Einsatz bei der Freiwilligen Feuerwehr

Überflutete Keller, umgestürzte Bäume oder der Klassiker: die Katze sitzt in der Baumkrone fest. Jetzt ist die Feuerwehr gefragt. In Deutschland sind wir sehr gut ausgestattet, was Helfer in den roten Einsatzfahrzeugen betrifft. Die wenigsten gehören der Berufsfeuerwehr an, rund 95% aller Feuerwehrleute bei uns sind ehrenamtliche Helfer. Sebastian Schwebe ist einer von ihnen. Normalerweise arbeitet er als Bürokaufmann am Flughafen Hamburg im Einkauf. Doch ab und zu lässt er bei der Arbeit alles stehen und liegen und eilt zu einem Einsatz, wenn seine Wache im Stadtteil Eidelstedt ihn ruft. Wir haben mit ihm über sein Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr, über Teamwork und Brandschutz gesprochen.

Darum geht’s:

 


Von der Jugendfeuerwehr zum Chef des Teams

Sebastian ist 15 Jahre alt, als er bei der Jugendfeuerwehr in Hamburg-Eidelstedt Mitglied wird. Ein Schulfreund hatte ihn damals auf die Idee gebracht: „Wir haben nach einem gemeinsamen Hobby gesucht. Bei einer Veranstaltung hier in Eidelstedt war auch die Freiwillige Feuerwehr dabei. Wir sind hingegangen und haben uns zum ersten Dienst angemeldet.“ Sebastians Kumpel merkt nach diesem ersten Dienst, dass die Feuerwehr doch nichts für ihn ist. Sebastian aber ist im wahrsten Sinne des Wortes Feuer und Flamme: „Es hat mir sofort Spaß gemacht. Man weiß nie, was auf einen zukommt, das ist eine spannende Geschichte. Es macht Spaß, zu helfen und im Stadtteil präsent zu sein“, schwärmt er.

Nach drei Jahren in der Jugendfeuerwehr wechselt er in die sogenannte Einsatzabteilung. Das ist der normale Ablauf, wenn ein junges Feuerwehrmitglied volljährig wird. Inzwischen ist Sebastian schon acht Jahren als Freiwilliger Feuerwehrmann unterwegs. Vor ein paar Monaten hat er die Position des Wehrführers übernommen. Damit ist er jetzt so etwas wie der Chef des Teams. Die Mannschaft hat ihn für diesen Posten gewählt. Als Wehrführer ist Sebastian für die Abläufe in der Wache verantwortlich und kümmert sich unter anderem um die Dienstpläne. Auch bei den Einsätzen trägt er die Hauptverantwortung. Und weil es eine ganz schön große Verantwortung ist, besucht er innerhalb von zwei Jahren fünf Wochen lang Lehrgänge. Dafür, und für die Feuerwehreinsätze, stellt sein Chef ihn frei. „Da sind wir auf unsere Arbeitgeber angewiesen, dass die mitspielen“, erklärt Sebastian. „Auch wenn die Kosten erstattet werden, dann fehlt die Arbeitskraft. Gerade bei kleinen Unternehmen kann das schwierig sein“. Doch Sebastians und viele andere Arbeitgeber haben Verständnis und unterstützen damit die Tätigkeiten der Freiwilligen Feuerwehr.

Junger Feuerwehrmann steht vor dem Feuerwehrauto
Freiwilliger Feuerwehrmann Sebastian Schwebe ist inzwischen Wehrführer seiner Wache in Hamburg-Eidelstedt. © Freiwillige Feuerwehr Hamburg-Eidelstedt

Die Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr

Besonders bei Unwetter sind die Ehrenamtlichen gefragt. Sie unterstützen die Berufsfeuerwehr mit technischer Hilfeleistung wie überflutete Keller auspumpen oder Straßen und Dächer von umgeknickten Bäumen befreien. Bei Verkehrsunfällen retten sie Verletzte und das klassische Feuerlöschen gehört natürlich auch dazu.

