferinnen und Helfer zu beköstigen.

Christian Löllgen ist gelernter Koch und hatte die Verantwortung für das diesjährige Küchen-Team des Bundesjugendlagers bei Euskirchen, das aus rund 25 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern bestand. Eine Stamm-Crew von drei bis fünf Leuten war dauerhaft im Lager und übernachtete auch vor Ort. Darüber hinaus gab es Ehrenamtliche, die für ein paar Tage in der Feldküche mithalfen.

Die steigenden Lebensmittelpreise machten auch vor dem Lager nicht Halt und stellten Christian vor große Herausforderungen. Doch trotz der steigenden Preise schaffte er es, ein tolles Menü zu einem akzeptablen Preis für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Beine zu stellen. Rund 5 Euro kostete die Verpflegung eines Teilnehmers oder einer Teilnehmerin pro Tag.

Auf die Frage, welches Menü besonders außergewöhnlich für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer war, antwortet er selbstsicher: „Ich glaube, hier ist jedes Gericht für die Kinder und Jugendlichen außergewöhnlich. Wir hatten ein Puten-Gyros mit Zaziki und Couscous. Wir hatten Grünkern-Bolognese mit Bio-Spaghetti sowie Gemüse-Frikadellen mit Gemüse und Salzkartoffeln.“ Essen von der Stange gab es hier also nicht. Das gefiel auch den Kindern und Jugendlichen, die Christians Grünkern-Bolognese an einem Abend mit Standing-Ovations würdigten.

Mengen im Überblick

Für 500 Personen wurden für einen Tag rund 120 Kg Kartoffeln und 110 Kg Mischgemüse benötigt. Allein für ein Frühstück wurden 600 Brötchen gebraucht – das sind knapp 4.000 Brötchen für die gesamte Zeit im Lager. Zudem wurden insgesamt 600 Kg Wurstaufschnitt und 80 bis 100 Kg Käse verzehrt.

Damit auch für jede und jeden etwas dabei ist, hatte sich Christian vorab einen ausgeklügelten Menüplan einfallen lassen, der unter anderem drei vegane Mittagessen beinhaltete und zudem auf Unverträglichkeiten Rücksicht nahm. Für manche wurde sogar extra gekocht. Das ist jedoch die Ausnahme. Christian erläutert dazu: „Wir versuchen im Speiseplan direkt von Anfang an so wenig wie möglich Allergene einzubauen. Das ist für alle einfacher. Ansonsten müssten wir 120 Kinder einzeln verpflegen, das ist nicht leistbar. Wir haben uns für Menüs entschieden, die außergewöhnlicher sind, aber gleichzeitig auch nach Möglichkeit frei von Allergenen sind.“

Außergewöhnlich war für Hannah auch der Abendsnack am Montag in der Jurte, der außerhalb der Menü-Planung des Küchen-Teams von den Teamerinnen und Teamern geplant und organisiert wurde: Angepasst an die Region des diesjährigen Bundesjugendlagers gab es einen Rheinischen Abend, mit Getränken aus dem Rheinland sowie klassischen „Rievkooche“ – also kleine in Öl gebratene Kartoffelpuffer.

So außergewöhnlich wie das Menü von Christian und seinem Team, war auch die Stimmung im Lager der Malteser Jugend: Die Freude über das Wiedersehen war allen anzumerken und es war ein harmonisches Miteinander. Jede beziehungsweise jeder hat angepackt und dazu beigetragen, dass das Lager mit einer guten Mischung aus Freizeit und Programm ein voller Erfolg war! Und genau das ist ausschließlich dank der vielen engagierten Helferinnen und Helfer möglich, denen nur eins wichtig ist: „[...] dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Ende nach Hause fahren und eine Menge Spaß hatten“, so Jürgen, der sich gerne an die Zeit zurückerinnert, als er selbst noch Lager-Teilnehmer war.


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