Erste Hilfe bei Hitze – richtig handeln bei Extremtemperaturen
Kreislaufprobleme, Sonnenstich und Hitzschlag: Bei den zunehmend extremen Wetterlagen treten kleine und größere Notfälle vermehrt auf. Wir zeigen dir, wie du im Hochsommer Erste Hilfe leisten und Präventivmaßnahmen ergreifen kannst.
Darum geht's:
Was passiert bei Hitze im Körper?
Wenn es draußen heiß ist, versucht unser Körper, den Temperaturanstieg auszugleichen. Blutgefäße erweitern sich, die Schweißproduktion wird angekurbelt – so versucht der Körper, sich selbst abzukühlen. Ist es zu warm und dauert die Hitze zu lange an, funktioniert dieser Selbstregulierungsmechanismus nicht immer zuverlässig. Wir verlieren durch die Schweißproduktion Flüssigkeit und Salze, der Blutdruck sinkt. Es kann zu Kreislaufproblemen kommen.
Dehydration, also der Flüssigkeitsmangel im Körper, kann noch weitere schwerwiegende Folgen haben – darunter Muskelkrämpfe, Verwirrtheit oder sogar Ohnmacht. Hitzebedingt sterben in Deutschland jährlich mehrere tausend Menschen. Betroffen sind vor allem Ältere und/oder Menschen mit Herz-Kreislauf- sowie Atemwegserkrankungen. Daher ist eine Vorbereitung auf extreme Hitzeperioden ratsam.
Vorbereitung auf längere Hitzeperioden
Durch den Klimawandel erleben wir auch bei uns in Deutschland immer häufiger Hitzewellen mit tropischen Nächten. Im Juni 2026 wurde der bisherige Hitzerekord mit Temperaturen von über 40 Grad Celsius gebrochen. Das macht vor allem denjenigen zu schaffen, die in dicht bebauten Gebieten leben oder gesundheitlich vorbelastet sind. Extreme Hitze, die Tage oder sogar Wochen andauert, ist immer ein Top-Thema in den Nachrichten, wird aber auch von Warn-Apps wie NINA angekündigt. So hast du die Möglichkeit, dich auf Hitzeperioden einzustellen und rechtzeitig Maßnahmen zu treffen.
Hab immer genug Wasser im Haus
Lege dir einen Vorrat mit mehreren Flaschen Trinkwasser an. Das ist vor allem dann wichtig, wenn du bei der Hitze nicht einkaufen gehen kannst oder möchtest.
Halte deine Wohnräume kühl
Überlege, welche Möglichkeiten du bei dir zu Hause umsetzen kannst: Verdunkle vor allem nach Süden gerichtete Fenster mit Rollos, Vorhängen oder speziellen Hitzeschutzfolien. Auf dem Balkon oder der Terrasse helfen Sonnensegel oder Markisen, direkte Sonneneinstrahlung zu reduzieren. Halte die Fenster bei starker Hitze tagsüber geschlossen und lüfte möglichst nur nachts, wenn es kühler ist. Checke, ob Ventilatoren oder mobile Klimageräte einsatzbereit sind, und informiere dich, wie du empfindliche Elektrogeräte vor Überhitzung schützt. Schalte nur die Geräte ein, die du wirklich brauchst, denn jedes Elektrogerät ist eine zusätzliche Wärmequelle.
Bevorrate dich mit gut verträglichen Lebensmitteln
Bei Sommerhitze verzichten wir gerne aufs Kochen. Kaufe schon vor einer Hitzeperiode Lebensmittel ein, die du nicht erhitzen musst, die nicht so schnell schlecht werden und idealerweise leichter verdaulich sind. Dazu gehören zum Beispiel Oliven aus dem Glas, Trockenobst, Nüsse, aber auch Möhren, Paprika und Gurke halten sich für ein paar Tage, solange sie nicht angeschnitten sind.
Plane einen Aufenthalt an kühlen Orten ein
Falls möglich, suche dir einen gut klimatisierten Ort in deiner Nähe wie zum Beispiel ein Einkaufszentrum, Kino, Museum oder die Bibliothek. Dort gönnst du deinem Körper etwas Entspannung
Richtiges Verhalten bei Hitze
Tagelang Temperaturen von über 30 und sogar 40 Grad im Sommer sind in Europa keine Seltenheit mehr. Der Körper ist jetzt schnell überlastet und es drohen Kreislaufprobleme oder sogar ein Hitzschlag. Um dich und deine Mitmenschen davor zu schützen, solltest du bei heißen Temperaturen ein paar Dinge beachten:
Verzichte auf anstrengende Tätigkeiten in der Mittagshitze
Das Umweltbundesamt empfiehlt sogar, im Zeitraum von 11 bis 18 Uhr körperliche Aktivitäten zu vermeiden, denn jetzt ist auch die Ozonbelastung besonders hoch. Verlege Sport oder deine Einkäufe auf die kühleren Morgen- und Abendstunden.
Verschaffe dir kleine Abkühlungen
Ein kühlendes Fußbad, Thermalwasserspray oder Bodylotion aus dem Kühlschrank sind eine Wohltat bei heißen Temperaturen. Kühleres Wasser über die Handgelenke laufen lassen, tut ebenfalls gut. Das Wasser sollte nicht eiskalt sein, auch nicht beim Fußbad oder beim Duschen. Das würde den Kreislauf zu stark belasten.