Spaß und Kameradschaft sind das wichtigste

Teamwork ist gefragt bei der Freiwilligen Feuerwehr. Darum steht ein gutes Miteinander im Mittelpunkt. Für Sebastian ist das, neben dem Spaß, besonders wichtig: „Es gibt zwar auch mal Reibereien, wenn man zwei bis drei Abende in der Woche zusammenhockt. Da fragt man sich schon: Warum mache ich das? Das ist doch meine Freizeit. Aber dann setzt man sich zusammen, redet drüber und merkt, es macht ja doch allen Spaß. Bisher bin ich immer zu dem Schluss gekommen, dass ich das machen möchte.“ Als Bürokaufmann gehört er zu den Ausnahmen. Die meisten Freiwilligen kommen aus dem Handwerk. Hier wird eben viel mit großen Geräten und Technik gearbeitet. Es muss aber auch viel organisiert und Papierkram erledigt werden, da ist so ein Beruf wie Sebastians von Vorteil: „Für jeden ist was dabei. Auch in unserer Wache brauchen wir immer jemanden, wie einen Elektriker. Das ist das Schöne, wenn man Fachleute in der Mannschaft hat.“ Dieses besondere Ehrenamt, die Einsätze, die Vorbildfunktion – das alles schweißt zusammen. „Wir machen viel gemeinsam. Vor allem ist es was ganz anderes, als das, was man sonst so macht. Das ist eine gute Abwechslung zum Beruf“, erzählt Sebastian.

Feuerwehrmänner entfernen das Dach eines Autos
Zum Glück nur eine Übung. Freiwillige Feuerwehrleute proben den Einsatz für einen Verkehrsunfall. © Freiwillige Feuerwehr Hamburg-Eidelstedt

Langeweile gibt es nicht

Manche Einsätze laufen ganz anders ab als gedacht. „Man muss auf alles gefasst sein“, erklärt Sebastian. „Man kann sich nicht immer darauf verlassen, was gemeldet wird. Zum Beispiel hieß es mal bei einem Einsatz, da soll ein Mülltonne brennen. Und dann hieß es plötzlich, dass eine ganze Lagerhalle brennt. Eine ganze Lagerhalle ist schon eine große Nummer.“ Es gibt aber auch diese glücklichen Momente, wenn ein Einsatz glimpflich abläuft, wie einige der Verkehrsunfälle, zu denen Sebastian gerufen wurde: „Man ist froh, wenn nichts Schlimmes passiert. Und es ist schön, wenn wir Leuten helfen können“.

Nicht nur bei Bränden, sondern auch bei Unwetter ist die Feuerwehr sehr gefragt. Die Ehrenamtler unterstützen die Berufsfeuerwehren vor allem mit technischen Hilfeleistungen. Umgestürzte Bäume werden weggeräumt und vollgelaufene Keller ausgepumpt. Dabei wird nicht nur gearbeitet, sondern auch beruhigt und getröstet, erklärt Sebastian: „Die meisten Leute sind bei Unwetter hilflos, überfordert und haben Angst, weil das Wasser nicht weniger wird. Dann reden wir mit ihnen und klären sie auf, dann geht es ihnen besser.“ Auch ohne Einsätze ist viel los auf der Wache. Ob Osterfeuer, Stadtteilfest, Kinderfest oder Sportveranstaltungen, die Freiwillige Feuerwehr ist mit dabei. Wenn im Winter auf den Straßen in Eidelstedt weniger gefeiert wird, dann werden Einsätze geprobt und die Theorie aufgefrischt. Schließlich sollen die Feuerwehrleute nicht aus der Übung kommen.

Frauen bei der Freiwilligen Feuerwehr

Die Frauen rücken nach. Noch sind es mehr Männer in den Feuerwachen, aber die Jugendfeuerwehr wird bei Mädchen immer beliebter. In Hamburg-Eidelstedt ist das Geschlechterverhältnis bei den Jugendlichen fast ausgewogen. In den kommenden Jahren werden also mehr und mehr Frauen in der Freiwilligen Feuerwehr vertreten sein.

