Erste Hilfe bei Vergiftung: Schnelles Handeln ist gefragt

Bestimmte Pilze, Pflanzen, Chemikalien, Arzneimittel, Lebensmittel oder etwa Drogen können giftig und ihr Konsum lebensgefährlich sein. Doch wie reagierst du, wenn sich jemand vergiftet hat und deine Hilfe braucht? Die wichtigsten Tipps und Regeln für unterschiedliche Giftnotfälle haben wir hier aufgelistet.

Darum geht's:


Schnelle Hilfe: Die Giftinformationszentren

Je nach Substanz und eingenommener Menge reagiert der Körper unterschiedlich auf Giftstoffe. Deshalb ist es wichtig, schnell zu reagieren. Bei lebensgefährlichen Symptomen (wie Bewusstlosigkeit, Kreislaufstillstand, Atemnot) rufst du sofort den Rettungsdienst unter 112 an. Dann leiste Erste Hilfe, bis die Retterinnen und Retter eintreffen.

Wenn es sich um einen Verdachtsfall ohne unmittelbar lebensbedrohliche Symptome handelt, wende dich an eine der Giftnotrufzentralen in Deutschland. Die Expertinnen und Experten stehen dir am Telefon zur Seite und können dir genau sagen, wie du je nach Vergiftung am besten helfen kannst. Falls nötig, informieren sie auch den Rettungsdienst.

Unter diesen Nummern erreichst du die Helferinnen und Helfer der Giftinformationszentren in Deutschland:

Berlin: 030 19240 (Zuständigkeitsbereich: Berlin, Brandenburg)
Bonn: 0228 19240 (Zuständigkeitsbereich: NRW)
Erfurt: 0361 730730 (Zuständigkeitsbereich: Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen)
Freiburg: 0761 19240 (Zuständigkeitsbereich: Baden-Württemberg)
Göttingen: 0551 19240 (Zuständigkeitsbereich: Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein)
Mainz: 06131 19240 (Zuständigkeitsbereich: Rheinland-Pfalz, Hessen und das Saarland)
München: 089 19240 (Zuständigkeitsbereich: Bayern)

Wichtig: Versuch so viele Informationen wie möglich bereitzuhalten: Wer und wie viele haben sich vergiftet? Wo ist es passiert? Wann genau war das? Um welches potenzielle Gift handelt es sich? Wie viel von der Substanz wurde eingenommen? Wie wurde das Gift aufgenommen (eingeatmet, geschluckt, Berührung)? Welche Symptome zeigt der oder die Betreffende?

Was sind Anzeichen für eine Vergiftung?

In bestimmten Situationen ist die Lage klar: Die oder der Betreffende weiß, welche giftige Substanz eingenommen wurde. Oder du hast gesehen, wie beispielsweise ein Kind ein Putzmittel getrunken hat. Auch umliegende Medikamente, Behälter oder Giftreste können für sich sprechen. Aber was ist, wenn du nicht sicher bist, ob du es wirklich mit einem Vergiftungsnotfall zu tun hast? Grundsätzlich gilt: Ruf sicherheitshalber eines der Giftzentren in Deutschland an.

Folgende Symptome sind für eine Vergiftung typisch:

  • Magen-Darm-Probleme wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
  • Anfallartige Schmerzen im Bauch
  • Kopfschmerzen, Schwindelgefühl
  • Unwohlsein, Erregungszustände, Rauschzustände, Schocksymptome
  • Müdigkeit, Bewusstseinstrübung bis hin zur Bewusstlosigkeit
  • Atemprobleme bis zum möglichen Atemstillstand
  • Im Extremfall kann es zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand kommen


Wichtig: Stelle für die Notärztin oder den Notarzt Substanzen sicher, die Aufschluss über das Gift geben können – also beispielsweise Medikamente, Verpackungen, Pflanzenreste, giftige Beeren, ätzende Putzmittel oder Erbrochenes.

Gut zu wissen: Manchmal treten Symptome für eine Vergiftung zeitversetzt auf – erst Stunden später kann es zu ersten Reaktionen kommen.

Diese Erste-Hilfe-Maßnahmen solltest du ergreifen

Als erste Maßnahme vergewissere dich, wie es der oder dem Betroffenen geht. Das heißt: Überprüfe zuerst die Lebenszeichen. Im Falle einer Bewusstlosigkeit bringe die betroffene Person in die stabile Seitenlage und setze einen Notruf ab.

  • Atmet die oder der Betroffene, aber ist nicht richtig ansprechbar, bring sie oder ihn in die stabile Seitenlage und achte darauf, dass die Atemwege frei sind.
  • Atmet der Betreffende nicht, beginne, nachdem der Notarzt informiert wurde, mit der Mund-zu-Mund-Beatmung. Kommt es zudem zu einem Herzkreislaufstillstand beginne eine Herzdruckmassage mit Beatmung.
  • Erbricht die oder der Verunglückte, wende den Kopf der Person zur Seite und halte ihr eine Schale unter den Mund.
  • Muss sich die betroffene Person im Sitzen erbrechen, hilf ihr, den Kopf nach vorne zu beugen, und halte ihr dabei die Stirn mit einer Hand. Halte ihr mit der anderen Hand ein Gefäß dicht unter den Mund.


Wichtig: Weitere Maßnahmen hängen auch davon ab, um was für eine Vergiftung es sich handelt. Besprich dich dazu im Idealfall mit der Giftnotzentrale.