Bleibt nicht im parkenden Auto sitzen
In einem Auto, das in der Sonne parkt, steigen die Temperaturen im Sommer in kürzester Zeit auf über 70 Grad an. Das ist lebensgefährlich für alle! Parke möglichst im Schatten und bleibe nicht im heißen Auto sitzen. Lass auch niemals Tiere oder Kinder im Auto zurück – auch nicht für nur ein paar Minuten.
Mach einen Medikamenten-Check
Die meisten Medikamente sollen bei Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad gelagert werden. Sie müssen nicht unbedingt in den Kühlschrank – es sei denn, der Beipackzettel sagt etwas anderes. Sprich im Zweifel mit deiner Ärztin oder deinem Arzt und frage in der Apotheke nach.
Biete deine Unterstützung an
Ältere und Menschen mit chronischen Erkrankungen leiden besonders stark unter der Hitze. Häufig können sie während dieser Zeit keine Einkäufe erledigen oder Rezepte für Medikamente besorgen. Biete deine Hilfe an und kaufe für deine Nachbarn oder Bekannte mit ein, besorge ihnen Medikamente oder hole die Post aus dem Briefkasten. Obdachlose leiden ebenfalls stark unter der Hitze und sie freuen sich über eine Flasche Wasser.
Erste Hilfe bei Kreislaufproblemen
Kreislaufprobleme sind lästig, aber bei Hitze nichts Ungewöhnliches. In der Regel sind sie auch nicht gefährlich. Der Kreislauf macht oft dann Probleme, wenn wir zu wenig getrunken haben oder uns zu lange in der direkten Sonne aufhalten. Bei leichten Kreislaufproblemen mit Schwindel, Kopfschmerzen und Unwohlsein sollten Betroffene unbedingt raus aus der Sonne. Droht eine Ohnmacht, sollte die betroffene Person in Schocklage gebracht werden. Das heißt: in Rückenlage mit hochgelegten Füßen (etwa auf Bierkastenhöhe). Jetzt ist es auf jeden Fall wichtig, ausreichend zu trinken – idealerweise Wasser, das nicht zu kalt ist.
Warum sollten Getränke nicht zu kalt sein?
Bei Hitze ist es äußerst verlockend, zu einem eiskalten Getränk zu greifen. Doch tatsächlich solltest du nichts trinken, das zu kalt ist. Getränke mit Zimmertemperatur sind am besten. Ist nämlich der Temperaturunterschied zwischen Körper und Getränk zu groß, muss der Körper diesen wieder ausgleichen und das belastet ihn zusätzlich. Du schwitzt noch mehr und verlierst wieder viel Flüssigkeit. Genau das solltest du jetzt vermeiden.
Was ist der Unterschied zwischen Sonnenstich und Hitzschlag?
Wer zu lange sehr großer Hitze ausgesetzt ist, vor allem an Kopf und Nacken, kann einen Sonnenstich oder sogar einen Hitzschlag bekommen. Durch den Wärmestau speziell im Kopf weiten sich die Gefäße und die Hirnhäute werden belastet. Ein Sonnenstich macht sich bemerkbar durch Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und einen erhöhten Puls.
Dramatischer wird die Situation, wenn sich außerdem ein Hitzschlag (auch Hyperthermiesyndrom genannt) entwickelt. Das kann vor allem nach größerer Anstrengung in zu großer Hitze passieren. Der Körper kann die eigene Temperatur nicht mehr richtig regulieren und kühlt nicht runter. Die Haut wird rot, ist trocken, weil die Schweißproduktion gestört ist und die Körpertemperatur auf über 40 Grad ansteigt. Dazu kommen Schwindel, Verwirrtheit, Herzrasen und Übelkeit. Der Hitzschlag ist lebensgefährlich, darum muss unbedingt Erste Hilfe geleistet werden.
Erste Hilfe bei Sonnenstich und Hitzschlag?
Zunächst einmal ist es wichtig, zwischen Sonnenstich und Hitzschlag zu unterscheiden. Bei letzterem muss sofort der Rettungsdienst unter 112 verständigt werden. Deutlichstes Unterscheidungskriterium ist der starke Temperaturanstieg einhergehend mit einem hochroten Kopf, einer Bewusstseinstrübung, gegebenenfalls Schüttelfrost und einem steifen Nacken. Grundsätzlich gilt aber: Lieber einmal zu viel, als zu wenig den Rettungsdienst rufen.
Die wichtigsten Hilfsmaßnahmen:
- Ist der Rettungsdienst informiert, heißt es jetzt: Raus aus der Sonne! Das gilt auch bei einem Sonnenstich. Hilf der betroffenen Person dabei, an einen kühleren und schattigen Ort zu gelangen.
- Dicke Kleidung und zu enge Kleidung sollte ausgezogen oder zumindest aufgeknöpft werden – sonst fördert sie noch weiter die Überhitzung.
- Kühle die Person ab, aber Achtung! Nimm nur lauwarmes oder maximal leicht kühles Wasser – niemals eiskaltes! Lass das Wasser vorsichtig über den Brustkorb fließen und zwar solange, bis der Rettungsdienst da ist.Auch ein feuchtes, nicht zu kaltes Tuch im Nacken verschafft der betroffenen Person etwas Linderung.