Warnung vor Gefahren: Was bedeutet ein Sirenenalarm? 

Kennst du noch die Feueralarmprobe aus der Schule? Mitten im Unterricht klingelt die Pausenglocke und alle rennen raus. Seit 2020 wird in Deutschland wieder regelmäßig das Warnsystem mit Sirenen getestet. Wir geben dir einen Überblick, was es mit den Sirenen auf sich hat, welche Alarmtöne es gibt und was sie bedeuten.  

Darum geht's:


Wann ertönen Sirenen? 

Es gibt in Deutschland kein einheitliches Sirenenwarnsystem, das Bürgerinnen und Bürger vor Gefahrenlagen warnt. Im Katastrophenfall wie bei Hochwasser, Unwetter, Feuer, Explosionen oder Bombenfunden sind die Länder und Kommunen für die Warnung und den Schutz der Bevölkerung zuständig. Eines der Warnmittel sind Sirenen. Zu ihren Vorteilen gehört unter anderem, dass sie viel Aufmerksamkeit erregen und die Bürgerinnen und Bürger die Warnung erhalten, ohne selbst aktiv werden zu müssen (indem sie beispielsweise eine App herunterladen). Sirenen sind sehr laut und in einem größeren Umkreis hörbar. Auch nachts können sie Leute aufwecken und auf Gefahren aufmerksam machen. Darum spricht man bei Sirenen auch vom Weckeffekt.  

Wo sind sie zu hören? 

In Deutschland haben nur noch rund 30 Städte und Gemeinden ein funktionierendes Sirenenwarnnetz. Eine Übersicht von inoffizieller Stelle gibt es hier. Dazu gehören unter anderem Düsseldorf, Dresden, Hamburg, Karlsruhe, Bonn, Pforzheim, Wiesbaden, Krefeld, Mainz, Köln und Erlangen. Von den einstmals 80.000 Sirenen werden am bundesweiten Warntag 15.000 getestet. Sie befinden sich hauptsächlich auf den Dächern von öffentlichen Gebäuden wie Rathäusern, Schulen und Krankenhäusern. In welchen Fällen die Sirenen ertönen und welche Töne sie von sich geben, kann völlig unterschiedlich sein. 

In Hamburg ertönen die Sirenen nur bei Sturmflut, in anderen Orten nur bei Feuerwehreinsätzen und in Bayern unter anderem im Falle eines Atomreaktorunfalls. Ob und in welchen Fällen deine Stadt oder Gemeinde mit Sirenen warnt und welche Bedeutung die Warntöne haben, erfährst du auf der Webseite deiner Gemeinde oder du fragst in eurem Rathaus nach. Vielleicht hast du bei euch schon mal eine Testwarnung erlebt? Diese führen die Gemeinden und Städte übrigens auch unterschiedlich durch. In Dresden zum Beispiel werden die Systeme viermal im Jahr getestet, in Düsseldorf nur einmal im Jahr. Das ist alles sehr verwirrend und vermutlich fragst du dich: Warum ist das so? Dafür gibt es mehrere Gründe. 

Probealarm am bundesweiten Warntag 

Bis zur Wiedervereinigung 1990 gab es zwei getrennte Sirenenwarnnetze: eines im Westen Deutschlands und eines im Osten. Beide Netze wurden von der damaligen Bundesregierung in die Obhut der Kommunen übergeben. Diese konnten selbst entscheiden, ob sie die Sirenen behalten oder abschaffen.  

Außerdem hatte sich die politische Lage mit Ende des Kalten Krieges entspannt und in Friedenszeiten wollte man sich nicht mit Warnsirenen beschäftigen. Vor allem die älteren Generationen sind noch heute traumatisiert von den Sirenentönen der Fliegeralarme im 2. Weltkrieg. Außerdem gibt es inzwischen neue Kommunikationswege, über die man die Menschen warnen kann wie Radio, Fernsehen oder das Internet. 

Das Problem bei den Sirenen ist nämlich, dass der Warnton allein nicht viel oder gar nichts darüber aussagt, welche Gefahr besteht und was zu tun ist. Und selbst wenn die Sirenen ertönen, wissen viele gar nicht, was das bedeutet. Darum führten Bund und Länder 2020 gemeinsam den bundesweiten Warntag ein. An jedem zweiten Donnerstag im September proben Bund, Länder und Gemeinden das Warnnetz für den Katastrophenfall. Das Ziel ist, der Bevölkerung zu zeigen, welche Warnmöglichkeiten es gibt und sie generell für Warnungen zu sensibilisieren. Dabei werden auch die Sirenen ertönen, zumindest dort, wo sie noch funktionieren. 

Um Sirenen auch gegen Stromausfälle abzusichern, wurde ein spezielles Förderprogramm ins Leben gerufen. Städte und Gemeinden, die ihr Warnnetz mit Sirenen reaktivieren oder neu aufbauen möchten, bekommen dafür Mittel vom Bund zur Verfügung gestellt.  

