Bike Bridge: Fahrradprojekt fördert Integration geflüchteter Frauen

Durch Fahrradfahren Brücken bauen: Das Freiburger Projekt Bike Bridge bringt Bewegung in die Integration geflüchteter, junger Frauen. Die Non-Profit-Organisation veranstaltet Fahrradkurse, organisiert Trainings und Fahrradtouren durch die Region. Die Teilnehmerinnen werden mobil, lernen die Umgebung und ihre Menschen kennen. Zusammen auf’s Rad steigen - das verbindet!

Darum geht's:


„Fahrradfahren ohne Angst“ – dieser Traum erfüllt sich in Freiburg

Fahrrad fahren. Was für uns selbstverständlich ist, haben die meisten geflüchteten Mädchen und Frauen in ihrer alten (meist islamischen) Heimat nie gelernt. Entweder der Staat und die Gesetze oder die Kultur und die Gesellschaft verhinderten es. Mit dem Fahrrad in der Öffentlichkeit überall hinfahren zu können, ist für die in Deutschland angekommenen Frauen also etwas ganz Besonderes. In der Fahrradstadt Freiburg können sie sich frei fühlen. Und frei bewegen. Bisher fehlten geeignete Sport- und Freizeitangebote für geflüchtete Frauen in Freiburg. Dank der radelnden Initiative, schöpfen die Mädels in ihrer neuen Heimat Mut.

Fahrradstadt Freiburg

Die umweltfreundliche und fahrradbegeisterte Stadt in Baden-Württemberg gilt als Paradies für Radler, das Fahrrad ist dort das wichtigste Verkehrsmittel. Mehr als ein Drittel der Wege, die die Freiburger im Alltag zurücklegen, bewältigen sie mit dem Fahrrad. Das Netz an Radwegen umfasst mehr als 400 Kilometer.

Bike Bridge: Gruppe junger Leute fährt mit dem Rad durch den Park
Fahrradfahren in der Gruppe macht richtig Spaß.

Weibliche Flüchtlinge

Nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) haben zwischen 2012 und 2016 mehr als 500.000 Mädchen und Frauen in Deutschland Schutz gesucht. Die meisten von ihnen kommen aus Syrien, Afghanistan, Iran und Irak. Mehr Informationen darüber findest du hier.

Bike Bridge verbindet – was steckt dahinter?

  • Die Zuwanderung stellt eine große Herausforderung für alle dar – nicht nur für Politiker und die Einheimischen in den Orten, in denen geflüchtete Menschen Zuflucht finden. Wie kann gelungene Integration aussehen? Das Projekt Bike Bridge zeigt auf lokaler Ebene, wie Fahrradfahren Menschen verbindet.

  • Die Initiatoren von Bike Bridge möchten die Neu-Freiburgerinnen in ihrer Stadt willkommen heißen und ihnen die Integration erleichtern. Sie organisieren dafür Fahrradkurse, gemeinsame Ausflüge und Reparaturworkshops für Mädchen und Frauen. Zehn Teilnehmerinnen üben zusammen mit ebenso vielen Trainerinnen zwei Monate lang zweimal pro Woche, jede der Geflüchteten hat ihre Vertrauensperson und Ansprechpartnerin. Die Trainerinnen werden zuvor in speziellen Workshops mit den kulturellen Gegebenheiten in den Herkunftsländern der Teilnehmerinnen vertraut gemacht. Alles läuft ehrenamtlich und finanziert sich über Spenden.

  • „Wir fördern den interkulturellen Austausch durch Sport!“ So lautet das Motto der Organisation. Shahrzad Mohammadi, Lena Pawelke und Clara Speidel bilden das Kernteam von Bike Bridge. Die studierten Sportwissenschaftlerinnen haben das Konzept für Bike Bridge entwickelt und das Projekt Anfang 2016 gestartet, die zündende Idee kam von Shahrzad Mohammadi. Sie kam 2010 mit einem Studentenvisum nach Deutschland, derzeit schreibt sie ihre Doktorarbeit an der Universität Freiburg.

