Glauben und in Spiritualität: Halt, Hoffnung und Gemeinschaft
Gibt es etwas Größeres, das uns durch das Leben leitet und schützt? Viele Menschen würden sagen: Ja! Der Glaube an eine höhere Kraft kann vor allem in schwierigen Zeiten Halt und Hoffnung schenken. Wir geben Ihnen einige Tipps, wie Sie Ihren Glauben und Ihre Spiritualität stärken oder Zugang dazu finden.
Glaube als stärkende Ressource
Es muss nicht immer ein einschneidendes Erlebnis sein, das eine Sehnsucht nach dem Glauben in uns weckt Es kann auch der letzte Lebensabschnitt sein, der uns zur Auseinandersetzung mit dem Tod bewegt. Der Glaube und das Vertrauen in etwas Größeres, das wir nicht unbedingt greifen können, kann in vielerlei Hinsicht hilfreich und stärkend sein. Doch was ist, wenn das Vertrauen in diese größere Macht im Laufe des Lebens erschüttert wurde oder nie so richtig da war? Und trotzdem spüren Sie tief in Ihrem Inneren eine Sehnsucht danach. Das muss kein Widerspruch sein, sondern ist vielmehr eine Bestätigung dafür, dass wir Menschen gerade in schwierigen Lebensphasen intuitiv nach etwas suchen, das uns Halt gibt.
Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Menschen, die an ein Leben nach dem Tod glauben, ihre eigene Sterblichkeit als weniger bedrohlich wahrnehmen. Ein weiteres Ergebnis ist: Wer an Zufall, Schicksal oder eine höhere Macht glaubt, kommt langfristig mit dem Verlust des Partners oder der Partnerin besser zurecht. Doch wie können Sie an Ihren Glauben anknüpfen oder überhaupt einen Zugang dazu finden? „Es ist nie zu spät“, sagt Dörte Schrömges, Referentin Malteser Pastoral in Nordrhein-Westfalen. „Wenn sich jemand für den Glauben interessiert und eine Sehnsucht danach spürt, dann ist diese Sehnsucht an sich schon mal kostbar“.
Es gibt kein Patentrezept oder Regeln dafür, wie Sie sich Ihrem Glauben annähern. Sie müssen sich weder besonders demütig geben noch auf eine bestimmte Art beten. Glaube bedarf keiner Leistung, sagt Dörte Schrömges: „Für meinen Glauben muss ich erst mal gar nichts leisten, sondern ich empfange ihn einfach als Geschenk. Dafür muss ich nichts tun, dafür muss ich nicht toll sein, sondern das bekomme ich einfach so und das bewirkt etwas bei mir.“
Was bedeutet eigentlich Spiritualität?
Das Wort an sich hat zwei Bedeutungen: Im Lateinischen steht es für „Geist“ und im Griechischen bedeutet es: „Ich atme“. Letztlich gibt es viele Interpretationsmöglichkeiten. Für die einen bedeutet Spiritualität die Beziehung zu Gott, für andere die Erfahrung des Heiligen, des Geheimnisvollen oder einfach das Gefühl, Teil eines größeren Ganzen zu sein. Wieder andere spüren Spiritualität in Natur, Musik, Zuwendung oder in der Stille. Spiritualität findet sich in alten religiösen Ritualen, aber auch in völlig neuen, ganz persönlichen Formen. Sie entscheiden selbst, was Spiritualität für Sie bedeutet und welche Form des Glaubens Ihnen persönlich hilft.
Kleine Rituale stärken den Glauben
Jede Religion und jede Glaubensrichtung lebt von Ritualen. Auch hier gibt es kein richtig oder falsch. Sie dürfen das tun, was Ihnen guttut und im Rahmen Ihrer Möglichkeiten liegt. Als Inspiration stellen wir Ihnen einige leicht umsetzbare Rituale vor. Fühlen Sie sich frei, diese miteinander zu kombinieren oder nach Ihren Vorstellungen anzupassen.
Eine Kerze anzünden
Sie können dabei an liebe Menschen denken, egal ob diese direkt nebenan leben, weit weg oder schon verstorben sind. Schicken Sie diesen Menschen in Gedanken ein Licht. Beim Auspusten der Kerze können Sie einen Wunsch für sich oder Ihre Liebsten äußern.
Dankbarkeit äußern
Eine Harvard-Studie aus dem Jahr 2024 hat gezeigt, dass regelmäßige Dankbarkeits-Rituale das allgemeine Wohlbefinden verbessern können. Und das Beste daran ist: Es ist ganz leicht. Folgende Fragen helfen Ihnen dabei, Dankbarkeit zu praktizieren:
- Was ist mir heute Gutes passiert?