Cell Broadcasting wird getestet  

In diesem Jahr findet der bundesweite Warntag erst am 8. Dezember statt. Die Bundesregierung testet zum ersten Mal das Cell Broadcasting. Damit können Warnungen direkt auf die Smartphones und klassischen Handys von den Personen geschickt werden, die sich in einem bestimmten Radius um den Gefahrenort befinden. Die Geräte müssen dafür aber kompatibel sein und werden in Zusammenarbeit mit Mobilfunkanbietern und Herstellen mit Updates auf den neuesten Stand gebracht. Du als Nutzerin oder Nutzer solltest dann alle Warnungen per SMS auf dein Telefon bekommen können.

Welche Sirenentöne gibt es?

In unterschiedlichen Städten und Gemeinden werden unterschiedliche Warntöne für unterschiedliche Gefahrenlagen verwendet. Es gibt jedoch zwei Sirenentöne, die bundesweit verbreitet sind.  

  • Der erste Ton warnt vor einer Gefahrenlage. Die Sirene heult in Wellen an- und abschwellend 1 Minute lang.  
  • Der zweite Ton dauert auch 1 Minute und ist durchgehend, also ohne Unterbrechung. Damit wird das Ende der Gefahr signalisiert. Beide Töne gibt es zum Anhören auf der Webseite zum Warntag.  

Es gibt noch einen dritten, sehr geläufigen Ton. Der gilt allerdings nur für Einsatzkräfte der Feuerwehr. Der Ton dauert insgesamt 1 Minute und geht so: 15 Sekunden Dauerton - 7 Sekunden Pause - 15 Sekunden Dauerton - 7 Sekunden Pause – 15 Sekunden Dauerton. Solltest du diese Sirene einmal im Straßenverkehr hören, dann achte besonders auf herannahende Einsatzfahrzeuge und versperre ihnen nicht den Weg. 

Wie verhalte ich mich richtig?  

Hörst du die Sirenen, solltest du Folgendes beachten.  

Wenn du draußen unterwegs bist  

  1. suche Schutz in Gebäuden. Gehe zurück nach Hause, an den Arbeitsplatz, die Schule oder die Uni, falls du gerade in der Nähe bist. Ansonsten suche Schutz im nächsten öffentlichen Gebäude.  
  2. Informiere dich über die Gefahrenlage. Was ist los? Gibt es Handlungsanweisungen? Achte auf Durchsagen im Radio und Fernsehen oder informiere dich über spezielle Warn-Apps wie NINA.  
  3. Telefoniere nur in Notfällen. Brennt es oder braucht jemand medizinische Hilfe, dann wähle ausschließlich die Notrufnummern 112 oder 110. Die Telefonleitungen sollten unbedingt für die Einsatzkräfte freigehalten werden.  

Du befindest dich zum Zeitpunkt des Sirenenalarms drinnen, dann  

  1. bleib drinnen und hole Kinder, Nachbarn oder schutzlose Passanten ins Haus.  
  2. Schließe alle Fenster unter Türen.  
  3. Schalte alle Lüftungen und Klimaanlagen aus.  
  4. Verursache keine Funken und sorge dafür, dass niemand raucht.  

Warte, bis die Gefahr vorüber ist. Du hörst entweder den Entwarnungston der Sirenen oder Durchsagen im Radio, Fernsehen oder über Lautsprecher. 

Welche Warnmöglichkeiten gibt es außer der Sirenen? 

Das MoWaS ist das modulare Warnsystem der Bundesregierung. Daran sind verschiedene Warnmittel angeschlossen. Länder, Städte und Gemeinden können auf diesem Weg ihre Warnungen und Entwarnungen verbreiten. Die Sirenen gehören dazu. In Orten wie beispielsweise Berlin gibt es aktuell keine Sirenen. Dort werden Warnungen und Handlungsanweisungen auf Anzeigentafeln auf Straßen und in öffentlichen Verkehrsmitteln angezeigt. Auch Apps sind an das MoWaS angeschlossen und bekommen – meist standortbasiert - Warnungen und Entwarnungen.  

NINA ist die offizielle Warn-App des Bundes und zeigt dir alle wichtigen Warnungen an. Die App KATWARN liefert zusätzlich Infos für Festivalbesucher über lokale Ereignisse. BIWAPP ist eine Info- und Warnapp für Bürgerinnen und Bürger. Über Radio, Fernsehen und Internet bekommst du außerdem Infos. Das funktioniert weitestgehend nur, wenn du Strom hast oder ein Radio mit Kurbel. Beachte, dass es einige Minuten dauern kann, bis die Rundfunkstationen die Warnung über das MoWaS bekommen haben. Oft wird das laufende Programm unterbrochen, um die Meldung zu verlesen. Radio und Fernsehen melden auch, wenn die Gefahr wieder vorüber ist.  


Bewerte diesen Artikel

 
 
 
 
 
 
10
1
5
4.2