So verhältst du dich am besten bei einem Brand

Am häufigsten werden Sebastian und seine Kollegen zu Einsätzen gerufen, weil jemand sein Essen auf dem Herd vergisst und aus der Wohnung geht. Im Sommer passiert das meiste beim Grillen, wenn der Grill zum Beispiel zu nahe an trockenen Sträuchern oder Hecken steht. Trockenes Laub oder Äste fangen sehr schnell Feuer. Und zu Weihnachten sind es die Adventskränze und Weihnachtsbäume, die in Flammen aufgehen können. Sebastian rät, immer einen Eimer Wasser oder einen Feuerlöscher neben dem Grill oder dem Weihnachtsbaum aufzustellen. „Gerade diese kleinen Entstehungsbrände kann man ganz gut selbst eindämmen. Wenn aber die Hecke oder der Weihnachtsbaum erstmal richtig brennen, dann müssen wir ran.“ In Hamburg hat die Feuerwehr acht Minuten Zeit, um vor Ort zu sein. „Wir versuchen natürlich schneller zu sein, aber es kommt auch immer auf den Verkehr an“, erklärt Sebastian. Damit die Brandstelle so schnell wie möglich erreicht, kannst du es den Helfern leichter machen. Öffne schon vorher alle möglichen Türen und Tore wie Einfahrten, Gärten oder Garagen, Haustür oder Terrassentür. So sparst du den Helfern wertvolle Zeit. Damit die Feuerwehr nicht lange suchen muss, hilft es, wenn sich jemand auf die Straße stellt und die Helfer einweist. Und das wichtigste ist, erklärt Sebastian, „sich selbst nicht zu gefährden.“

Glücklicherweise gibt es nicht jeden Tag Notrufe. Aber wenn nichts los ist, wird das dann nicht langweilig? Sebastian sieht es gelassen: „Wir sind froh, wenn keine Menschen zu Schaden kommen. Und es ist auch schön, wenn man die Nächte mal durchschlafen kann, weil nichts passiert. Wenn wir gebraucht werden, sind wir gerne da. Es ist aber auch nicht schlimm, wenn nichts ist.“

Die Freiwillige Feuerwehr in Daten, Zahlen, Fakten

Die Feuerwehr gehört zu den größten Gruppen, die sich in Deutschland ehrenamtlich engagieren. 95% sind freiwillige Feuerwehrleute. Sie sind Bäcker, Kaufleute, Lehrer oder Computerspezialisten und rücken immer dann aus, wenn sie gebraucht werden. Alle anderen Feuerwehrleute gehören zur Berufsfeuerwehr.

In Deutschland sind wir sehr gut ausgestattet mit Feuerwachen. In fast jedem Ort gibt es eine eigene. Auf 80 Bewohner kommt ein Mitglied der Feuerwehr. Dadurch sind sie schnell am Einsatzort. In ländlichen Regionen dauert es höchstens 15 Minuten, in Großstädten meistens sogar nur 10 Minuten, bis ein Team vor Ort ist und hilft.

Zwei Feuerwehrmänner löschen Brand
Mitglieder der Jugendfeuerwehr löschen einen Übungsbrand. © Freiwillige Feuerwehr Hamburg-Eidelstedt

So wirst du ein Freiwilliger bei der Feuerwehr

Jeder kann mitmachen, du brauchst keine besonderen Voraussetzungen zu erfüllen. Wenn du noch nicht 18 Jahre alt bist, geht es für dich erstmal zur Jugendfeuerwehr. Dort wirst du mit vielen Übungen und Aktivitäten auf die späteren Einsätze vorbereitet und lernst natürlich, wie du dich in gefährlichen Situationen am besten verhältst. Auf Veranstaltungen bist du Ansprechpartner für andere Jugendliche und Interessierte in deinem Viertel oder deinem Dorf. Mit deiner Volljährigkeit kommst du automatisch zur sogenannten Einsatzabteilung.

Das sind die wichtigsten Punkte, die du wissen musst, wenn zur Freiwilligen Feuerwehr willst:

  • Suche dir eine Wache in deiner Nähe aus. Fast alle Wachen haben eine eigene Homepage, da findest du alle Infos.
  • Hol dir von deinem Arzt eine Bescheinigung über die sogenannte Feuerwehrdiensttauglichkeit. Dafür musst du einen Sehtest und einen Lungenvolumentest machen. Das ist aber nichts Schwieriges.
  • Zusätzlich kannst du dir vom Arzt die sogenannte Atemschutztauglichkeit bescheinigen lassen, aber das ist kein Muss.
  • Nach einer Probezeit machst du eine Grundausbildung. Die findet meist einmal pro Woche abends oder am Wochenende statt. Dort lernst du alles über die Feuerwehr, wie du erste Hilfe leistest und mit den Gerätschaften umgehst.

 

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