- Was nehme ich als selbstverständlich wahr, für das ich dankbar sein kann?
- Welchen Menschen bin ich dankbar?
- Was ist das Netteste, das jemand kürzlich gesagt oder getan hat?
Nehmen Sie sich morgens oder abends einen Moment Zeit und spüren Sie Dankbarkeit. Sie können diese Momente auch in einem Dankbarkeitstagebuch aufschreiben.
Achtsamkeit spüren
Wie geht es Ihnen jetzt gerade in diesem Moment? Was fühlen Sie in Ihrem Körper? Nehmen Sie achtsam wahr, was jetzt gerade ist und bewerten Sie nicht. Viel zu oft schränken sich Menschen durch Bewertungen oder das Streben, alles perfekt machen zu müssen, ein. Achtsamkeit stärkt das Bewusstsein für das Hier und Jetzt und dies wiederum kann Ihnen dabei helfen, einen Zugang zum Glauben zu finden.
Suchen Sie immer wieder nach Momenten, in denen Sie innehalten und einfach nur wahrnehmen, was gerade ist, ohne zu bewerten. Ob Sie gerade Gemüse schälen, an der Supermarktkasse anstehen, mit Ihren Enkelkindern spielen, Zeitung lesen oder spazieren gehen. Je öfter Sie kurz innehalten, umso leichter fällt es Ihnen, achtsam durchs Leben zu gehen.
Sich erinnern
Wie war es eigentlich damals? Die Erinnerung daran, wie Sie Ihren Glauben früher praktiziert haben, kann Ihnen helfen, heute wieder daran anzuknüpfen. Gab es Rituale, die Sie früher durchgeführt haben? Gab es stärkende Sätze oder Gebete, die Sie sich immer wieder gesagt haben? Was davon könnten Sie heute wieder aufnehmen?
Beten
Das Gebet ist das Ritual, welches die meisten Menschen mit Glaube und Religion verbinden. Auch dafür gibt es keine Regeln oder bestimmte Texte, die Sie aufsagen müssen. Beten funktioniert sogar ohne konkreten Glauben. „Beten heißt: Kontakt aufnehmen“, sagt Dörte Schrömges. „Es geht darum, eine Beziehung aufzunehmen, die ich gestalten kann, bei der ich nicht bedrängt werde. Es können schon fünf Minuten am Tag ausreichen, um eine Beziehung zu Gott aufzubauen“.
Beten kann außerdem dabei helfen, das Verbundenheitsgefühl zu stärken: „Beim Beten kann ich mich gedanklich mit all den Menschen zusammentun, die ebenfalls beten oder denen es auch schlecht geht. Und wenn ich mit den anderen verbunden bin, dann bin ich gar nicht mehr so allein“.
Gemeinschaft finden
Religion wird durch die Gemeinschaft lebendig, wenn Menschen gemeinsam an etwas glauben. Darum gibt es in allen Religionen Glaubenshäuser, in denen die Menschen sich treffen. Und genau dort ist der Zugang zum Glauben oft leichter, weil er greifbarer wird. „Ich empfehle, einfach mal in die Kirche zu gehen“, sagt Dörte Schrömges. „Setzen Sie sich dort hin und machen Sie gar nichts, nur sitzen. Hören Sie nach innen und haben Sie einfach Vertrauen“.
Viele Gemeinden bieten Zusammenkünfte auch außerhalb von Gottesdiensten und Messen an. Es gibt Bibelkreise, in denen Sie sich gemeinsam den Texten widmen und deren Sinn ergründen können. „Die Bibel ist manchmal etwas sperrig“, so Dörte Schrömges. „Darum ist es in der Regel erhellender, wenn ich mit anderen Menschen lese – zum Beispiel mit der Familie, mit Nachbarn oder in der Kirchengemeinde“.
Für diejenigen, die wenig mobil sind, gibt es zahlreiche Begleitungsdienste zum Beispiel der Malteser. Auch der Fahrdienst unterstützen Sie auf ihrem Weg zu Gruppentreffen oder Gottesdiensten und es gibt Wallfahren, wie sie die Malteser regelmäßig speziell für Menschen mit Behinderung und / oder Beeinträchtigung organisieren. „Die Gemeinschaft ist wichtig“, sagt Dörte Schrömges. „Denn woher haben wir unseren Glauben? Wir glauben uns gegenseitig das, was wir erlebt haben, und das geben wir einander weiter. Wenn ich eine Frage habe oder Zweifel, dann ist es nicht gut, das herunterzuschlucken. Das wissen wir alle! Das macht Bauchschmerzen. Darum ist es wichtig, darüber zu sprechen und deshalb würde ich auch sagen, ist die Gemeinschaft wichtig“.