Die Fahrradkurse: Der Spaß steht im Vordergrund

Die Teilnehmerinnen am Bike-Bridge-Projekt mussten häufig alles zurücklassen, haben Dramatisches erlebt und große Hürden überwunden. Das Fahrradfahren soll sie in ihrer neuen Heimat unabhängiger machen. Mit dem Rad können sie die Umgebung erkunden und sich mit anderen Geflüchteten und Einheimischen austauschen. Der möglichst vielfältige Kontakt mit Menschen soll die Integration der Mädchen und Frauen fördern und sie mit deutschen Sitten und Gebräuchen bekannt machen.

Wie sieht ein Fahrradkurs bei Bike Bridge aus? Der Spaß steht im Vordergrund. „Gemeinsam wird geübt, gelacht und geradelt“, erzählt eine der Trainerinnen. Sport und gute Laune, das gehört bei Bike Bridge untrennbar zusammen! Die Kurse beginnen mit Gruppenübungen für Koordination und Gleichgewicht, im Anschluss stehen die Verkehrsregeln auf dem Plan. Für die meisten Teilnehmerinnen absolutes Neuland. Damit sich die jungen Frauen später sicher im Straßenverkehr bewegen können, müssen sie Regeln wie „rechts vor links“ verinnerlicht haben.

Danach folgen praktische Übungen mit dem Fahrrad. Zunächst in einem Park, später auf einem Verkehrsübungsplatz. Die Teilnehmerinnen lernen Begriffe wie „Sattel“, „Dynamo“, „Lenker“ und „Pedale“ – Kommunikation und Sprache sind genauso wichtig wie Kurven fahren und Abbiegen mit Handzeichen.

Sitzen alle sicher auf dem Sattel, geht es mit Reparaturworkshops und Ausflügen weiter. Die gemeinsamen Unternehmungen im Anschluss an die Kurse verstärken das Gemeinschaftsgefühl. „Es sind schon viele Freundschaften entstanden“, berichtet eine Trainerin. Gegen eine geringe Gebühr können die Kursteilnehmerinnen das ihnen vertraute Fahrrad erwerben, die Einnahmen fließen ins Projekt.

Hier noch einmal die Ziele des Bike-Bridge-Projekts auf einen Blick:

  • Selbstvertrauen der Teilnehmerinnen stärken
  • Fahrradfahren ermöglichen (Bike Bridge verleiht Fahrrad, Helm und Schloss)
  • Mobilität erhöhen, Selbstständigkeit fördern
  • Sprachkenntnisse spielerisch verbessern, gelerntes Vokabular im Dialog anwenden
  • Über die Kurse hinaus die Entstehung von Freundschaften fördern
Bike Bridge: junge Frau repariert den Reifen eines Fahrrads
Richtig “Fahrrad flicken” muss gelernt sein

Fahrradfahren bedeutet für uns: Spaß, Sport, Glück, Freiheit, Freude und Unabhängigkeit!


Einfach mitmachen: so geht’s

Helfer gesucht! Die Nachfrage nach dem Projekt ist groß, es gibt bereits eine Warteliste für Teilnehmerinnen. Das 50-köpfige Bike-Bridge-Team braucht daher deine Unterstützung, um weitere Kurse in Freiburg und Umgebung anbieten zu können – und freut sich natürlich über Spenden: Gebrauchte Damenräder, Helme und Fahrradzubehör werden dringend benötigt. Interesse geweckt? Auf bikebridge.org kannst du dich mit den Organisatorinnen in Verbindung setzen und mehr über das Projekt und die Mitmachmöglichkeiten erfahren. Tritt in die Pedale und schau auf der Seite vorbei!

Ausgezeichnet

Im Sommer 2017 sind Shahrzad Mohammadi, Lena Pawelke und Clara Speidel im Rahmen des „startsocial“-Wettbewerbs von Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihr Engagement prämiert worden. Mit dem Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro wollen sie weitere Fahrräder für ihr Projekt Bike Bridge anschaffen, um noch mehr Mädchen und Frauen zu Mobilität auf zwei Rädern zu verhelfen.

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