Erste Hilfe bei Vergiftungen über die Atemwege

Liegt eine Vergiftung über die Atemwege vor, achte zuerst auf deine eigene Sicherheit. Kannst du der betroffenen Person helfen, ohne selbst die Substanz einzuatmen? Dann schaffe sie so schnell wie möglich aus dem gefährlichen Bereich, damit sie frische Luft bekommt. Falls dies nicht unmittelbar geht, öffne Fenster und Türen, löse zu enge Kleidung vor allem im Hals- und Brustbereich.

Wichtig: Eines solltest du bei der Ersten Hilfe nie vergessen: Achte auf deine eigene Sicherheit – solltest du dich selbst in Gefahr bringen, ist niemandem damit gedient.

Vorsicht bei Vergiftung durch Kohlendioxid

In Gärkellern, Brunnenschächten, Höhlen, Futtersilos etc. kann sich Kohlendioxid sammeln. Es ist schwerer als Luft, bildet eine regelrechte Wolke, die du nicht sehen und nicht riechen kannst. Fehlt der Sauerstoff komplett, kommt es zum Erstickungstod.

Beachte unbedingt: Findest du eine verunglückte Person an einem solchen Ort, rufe sofort die Notärztin beziehungsweise den Notarzt und unternimm keine eigenen Rettungsversuche. Deine Sicherheit geht vor, ohne Atemschutzgeräte ist die Lage lebensgefährlich.

Erste Hilfe bei Giftaufnahme über die Haut / bei Verätzungen

Hast du mit einer oder einem Verunglückten zu tun, der mit Kontaktgift in Berührung gekommen ist, ist besondere Vorsicht geboten. Wende dich an die Giftnotzentrale. Wenn gefahrlos möglich entkleide die vergiftete Person oder entferne zumindest benetzte Kleidungsstücke. Wasche die betroffenen Hautstellen mit reichlich Wasser 10 bis 15 Minuten ab. Trage dabei Handschuhe.

Wichtig: Wenn die oder der Betreffende mit besonders giftigem Pflanzenschutz- oder Schädlingsbekämpfungsmittel in Berührung gekommen ist, warte auf die Notärztin oder den Notarzt, wenn du keine anderen Hinweise von der Giftrufzentrale erhalten hast. Führe keine Beatmung des Betreffenden durch, du würdest dich selbst in Gefahr bringen.

Erste Hilfe nach Verschlucken giftiger Substanzen

Giftige Pilze und Pflanzen, abgelaufene Medikamente oder sonstige giftige Substanzen können verheerend auf den Körper wirken. Zuerst solltest du möglicherweise vorhandene Giftreste wie zum Beispiel Pflanzenteile aus dem Mund und Rachenraum entfernen. Achte darauf vor allem, wenn Kinder betroffen sind oder die- beziehungsweise derjenige nicht ansprechbar ist. Wenn es möglich ist: Gib der vergifteten Person reichlich Wasser zu trinken.

Erste Hilfe nach Augenkontakt mit giftigen Substanzen

Hilf dem Betreffenden ins Bad oder hol ihm frisches Wasser. Falls vorhanden sollten zuerst Kontaktlinsen entfernt, dann das Auge gründlich gespült werden – für mindestens 10 bis 15 Minuten.

Erste Hilfe nach Bissen von giftigen Tieren

In Europa haben wir es selten mit Vergiftungen durch Tierbisse zu tun. Sollte es dennoch dazu gekommen sein, informiere sofort die Giftnotrufzentrale und lass dich dort beraten. Bis Hilfe eintrifft, desinfiziere die Bissstelle. Kühle sie beziehungsweise decke sie steril ab.

Wichtig: Vermeide sämtliche Manipulationen an der Bissstelle, das heißt: Versuch nicht, das Gift auszusaugen, auszuquetschen oder auszuschneiden. Außer es wurde dir direkt von den Expertinnen und Experten des Giftnotrufs geraten. Bei allergischen Reaktionen wie Schock, Atemnot etc. wende die klassischen Erste-Hilfe-Maßnahmen (siehe oben) an.

Was solltest du nicht tun?

Diese Dinge solltest du bei Vergiftungsopfern nicht tun:

  • Löse auf keinen Fall bewusst Erbrechen aus.
  • Gib der oder dem Betreffenden keine Milch zum Trinken.

Was ist bei Kindern zu beachten?

Kinder haben häufig noch kein Gespür für Gefahren und in einer bestimmten Lebensphase nehmen sie auch viele Gegenstände einfach in den Mund. Wenn Putzmittel und Medikamente nicht kindersicher aufbewahrt werden oder die Kleinen beim Waldspaziergang unbeaufsichtigt sind, können schnell gefährliche Substanzen in ihren Mündern und Mägen landen. Wenn du den Verdacht hast, dass ein Kind eine giftige Substanz geschluckt hat, ruf sofort die Notärztin beziehungsweise den Notarzt oder die Giftnotzentrale an. Folge den Anweisungen der Expertinnen und Experten, unterstützend kannst du die gleichen Maßnahmen wie für Erwachsene ergreifen.

Das kannst du noch tun:

  • Kontrolliere den Mundraum des Kindes und entferne eventuelle Reste von Pflanzen oder dergleichen.
  • Bewahre etwas von der giftigen Substanz oder dem eventuell Erbrochenen für die Notärztin beziehungsweise den Notarzt auf.

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