Homeoffice und Kontaktverbot – Herausforderungen und Hilfe

Keine Schule, keine Uni, kein Büro, keine Freunde treffen – stattdessen Homeoffice und immer nur die eigenen vier Wände sehen. Das Corona-Virus zwingt uns, daheim zu bleiben und diese Situation fordert uns allen sehr viel ab. Für manche Menschen wird sie aber zu einem echten Problem, denn Einsamkeit und häusliche Gewalt nehmen in diesen Zeiten weltweit zu.

Darum geht's


So kommt Hilfe doch ins Haus

Ältere und kranke Menschen müssen ganz besonders aufpassen, sich nicht anzustecken.  Das bedeutet, sie dürfen überhaupt keinen Kontakt zu anderen Menschen haben. Damit Essen und Medikamente trotzdem zu ihnen kommen, sind ehrenamtliche Helfer zum Beispiel der Malteser jeden Tag im Einsatz. Der gebotene Mindestabtsand von 1,5 Metern macht die Arbeit nicht gerade leichter. 

Um trotzdem nahe bei den Menschen sein zu können, kommen technische und digitale Hilfsmittel zum Einsatz. Der Telefonbesuchsdienst zum Beispiel hilft alten und kranken Menschen, die Isolation leichter zu ertragen. Die ehrenamtlichen Helfer telefonieren regelmäßig mit den Betroffenen, haben ein offenes Ohr und spenden Trost und Wärme. Dafür sind sie speziell in Gesprächsführung ausgebildet. Die Ehrenamtlichen beim ambulanten Hospizdienst nutzen in diesen Tagen vor allem Videochats, um mit den schwer Erkrankten und ihren Familien im engen Kontakt zu bleiben.

Für die Lieferung von Lebensmitteln und Medikamenten sind die Helfer vom Einkaufsservice da. Es sind vor allem viele junge Malteser, die hierfür im Einsatz sind. Das beugt zum einen Hamsterkäufen vor und zum anderen bekommen gefährdete Menschen alles, was sie zum Leben brauchen, ohne sich der Gefahr einer Infektion aussetzen zu müssen.

Wenn die Bedrohung zu Hause wohnt

Experten hatten es befürchtet und inzwischen wird deutlich: Die häusliche Gewalt nimmt zu. Die Zahlen sind alarmierend und das auf der ganzen Welt. Am häufigsten betroffen sind Frauen, Kinder und Jugendliche. Während der Isolationszeit sind sie der Gewalt voll und ganz ausgesetzt. Hilfe holen ist fast unmöglich. In der chinesischen Stadt Wuhan, in der das Virus zum ersten Mal auftrat, wurden seit der Isolation dreimal mehr Fälle von häuslicher Gewalt gemeldet als davor. Die Dunkelziffer ist vermutlich höher. 

Ähnlich sieht es in Spanien, Frankreich und bei uns in Deutschland aus. Darum hat unsere Bundesfamilienministerin Franziska Giffey mit den Bundesländern Maßnahmen vereinbart. Dazu gehört unter anderem, dass die Hilfetelefone für Frauen und Schwangere weiterhin rund um die Uhr besetzt sind. Wenn Frauenhäuser überfüllt sind, sollen die Behörden in den betroffenen Orten prüfen, ob leerstehende Hotels und Ferienwohnungen genutzt werden können.

Die häusliche Situation ist ähnlich wie an Feiertagen. Alle sind zu Hause, verbringen viel Zeit miteinander, sind schneller genervt. In Familien, in denen es schon länger häusliche Gewalt gibt, eskaliert die Situation nun schneller. Aber auch in vielen anderen Hausgemeinschaften gerät der Haussegen schneller in Schieflage. Denn zu der ständigen Nähe kommt noch mehr dazu: Ängste und Sorgen um die Gesundheit, den Arbeitsplatz und um ältere Familienangehörige, die krank werden könnten oder alleine sind. Es gibt keine Ablenkung, keinen Ausgleich durch Freunde, Arbeitskollegen oder gemeinsame Sportaktivitäten. Darum ist es umso wichtiger, dass wir noch mehr aufeinander achten, mögliche Signale ernst nehmen und notfalls Hilfe holen. Für Betroffene gibt es je nach Situation verschiedene Nummern, die zur Verfügung stehen:

Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" des Familienministeriums: 08000 116 016, jeden Tag 24 Stunden erreichbar

Opfer-Telefon des Weißen Rings: 116 006, täglich von 7 bis 22 Uhr

Nummer gegen Kummer" für Kinder und Jugendliche: 116 111, montags bis samstags von 14 bis 22 Uhr

Nummer gegen Kummer" Elterntelefon: 0800 111 0550, montags bis freitags von 9 bis 11 Uhr, dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr

Telefonseelsorge Deutschland: 0800/111 0 111 · 0800/111 0 222 · 116 123

Bitte schau noch genauer hin!

Gibt es in deinem Haus vielleicht jemanden, der Hilfe braucht? Das können ältere oder kranke Menschen sein, die alleine leben. Klingel doch mal und frag nach, ob sie etwas brauchen. Achte aber darauf, dass du den Mindestabstand von 1,5 Metern einhältst, wenn du mit jemandem sprichst. Anders als bei einsamen Menschen, solltest du bei einem Verdacht auf häusliche Gewalt die Betroffenen nicht direkt ansprechen. Wende dich an das Jugendamt oder die Polizei. Ansprechpartner in deiner Umgebung findest du im Internet. Es ist wichtig, dass du mit jemandem über deinen Verdacht sprichst. Die Experten helfen dir dann, deinen Verdacht einzuschätzen und können alles weitere in die Wege leiten.

Nur gemeinsam können wir es schaffen. Darum sind Hilfsorganisationen wie die Malteser auf deine Unterstützung angewiesen. Mit deiner Spende können die Malteser beispielsweise die Logistikosten für die mobile Einkaufshilfe decken oder die haupt- und ehrenamtlichen Helfer mit ausreichend Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln ausstatten. Hier kannst du Spenden.


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